Wow, hier sind die Gemüter aber ganz schön hochgekocht. Und es wird ganz schön pauschal und schnell geurteilt.
Ich überlege:
Wir haben hier einen Hund in einem Cafe. Dieses Cafe hat zweierlei Gästekategorien.
- die einen, für die der Hundekontakt evtl. eine Freude, eine Bereicherung ist, die ihnen in ihrer Situation vielleicht sogar ein wenig mehr bringt als anderen.
- die anderen, die der Hund nervt
Dann haben wir den Hund selbst im Cafe
- eigentlich toll, super Möglichkeit viele Menschen kenen zu lernen, die es nett mit ihm meinen
- der Gäste, die ihn nicht mögen, nicht nerven soll.
1. Möglichkeit
Ich verbiete dem Hund grundsätzlich alle Kontakte mit Gästen, zitiere ihn auf den Platz und fertig.
Pro: es gibt auf keinen Fall irgendeinen Ärger
Kontra: dem Hund entgeht eine Möglichkeit, manche Gäste werden es "gspinnert" finden
2. Möglichkeit
Ich erlaube dem Hund grundsätzlich alle Kontakte mit Gästen
Pro: Hund hat Unterhaltung, einige Gäste auch
Kontra: es kann mächtig Ärger geben, weil sich manche Gäste belästigt fühlen, vielleicht gar nicht mehr kommen.
3. Möglichkeit
Ich erlaube dem Hund Kontakte mit Gästen, die dies auch wünschen. Das wäre für alle toll: Für Hund, für Gäste und für Dich. Also, wie bekomme ich alles unter einen Hut? Das ist die Frage.
Ich würde es so machen: auf dem Thresen eine Leckerlie-Schale mit Trofu hinstellen. Mit dieser Schale kannst Du auch Deine Bedingungen freundlich formulieren. Ob beim Kommen oder Gehen, Gäste, die es wünschen dürfen füttern, aber bitte nicht am Tisch. Bitte dieses Futter und nichts anderes, weil es dem Hund einfach nicht gut tut. Erzähl halt ne Geschichte: Bauchweh, Durchfall--was weiß ich, denk Dir was Schönes aus...
Gerade bei HIVlern wirst Du denke ich, schon auf Verständnis treffen, da sie ja selbst auf ihre Gesundheit sehr achten müssen.
Warum ich glaube, dass es so funktioniert. Hund wird lernen auf die Leckerlie-Schale zu achten und ob da jemand was rausnimmt. Wer da was rausnimmt, den lernt er einzuordnen: "Freund". Wer sich da nichts rausnimmt, ist passé. Erinnere Dich an viele Zoos. Dort wird es genauso gemacht. Der Mensch will füttern und was Gutes tun. Der Zoo stellt die geeigneten Nahrungsmittel dafür, verbittet sich aber anderweitige Fütterung. Das kennt man, das akzeptiert man.
Insgesamt zu der Streunergeschichte. Wie heißt es so schön. Ein Welpe erkundet die Umwelt. Das tut er. Aber nicht auf einmal: "Wums, die ganze Welt", sondern er erweitert den Radius. Wie bei einem Baum die Jahresringe. Erst die Wurfkiste, dann der Welpenauslauf, dann das Haus, den Garten, usw. usw. Er entwickelt sich einfach weiter und merkt: "hoppala, die Erde ist ja gar keine Scheibe, die hinter dem Gartenzaun aufhört. Da gibt es ja noch viel, viel mehr spannende Dinge zu erleben". Damit musst Du rechnen und ihn absichern.
Und verlass Dich nicht auf sein Verhalten, darauf, dass Kommandos sitzen. Er ist ein Jungspund und hat Flausen im Kopf. Ist doch ganz einfach zu verstehen, dass es spannendere Dinge als Kommandos gibt - die werden einfach ausgeblendet. Er muss erst lernen, dass die auch für ihn so wichtig werden wie sie es für Dich sind.
Das ist wie bei einem Kind, das Du das ein Millionste Mal dran erinnern musst den Fahrradhelm aufzusetzen. Du weißt um die Wichtigkeit - das Kind nicht. Bei dem kannst Du aber noch erklären. Mal angenommen Du könntest es nicht. Es würde Dir nichts anderes übrig bleiben als so lange zu wiederholen bis es lernt: Radeln ohne Helm gibt es niemals / nicht. Und so funktioniert das auch beim Hund........