Beiträge von Dreamy

    Ganz ehrlich, das ist ein für Pudel sehr typisches Verhalten. Hat meiner als junger Hund auch oft gezeigt. Tut er heute immer noch, aber deutlich seltener und nur bei bestimmten Artgenossen (und in ganz seltenen Momenten auch bei Menschen).

    Ich hatte nie das Gefühl, da eingreifen zu müssen, ehrlich gesagt. Habe meine Hündin da, sofern ich den anderen Hund kannte bzw. wusste, dass es für alle Beteiligten ok war, einfach machen lassen. Nach einer kurzen, unterwürfigen Begrüßung hat sie immer sehr fix auf "normal" umgeschaltet, darum habe ich da nie gegengesteuert. Sie ist sehr sozial und kann gegenüber anderen Hunden auch sehr deutlich werden, wenn ihr was nicht passt.
    Denke, das ist zum Teil auch einfach eine Eigenheit der Rasse, wie z.B. auch das "Grinsen", das vermehrt auch nur bei bestimmten Rassen (Pudel, Dalmatiner...) beobachtet wird.

    @Maerzkind

    Nicht, dass das mit der Sensibilität falsch aufgefasst wird - damit ist nicht gemeint, dass der Hund ängstlich, schüchtern, verschlossen, nervös o.ä. ist, ganz und gar nicht. Mit sensibel meine ich in erster Linie, dass der Hund sensitiv auf Stimmungen und Launen seines Menschen reagiert. Ein Beispiel: Meine Hündin mäkelt hin und wieder beim Fressen (was übrigens nicht pudeluntypisch ist). Und sie hat dann auch die Eigenheit, ein Stückchen, das ich ihr gebe, zehn Mal in die Schnauze zu nehmen, es wieder auszuspucken (natürlich auf den Teppich), umständlich daran rumzulecken usw. Da reagiere ich dann manchmal, aber mehr innerlich, genervt. Und sie merkt das sofort und macht dann ganz dicht, zeigt keinerlei Interesse mehr am Futter, sondern zeigt sehr unterwürfiges Verhalten und versucht, mich wieder positiv zu stimmen, indem sie sich vorsichtig auf die Hinterbeine stellt und langsam an mir hochkrabbelt. Wenn ich dann lache, sie streichle und ihr ganz klar vermittel, dass alles gut ist, dann ist die Welt für sie auch sofort wieder in Ordnung. Auch wenn ich traurig bin, kommt sie und legt sich ganz dicht an mich. Und als ich einmal extreme Halsschmerzen hatte, hat sie sich abends im Bett wie ein halber Donut um meinen Hals gekringelt und befand sich am nächsten Morgen noch in der exakt gleichen (für sie unbequemen) Position. Hat sie weder vorher noch danach je wieder gemacht, sie muss meine Beschwerden also ganz klar gespürt haben.

    Lebendigkeit wäre bei ihr übrigens kein Problem. Je mehr los ist, umso besser. Für sie wäre es dann schwierig, wenn der Umgang eher ruppig oder die Person eher ungeduldig wäre, harsch auftreten würde etc. Eigenwilligkeit ist beim durchschnittlichen Pudel echt in Anführungszeichen zu sehen. Sie haben keinen will to please bis zur Selbstaufgabe, im Sinne von "Oh, darf ich mich noch ein 25. Mal für dich hinsetzen?". Aber sie arbeiten gern und begeistert, so lange eine Sache ihnen Spaß bereitet und sind wirklich gut zu einem alltagstauglichen Gehorsam zu erziehen. Wie gesagt, kein Kadavergehorsam, aber von der Dickköpfigkeit z.B. einer Bulldogge oder eines Dackels sind sie weit entfernt.

    @pauline31

    Ja, wenn das Wort sensibel fällt, hake ich auch immer noch mal nach. Oft kommt dann raus, dass der Hund Angst vor Geräuschen, Gegenständen, Menschen etc. hat. Tatsächlich hat beides aber eigentlich nichts miteinander zu tun. Vielleicht trifft das Wort Feinfühligkeit ganz gut, was ich meine.

    Die Frage ist immer wo fängt wesensfest an und wo hört es auf. Grad dieses "empfindsame" sehe und höre ich öfter bei den kleinen Pudelvarianten. Ob das zu einem alten Jagdgebrauchshund passt? Der Grad von empfindsam und sensibel zu schüchtern und ängstlich ist klein.

    Also das würde ich so nun überhaupt nicht unterschreiben. Sensibilität und Ängstlichkeit sind zwei paar Schuhe. Ein sensibler Hund kann problemlos offen und neugierig sein, sogar forsch. Aber das ist, mein Eindruck, generell ein Streitthema unter Pudelhaltern. Der Pudel sollte aus meiner Sicht ein angenehmer Begleithund bleiben und dabei weder ein Hund mit dem Gemüt einer Bulldogge noch ein "Mali light" mit starkem Jagd- und Schutztrieb sein. Gibt ohne Frage Vertreter, die letzterem entsprechen - für mich ist das aber definitiv nichts, was in der Zucht gefördert werden sollte.

    @pauline31

    Darum schrieb ich ja "häufig". ;) Bei jeder Rassebeschreibung geht es darum, Tendenzen innerhalb einer Rasse zu identifizieren, was aber nicht heißt, dass jeder Rassevertreter so sein muss. Und pudeltypisch ist nach meiner Erfahrung ein eher sensibleres Gemüt, was nicht mit Ängstlichkeit, Zurückhaltung o.ä. gleichzusetzen ist.

    Meine Hündin ist sehr interessiert an Kleinwild (Kaninchen, Mäuse etc.), reagiert aber vor allem auf Bewegungsreize und geht da durchaus hinterher, wenn sie kann. Allerdings entfernt sie sich nie weit (dreht in der Regel nach spätestens 20-30 m wieder ab), tötet nicht und ist auch meist, nicht immer, aus dem Lauf abrufbar (das liegt aber an meiner eigenen Faulheit, mit mehr Training wäre da auch mehr drin). Vögel werden von ihr ignoriert, Katzen (nach einer einzigen für sie schmerzhaften Begegung) mittlerweile auch. Alles in allem aus meiner Sicht absolut entspannt und angenehm. Draußen läuft sie fast durchgehend ohne Leine, mit Ausnahme von viel befahrenen Straßen. Persönlich kenne ich auch keinen Pudel, dessen Jagdtrieb nur schwer bis gar nicht kontrollierbar ist. Das sollte auch nicht das Zuchtziel eines solchen Begleit- und Familienhundes sein.

    Sie hat Temperament, ist gerne aktiv und sehr lernfreudig, überdreht dabei aber niemals und kann auch ohne Probleme wieder in den Ruhemodus umschalten. Der Pudel ist ein Allrounder - die Tür zum Hundesport steht einem also grundsätzlich offen, ist aber kein Muss. Bzgl. Kläffen gibt es bei Pudeln wohl solche und solche, meine bellt wenn es hoch kommt alle paar Tage mal, ist von einem Kläffer also weit entfernt. Jegliche Entwicklung in diese Richtung habe ich von Anfang an unterbunden. Da würde ich mir im Vorfeld die Elterntiere genau anschauen, leider gibt es auch in der Pudelzucht durchaus wesensschwache, aufbrausende und zu Nervosität neigende Hunde. Nach meiner Erfahrung aber nicht in dem Ausmaß wie bei vielen anderen beliebten Rassen, bspw. diverse Hüte- und Kleinhunde.

    Ansonsten ist sie sehr, sehr anhänglich und dabei stark auf mich fixiert, andere Menschen interessieren sie nicht sonderlich. Sie hat ein sehr gutes Sozialverhalten, fängt niemals Streit an und ist eine absolute Frohnatur. Ich liebe an ihr auch, dass sie sehr fein kommuniziert und weit entfernt ist von jeder Grobmotorik. Laut zu werden ist bei ihr nur sehr selten nötig, es reicht ein ernster Blick oder eine andere Betonung. Sie achtet sehr auf mich, dadurch ist sie in allen Situationen sehr gut lenk- und führbar. Auf Außenreize wie Lärm, plötzlich vorbeirasendes Autos etc., reagiert sie absolut gelassen, ist auch null geräuschempfindlich und geht an Silvester um Mitternacht freiwillig vor die Tür. Sie tut gerne etwas für mich und mit mir, hätte auf 10 x hintereinander Platz aber (verständlicherweise) keine Lust. Sie geht gerne mit mir wandern, kann aber genauso gut ein paar Tage auf der Couch faulenzen. Die Fellpflege ist nicht schwierig, wenn man sich erst einmal entsprechend eingearbeitet hat, der Aufwand hält sich bei relativ kurz geschorenem Haar in Grenzen. Dass sie keinerlei Haare verliert und auch nicht riecht, ist da sozusagen das i-Tüpfelchen.

    Insgesamt für mich der perfekte Begleiter. Für mich zeichnet sich die Rasse vor allem durch ihre starke Anpassungsfähigkeit, ihre Leichtführbarkeit und ihr angenehmes, unaufdringliches Wesen aus, das es erlaubt, den Pudel überall mithin nehmen zu können. Allerdings muss man als Mensch auch geeignet für das häufig sensible und empfindsame Wesen dieser Hunde sein. Meine Hündin reagiert relativ empfindlich auf Druck und macht dann schnell ganz zu oder sinkt wie ein Häufchen Elend in sich zusammen. Damit muss man grundsätzlich umgehen können. Menschen, die bei einem Hund ein eher robustes und unerschüttliches Gemüt schätzen, sind mit einem Pudel möglicherweise weniger gut bedient.

    Ich find ehrlich gesagt in punkto Haaren jeden Kurzhaarhund um einiges schlimmer als Langhaar. Die kurzen Haare pieksen sich nämlich so richtig fest überall rein und sind auch nach 100 Mal saugen nicht völlig wegzukriegen. Und ich weiß, wovon ich rede, in meinem Kofferraum wurden u.a. schon ein Ridgeback und ein Pointer transportiert, da finde ich heute, nach mehreren Jahren (!), noch Haare drin. Wirklich unschön, da lob ich mir meinen Pudel oder auch meinen Malteser. Die haar(t)en nämlich beide null. Gerade, wenn man den Hund öfters ins Büro mit nimmt, ist das extrem angenehm.