Moin,
sie sind was Du sagst, Theorien - und je nach Hund sind sie ein super Tipp oder eben sie bewirken genau das Gegenteil. Mein Hund ist ein sehr verhaltener Hund, er freut sich - aber er dreht nicht auf oder durch, wenn ich ihn ignorieren würde, beim heimkommen, wäre das für ihn ein Weltuntergang, also wird einen Moment gekuschelt und er ist es zufrieden. Kein Beachten soll man bei Hunden machen, wenn sie eben total abdrehen - und man kann das auch lassen, wenn einem das gefällt.
Am Ende finde ich, ist es auch angemessenes Verhalten, wenn ich heim komme und meine Hunde kommen und begrüßen mich, so wäre es unter Hunden auch, ignorieren ist da eher eine Strafe.
Du hast einen Tierheim Hund - ich hab, Ende Oktober meinen Spanier bekommen - so ein Systemwechsel verunsichert Hunde, ,alles ist fremd, Geräusche, Gerüche, Kommandos (bei mir kam noch die Sprache hinzu) - je nach Hund dauert es bis zu einem halben Jahr bis er überhaupt zu Hause angekommen ist. Lucas beginnt jetzt, fremde Hunde anzuzicken, bislang war das mit ihm alles easy going. Wie sagte mein Trainer, "Na, ist er endlich ganz angekommen!"
Die ersten Wochen lief er mir ununterbrochen nach, und im Laufe der Zeit begann er, unsere Abläufe zu erkennen. Kam nicht mehr jeden Morgen bis vor die Badezimmertür mit.... sondern blieb liegen. Heute geht er nach dem Fressen auf seinen Platz (in einem anderen Raum) früher ließt er mich nicht aus den Augen.... ich war jetzt, letztes Wochenende das allererste Mal über Nacht weg, er hat es gut ausgehalten, war aber, als ich wieder kam, sehr sehr kuschelig und auf Körperkontakt bedacht, krabbelte mir (mit 25 Kg
) auf den Schoß, was er sonst nie tut - aber ich hab das Gefühl gehabt, er braucht das.....
Lucas ist ein sehr souveräner Hund, Deine Hündin, wie Du sie beschreibst, nicht - bei ihr kann vieles länger dauern. Wenn ihr, Dir, hinterhergehen, Unsicherheit ist dann verunsichert es sie vielleicht noch mehr, wenn sie immer weg geschickt wird? Das kann gut sein.
Bei Euch haben sich viele Dinge getan, durch OP, zu Hause bleiben, Lebenspartner ist plötzlich ein paar Tage weg, es kann einfach sein, das sie noch keinen Tagesabluaf, keine Regelmässigkeit für sich gefunden hat, etwas, worauf sie vertraut. Lucas etwa weiß ziemlich gut, wie unser "normaler" Tag abläuft, er ist eher an den Wochenenden etwas durcheinander, da kommen die Kinder und mein Liebster (arbeitet auch unter der Woche woanders). Das verunsichert einen unsicheren Hund zusätzlich.
Und dann kann es sein, das ihr das wirkliche Allein bleiben nicht zuverlässig aufgebaut habt. Da ist sie einsam und tut das, was ein normaler Hund tut, seine Familie rufen und Du "bestrafst" sie zusätzlich - das kann sie nicht verstehen..... ich weiß, das war sicher nicht Deine Absicht, aber so nimmt sie es wohl auf und das verstärkt ihre Furcht.
Zum Anstupsen, als meine Spanier das erste Mal kamen und mich anstupsten - also von sich aus in Kontakt mit mir getreten sind, weil sie etwas brauchten oder wollten - da war für mich ein ganz besonderer Tag. Es war so ein von Du und ich zum wir - ich hab mich gefreut.... da begann ein Miteinander für uns, das Eis war gebrochen und es war so schön.
Lucas stupst mich ab und an und möchte Streicheleinheiten, je nachdem wie mir ist, gebe ich dem auch mal nach - wir sind ein Team, er darf lernen, das es mal geht und wenn ich keine Zeit, Lust oder sonstwas hab, dann sage ich "nein" und es ist gut. Wenn Du dem nachgibst, übernimmt Dein Hund nicht die Weltherrschaft, bestimmt nicht.
Hinterfrag die Regeln, die Dir jemand stellt, übernimm sie nicht einfach...... manche machen bei manchem Hund absoluten Sinn, andere sind überflüssig. Sofa etwa, Malik (mein Ersthund) war so ein Hund, der aus einer einmaligen Erlaubnis eine unabwendbare Regel machte, einmal Sofa - MEIN Platz, der wurde verteidigt - also durfte er nie wieder aufs Sofa, sein Leben lang nicht..... Diego kam auf Einladung, ging aber sofort wenn ich sagte "runter" - der wäre nie auf die Idee gekommen, diesen Platz als MEINS anszusehen und bei Lucas ist es ebenso..... meine Hunde dürfen nur auf Einladung aufs Sofa, auf manches ja, auf manches nicht.
Regeln stellst Du auf und für Dich müssen sie Sinn machen und für den Hund um den es geht, für niemand anderen sonst.
Sundri