Beiträge von Estandia

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    In dem Thread zu "angemessener Härte von Strafe", wird in meinem Verständnis einiges in einen Topf geworfen.

    Ja denk ich auch.

    Besonders fällt mir auf, dass "Grenzen setzen" offensichtlich zwangsweise etwas mit "Strafe, bestrafen" zu tun hat/haben muss. Ein jeder scheint möglichst positiv, belohnungsbasiert, arbeiten zu wollen aber beim "Grenzen setzen" scheint das nicht mehr zu gehen/nicht angebracht zu sein... :???:

    Vielleicht sollte auch einmal definiert werden was eine Grenze ist und wie man sie auf beiderlei Arten setzen kann?!

    Die gesamte Jagdsequenzkette ist höchst selbstbelohnend. Der Hund muss den Vogel nicht erwischen, um sich so gut zu fühlen, dass er es wiederholen möchte. Das Fixieren reicht schon für viele und wenn sich ein Hund länger als 3 Sekunden FESTGESTARRT hat, ist das Hirn kaum noch "ansprechbar". Wenn Hunde TÖTEN (und fressen) müssten, um das Jagen als belohnend zu empfinden, gingen die Probleme damit gegen 0. Tun sie aber nicht :D Das andere Problem beim Jagen ist die wiederholte Praktizierung. Ein Verhalten, dass an sich schon Spaß macht und immer wieder wiederholt werden kann, festigt sich und kann über die Zeit immer schlechter/schwieriger verändert werden.

    Zur Bereinigung kann ich nur sagen, was ich kürzlich gelesen hab: keinen Essigreiniger, keinen Haushaltsreiniger, Ammoniak lockt Hunde noch stärker als Uringeruch an. Enzymreiniger zur Neutralisierung von Gerüchen verwenden. Im Notfall eignet sich Backpulver. Der Geruch sagt dem Hund ja wo die Toilette ist, und wenn es "überall" schon riecht, legt der Hund einfach mal los.

    Ansonsten denk ich, ist es auch noch (etwas) früh, um zu erwarten, dass der Hund perfekt stubenrein sein KANN. Ich hatte in einem anderen Fred mal eine Übersicht erstellt, wann der Hund muss. Evtl. bist du einfach zu spät, Bewegung beschleunigt die Dringlichkeit ja eh noch.

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    Ich hab mich kürzlich mit dem Thema befasst :D

    Hier mal eine Liste wann es SEHR wahrscheinlich ist dass der Hund rausmuss

    • gerade aufgewacht
    • wurde gerade begrüßt und aus der Box/Auslauf herausgelassen
    • hat gerade gefressen oder getrunken
    • hat eine Weile auf etwas herumgekaut und sieht sich um was er sonst tun könnte
    • ist aufgeregt oder viel aktiver als üblich
    • geht von der Stelle weg an der er gerade gespielt hat und schnüffelt auf dem Boden herum
    • geht zu einer Stelle, an der schon mal ein Missgeschick passiert ist und schnüffelt dort herum
    • Immer wenn er am Boden schnüffelt
    • sieht verwirrt und abgelenkt aus
    • schaut zur Tür oder geht dorthin
    • hechelt oder winselt
    • hat lange mit Hund/Mensch gespielt. Der Welpe hockt sich dann unvermittelt hin, Spiele also mit Pinkelpausen unterbrechen
    • lehnt ein Leckerchen oder Lieblingsspielzeug ab
    • Beginnt sich bereits hinzuhocken
    • tut etwas, dass er "immer vor dem Lösen" tut (erkennen von individuellen Verhaltensmustern)

    Im Grunde geht es darum DRINNEN Missgeschicke zu vermeiden bzw. vorzubeugen, DRAUSSEN den Hund punktgenau zu belohnen und ANSONSTEN ihn vorerst in der Wohnung noch so zu begrenzen/unterzubringen, dass er seine "Höhle" nicht beschmutzt.

    Faustregel kann man sagen, der Hund hält so lange +1 aus, wie er Monate alt ist - es sei denn, er hat sich schon anderes angewöhnt. Ein 4-monate alter (gesunder) Labrador hält demnach 5h ein (wenn er nicht aktiv ist) - ob man das nun ausnutzen muss, muss jeder selbst entscheiden...
    Große Rassen werden schneller stubenrein, weil sie einfach eine größere Blase haben, kleine Rassen müssen (mitunter wesentlich) öfter raus. Morgens und am späten Nachmittag/frühen Abend läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren, da einfach doppelt aufmerksam sein. Ach, und den Hund NICHT vollmeckern oder beschimpfen wenn ein Malheur gerade passiert oder passiert ist. Dient weder der Bindung noch dem Verständnis.

    Ich hab vor kurzem "Einer geht noch" von Krivy/Lanzerath gelesen. Das beschäftigt sich vorrangig mit Auswahl und Passung, wie man Hunde zusammenführt, wo es Probleme geben könnte, was gruppendynamische Prozesse sind etc. pp.

    Dann find ich noch "Einmal Meutechef und zurück" vom London/McConnell super. Da geht es ausschließlich um die Be- und Erziehung, also wie man halt mit 2+ Hunden trainiert.

    In der Woche gehe ich 3 - 4 mal am Tag Gassi. Da kommen wir auf mindestens 1 bis maximal 3 h. Am Wochendende gehe ich seltener, dafür viel länger. Ich hab mal gehört, etwa 2h tägliche Bewegung ist so das Optimum für den normalen Hund. Auslassen tue ich keine Gassigänge, wir gehen an normalen Tagen alle 4 - 6h raus. Wenn der Hund tief und fest schläft wecke ich den aber auch nicht...

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    Eine Frechheit fand ich allerdings den freilaufenden Hund. Mal davon abgesehen, dass ich es generell nicht gut finde wenn HH ihre unangeleinten Hunde einfach zu angeleinten Hunden laufen lassen, ist es im Fall eines Blindenführhundes noch mal viel dreister.
    Die blinde Frau sagte zwar, dass sie sowas normalerweise mitkriegt und nur durch die Unterhaltung mit Martin abgelenkt war, aber soviel Verstand müsste doch eigentlich jeder haben, dass man seinen Hund nicht einfach so losrennen lässt.
    Gut fand ich, dass Martin R. da nochmal drauf eingegangen ist.


    Fand ich übrigens auch sehr geil und wichtig! Die Stelle, wo die beiden standen führt direkt zum Grunewald, Europas größtem Auslaufgebiet.

    Bei uns ist es ja erlaubt, dass Hunde frei laufen, aber zu anderen Hunden hinlaufen ohne, dass der Halter das mitbekommt ist einfach scheisse und dreist.

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    Ich hab nicht alles gesehen und frag mal in die Runde:
    Wurde auch gezeigt wo und wie die Blindenhunde mal artgerecht ausgelastet werden? Also mal spielen, toben, schnüffeln, schwimmen usw?
    Wie geht das? Von der Leine lassen ist ja schwierig für einen Blinden...sie hatte ja einen sehenden Freund aber sonst? Das ist ja eher die Ausnahme.
    Ich muss sagen in dem Teil den ich gesehen habe ging es mir zusehr um den Menschen und der Hund tat mir zeitweise richtig "leid" (falscher Ausdruck, ganz so mein ich es nicht), weil dieses langsame Gelatsche und immer nur durch Abgase und Menschenmengen...naja.
    Bitte meine flapsige Ausdrucksweise nicht falsch verstehen, ich arbeite mit Behinderten und da gewöhnt man sich an humorvollen und netten Umgangston der nicht beschönigt...

    Ich würde auch eine Blinde mit Führhund auch gern mal selbst drauf ansprechen...hat Rütter das gemacht?

    Blindenführhunde haben Auszeiten (Geschirr abnehmen) und können und sollen wie jeder andere Hund auch toben und ihren eigenen Interessen nachgehen. Angesprochen wurde es glaube ich nicht direkt. Aber für gewöhnlich kümmert sich der Ausbildungsverein und/oder bestellte Trainer um das weitere Wohlergehen des Hundes. Der (allein lebende) blinde Halter kann ja auch nicht sehen, ob der Hund evtl. eine Augentrübung hat, die vom TA behandelt werden müsste. Also der Blinde ist nun nicht ganz allein mit dem Hund.

    Diese Hunde werden für ihre zukünftige Arbeit explizit ausgesucht und ausgebildet. Es ist nicht so, dass der Hund unter Stress steht, wenn er durch die Stadt läuft. Es werden hohe Ansprüche gestellt und die Sozialisation und Ausbildung läuft meistens BEIM zukünftigen behinderten Halter ab.

    Ich fand Portis einen Traum von Hund und wie man schön sehen konnte, beim Abbruchssignal "weg" - als er den Büschen schnupperte - reagierte er völlig gelassen und adäquat. Ein wichtiger Punkt in der Ausbildung, dass dort NICHTS über Zwang und Druck erreicht wird.