Beiträge von Bonadea

    Also wenn man jetzt Bildgebung macht, würde ich auf jeden Fall MRT machen. Mit einem gutem MRT sollte man - falls ein Tumor für die Symptome verantwortlich ist - auf jeden Fall etwas sehen können. Tumore müssen auch im Hirn eine gewisse Größe erreichen, damit sie so ein heftiges neurologisches Bild machen und reichern gut mit Kontrastmittel an.

    Wir legen mit Diazepam und Propofol ab und verlängern mit Gas (Isofluran). Die Hunde stehen im Durchschnitt 30-40 Minuten später wieder.

    Eine große Bauch-OP mit Niere ex ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, als ein MRT, was ja praktisch absolut non invasiv ist und auch mit ganz anderer Narkose gefahren wird. Das massive Jaulen nach der OP kommt ja doch meist eher durch spezielle Prämedikation wie z.B. L-Methadon zustande.

    Natürlich ist Narkose ein Risiko. Keine Frage.

    Aber zu verlieren hat man in diesem Fall wohl nichts, wenn Euthanasie bereits so konkret im Raum steht.

    Aber im Endeffekt ist es eure Entscheidung und die eurer Ärzte.

    Bauchspeicheldrüse und Vergiftung würde ich hier komplett ausschließen.

    Natürlich ist eine Nieren schlechter als zwei - aber deshalb jetzt prinzipiell gar keine Narkose mehr zu machen halte ich für übertrieben, sofern die Nierenwerte gut sind. Aber natürlich muss man immer alles andere auch mit einbeziehen und darüber kann ich aus der Ferne sicher nicht urteilen.

    Röntgen/Ultraschall von Lunge und Bauch könnte einem zeigen, ob bereits woanders Metastasen vorliegen. Ist das der Fall, ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass auch was ins Gehirn bzw. ZNS gestreut hat ziemlich hoch und weitere Bildgebung (CT/MRT) hätte sich erübrigt.

    Das CT/MRT hat vermutlich keine Konsequenz für die Therapie (wenn ein Tumor gefunden wird), weshalb man natürlich berechtigt fragen kann, wieso man es dann machen sollte ... in erster Linie wäre es eben erstmal Diagnostik, damit man weiß, womit man es zutun oder eben nicht zutun hat.

    Tumor -> weiterer Therapieversuch eher nicht zielführend

    Blutung/Infarkt -> vorsichtige Prognose, aber vielleicht einen Versuch wert

    gar kein Befund -> nochmal infektiöse Sachen testen und ggf. nochmal intensiver behandeln


    Natürlich immer abhängig vom Allgemeinzustand des Hundes.

    Ich habe jetzt nur den ersten Beitrag gelesen und bin hier, weil ich markiert wurde.

    Bei der Vorgeschichte würde ich ehrlich gesagt auch ganz klar Richtung Lymphomverdacht unterwegs sein. Ein Lymphom ist ja selten "lokal" begrenzt und leider sehr bösartig.

    Wenn die Nierenwerte gut sind, dann stünde für mich ganz klar ein CT (Kopf, Hals, Plexus brachialis), besser aber noch ein MRT vom Kopf auf dem Plan. Wenn das ohne Befund ist, dann Liquor-Untersuchung.

    Vorher würde es natürlich Sinn machen ein komplettes Blutbild anzufordern, inkl. CRP und Zeckenkrankheiten, ggf. Toxoplasmose/Neosporose (aber wohl eher unwahrscheinlich).

    Blutdruck mal messen und nochmal Röntgen Lunge mehrere Ebenen und Abdomenschall, um zu gucken, ob sich im Bauch seit der OP irgendwas verändert hat. Alle penibel checken und bei Veränderungen punktieren!


    Aber im Endeffekt kann man über ein Forum natürlich keine Diagnosen stellen, wovon ich mich hier auch klar distanzieren möchte. Das oben genannte wäre jetzt nur mein diagnostisches Vorgehen anhand des Vorberichtes.

    Ich wünsche euch alles Gute!

    Ahhh.

    Nee, also mit aktiv sein meinte ich eher normale Tätigkeiten, wie am Wochenende mal 2-3 Stunden wandern gehen.

    Oder Hund zum Joggen mitnehmen.

    Kein Hochleistungssport.

    Es gibt ja auch Leute, die wirklich mit ihren Brachycephalen aktiv sein wollen und dann erschüttert sind, wenn der Hund halt sofort schlapp macht.

    Ist das dann das andere extrem zu denen die meinen sie brauchen einen Mali um ein bisschen joggen zu gehen?

    Wie meinst du das genau?

    Ich glaub, ich versteh die Frage grad nicht so richtig.

    Ich denke einfach, sehr viele Leute kaufen sich uninformiert Hunde. Bei den Brachys ist es einfach doppelt schlimm, weil zu dem Wesen halt auch noch der große gesundheitliche Aspekt kommt (den die Leute meistens nicht auf dem Schirm haben!).

    Bulldoggs, Frenchies, Möpse - die sind ja total in und aktuell Modehunde. In unserem Einzugsgebiet sozusagen der "neue Labrador". Und bei den Besitzern ist von ... ich sag mal "sozial schwach" über "schicki-Micki-Göre", "normaler Familienhund" zu "Insta-Hipster" wirklich alles dabei.

    Da kann man jetzt keine einfache Schublade aufmachen.


    Das denke ich auch.

    Es gibt ja auch Leute, die wirklich mit ihren Brachycephalen aktiv sein wollen und dann erschüttert sind, wenn der Hund halt sofort schlapp macht. Das wäre ziemlich kurz gedacht, die alle über einen Kamm zu scheren und anzunehmen, dass die alle nur ein gesteigertes Pflegebedürfnis ausleben wollen.

    Dabei ist es ja in den meisten Fällen eher anders rum - man glaubt und hofft halt, dass man die "sportliche, super fitte Bulldogge" erwischt - und denkt dann halt, man hat "Pech gehabt" wenn es nicht klappt, obwohl in Wahrheit die Rasse einfach weit über dem Durchschnitt kaputt ist.

    Ich denke die Optik ist einfach nach wie vor der entscheidende Punkt, der die Leute anzieht. Und klar, da spielt ne Menge Egoismus mit rein, weil man für die Optik eben einiges in Kauf nimmt. Aber viele sind da auch einfach viel zu naiv und viel zu unbedarft.

    Bonadea

    Meine aufrichtige Bewunderung dafür, dass du diesen Hunden so gut hilfst, wie es eben möglich bist und dabei auch noch beherrscht bleibst, gegenüber den Haltern. Chapeau!

    Hier im städtischen Gebiet gibt es sehr viele dieser Hunde und im Wartezimmer der TK sind über 90% Hunde dieser Rassen im Wartezimmer.

    Kann mir das nicht ansehen, tut zu weh, warte draußen und weiche bei den Runden aus.

    Du hast meinen größten Respekt.

    Danke!

    Wobei ich dafür keinen Respekt oder Bewunderung haben will. Und wenn man ehrlich ist, kann man diesen Hunden ja auch nicht wirklich helfen. Man betreibt halt Schadensbegrenzung so gut es geht. Und das ist etwas, was auch als Tierarzt einfach richtig unbefriedigend ist.

    Noch so ein Irrglaube - viele Besitzer glauben mit einer OP wäre alles gut und der Hund kann ein normales Leben führen.

    By the way ist es ja nicht so, dass die Besitzer ihre Hunde nicht lieben oder sich keine Sorgen machen - und genau das ist für mich irgendwie das größte Paradoxon an der ganzen Misere. Würde man diesen 'genetischen Müll' einfach nicht mehr züchten, könnte man viel Leid bei Hund und Halter vermeiden.

    Meiner Erfahrung nach, informieren sich die allermeisten Leute immer noch viel zu wenig.

    Oder sie lesen eben nur das, was ihre eigene Meinung bekräftigt.

    Irgendwo haben die meisten zwar schon mal was von den Problemen mit den kurzen Nasen gehört, aber sich trotzdem nicht wirklich tiefergehend mit der Materie beschäftigt. Stattdessen glauben sie den gut klingenden Versprechen der Verkäufer, dass sie ein "freiatmendes" Tier kaufen - was im Welpenalter ja relativ häufig sogar noch einigermaßen zutrifft.

    Kommen dann die ersten Probleme - dann wird in erster Linie auf den Züchter/Vermehrer geschimpft und das Einsehen, dass man SELBER für das produzierte Leid verantwortlich ist, diese Einsicht kommt halt sehr spät bis gar nicht. Nein, man wurde vom bösem Züchter betrogen und belogen.

    Generell setzt zusätzlich eine Betriebsblindheit ein - man gewöhnt sich an Atmung und Geräuschkulisse und empfindet es eben als "normal" und wenn sogar in Rassebeschreibungen steht, das Grunzen, Schnarchen und Kotzen einfach "Charaktersache" ist, dann ist das halt so. Man wollte ja auch genau so einen "Charakterkopf" haben. Hinzu kommt, dass die Hunde an ihren Zustand ja derart gewöhnt und "adaptiert" sind, dass sie halt auch nicht wie ein Häufchen Elend nur in der Ecke sitzen. Das bekräftigt dann natürlich wieder die Rasseliebhaber, dass das ja alles gar nicht so schlimm ist, dem Hund gehts ja schließlich gut (naja er kotzt halt wenn er sich aufregt und beim Fressen, schnarcht viel, kann im Sommer halt nur in den Abendstunden raus und nach drei Sprints muss er sich platt auf den Bauch legen ... aber was ist er für ein süßes Kerlchen! Das macht dem ja gar nichts!)

    Da wird selten hinterfragt. Oft werden sogar Hunde, die ich schon vor Betreten des Behandlungszimmer höre, von ihren Besitzern stolz als freiatmend betitelt.

    Erst vor ein paar Tagen hatte ich einen Mops auf dem Tisch, der hat dermaßen laut nach Luft gezogen, mit der übelsten Bauchatmung, die ich seit längerem gesehen habe und die Besitzerin wollte mir ernsthaft weis machen, sie würde mit dem 30km im Harz wandern! Es tut mit leid, aber sowas kann ich dann auch einfach nicht mehr ernstnehmen.

    Nach wie vor informieren sich die Leute einfach nicht oder nur selektiv. Hinzu kommt, dass diese Hunde in der Öffentlichkeit immer noch ein gut aufgestelltes Image haben und in der Außenwirkung einfach zu "instagrammable" sind.

    Und ich betone hier nochmal - das sind keine Einzelfälle oder "Montagshunde".


    Bonadea

    Darf ich das Video meiner Tante zeigen/schicken wenn das Thema wieder aufkommt und sie wieder mal der Meinung ist das es "so schlimm ja nicht ist"? Die sanfte Tour mit Aufklärung hab ich längst versucht, die stößt aber auf taube Ohren.

    (Sie hat keinen Hund, aber spielt eben ab und zu mit dem Gedanken und wenn sollte es so ein Hund werden... trotz allem was ich ihr schon erzählt/verlinkt hab)

    Kannst du machen.

    Ich nehm das Video in ein paar Tagen allerdings wieder raus. Falls du das brauchst, schreib mir nochmal.