Beiträge von McChris

    Ich habe drei verschiedene TÄ. Grundsätzlich ist hier im Umfeld die Auswahl nicht gross und die nächste TK weit.

    Praxis Nr. 1 ist schlicht und ergreifend die nächstliegende und nur 6 km entfernt. Das ist meine "Katzen-Praxis" für die Dorfkatzen, weil die allein schon durch die Fahrerei gestresst sind. Fachlich ok bis gut, menschlich eher so naja. Aber ich will die ja nicht heiraten. Da gehen die Wildlinge, die ich per Lebendfalle fange, zum Kastrieren hin und ich bekomme dort auch Spot-Ons für die Wildlinge, die sich nicht anfassen lassen, wenns um Parasiten und z. B. Ohrmilbenbefall geht.

    Praxis Nr. 2 ist mein Rinder-TA, der auch eine Kleintier-Praxis hat. Fachlich einer dieser typischen pragmatischen Land-TÄ, wenn man da mehr an Diagnostik will, muss man schon den Mund aufmachen. Und auch sonst muss man fragen, fragen, fragen, von sich aus kommt da nicht viel. Er sagt aber auch, dass es den grössten Teil der Tierhalter gar nicht so sehr interessiert, was er dem Tier warum spritzt. Dieser TA betreut auch Kleinkram bei den HSH, vieles davon hier am Hof, weil er aus einem Land kommt, wo der Herdenschutz normal ist und er deshalb weiss, dass man die Herde ungern ungeschützt lässt. In einem wirklichen Notfall ist er 24/7 erreichbar, unabhängig von der Notdienstgruppe Rind und Kleintier. Ich bin da im Großen und Ganzen sehr zufrieden, nur mag ich es nicht, dass er tendenziell unnötig grob zu den Tieren wird, wenn er im Zeitdruck ist.

    Praxis 3 ist eine ehemalige TK, die den Klinikstatus nicht aufrecht erhalten konnte. Da ist das erweiterte Equipment vorhanden, eine gute Mischung aus jüngeren und älteren TÄ, da schätze ich die Fachkompetenz und auch das Menschliche sehr. Ich bin da mit den HSH hervorragend aufgehoben, weil es da mehrere TÄ gibt, die das Prinzip Kooperationssignal kennen und wir somit den HSH einen möglichst entspannten TA-Besuch möglich machen können. Dort lasse ich alles an OPs machen, was anfällt, oder kompliziertere Erkrankungen behandeln, es gibt rasch Termine, ich bekomme ungefragt einen Kostenvoranschlag, Behandlungsoptionen und Nachsorgeempfehlungen. Der einzige Nachteil ist die lange Anfahrt dorthin.

    Nach 28 Seiten weiss ich immer noch nicht, "wie man einem größeren "Rudel" gerecht wird". Ich finde, dass die Diskussion ganz schön um den heissen Brei rumschleicht.

    Ich hab Jugend-forscht-mäßig gestern mal auf die Uhr geschaut. Meine drei (Kangals im Herdenschutz) haben jeder etwa 30 Minuten absolute Individual-Zeit am Tag mit mir, also ich und dieser eine Hund. Das ist nicht zwangsläufig "am Stück", sondern kann sich auch z. B. in 3 x 10 Minuten aufteilen.

    Da passieren so Dinge wie Bürsten, Gesundheitscheck (bei einem Hundetyp, der sich sehr spät erst anmerken lässt, dass was nicht stimmt, immens wichtig, deshalb ja: täglich), persönliche Ansprache, individuelles Knuddeln, Erziehung/Ausbildung.

    Da ist sowas wie Futterzubereitung, Füttern, Ansprache/Knuddeln im Verband, Bewegung (im Winterbetrieb, im Sommer sind sie ja mit den Rindern auf der Weide), Hilfestellung bei Aussenreiz-Bewertung, Pflege der Hunde-Infrastruktur im Offenstall der Rinder und all sowas noch überhaupt nicht dabei. Da kommt also noch Einiges an Zeit hinzu. Dafür entfallen reine Gassi-Gänge bei Draussenhunden.

    Im Winterbetrieb ist die Versorgung von 5 Rindern, 3 HSH und 1 Kater im Grunde eine Vollzeit-Stelle. Im Sommerbetrieb gibts haltungsbedingt deutlich mehr Zeitpuffer für Unvorhergesehenes.

    Als ich mit Herdenschutzhunden angefangen habe, war das ein 24/7-Job - über einen langen Zeitraum. Jetzt sind die drei seit Langem hervorragend aufeinander eingespielt. Dennoch braucht es eine gewisse Präsenz meinerseits, damit diese eigenständigen Hunde mich als ihren Hirten ansehen, ich weisungsbefugt bleibe und wir in Sachen Herdenschutz als Team zusammen arbeiten und uns blind aufeinander verlassen können, wenns brenzlig wird.

    Ich bräuchte allmählich Nachwuchs. Einfach aufgrund der Tatsache, dass die Mc`s nicht mehr ewig einsetzbar sein werden, ich gern die erfahrenen, hervorragenden Hunde als Helfer bei der Ausbildung des Nachwuchses hätte und irgendwann der Wolfsdruck so gross sein wird, dass es eben einfach mehr HSH sein müssen.

    Aber ich weiss auch, dass das hart werden wird, so vielen Hunden gerecht zu werden.

    Vielleicht müsste man das Pferd mal von hinten aufzäumen und die Frage stellen: wieviel ureigene Zeit vom Menschen braucht denn ein Tier?

    Es gibt ja auch sowas wie Betreuungsschlüssel, da werden ja genau solche Gedankengänge hinter stecken.

    Klar gibt es Dinge, bei denen es völlig egal ist, ob da jetzt 2 oder 7 Hunde sind oder 2 oder 8 Katzen oder 2 oder 12 Rinder.

    Aber andere Dinge potenzieren den Zeitverbrauch dafür pro einzelnem Tier.

    Eins allerdings bleibt immer gleich: wir Menschen haben allesamt maximal 24 h pro Tag an Zeit zur Verfügung. Eine gewisse Grenze in der Summe an gehaltenen Tieren muss es da fast zwangsläufig geben.