Moin,
ich noch einmal, wenn ich mich so an unseren Diego erinnere - als er zu uns kam, "sprach" er kein Wort - Sprache hatte für ihn absolut keine Bedeutung, wir haben ganz viel mit Sichtzeichen gearbeitet. Sichtzeichen und Wort dazu - nun gehe ich davon aus, dass Dein Hund, nach eineinhalb Jahren schon weiß, was die Worte bedeuten, die Ihr sprecht.
Aber - es hat bei Diego ohne Ablenkung draußen ein gutes Jahr gedauert, bis er seine Ohren mal in meine Richtung drehte.... wenn ich ein Kommando gegeben hab. Und beinahe ein weiteres Jahr bis er dann auf das Kommando draußen auch hörte, kam dann ein Vopgel, Kanin, Reh, anderer Hund vorbei, was auch immer - durfte auch ein Rennradfahrer sein, dann war es mit der Ansprechbarkeit sofort aus.....
Das war nicht einfach, ohne Leine hieß immer gleich, drei Stunden auf Achse, dann waren alle Katzen in der Umgebung auf den Bäumen, alle Hühner ermattet im Stall, sämtliche Leut`s aufgeschreckt, denn Straßen sind zum Überqueren da..... und da ich das nicht wollte, war Spazierengehen ohne Leine einfach nicht drin. Er sprang auch stets volles Pfund in die Halsung, wenn er etwas sah, das er haben wollte, kein Pardon - kein "negreifen" das macht eh keinen Sinn..... entspanntes Spazierengehen gab es in den ersten vier Jahren mit ihm kaum. Er ging auch über alles drüber, das kleiner als 1,20 mtr. war, also Begrenzungen wir Zäune oder Mauern waren keine. Es war anstrengend.
Auf dem Hundeplatz allerdings hatte ich einen so folgsamen Hund, das mich alle beneideten. Meine drei Trainer konnten nichts tun, der letzte sagte dann eines Tages "wissen Sie was, wir müssen uns damit abfinden, das es einfach Hunde gibt, bei denen nichts hilft, außer Zeit, Ruhe und Geduld. Leben Sie Alltag, leinen sie ihn an, lasten sie ihn geistig aus und warten sie geduldig ab. Ich kann nichts mehr tun."
Ich würde mit ihm viel in wildarmen Gegenden gehen, notfalls eben auch durch Straßen (bei uns gibt`s immer Grünstreifen) wo es kaum oder kein Wild gibt. Vögel sind natürlich schwierig, weil es die überall gibt und sie wenig Furcht (Distanz) vor Hunden haben. Vollblutjäger aus dem Tierschutz sind nicht unbedingt die allerführigsten Jagdhunde, wären sie führbar - säßen sie vermutlich nicht im Tierschutz, sondern hätten ein zu Hause.
JET halte ich für eine Idee, wie gesagt, mit meinem Lucas mache ich das auch so - aus Gefühl - ohne Anleitung, da ich meinen Malik (mein Althund) jagdlioch geführt und auch ausgebildet habe und einiges an intuitivem Wissen umsetze - was bei Lucas gut funzt. Ich erkenne an seiner Körpersprache, was er mir sagen will und kann darauf reagieren, ich sehe an der Schnelligkeit der Bewegung seiner Rute, wie frisch eine Fährte ist und kann entsprechend reagieren.
Und ja, entspannte Spaziergänge im Wald sind hier beinahe unmöglich.... in Schweden ging es gut, es gibt da erstaunlich wenig Wild - bzw. hat dieses eine sehr große Fluchtdistanz und zieht schon mal ab, wenn wir noch weit entfernt sind, so dass Lucas es kaum zu Gesicht bekam. Da sind wir ohne Leine gelaufen - das Gute bei ihm ist, das er Angst hat, mich zu verlieren und dadurch ein Durchbrennen (wie bei Diego in den ersten Jahren) nicht vorkommt, aber Rückruf klappt auch nur gut, wenn ich außer Sicht bin. Es waren sehr entspannte Tage..... hier geht das nicht, da sehen wir auf unserer morgendlichen Runde mindestens 10 Rehe..... Stress und immer eine Möglichkeit zum Arbeiten. 
Und, wie die anderen schon sagen, Du musst ihn wohl so nehmen, wie er ist.... schau auf die Dinge, die gut klappen, vielleicht ist er ja drinnen auch ein Traumhund? Such ein Leckerchen, auf das er einfach abfährt - vielleicht Leberwurst aus der Tube? Diego brauchte über ein Jahr um draußen überhaupt mal ein Leckerchen zu nehmen.... aber am Ende klebte er an meiner Tasche
wenn es etwas besonders Gutes war.
Ich könnte mir übrigens vorstellen, das Clickertraining etwas für Euch wäre, weil es gaaaanz viel, ganz neu aufbaut und es keine negativen Verknüpfungen geben kann. Damit kann man sehr viel aufbauen auch ein neues Aufmerksamkeitstraining.
Eineinhalb Jahre sind noch nicht eine soooo lange Zeit, auch wenn es einem im Alltag manchmal so vorkommt.
Alles Gute
Sundri