Meine Hündin ist sehr interessiert an Kleinwild (Kaninchen, Mäuse etc.), reagiert aber vor allem auf Bewegungsreize und geht da durchaus hinterher, wenn sie kann. Allerdings entfernt sie sich nie weit (dreht in der Regel nach spätestens 20-30 m wieder ab), tötet nicht und ist auch meist, nicht immer, aus dem Lauf abrufbar (das liegt aber an meiner eigenen Faulheit, mit mehr Training wäre da auch mehr drin). Vögel werden von ihr ignoriert, Katzen (nach einer einzigen für sie schmerzhaften Begegung) mittlerweile auch. Alles in allem aus meiner Sicht absolut entspannt und angenehm. Draußen läuft sie fast durchgehend ohne Leine, mit Ausnahme von viel befahrenen Straßen. Persönlich kenne ich auch keinen Pudel, dessen Jagdtrieb nur schwer bis gar nicht kontrollierbar ist. Das sollte auch nicht das Zuchtziel eines solchen Begleit- und Familienhundes sein.
Sie hat Temperament, ist gerne aktiv und sehr lernfreudig, überdreht dabei aber niemals und kann auch ohne Probleme wieder in den Ruhemodus umschalten. Der Pudel ist ein Allrounder - die Tür zum Hundesport steht einem also grundsätzlich offen, ist aber kein Muss. Bzgl. Kläffen gibt es bei Pudeln wohl solche und solche, meine bellt wenn es hoch kommt alle paar Tage mal, ist von einem Kläffer also weit entfernt. Jegliche Entwicklung in diese Richtung habe ich von Anfang an unterbunden. Da würde ich mir im Vorfeld die Elterntiere genau anschauen, leider gibt es auch in der Pudelzucht durchaus wesensschwache, aufbrausende und zu Nervosität neigende Hunde. Nach meiner Erfahrung aber nicht in dem Ausmaß wie bei vielen anderen beliebten Rassen, bspw. diverse Hüte- und Kleinhunde.
Ansonsten ist sie sehr, sehr anhänglich und dabei stark auf mich fixiert, andere Menschen interessieren sie nicht sonderlich. Sie hat ein sehr gutes Sozialverhalten, fängt niemals Streit an und ist eine absolute Frohnatur. Ich liebe an ihr auch, dass sie sehr fein kommuniziert und weit entfernt ist von jeder Grobmotorik. Laut zu werden ist bei ihr nur sehr selten nötig, es reicht ein ernster Blick oder eine andere Betonung. Sie achtet sehr auf mich, dadurch ist sie in allen Situationen sehr gut lenk- und führbar. Auf Außenreize wie Lärm, plötzlich vorbeirasendes Autos etc., reagiert sie absolut gelassen, ist auch null geräuschempfindlich und geht an Silvester um Mitternacht freiwillig vor die Tür. Sie tut gerne etwas für mich und mit mir, hätte auf 10 x hintereinander Platz aber (verständlicherweise) keine Lust. Sie geht gerne mit mir wandern, kann aber genauso gut ein paar Tage auf der Couch faulenzen. Die Fellpflege ist nicht schwierig, wenn man sich erst einmal entsprechend eingearbeitet hat, der Aufwand hält sich bei relativ kurz geschorenem Haar in Grenzen. Dass sie keinerlei Haare verliert und auch nicht riecht, ist da sozusagen das i-Tüpfelchen.
Insgesamt für mich der perfekte Begleiter. Für mich zeichnet sich die Rasse vor allem durch ihre starke Anpassungsfähigkeit, ihre Leichtführbarkeit und ihr angenehmes, unaufdringliches Wesen aus, das es erlaubt, den Pudel überall mithin nehmen zu können. Allerdings muss man als Mensch auch geeignet für das häufig sensible und empfindsame Wesen dieser Hunde sein. Meine Hündin reagiert relativ empfindlich auf Druck und macht dann schnell ganz zu oder sinkt wie ein Häufchen Elend in sich zusammen. Damit muss man grundsätzlich umgehen können. Menschen, die bei einem Hund ein eher robustes und unerschüttliches Gemüt schätzen, sind mit einem Pudel möglicherweise weniger gut bedient.