Ein Pferd wird aber nicht die Mühe honorieren, die der Reiter sich gibt, für´s Pferd zählt nur, was für es selber unterm Strich dabei rauskommt.
Egal, wieviel Mühe ein Reiter sich gibt, wenn es dem Pferd unangenehm ist, zeigt es das, wenn es auch nur ein bisschen eigene Persönlichkeit besitzt.
Und genau das ist der Knackpunkt des Reitens! Das Pferd honoriert nicht die Mühe, die sich der Reiter gibt. Dafür zeigt uns das Pferd ganz deutlich wie es sich fühlt, was es gut findet und was es weniger gut findet. Erst wenn wir lernen unseren Pferden zuzuhören können wir auch lernen sie richtig zu reiten.
In der letzten Reitstunde hatte ich ein tolles Erlebnis. Die Stute die ich reite kenn ich nun schon zehn Jahre lang und fast so lange reite ich sie auch. Oft ohne Unterricht und phasenweise auch mit. Mittlerweile habe ich eine wunderbare Reitlehrerin gefunden, die mir beibringt zuzuhören und zu fühlen.
Mal ein kleines Beispiel: Die Stute die ich reite hat große Probleme die Balance zu halten und fällt dann schnell in unkontrolliertes Rennen. Sie möchte damit niemandem was böses und gib sich große Mühe. Und zwar ging es darum - Wie kann ich meiner Stute heute, genau jetzt in diesem Moment helfen, die Balance besser zu halten, sodass sie nicht rennen muss und sich nach und nach entspannen kann? Wir haben ausprobiert! Richtig Leichttraben mit Belastung im äußeren Bügel, falsches Leichttraben mit Belastung im äußeren Bügel, sowie richtiges und falsches Leichttraben mit der Belastung jeweils im inneren Bügel, auch richtiges und falsches Leichttraben mit der Belastung in beide Bügeln. Ich konnte je nachdem deutlich spüren wie sie nach innen fällt, wie sie unruhiger wurde oder wie sie sich aus der Anlehnung gehoben hat. Ja, sie wurde regelrecht maulig weil ihr die ein oder andere Variante super unangenehm war. Ich konnte aber auch unverzüglich deutlich erkennen was ihrgerade am besten geholfen hat und am angenehmsten war und entsprechen reagieren.
Was ich damit sagen will? Man darf nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Es ist wahnsinnig wichtig zu lernen das Pferd zu fühlen! Dabei ist es ganz normal, dass das Pferd mal anders reagiert als man das möchte oder erwartet, dass es den Kopf hochnimmt oder mit der Hinterhand im Nirvana herum latscht weil der Motor plötzlich ausgeht. Morgen kann das Pferd wieder ganz anders aufgelegt sein und möchte vll. die größere Belastung im inneren und nicht mehr im äußeren Bügel haben. Es dauert lange bis man das erfühlen kann und bis dahin darf man ausprobieren und sich vom Pferd zeigen lassen was richtig und falsch ist.
Und manchmal provoziert man ganz bewusst solche Situationen um zu lernen :) Also Kopf hoch! Man kann immer etwas positives für sich daraus ziehen :) Und lass dich von dem Buckeln nicht verrückt machen. Oft werden Pferde mit ihren kleinen Hüpfern Verspannungen los und es war alles halb so wild und gar nicht böse gemeint. Haben wir ab und auch mal. Kommt einfach mal vor.