Beiträge von Bonadea

    Ich war in vielen Agihallen und mich nervt das Dauergekläffe der Hunde am Rand, die eben nicht aushalten können, mehr, als dass des einzelnen Hundes im Parcours. Ganz ehrlich, der Geräuschpegel in den Agihallen ist teilweise extrem und kommt mir Sicherheit nicht von dem einen Hund im Parcours und dem, der sich gerade vorbereitet...

    Richtig. Sehe ich genauso.

    Na, dann solltest du aber auch wissen, dass der Spurlaut, oder auch Standlaut, von Jagdhunden nichts, aber auch gar nichts mit dem hysterischen Gekläffe in Agilityhallen gemeinsam hat. Das überdrehte Gekläffe kann bei Jagdhunden auch vorkommen, ist aber immer(!) höchst unerwünscht. Der Ton macht die Musik!
    Ich finde den Thread höchst interessant - besonders wie extrem hohe Erregungslagen, wie sie ua zum Dauergekläffe führen können, im Kontext des Sports mit "Vorfreude" etikettiert werden, im Kontext des Gassigehens aber "überdrehen" und "hoher Stress" sind, und keineswegs Freude ausdrücken. Dabei geht meistens das vernünftige Mass verloren: Klar kann sich ein Hund auf ein anstehendes Ereignis freuen, wenn er aber dadurch völlig unansprechbar wird und nur mit massivsten Methoden noch kontrollierbar ist, dann wird eine gesunde Grenze überschritten. Dazu passt leider auch die antiquierte Sportsprache, die dann beschönigend gebraucht wird: ist halt triebig, hohe Trieblage, wenn er im Trieb ist.... Meist ist damit nur eine überhöhte Erregungslage gemeint.

    Und bevor alle aufheulen: klar gibt es Rasseunterschiede, und auch innerhalb der Rasse gesprächigere Individuen. Aber Lautäusserungen haben eine grosse Bandbreite, längst nicht jedes Wuff! oder uch ein quietschiger Startlaut ist gleich zu werten wie das Dauergekläffe von Hunden, deren Erregungslage anhaltend über 250 ist.


    Und ich dachte, wir wären mittlerweile an dem Punkt angekommen, wo sich alle einig sind, dass "Dauergekläffe über 250" auch im Agility nicht erwünscht ist und es tatsächlich noch sowas zwischen "gibt keinen Laut von sich" und "kläfft sich hysterisch das Hirn weg" gibt.

    Aber manche pflegen lieber ihre Vorurteile. Würde mich mal interessieren in wie vielen Agilityhallen du tatsächlich schon warst.

    Und ob du nun Trieb oder hohe Erregungslage schreibst - das ist doch Jacke wie Hose und ich habe hier auch nirgendwo etwas anderes gelesen.

    Ich dachte, um genau die Hunde geht's hier? Die Dauerkläffer, die eben nicht ab und zu mal ein "Wuff" von sich geben, sondern wirklich mehr oder weniger konstant bellen/kläffen/kreischen - von Start bis Ziel. (Und davon sehe ich leider einige auf den Turnieren der Umgebung und im Training hier auf dem Platz...)
    Was die Gelegenheits-Beller angeht, bin ich sonst ganz bei dir. :smile:


    Ähm nein ... die meine ich nicht. Ich kenne da zwar tatäschlich ein paar wenige Kandidaten die das machen und bei denen sich das ganze doch manchmal auf sehr schmalen Grad zwischen "noch ok" und "drüber" bewegt. Aber ich sag mal so, die meisten kläffen zwar beim Rennen, aber kreischen jetzt nicht permanent durch?

    Nur zur Definition, wäre der gezeigte Mali für dich einer der "durchschreit" ?

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    Danke für deine langen Antworten erstmal! :smile:
    Zu dem markierten Teil hätte ich allerdings noch eine Frage: Kläffen ist ja für den Hund ein zusätzlicher "Aufwand", d.h. es kostet Energie, der Atemrythmus verändert sich und vermutlich gibt's bzgl. Durchblutung, Muskeln, etc. noch andere Auswirkungen beim Hund. Ich glaube, ich hab' das weiter vorne schon mal angedeutet, aber das wäre für mich z.B. ein rationaler Grund gegen das (Dauer-)Kläffen. Die Kraft und ev. Konzentration kann der Hund - zumindest bei den Sportarten/Beschäftigungen, die wir machen - anderswo deutlich besser gebrauchen.

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    Und weil hier ja schon ein paar Mal Hütehunde bei der Arbeit als Vergleich herangezogen wurden: ich quatsche immer gerne mit dem Schäfer, der hier mit seinen Schafen im Naturschutzgebiet unterwegs und für die Landschaftspflege zuständig ist. Von dem kam irgendwann mal die schöne Bemerkung, dass seine Hunde, sollten sie sich so benehmen wie die "Sporthütehunde", längst arbeitsuntauglich wären - O-Ton, "Die sollen mir sicher die Schafe da abstellen, wo ich sie haben will, nicht den Wald beschallen!" Und da hat man durchaus ähnliche Elemente bei der Arbeit wie beim Agility: hohe Konzentration, hoher "Trieb", plötzliche Spurts, wenn ein Schaf aus der Herde ausbricht, etc. - aber die Hunde sind mit Spaß an der Sache und vor allem leise dabei. Hohe Trieblage und "Freude" muss also nicht unbedingt Kläffen bedeuten... Das nur so als Anstoß.


    Klar, da hast du schon recht. Aber ist ja nicht so, dass die beim Rennen wirklich "dauerkläffen", oft gibt es so kurze Momente wo dann mal im Lauf ein Kläffer kommt, aber nicht permanent durch. Kenne ich zumindest kaum welche, die das machen. Denke das Problem ist einfach, das man das nicht komplett abstellen kann, selbst wenn man es wollte.

    Agility ist ja auch einfach weit entfernt vom Hüten ... :) Und sicherlich auch nicht miteinander zu vergleichen. Denke der Unterschied ist, die haben da halt einen ganz anderen Fokus und natürlich ist das Hüteverhalten auch genetisch programmiert.

    Ich möchte da auch niemanden zu nahe treten - aber gerade wenn auch der Hundeführer *neu* im Agisport ist und jetzt noch nicht so viel Plan hat, kann das natürlich ganz deutlich zum Stresslevel des Hundes beitragen.

    Nehmen wir mal einen anders gepolten Hund: der bellt nicht, der dreht sich im Kreis. Ist das dann auch noch ok und es spricht nichts dagegen?Die Ursache ist mMn die selbe. Das ist absolut nichts, was ich für meinen Hund forcieren wollen würde.


    Hat sich überschnitten, aber denke mein letzter Beitrag passt auch hierzu.

    Ich will es verstehen. Ich will verstehen warum im Agi bellen "gut" ist und z.T. gefördert wird und bei anderen Sportarten bellen verpönt ist.
    Und lassen dann die "bellenden Agi-Hunde" immer ihre Freude/Überforderung/Stress/Motivation/Ehrgeiz in bellen aus oder nur auf dem Platz bzw. Turnier?

    Die Frage ist nicht böse gemeint oder über deinen Kopf weg.


    Erstmal ist das so, dass Agility ein extrem schneller Sport ist. Sehr viel Bewegung, sehr viele Reize - und häufig auch mit Beute als Belohnung. Etwas, was die Trieblage generell pusht. Viele Hunde nutzen das Kläffen als Ventil sozusagen.

    Kläffen ist nicht zwangsläufig gut und die wenigsten Sportler WOLLEN laute Hunde ;-)
    Hast du einen Hund, der viel denkt oder insgesammt gehemmt ist, dann kann es tatsächlich förderlich sein ihn durch kläffen und andere Verhaltensweisen aus der Reserve zu locken und ihn in eine "bessere Stimmung" zu versetzen. Das macht man natürlich nicht bei Hunden, die eh schon auf 180 sind, sobald sie einen Parcours sehen.

    Die meisten Agilityhunde, die ich kenne, die leben als ganz normale Familienhunde im Haushalt. Die kläffen nicht mehr oder weniger als ein Ottonormalhund. Die meisten gehen 1-2 in der Woche zum Training und am Wochenende geht es aufs Turnier.

    Jetzt muss man halt einfach schauen WIESO und WANN so ein Hund kläfft. Es gibt in der Regel ja bestimmte Trigger dafür. Bei sehr vielen Hunden ist es der Bewegungsreiz, die Erwartung auf den fliegenden Ball, rennen - weil, das habe ich weiter vorne gepostet - dieses Verhalten oft selbstbelohnend ist.
    Je empfänglicher ein Hund auf Reize reagiert und je triebiger er ist, umso schlechter kann er mit der Situation angemessen umgehen - das schlägt in Frust um, führt zur Hysterie, wildem Kläffen, Tackern, Drehen.
    Dieser Zustand ist selbstverständlich NICHT gesund und NICHT gewünscht - nicht im Sport, und auch nicht anderswo. Diesen Zustand kann man aber vermeiden, in dem Hunde von Anfang an lernen mit Reizen umzugehen und gewünschtes Verhalten zu zeigen und ihre Energie in entsprechenden Bahnen zu kanalisieren. Im Prinzip sprechen wir hier von Triebkontrolle - und dazu habe ich die ganzen Videos gepostet, - die zeigen, wie es geht.
    Ein Hund, der trotz hoher Trieblage imstande ist mit Reizen umzugehen, der hat keinen Grund für Stress, kann aber trotzdem mit seinem dopamingesteuertem Hirn eine Menge Spaß haben.

    Und ja, auch Hunde die unter guter Triebkontrolle stehen, können laut sein - was für mich persönlich absolut okay ist.

    Weil es 1.mich nerven würde und 2.mich keiner überzeugen kann, dass das für den Hund toll is, so zu überdrehen. ;) Ich würde in jedem Fall ruhige Konzentration bevorzugen.


    1. Ist ein Argument. Dann ist der Sport nix für dich.

    2. Nein überdrehen ist nicht toll. Es ist dann nicht toll, wenn der Hund Frust schiebt und aus Verzweiflung kläfft. Kläfft er in einem Rahmen, in dem Konzentration und Kooperation möglich ist, gibt es keinen rationalen Grund GEGEN das Kläffen, außer der genannte Punkt, dass es "nervt".