Auch Tierärzte sind nur Menschen. Keine Götter, niemand der alles richtig macht, aber eben auch keine gefühllosen Monster, die nur Profit im Kopf haben - aber gerade in großen Betrieben ist das Verhältnis zum Patient einfach distanzierter. Das kommt einmal durch den größeren Zulauf in Kliniken - also durch ein viel größeres Patientenaufkommen - und gleichzeitig eben auch dadurch, dass man viele Patienten nur einmal und dann nie wieder zu Gesicht bekommt. Hier kann also oft gar kein solches Verhältnis, wie zu einem Haustierarzt entstehen. "Eine Nummer zu sein" muss aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Viele Abläufe und OPs sind so routiniert in einer Klinik (eben durch die Masse und Erfahrung der durchgeführten Eingriffe), dass das Tier hier oft sehr gut aufgehoben ist und tatsächlich medizinisch optimal versorgt wird - auch wenn die Besitzerkommunikation und Abwicklung insgesamt etwas "fließbandmäßig" anmutet.
Eine Klinik funktioniert komplett anders, als eine Haustierarztpraxis. Hinzu kommt die immense Erwartungshaltung der Tierbesitzer, die eben immer wieder wechselt. Die einen wollen es "nur" günstig, die anderen möglichst "weichgespült und mit Händchenhalten", die anderen sind eher "ganze Kerle" und wieder andere erzählen dir erstmal die komplette Lebensgeschichte, auch wenn die null relevant ist ... also muss man sich immer wieder an jeden Tierhalter neu anpassen, um deren Wünschen "gerecht" zu werden.
Empathie ist für mich übrigens eine der wichtigsten Eigenschaften eines Tierarztes, das bedeutet für mich auch nicht unbedingt, dass man nur "eititei" macht. Empathie bedeutet "Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen" - ich fühle also für Patient und Besitzer und es ist mein Job, zwischen Fachkompetenz und vernünftiger Aufklärung auch dafür zu sorgen, dass sich der Besitzer gut aufgehoben fühlt, dass ich seine Sorgen und Ängste wahrnehme und ihm dies auch signalisiere (auch wenn sie für meinen medizinischen Background total unbegründet sind und ich ja ungefähr 90 mal am Tag höre, wie sehr sich jemand vor Narkose xy fürchtet, und dass GENAU DIESE RASSE ja ein Problem mit Narkose generell hat etc. pp.). Als Tierarzt kann ich das Risiko einschätzen, ein Besitzer oft nicht. Trotzdem muss ich seine Sorgen ernstnehmen.
Wenn ich zu einem Humanarzt gehe, möchte ich auch, dass mich jemand vernünftig untersucht und sich meine Sorgen anhört (und diese im besten Fall zerstreut, oder mich beruhigt).
Lange Rede, kurzer Sinn: wenn du bei einem Arzt oder einer Klinik ein wirklich schlechtes Bauchgefühl hast, dann suche lieber nochmal weiter oder geh in eine andere Klinik oder Praxis. Eine gewisse Basis sollte da sein. Denn wenn dann - aus welchem Grund auch immer - doch mal irgendwas schiefgehen sollte, dann wirst du dir 1000mal mehr Vorwürfe machen, als wenn du NICHT auf dein Bauchgefühl gehört hast.
Zu den negativen Bewertungen ... ich würde darauf wirklich nicht viel geben. Die, die eine Bewertung schreiben sind ja ohnehin schon oft Leute, die wegen irgendwas nicht zufrieden waren - von den vielen zufriedenen Kunden liest man selten was. Die bringen nämlich eher Blumen und Pralinen und Bilder vorbei ;-)
Wo gearbeitet wird, fallen auch Späne. Egal wo, es wird immer irgendwen geben, der meckert oder der unzufrieden war. Leider kann man bei diesen Bewertungen sich nicht die andere Seite anhören. Zu den meisten "Horror-Geschichten" gibt es auch noch "Gegenversionen".
Versuch dich nicht ganz so verrückt zu machen! Suche dir jemanden, wo du dich ernstgenommen fühlst und ich bin mir sicher, dass alles gut gehen wird. LG!