Moin,
hmh, ja, solche Hunde sind schon ganz Besonders, sie können einiges an Problemen mit sich bringen, in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Bis ein Hund aus dem Tierschutz bei einem ankommt und zeigt, was er so alles mitbringt, kann durchaus ein gutes halbes Jahr vergehen.....
Ich erzähle mal von Diego, keine Tötungsstation, aber ein Hund von der Straße, meinen Kindern im Urlaub zugelaufen. Drinnen ein sehr liebenswerter netter Hund, der aber klaute, was zu klauen war. Klar, Diego hat mal wirkliche Notzeiten mit Hunger erlebt, der fraß alles, was fressbar war, drinnen, wie draußen - egal ob Pferdeäpfel, Tempos, sonstwas - es hat ein halbes Jahr gedauert, bis er begriff, das Futter zu Hause ist besser und ich bekomme immer etwas. Er wurde auch erst sehr spät und mit einem speziellen Geschirr leinenführig, wenn er wo hin wollte, raste er los, es hat lang gedauert, bis wir das im Griff hatten, drei Trainer später und mit der Aussage "manchmal gibt es solche Hunde, lassen sie ihn, wie er ist......" und noch ein Jahr später, ging es dann.... ein langer Weg.
Draußen auf mich hören? Nach einem knappen Jahr begann er die Ohren in meine Richtung zu legen, wenn ich ihn ansprach, aber er tat noch lange nicht, was ich wollte. Übringes auf dem Hundeplatz klappte das prima, im Gelände kein bisschen. 4 Jahre haben wir gebraucht, bis er ableinbar war und auf Rückpfiff kam. Leckerchen? Draußen? Igitt, bist Du irre? Braucht kein Hund, nach einem Jahr nahm er welche und dabei war er eben total verfressen.
Der fröhlichste und liebenswerteste Hund den ich je hatte, da war soviel Freude in ihm, so als ob er die Freude aus 12 Jahren Hundeleben in den 5 Jahren verbauchen müsste, die ich ihn haben durfte.
Diego war immer topfit, bis zuletzt, da wurde er schwer krank und starb, überraschend..... er fehlt uns jeden Tag.
Dann Lucas, aus Spanien, auch keine Tötung.... auch er brauchte gut ein halbes Jahr bis er hier war, bindet sich extrem am mich, andere Familienmitglieder kann man haben - muss man aber nicht. Sehr eigenwillig, entscheidet selbst, ob er tut, was ich ihm empfehle (das liegt aber in der Grundrasse begründet), Rückruf in unbekanntem Gebiet klappt Super, 1a, bei uns in vertrautem Gelände? Kein bisschen "ach geh Chefin, ich weiß doch wo ich wohne, geh ruhig vor, ich komm schon - irgendwann" - also, Leinenzwang. Draußen füttern? Ist noch eine Option, aber momentan ist Leinenzwang und kein Leckerlie ist so gut, das er es draußen brauchen würde.
Drinnen ein Traum, verschmust, gehorsam, liebenswert - lässt alles mit sich machen, wie ein kleines Steifftier, muss, wenn ich mal weg war, auf meinem Schoß kuscheln. Kann ganz gut allein bleiben, schätzt es aber nicht.
Zu Beginn ist er mir durch die ganze Wohnung gefolgt, viele Wochen, begriff aber fix, das ich aus dem Bad, etwa, schnell wieder heraus kam und blieb im Schlafzimmer liegen, ansonsten hat es gut 3 Monate gedauert, bis er sich von sich aus, woanders hin legte, als ich war. Heute ist das kein Thema, aber er hat seine Ohren immer bei mir.
Da er andere Menschen überflüssig findet, ist er ein idealer Begleiter - er liegt neben mit und ist zufrieden, Diego ging gern jeden an, der ihm und mir zu nahe kam, ihn mitzunehmen war sehr schwer, manchmal nicht möglich.
Beide waren gut sozialisiert und kamen mit anderen Hunden super klar, Diego aber hatte zeitlebens Angst vor Männern, waren die noch dunkel vom Typ, war es aus. Das hat er auch behalten. Über ihn beugen - ging gar nicht. Freunde durften sich, wenn er sie kannte, bewegen, andere wurden streng bewacht (was ich unterbunden habe). Diego war recht territorial, aber leicht händelbar.
Lucas hat irgendetwas - medizinisch - aber wir finden nichts, alle Untersuchungen waren bisher ergebnislos. Das ist auch nur so ein Gefühl...... aber etwas stimmt nicht. Mal sehen, ob wir noch raus kriegen was es ist.
Was ich sagen will, man muss sehr viel Intuition haben, solche Hunde passen sich einem nicht immer an, oft muss man sich anpassen und das Leben um den Hund organisieren. Zum Glück hatte ich keinen Angsthund oder einen mit Deprivationsschäden - was immer vorkommen kann - dann geht manchmal gar nichts auf lange Jahre. Man braucht sehr viel Liebe und Zeit und Geduld, Geduld im Quadrat - schnell - geht hier nicht. Manche können allein bleiben, manche nie. Manches muss man nehmen, wie es ist. Lucas etwa, er ist sehr schreckhaft und es kann vorkommen, wenn von hinten ein Geräusch kommt, das er ne Landflucht begeht, rasendes Tempo ab in die Leine und in meine Schulter, also schau ich für ihn und mache ihn auf alles sichtbare aufmerksam, Jogger oder Radler von hinten, besser ist das - wenn er sie sieht ignoriert er sie völlig, aber wehe wenn er durchgeht. Das kann auch ein herunterfallende Tannenzapfen sein oder eine Taube im Baum, Geräusch - Flucht - und schauen was war das denn. Mittlerweile rennt er nicht mehr blindlings in die Leine sondern hat ganz gut im Griff, das ich dran bin und wenn ich ruhig bleib, ist alles schön. Neulich ist er vor Schreck in einen Wassergraben gesprungen, das fand er richtig sch.... 
Meine Beiden waren von Beginn an stubenrein, sie "sprachen" kein Wort deutsch, mussten alles neu lernen, wir haben viel mit Handzeichen gearbeitet, beide sind sehr klug und lernten rasend schnell und immer noch (Hunde lernen bis an ihr Lebensende) wie waren in einer HuSchu, aber man braucht Trainer, die sich mit den Besonderheiten solcher Hunde auskennen, sie sind sehr anders.... und sehr individuell. In meiner HuSchu gibt es einige Hunde aus dem Tierschutz, wir sind dort gut aufgehoben. Haben aber gesucht, beide Hunde reagierten auf Strenge und Druck extrem, ließen sich, quasi zu Boden fließen..... und Diego hat mich, wenn ich laut war, auch gemieden..... sehr sensibel. HuSchu`s die das nicht berücksichtigen und unbedingt durchsetzen wollen - sind die falschen.
Lucas verweigert sich total, wenn ihm etwas quer geht, dann weiß ich, ich hab`s übertrieben, nicht er.... eine Erkenntnis, die ich lernen durfte und die nicht jeder kann. Ich höre oft "setz Dich mal durch" und ich weiß, das würde unser Vertrauen zueinander nachhaltig stören. Aber es gibt nur wenige, die mich verstehen, wenn ich, so sieht es aus, nachgeb. Mit Lucas aber geht das auch, beim nächsten Mal ist wieder alles schön, sofern ich etwas nicht zu oft nacheinander einfordere.
Auch wenn wir in ein Cafe gehen, ich kann mich nicht setzen und sagen "Platz", er steht und steht und schaut sich um, ganz ruhig und besonnen und wenn er entscheidet, sich zu legen, dann tut er das und schläft zu meinen Füßen - so etwas muss man aushalten können.
Das Klügste in Eurem Fall wäre, für mich, einen Hund aus einer Pflegestelle zu suchen, einen, der schon eine Weile hier ist und dessen Verhalten erkennbar und einschätzbar ist. Keinen, der direkt aus dem Ausland kommt und von dem niemand eine Schätzung hinsichtlich seines Wesens abgeben kann. Da gibt es Tierheime mit über 5000 Hunden, da kennt man kein Individuum. Und, das Verhalten im Tierheim ist nochmal anders, als in einer Familie.
Und, ich hab keinen besonders schwierigen Hund gehabt, davon erzählen bestimmt noch andere..... wenn Ihr es Euch zutraut, wünsche ich Euch alles Gute. Nur einfach, einfach ist meist anders.
Sundri