Beiträge von lotuselise

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    Aus heutiger Sicht denke ich einfach, man sollte sich vor dem Kauf darauf einstellen, das nicht alles einfach flutscht und es eben auch zu Situationen kommen kann, die etwas mehr an Arbeit und Nerven kosten. Das ist ja nicht schlimm, im Gegenteil. Man kann daraus lernen, was ich als sehr wertvoll ansehe..
    Aber Hundehaltung ist eben nicht immer die nette rosa Welt, in der sich alle lieb haben, in der es nie zu Problemen kommt, in der ein HH niemals verzweifelt, usw.

    Voraussetzung ist doch, dass man sich eine gewisse "Offenheit" behält und zumindest die Möglichkeit nicht außer Acht lässt, dass ein Hund Eigenschaften jenseits der Rassebeschreibungen zeigt.

    Er ist eben nunmal kein Auto mit zugesicherten Eigenschaften wie agil, wendig, sparsam im Verbrauch, einfach in der Wartung und Pflege etc. Also bleibt die Forderung stehen in die Mensch / Hund - Beziehung zu investieren. Und daran scheiterts bei manchen: sie sehen die Investition nicht als lohnenswert an.

    Letztendlich ist es doch egal, ob ich den Partner vor die Türe setze, weil er den Zahnpastadeckel nicht zudreht oder den Hund weil er bellt. Hey, dann kauf ich halt die Zahnpasta mit dem Klappdeckel und arbeite an dem Bellproblem. Wer sein Leben allgemein so lebt, dass er eher dazu neigt die Flinte gleich ins Korn zu werfen, für den ist ein Hund auch nicht das Richtige.

    Das soll jetzt kein Vorwurf an die Jüngeren hier sein, aber die Gründe, wieso eine Beziehung plötzlich nicht mehr passt - die sind manchmal so lappert, dass man mit den Ohren schlackert. Nun ja, die Auswahl ist groß, probiert man halt das Nächste. Nur, genau das geht bei einem Hund eben nicht und das muss man erstmal kapieren.

    Glaub mir, es gibt dazu noch eine Steigerung - wenn genau diese Leutz bei uns im Urlaub oder ihrem Zweitwohnsitz aufkreuzen.

    All das, was ihnen "daheim" ned passt - wird erwartet, dass es das hier anders ist.

    Joah, wir erkennen "unsere" Touris schon von weitem, auch die Hundler. Als erstes fällt mal auf, dass sie sich an die Leinenpflicht halten. Es gibt hier so Gebiete, da sind das für uns eher Dekoschildchen. Macht nix, es gibt keine Knöllchenverteiler, nur einen Förster, der einen ab und an zutextet.

    Dann gehste da lang mit freilaufendem Hund, der neben dem Weg in der Wiese rumschnuppert und Dir kommt einer entgegen: "Hier ist doch Leinenpflicht, leinen Sie Ihren Hund an". "Es" macht den Mund auf und Du denkst nur "na bravo". Je nachdem wie "freundlich" die Aufforderung ausfällt, denkt man LMAA oder erklärt warum wieso. Meistens klickt dann nach ner Weile der andere Karabiner auch auf, die Hunde erkunden gemeinsam die besten Schnüffelstellen. Oder man erwischt nen Paragraphenreiter - auweia.

    Das gleiche Spiel in der Fußgängerzone. Bei uns genial weil es dort drei Brunnen gibt. Hund springt auf die Mauer und trinkt. Spricht mich jemand in Outdooroutfit an, dass dies ekelig wäre, wenn mein Hund dort säuft. Schließlich wolle man sich doch dort drin die Hände waschen. Ich denk so bei mir "na wer weiß wo Du Deine Bratzen überall gehabt hast", beschränke mich aber auf ein freundliches: "Der Bua, der da oben aus dem Brunnen trinkt, ist mein Sohn (geht super, drei Löcher zuhalten, dann spritzt das vierte weiter hoch und man kann trinken). Waschen´s halt Ihre Hände dort oben, da ist das Wasser frisch: es ist Trinkwasser. Die Augen treibts ungläubig fast aus den Höhlen.

    Dann haben wir noch ne nette Neubausiedlung. Ich weiß die Preise dort und die waren :fear: Es sind viele Familien mit Kindern eingezogen. Jeder hat seinen Garten abgezäunt, in jedem steht n Spielgerät - es ist eng. Vor dieser Reihe ist ein ziemlich breiter, unbebauter Streifen neben einem Rad / Fußweg. Es gibt so einen Kreis aus HH - wenn ich um 18:00 Uhr gehe, dann treffe ich mindestens vier, fünf andere Hunde samt Halter. In dieser Wiese wird getobt und gefetzt. Zwei Rüden sind dabei, die liegen auf dem Rücken nebeneinander und bellen. Mit Argusaugen wird von den Balkonen der besagten Häuser beobachtet. Einen Freak gibt es dort: laut ihm dürfen die Hunde dort nicht rein, weil dort seine Kinder spielen. Nach der Frage, warum er eigentlich seinen Zaun so doof und weit hinten gesetzt hat, wenn ihm doch das riesige Grundstück auch noch gehört, ist Ruhe. Er glotzt bloß noch.

    Etwas weiter hinten versetzt ist ein Spielplatz. Dort müssen wir vorbei. Ich weiß nicht, welcher Schlaubischlumpf-Planer sich das ausgedacht hat, dass der mitten zwischen zwei Radwegen liegt. Seh ich kleine Kinder dort, geh ich außenrum. Auch hier am Ende an der Ecke ein Brunnen. Das Wasser kommt aus einem Findling oben. Frau Hund liebt es dort raufzuhüpfen und zu trinken, wenn es heiß ist. Also brav die Kinderschutzzone auf dem Gehweg umrundet in Richtung Brunnen. Quatscht mich so ein kleiner Pimpf an, gerade mal in nem Alter, wo man nen geraden Satz rausbringt: "Der darf da aba nich Kacka hinmachen". Ich konnt echt nix sagen, dacht mir: "sag mal, was hast Du für A***locheltern. In dem Alter war es mir und meinen Kids völlig Hupe was vorne in nen Hund rein geht und hinten rauskommt, wir waren alle einfach nur tierverrückt und streichelwütig.

    Trotzdem ist es hier alles in allem wirklich nett mit Hund und Haltern. Es passt wirklich super.

    Auch unsere Bauern, die eine Zeit lang wirklich krätzig waren, haben sich eingekriegt. Es wird gegrüßt und nicht mehr gemeckert. Vor einiger Zeit sah uns einer, machte ne Kehrtwende mit dem Traktor, düste auf uns zu. Springt von dem Ding, startet auf uns zu mit grimmigem Gesicht: "Jetzt will ich aber Eure Tüten sehen", der Tonfall so in etwa "Hände hoch, oder ich schieße". Zahlreiche Tüten in rot und grün aus den Taschen kamen zum Vorschein. "Das wollt ich nur wissen, dann passt es ja", sprachs, grinste, stieg auf den Traktor und fuhr wieder weg.

    Es gibt einige so nette Begebenheiten - da könnt ich noch viel schreiben.

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    Hm, mich schreckt diese Schwarzmalerei nicht ab, sondern ich denk mir dann, dass alle übertreiben und es schon nicht so heavy sein wird. Würde man mir hingegen sagen: Es ist verdammt toll einen Hund zu halten, aber manchmal, da kommt man wirklich an seine Grenzen wäre das was völlig anderes.
    Und ehrlich, als nicht-Hundehalter kann man überhaupt nicht einschätzen wie es mit Hund sein wird, das ist immer irgendwie ein Sprung ins kalte Wasser, auch wenn man schon einen Familienhund hatte.
    Und ich würde ohne einen Hund freiwillig nicht stundenlang im Wald herumlatschen, warum auch? Ohne Hund säße ich den ganzen Tag faul in der Bude rum und würde stunden im Internet oder vorm TV verbringen. Und weil ich genau das nicht wollte, wollte ich einen Hund haben.
    Hier wird wieder viel zu sehr das Idealbild eines Hundehalters gefordert, den selben Fehler machen auch die Tierheime, die Kandidaten ablehnen in der Hoffnung, dass irgendwann nochmal die reiche Hausfrau mit Pädagogik-Diplom vorbeikommt und den hässlichsten, ältesten und schwierigsten Hund des Heimes mit Handkuss und ner saftigen Spende aufnimmt.
    Realität ist nunmal was anderes und nein ich habe keine tollen Nerven, bin auf der Arbeit schnell überfordert und bin nicht täglich ausgelichen und schon gar nicht konsequent - trotzdem kann ich Hunde halten und werde sie halten und ich behaupte mal, dass ich das gar nicht so übel hinkriege, auch wenn ich bei Stress schnell am Limit bin.

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es eben genau nicht darauf ankommt perfekt zu sein. Am Wichtigsten finde ich einfach, dass man sich bewusst ist, dass ein Hund ein Hobby ist, aus dem man nicht so einfach aussteigenn kann wie aus anderen.

    Klar macht jeder Fehler und fällt auf die Nase. Find ich auch nicht schlimm, solange man dazu steht. Gehört dazu - woher sollten denn sonst die Erfahrungen kommen?? Es gibt nirgends ein 100% perfekt vorbereitet. Manchmal rennt man eben gepflegt an die Wand - so what?

    Schwierig finde ich ganz besonders den Druck von außen. Hier hat eine Userin geschrieben: alleinerziehend, Job, drei Kinder, drei Hunde, Pferde - und sie packt es. Ohne anmaßend sein zu wollen: es klingt nach Einöde mehr oder weniger am A*** der Welt. Da gibt es kein "mein Hund kläfft am Zaun, auf dem Balkon oder wie trage ich das Brackl vom 6. Stock ins EG ohne Aufzug". Je enger es zugeht, desto schwieriger wird es.

    Und ich glaube auch, dass man sich früher genauso viele oder wenig Gedanken vor der Hundeanschaffung gemacht hat. Aber es war insgesamt einfacher einen Hund zu halten.

    Oder anders ausgedrückt: in Ballungsgebieten, wo sich die Leute eh schon gegenseitig auf den Sack gehen, da ist der Hund ein gerne gesehenes Feindbild. Das hat sich geändert. Mehr nicht.


    Und an den Worst-Case darf man ruhig mal denken, in Zeiten wo jeder ne Lebensversicherung, ne Haftpflicht, nen Bausparer, ne Brandversicherung, ne Hausrat, ne Kasko und ne Pflegeversicherung hat....

    Birgit und Mäusezahn
    in meinem Kopf hat sich gerade ein Wort ganz breit gemacht: Problemlösungsstrategien :D
    http://de.wikipedia.org/wiki/Probleml%C3%B6sen

    Auch sehr interessant dazu:
    http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/enzykl…z_09_Schaub.pdf

    Denn irgendwie müssen wir ja auch die "Tut-Nixe" erklären ;) :headbash: :D :hilfe:

    Humor finde ich auch noch super wichtig um in der Hundehaltung zu überleben.
    Madam Hund schmeißt sich Vollgas in ein übelriechendes Irgendwas. Ich rufe sie. Nun ja, nur einmal noch, dann komm ich schon!!! Dann kommt da ein Hundchen angedackelt, dass erstmal beschwichtigt, in den Vorsitz geht - und gleich anschließend hat sie ein fettes Grinsen im Hundegesicht von einem Ohr zum anderen:

    "Ich weiß, das war jetzt Mist und ich darf das eigentlich nicht aber genau dieser geniale "Duft"* war die kleine Sünde wert. Du bist doch nicht böse, oder??"
    (* = mördermäßiger Gestank, dass mir fast die Luft wegbleibt.)

    Sie ist und bleibt eben meine kleine Mistgurke

    Hihi, auf das hab ich gewartet. :gut:
    Ich meinte genau nicht das "Traumteam", das sich fast blind versteht.

    Eher so eine vollkommene Abhängigkeit, die fast in die Richtung: "Frauchen, darf ich jetzt atmen oder gefällt es Dir gerade nicht?" geht.

    Eine Bekannte von mir hat so einen Hund. Ist ein Mischling. Der muss mit aufs Klo, weil "Oh Gott, mein Frauli". Ist aber nicht so, dass er nicht alleine bleiben könnte. Kann er, aber nur in ihrer Wohnung. Ist der Hund woanders, würde er glatt als Dekofigur durchgehen. Er sitzt wie eine Statue, ist nicht ansprechbar und starrt zur Türe, bis sie wieder kommt. Er geht nicht in den Garten, wenn sie nicht mit raus geht.
    Selbst mein Männe hat gesagt: "den möchte ich nicht geschenkt haben, er ist wie ne Klette".

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    LuckyLotta hat geschrieben:Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Menschen die einen Hund besitzen allen anderen Menschen nicht zutrauen einem Hund gerecht zu werden. Ich mache mir schon lange Gedanken über genau diese Dinge und werde, je mehr ich hier so herum lese, immer unsicherer. Es scheint offenbar nur möglich einem Hund gerecht zu werden, wenn man 15 Jahre Lebensplanung im voraus machen kann, man nicht zu alt ist (wehe man stirbt vor dem Hund), keine Arbeit hat (immer jemand zu Hause, der sich kümmert) und viel Geld für den Lebensunterhalt des Hundes ausgeben kann. Äh, soll ich ehrlich sein? Dann werde ich sicher nie einen Hund haben dürfen und sicherlich gibt es auch genug Menschen die einen besitzen und diese Kriterien nicht alle erfüllen.

    lotta:
    Nein, so ist es nicht gemeint. Es geht um die Einstellung:
    Sobald irgendwas knapp wird, sei es Geld oder Zeit, haben beide Einschränkungen: Hund und Mensch.
    Das muss man haben wollen.
    Das Problem fängt dann an, wenn der Mensch meint, es geht nur nach ihm und seiner Linie und der Hund muss zurückstecken oder fällt gar in die Kategorie des unnützen Fressers.

    Wenns bei Dir am Ende des Monats Nudeln mit Tomatensoße und für den Hund Nudeln mit ner Dose Aldifutter gibt..... dann geht die Welt nicht unter - ist halt so. Wenn Du aber drüber nachdenkst, dass es für Dich für ein Schnitzel gereicht hätte, wenn dieser Hund nicht da wäre - dann läuft was falsch.
    Das ist auf viele Bereiche übertragbar.

    Mal ganz in die Gegenrichtung gefragt:
    kennt Ihr auch Hunde, die Euch selbst einfach zu langweilig wären?
    Entweder, weil Ihr sie als Trantüten empfindet oder das Bestreben Herrchen / Frauchen alles nur Recht zu machen Euch fast abartig vorkommt??

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    Wir hatten ja nicht annaehernd 16 Jahre lang Zeit. Ich glaube, die Zeit davor, ist egal. Ob 1 Jahr, 7 Jahre oder 16 Jahre, es ist schlimm!
    Ich glaube aber, dass z.B. 16 Jahre auf lange Sicht hin 'besser' sind. Bitte versteht mich nicht falsch! Es ist niemals leicht! Aber nach 16 Jahren ueberwiegen irgendwann die schoenen Erinnerungen, einfach weil es viele schoene Jahre gab.
    Bei uns waren es keine 5 Jahre und ueber 50% dieser Zeit war sie schwerkrank. Und zumindest mir faellt es schwer, mich an ihre ersten 2 Jahre, in denen es ihr einfach nur gut ging, zu erinnern.

    Hi Kathrin,
    ich kann gut verstehen, dass Du so denkst. Ich war heute auf Deiner FB-Seite :roll:
    Es ist schade, dass man nicht einfach mal zwei Schritte zur Seite gehen kann und wie ein Außenstehender betrachten kann: es gibt die Fotos - es gibt Deine Kommentare dazu.
    Alles, was man da sieht und liest - Ihr beide hattet etwas ganz Besonderes.
    Klingt vielleicht blöd, ist noch blöder zu beschreiben oder auszudrücken, was ich meine.
    Vielleicht gibt es hier noch jemanden, der meinen Eindruck teilt.