Ich wollte wissen, ob hinter dem Rückruf mehr steckt.
Ich persönlich sehe hinter dem Rückruf nicht mehr als hinter jedem anderen "Trick". Dem Rückuf wird nur "emotional" mehr zugemessen, weil er so wichtig für viele ist. Ein ernstes Kommando, das am besten niemals missachtet werden sollte. Klar ist es notwendig den Hund hin und wieder zurückzurufen und klar sind das hin und wieder auch ernste Situationen, wo der Hund zurückkommen (= hören) muss. Ich hab mal gelesen, sobald der Hund MUSS, wird er es schlechter leisten. Oft wird auch der "Fehler" gemacht, IMMER dann zu rufen, wenn der Hund was "Falsches" macht. Fix hat man da eine Verhaltenskette. Erst was "falsch" machen, Rückuf, Lecker. Wieder abhauen, nächste "falsche" Tat. Ich denke, dass die vielen "Fehlschläge" im Training ein Mix aus Locken, Buhlen um Aufmerksamkeit des Hundes, unbeabsichtigten Verhaltensketten und unzureichenden bzw. ungünstigen Überbelohnungen besteht. Rückruftraining stellt rein technisch natürlich höhere Anforderungen, da das Signal ÜBERALL und IMMER funktionieren soll. Da gibt es zig Parameter, die im Training beachtet und entsprechend angepasst werden müssen. Gerade bei Hunden, die eine lange Liste an Ablenkungen mitbringen oder sich im vorigen (misslungenen) Training erarbeitet haben.
Also ob die Motivation durch die Belohnung einfach immer höher sein muss, als die Energie die der Hund aufbringen muss um zu kommen (= sich von einer eventuellen Ablenkung abwenden und zum Rufenden zu laufen), oder ob noch andere Dinge greifen (können).
Ich glaube das ist gar nicht machbar. Es wird immer den EINEN Tag geben, wo sich der Hund gegen die für ihn hochwertigste Belohnung entscheiden wird. Wertigkeiten sind tagesformabhängig. Es liegt beim Halter zu sehen, ob der Hund schwerer einschätzbar ist, ob jene Dinge heute vielleicht nicht funktionieren, mal etwas nicht zu verlangen. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Fünfe gerade sein lassen heisst nicht nichts zu tun sondern einfach nur eventuelle Fehler vermeiden und Morgen eine neuen Versuch zu starten. Einmal nicht kommen ist kein Weltuntergang. Erst wenn der Hund "Missachten von Signalen" trainiert habe ich ein Problem.
Das Training ist sicher individuell, aber die Theorie nicht und über die Theorie möchte ich in erster Linie sprechen.
Wenn nicht schon erwähnt, die Seminare/Themen "Verstärkerschemata" und "Verhalten aufbauen" von Gerd Schreiber sind da vllt. ganz interessant.
Eine soziale Komponente könnte man sicher noch in die Liste aufnehmen und die ist scheinbar bei verschiedenen Hunden unterschiedlich gewichtig, wie manche User hier berichtet haben. Es wurde ja geschrieben, dass manche Hunde kaum belohnt werden müssen, sie kommen dann vielleicht, weil sie gerne mit dem Besitzer zusammen arbeiten.
Da würde ich mich glaube reinzählen. Wir waren lange in der Hundeschule, haben viel Sport gemacht, haben viele Seminare zusammen besucht, haben viel privat mit Freunden trainiert. Nicht, weil wir mussten, sondern konnten und wollten. Wir haben eine gute Mischung aus Beschäftigung UND Bedürfnisbefriedigung gefunden, da das eine nicht zwangsläufig dem anderen entspricht. Ohne hier jemandem auf den Schlips treten zu wollen, und ich weiß, dass auch ICH sicher dazugehört habe, es hilft mal innezuhalten und zu überlegen, ob man für den Hund eher ein Spaßverderber oder eine Bereicherung ist. Beziehungen baut man auf Fundamenten und wenn die schon wackeln, bröckelt auch alles andere...