Moin,
mein Malik war viele Jahre lang Einzelhund und das war wunderbar, ich konnte ihn überall mit hinnehmen, egal was es war, Bus, Bahn, Cafe, Urlaub, Freunde - er hat gelernt, im Auto zu schlafen, wenn wir irgendwo waren, wo er nicht mit rein konnte (Auto war für ihn als Jagdhund immer ein zweites zu Hause), er war topp erzogen und ich wollte es nicht anders haben.
Dann fanden die Kinder auf einem Vater-Kind-Urlaub in Spanien einen Hund, den sie unbedingt haben wollten und so kamen wir, quais über Nacht zum Zweithund.
Es hat sich viel geändert, Malik war seinerzeit 8 und schon ein bisschen gesetzter - er war drei Tage wirklich sehr gestresst und dann war es gut, eine Weile lang. Malik hatte eindeutig die Führunsposition übernommen und Diego fügte sich, lange Zeit. Mit Diego wurde viel anders, Gutes wie auch nicht so Gutes. Ihn überall hin mitnehmen, wie seinerzeit Malik, ging nicht - ich fühlte mich eingeschränkt..... zwei Hunde an der Leine - das war auch nicht so doll.
Malik war zwar supergut erzogen, aber er hatte so seine Erzfeinde und gegen die sprang auch Diego in die Leine und ich hatte meine Mühe zwei tobende Hunde zu halten. Auch Restaurant und Cafe ging nicht mehr, weil Diego das nicht aushielt. So war ich immer öfter ohne Hunde unterwegs.....Malik konnte supergut allein bleiben, Diego mit Malik auch, aber ohne ihn nicht. Diego war nie soweit, das man ihn problemlos irgendwohin mitnehmen konnte. Also ließ ich meine Jungs mehr und mehr daheim.
Malik lebte auf und als Diego in der Rangfolge eines Tages vorrückte und das Malik kurz aber massiv klar machte, war er absolut zufrieden. Er spielte (zum ersten Mal in seit seiner Welpenzeit) und war viel munterer, wurde verträglicher - das war eine sehr positive Veränderung. Diego schränke Malik ein und ich hatte darauf zu achten, dass das nicht vorkam. Er legte sich z.B. sehr gern in offene Türen und ließ Malik dann weder raus noch rein.... als die Zeit kam, in der es Malik schlecht ging und er seine Anfälle hatte, knurrte er ihn massiv weg und ging ihn auch an und ich lagerte ihn aus, er musste dann bei den Kindern übernachten. Diego war Schwäche gegenüber sehr unduldsam.
Das war nicht einfach, denn Malik wurde langsam dement und durch seine körperlichen Einschränkungen auch schmerzempfindlich. Ich hatte gut zu tun, das im Auge zu haben und mir fiel nie auf, wie sehr Malik sich an Diego orientierte. Die Beiden - so nahm ich es wahr - waren nie Freunde, sie lebten nebeneinander aber nicht miteinander.... und dann starb Diego, unerwartet und viel zu früh.
Malik drehte völlig durch, ebenso unerwartet von uns. Er heulte, konnte gar nicht mehr allein bleiben, klebte mir am Fuß - baute ab, stand, wenn ich morgens ins Bad ging und ich wieder raus kam, ebenso vor der Tür wie ich ihn verlassen hatte. Er verirrte sich in der Wohnung - kurz es war ein echtes Drama, seine Medikamente schlugen kaum mehr an und ich war am verzeifeln. Ich konnte nicht mal mehr einkaufen gehen, ohne Hundesitter und fühlte mich auch sehr beschränkt. Meine TÄ meinte, wenn ich es können würde, ein neuer Hund - könnte helfen oder auch nicht, sie würde es empfehlen.
So kam Lucas zu uns und Malik, mittlerweile fast 14, nahm das gelassen, nach drei Tagen fing er sich und orientierte sich am Neuhund. Der sah zwar aus wie Diego und roch (für uns) auch so, war aber ganz anders.... er ließ Malik Futterkrümel über und schaute zu, wie dieser seinen Napf ausleckte, er ging ihn holen, wenn er sich mal wieder im Raum verlief und weinte, er stellte sich zwischen ihn und andere Hunde, wenn es Malik schlecht ging und als er neulich, in einer Auseinanderstzung mit dem Knirps meiner Tochter, stürzte, lief Lucas sofort hin, schnupperte - so als ob er fragen wollte, "alles okay" und stellte sich zwischen den Welpen und Malik und spielte mit dem Kleinen.
Manchmal,wenn Malik sehr unruhig ist und Schmerzen hat, dann legt sich Lucas zu ihm und spendet ihm Nähe.
Malik ist Ende März 14 geworden und Lucas tut ihm wahnsinnig gut.... er hört nicht mehr viel und wenn Lucas los läuft, folgt er ihm. Er bleibt wieder alleine und ist gelassen.... zwischenzeitlich ging es ihm schlecht, jetzt, durch neue Medikamente wieder besser....
Wie Hunde also miteinander klar kommen, weiß man vorher nicht. Malik und Lucas leben miteinander - das ist ganz anders, als vorher mit Diego. Für Malik sicher sehr viel schöner und angenehmer.
Für mich sind zwei Hunde beim Spaziergang, ich muss beide an der Leine führen, eher unhandlich und schwieriger als einer. Mitnehmen ist auch so eine Sache, die Kosten verdoppeln sich schlicht (meine Jungs wiegen etwa gleich viel, fressen auch die gleiche Menge), Tierarzt ebenso wie die Kosten für Zubehör. Es braucht eben zwei Leinen oder Körbe oder Näpfe.
Andererseits, viel Interaktion gibt es mit Malik nicht mehr, er macht sein eigenes Ding - lass ich ihn mal los, kann ich sicher sein, das er irgendwann abhaut und allein nach Hause läuft. Orientierung an mir? Null - aber das liegt an seiner Demenz, während Lucas schon mit mir spazieren geht und wie viel nebenbei machen. Malik war immer unkuschelig und "igitt fass mich nicht an" während Lucas sowas von kuschelig ist.... das gleicht sich für mich aus.
Eines, nicht so fernen Tages, wird Lucas allein hier sein - jedenfalls hoffe ich das mal - und auf diese Zeit freue ich mich auch..... wenn er älter wird, wird wohl wieder ein Zweithund einziehen, weil ich inzwischen gemerkt habe, ohne Hund - will ich nicht sein - aber das ist rein egoistisch. In der kurzen Zeit zwischen Diego und Lucas war ich doch unglücklich und sehr besorgt, wenn es Malik schlecht ging.
Einfacher aber - ist es nicht - jedenfalls nicht, wenn ich ehrlich bin. Oder aber eben doch, wenn ich so sehe, wie Lucas auf Malik wirkt - das muss man für sich entscheiden..... Manches ist mit einem Einzelhund sehr viel einfacher, manches mit zwei Hunden nicht möglich. Und wie das einjeder empfindet -ist sehr persönlich. Malik lief, allein, immer nebenher und mit, zwei Hunde sind da sehr viel intensiver und nicht mehr so entspannend - aber - auch das kommt eben extrem auf die Hunde an.
Sundri