Beiträge von Brazzi

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    Nur mal so zur Anschauung. Eben kam ich nach Hause, Lucky begrüßte mich, alles soweit normal.
    Ich hielt mich in der Küche auf, Lucky kam an. Er kam zu mir, drückte sich an mich, kuschelte mit mir, schmiss sich auf den Rücken. Kraulen jedoch wehrte er mit den Pfoten ab. Also hab ich ihn in Ruhe gelassen, er drückte sich jedoch prompt an mich, setzte sich und jammerte und winselte. Er legte die Ohren an und war sichtlich gestresst, warum nun auch immer. ich habe nichts zu ihm gesagt noch ein Kommando gegeben etc.

    Hmmm... das Verhalten macht mich ein wenig nachdenklich... du schriebst, das die Hundetrainerin euch gesagt hätte, Lucky würde im Haus zum kontrollieren neigen. Was genau tut er denn im Haus und was hat sie euch diesbezüglich für Tipps gegeben?
    Denn das Verhalten, was du in dem zitierten Absatz beschreibst, kann sehr wohl Kontrollverhalten sein. Wenn Hunde sich an einen drücken, muss das nicht zwangsläufig eine Zuneigungsbekundung sein. Es kann auch eine Art "Maßreglung" a la Bewegungseinschränkung/bewusster Individualdistanzunterschreitung bedeuten. Die Betonung liegt auch KANN.
    Wie sieht denn sein Begrüßen aus?

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    Soviel zu meinem ersten und einzigen Eindruck.
    Ich möchte nochmal betonen, dass ich auch vollkommen falsch liegen kann und es ein falscher Eindruck sein könnte, da wir uns nur ein Mal gesehen haben, bzw es vielleicht auch heute ganz anders aussieht.

    Ehrlich gesagt, Linda, ein ähnlichen Eindruck wie Tjani hatte ich auch. Allerdings hatte ich jetzt vermutet, dass das an der Situation in neuer Umgebung und an der Führung von zwei Hunden gleichzeitig gelegen habe.
    Falls deine Nervosität allerdings auch im Alltag ähnlich ist, wird sie wohl einen großen Teil zu Luckys Verhalten beitragen.

    EDIT: Sorry, jetzt haben wir uns überschnitten...

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    Für den Hund Akkupunktur

    Das ist im übrigen ein echt guter, unterstützender Ansatz.
    Ich kann aus Erfahrung bestätigen, wie gut das wirkt bei Stress.
    Als ich mit Nemo das erste Mal bei der Physio war, hat er auch eine Akkupunkturbehandlung bekommen, eigentlich wegen seiner schlechten Muskulatur und Rückenproblemen. Da er aber durch die Autofahrt dort hin (er kriegt Angstzustände im Auto, in die er sich immer mehr reinsteigert) völlig überdreht war (wenn ich es recht bedenke, verhält er sich dann ziemlich ähnlich wie Lucky, und hat auch echte Schwierigkeiten wieder runter zu kommen) meinte sie dann: "Ich stech jetzt mal einen Entspannungspunkt mit", tat dieses und keine 2 Minuten später hatte sich Nemo sichtlich entspannt, stellte das Hecheln ein und kam zur Ruhe. Der Effekt hat auch auf der Rückfahrt noch angehalten, denn nach dieser war er nicht halb so aufgedreht wie nach der Hinfahrt.
    Ich könnte mir vorstellen, dass eine regelmäßige Akkupunkturbehandlung ein Training sehr positiv unterstützen könnte. :smile:

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    Auch wenn das gegen alles verstößt, was man zum Thema Hundeerziehung liest (immer erst losgehen, wenn Hund ruhig ist usw.), waren bei uns schon bald erste Fortschritte zu sehen. Anfangs minimal. Und dann ging es irgendwann immer rasanter vorwärts. Ohne Ablenkung sind wir jetzt auf nem Stand, dass sie sich ohne Kommando einfach neben mich legt, wenn ich mich irgendwohin setze. Auch ohne Leine.

    In meinen Augen nicht unbedingt. Es gibt schließlich auch den Effekt der Gewöhnung und Ritualisierung.

    Nach dem ich euch ja nun kennen lernen durfte, und Luckys Stressverhalten "in voller Pracht" erlebt habe will ich hier auch nochmal kurz einklinken. :smile:

    Wie ich dir schon sagte - auch ich würde den Hormonspiegel abklären und von einem auf diesem Gebiet erfahrenen TA interpretieren lassen. Selbst wenn es nur eine geringfügige Abweichung von der Norm gibt, kann das, insbesondere bei einem jungen Tier Auswirkungen auf das Verhalten haben. Und selbst wenn sich mit entsprechenden Medis sein Stress nur ein kleines bisschen verringert - eventuell ist schon das das Zünglein an der Waage, was ihn unter mäßiger Reizlage (z.B. fremde Umgebung) wieder ansprechbar werden lässt und so ein Verhaltenstraining überhaupt erst möglich macht.

    Alles andere kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich euch ja nun nur in einer Situation bisher erlebt habe. Allerdings muss ich zugeben, dass auch du zeitweilig einen ziemlich gestressten Eindruck auf mich gemacht hast (verständlicherweise - ich bin sicher, dass ich völlig überfordert wäre mit so einem Hund), und ich selber weiß, wie sehr sich Halterstress auf das Verhalten von Hunden auswirken kann, besonders auf das von sensiblen Kandidaten. Das ist ein Teufelskreis, den ich so ähnlich mit Vellie erlebt habe, der allerdings anders ausgelöst war (Angsthund) und sich bei ihm mit festen, ritualisierten Handlungsweisen und ruhiger, souveräner Führung nach und nach durchbrechen ließ.
    Dann kommt dazu, dass es, nach dem was ich von dir bisher gelesen und gehört habe, ja anscheinend nicht wirklich möglich ist mit Lucky konzentriert zu arbeiten.
    Auch hier sehe ich ein Problem, denn ich denke, ihm als Arbeitshund fehlt (jetzt zur Sommerzeit) die regelmäßige Auslastung durch konzentriertes Arbeiten. Bitte nicht falsch verstehen - das ist um Himmels willen kein Vorwurf! Ich hab ihn ja erlebt, und weiß, dass es schlicht nicht möglich ist. Aber seine Auswirkungen wird es trotzdem haben.
    Wie sieht das denn in der Zugsaison aus? Hast du das Gefühl, er ist, wenn ihr regelmäßig (und tut ihr das?) trainiert, auch generell auch nur etwas ausgeglichener? Dann wäre passende Auslastung (und damit meine ich nicht ein straffes Programm, im Gegenteil, sondern die Regelmäßigkeit) auch im Sommer eventuell ein Ansatz....


    Ach Mensch... ich hoffe für euch, dass ihr irgendwann den richtigen Weg findet, damit auf Dauer bei euch beiden der Stress verringert wird... :cuddle:

    Ich bin ja immer wieder erstaunt über den wenigen Hundeverstand, den manche Hundehalter an den Tag legen....
    Heute war ich mit meinen beiden an einer Wasserstelle und habe ihnen abwechselnd ein Spieli ins Wasser geworfen. Während ein Hund im Wasser war, musste also der jeweils andere am Ufer absitzen und warten.
    Nemo ist da immer total angespannt und unter Strom, was man ihm auch eigentlich deutlich ansieht....
    Kommt ein Ehepaar mit eigenem Hund an der Leine vor bei:

    Sie:
    "Guck mal, der eine Hund ist aber schön im Wasser"
    Er (auf den vor Anspannung zitternden, von vorherigen Schwimmgang noch klatschnassen Nemo deutend):
    "...und der andere will nicht..."

    :roll:

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    Hmm..., nun ja ich finde dein Verhalten grob Fahrlässig. Du wirst nie 100% aller Situationen voraussehen können.
    Mein Rat von Oben bleibt bestehen - Trainer & Beißschutz

    Dem schließe ich hunderprozentig mich an.
    Vor allem ist es gefährlich, wenn man Fortschritte macht, und sich zu sicher fühlt. Dann wird man nämlich irgendwann aus falscher Sicherheit fahrlässig.
    Grade gestern wieder am eigenen Leib erlebt:
    Meine Hündin, die lange Zeit Futteragressiv war, ist nun, nach Kastra und Verhaltenstraining seit gut 2 Jahren völlig unauffällig gewesen... gestern will ich sie für ein Sitz Belohnen, da kommt ein fremder Hund freundlich zu uns, mal gucken, was ich da tolles in der Hand habe, und zack! - sie packt ihn sich. Wie gesagt seit Jahren nicht vorgekommen, aber eben durch vorangegangenen Stress und die Tatsache, dass ihr Magen auf halb acht hing, wieder ausgelöst.
    Es ist zwar nichts passiert, und ihre Attacke war nicht so heftig, wie die früher es waren, aber es war ganz klar mein Fehler - ich hab mich zu sicher gefühlt.
    Von daher auch meine Bitte: Verpass deinem Hund einen guten (also funktionalen und für den Hund angenehmen) Maulkorb. Denn sonst bist du irgendwann höchstwahrscheinlich Teil der Beißsatistik und hats alle Hundehhasser mal wieder in ihrem Glauben bestätigt, dass die Mistviecher sowieso alle erschossen gehören :|

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    Und wenn es ein Hund ist der total wild ist warum nicht vermitteln ? Wenne s die Möglichkeit gibt warum nicht.
    Verwilderte Katzen können auch vermittelt werden.

    Ja, können sie. Aber unser Tierschutzverein z.B. vermittelt solche Fälle (wir hatten durch eine Messihaushaltsauflösung eine ganze Reihe solcher Fälle im letzen Jahr) aus gutem Grund nur auf Höfe, wo die Tiere versorgt werden aber in Ruhe selber entscheiden können wann, wo und wie viel Kontakt sie mit ihrem Menschen aufnehmen, und wo sie ihren alten, wilden Lebensgewohnheiten auch weiterhin nachgehen können. Oft entwickelt sich dann mit der Zeit ein sehr inniges Verhältnis - aber aufgezwungen wird den Tieren nichts.
    Wie aber willst du einem wilden Hund die Möglichkeit bieten sich so schonend zu entfalten? Das geht in Deutschland nicht. Zumindest nicht in einer 08/15-Familie.

    Nochmal: Der Hund ist ein hochsozielase Lebewesen, der seit zig Gerationen darauf selektiert wurde mit Menschen zusammen zu leben. Daher lassen sich natürlich auch wilde Hunde natürlich in vielen Fallen in den Alltag hier integrieren. Aber es geht eben nur mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und einem gewissen Mindestmaß an Hundeverstand, und das bringt leider, das zeigen die täglichen Erfahrung mit diversen Hundehaltern (und nicht zuletzt die vielen "Hilfe! Ich bin verzweifelt-Threads" hier im Forum), nicht jeder potenzielle oder reale Hundehalter mit.