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Über einen Chip bzw. eine "Kastration auf Probe" habe ich schon nachgedacht. Auch schon die Tierärztin dazu befragt.
Einfach mache ich mir die Entscheidung wirklich nicht.
Viele andere Hundehalter meinen, dass er immer noch seine Sturm- und Drang-Phase hat, wobei er morgen auch schon 17 Monate alt wird, also da allmählich raus gewachsen sein dürfte.
die liebe sturm-und-drang-phase fängt beim großen hund erst mit ca. 18 monaten an (beim herdi aus meiner gassi-gruppe ging das erst so wirklich mit zwei jahren los und er hatte jetzt mit vier jahren ne zweite hormonelle phase).
die pubertät und die damit verbundenen verhaltensweisen wirst du mit einer kastration nicht komplett unterdrücken, eher im gegenteil. wenn du jetzt kastrierst, kann es sein, dass dein hund noch viel länger so ein alberner jungspund bleibt.
allerdings werden sexuell motivierte verhaltensweisen, wie z.b. eine ausgeprägte wettbewerbsaggression oder extremes sexuelles verhalten (wochenlang nichts fressen, weil die hündinnen läufig sind, bei jedem hund aufreiten etc, pp.) teilweise oder sogar komplett eingedämmt und somit der allgemeine stresspegel gesenkt.
bei vielen hunden kann man das aber auch durch eine gute impulskontrolle und erziehung erreichen, aber bei weitem nicht bei allen.
ich führe beispielweise einen totalen triebtäter in meiner gassi-gruppe (labrador-bullterrier-mix), der außerhalb der gruppe rüdenunverträglich ist und sein futter verweigert, wenn die nachbarshündin toll riecht. ich kann ihn mit unkastrierten rüden und läufigen hündinnen führen, allerdings muss ich hier dementsprechend eingreifen und klar sagen, was gemacht wird und was unterlassen wird. wie er im kastrierten zustand wäre, weiß ich nicht. aber vermutlich wäre er für die besitzer händelbarer...oder auch nicht? viel von seinem verhalten ist erlernt und mittlerweile ritualisiert und die nebenwirkungen der kastra könnten bei ihm eventuell verheerend sein. wenn man hier näher nachfragt, findet man sehr schnell heraus, dass die besitzer auch nicht wissen, wie sie ihren hund führen können - also wäre ein training hier sehr viel sinnvoller, als eine operation.
mein rüde beispielweise kam schon kastriert mit 1,5 jahren als heftiger rüdenunverträglicher beschädigungsbeißer zu mir. und er zeigt das komplette verhaltensrepertoire eines unkastrierten rüdens: er zeigt ein starkes wettbewerbsverhalten, flirtet mit hündinnen, markiert, schleckt pipi auf und würde am liebsten jeden unkastrierten rüden von dieser welt verbannen.
kein anderer rüde nimmt ihn als kastrat wahr.
innerhalb meiner gassi-gruppe ist er ein geachtetes mitglied und chef.
er weiß sich mittlerweile zu benehmen, aber das liegt nicht an der kastra, sondern daran, dass mein wort mehr zählt, als seine bedürfnisse andere hunde umzupinnen.
angstaggressive rüden können durch die kastration sehr sehr unsicher werden. bei ihnen würde ich mir selbst gut überlegen, ob ich mich überhaupt traue, einen chip zu setzen. denn wenn man pech hat man dann ein halbes jahr lang einen komplett unsicheren hund, der von keinem anderen hund ernst genommen wird. wenn man sofort kastrieren ließe, ist der hund sein gesamtes weiteres leben unsicher.
niemand von uns kennt deinen hund, deine umstände, deine erzieherischen fähigkeiten und dein leben.
vielleicht lässt du deinen hund mal von einer kompetenten außenstehenden person anschauen und guckst, was die leute zu seinem verhalten sagen.
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Eine Frage hätte ich noch...und zwar meinte eine andere Hundehalterin, dass sie vor ihrem jetzigen Hund auch einen Rüden hatten (ebenfalls einen etwas größeren), der wäre immer der reinste Engel gewesen und deshalb hätten sie ihn auch nicht kastrieren lassen. Er hat sich von den anderen Rüden immer alles gefallen lassen.
Und dann mit so ca. 2,5 Jahren ist das plötzlich umgeschlagen: Er hat sich nicht nur nichts mehr gefallen lassen, er hat sogar angefangen andere Rüden zu beissen, wenn sie etwas frecher wurden. Und ab diesem Zeitpunkt konnten sie mit ihm nicht mehr ohne Leine spazieren gehen...
auch der liebste hund wehrt sich irgendwann. wahrscheinlich hat sie die zeichen bisher einfach übersehen, die ihr hund gesendet hat. das es alles so plötzlich umgeschlagen ist, kann ich eigentlich kaum glauben. wahrscheinlich gag es zig vorboten für sein verhalten. sollte es doch plötzlich umgeschlagen sein, würde ich den hund mal gesundheitlich durchchecken lassen.
warum sollte ein erwachsener rüde mit jedem fremden einfach nur spielen wollen und nicht auch etwas charakter zeigen?
rüden sehen sich nun einmal nicht als spielkameraden, sondern in erster linie als konkurrenten und das finde ich auch sehr, sehr normal.
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Er pöpelt rum.Er zeigt euch damit das er das sagen hat. da das ja nur der Ranghöchste darf. Ich würde das unterbinden.
woher weißt du das? hast du den hund gesehen? wie ist seine persönlichkeit, seine körpersprache? wie waren die situationen? ohne diese wichtigen angaben kannst du rein gar nichts über die rammel-beweggründe aussagen.
rammeln kann verschiedene ursachen haben: rammeln zum abbau sexueller frustration, rammeln als stressabbau, rammeln beim poppen, rammeln als dominanzgeste, rammeln, um grenzen auszuloten, spielrammeln (bei welpen) usw. usf.
entscheidend ist hier die körpersprache des hundes.
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Wenn die Rangordnung klar ist dürfte ja eigendlich kein Rüde besteigen da dieses privileg ja nur beim Alphatier liegt
Bitte nicht falsch verstehen, ich finde das muß jeder für sich endscheiden ob kastra oder nicht.Aber hier wird mann schnell verurteilt wenn man es macht.
sorry, aber das ist quatsch. hast du schon einmal welpen im spiel beobachtet? da wird teilweise gerammelt, was das zeug hält und die althunde stehen geduldig daneben und schauen zu.
und ich als leiterin dieser welpenstunde, mache das teilweise genauso, solange das gerammel fair bleibt.
genauso sieht es aus, wenn sich zwei hunde gegenseitig berammeln, solange keiner von beiden großartigen stress dabei hat.
es gibt regelrechte liebesbeziehungen zwischen kastraten und unkastrierten rüden.
wer bin ich, dass ich in jegliche soziale interaktion eingreife? von mir aus, dürfen die beiden rammeln, bis sie umfallen, es sei denn, einer von beiden zeigt sichtliche stresssymptome bzw. wehrt den anderen erfolgslos ab und die situation droht, zu eskalieren. ich greife auch dann ein, wenn einer von beiden hypersexuelle probleme hat und diese sich durch das gerammeln verstärken.
zwischen menschen und hunden gibt es sicherlich eine soziale ordnung, in der auch klare strukturen herrschen sollten. mit einer rangordnung als solches, ähnlich einer hackordnung, ist diese art der sozialen struktur schwer vergleichbar.
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Und seitdem ich eine Junghündin habe, kann ich sagen wie nervtötend und ätzend Rüden sein können ( ob kastriert oder nicht). Ebenso derrren Besitzer die dann sagen lass doch rammeln gibt hüpsche Welpen,oder passiert doch nichts. Oder die wehrt sich doch nicht ist doch nicht so schlimm. Die wollen nur spielen. So lange es solche Besitzer gibt nützt auch kein aufpassen oder anleinen etwas.
Die wenigsten unterbinden das und holen ihren Rüden zu sich, sondern sagen ist doch nicht mein problem.
ja, sowas ist in der tat sehr, sehr ätzend. und genau da würde ich definitiv dazwischen gehen, wenn die hündin sich nicht zu helfen weiß. nicht, um meinen status zu untermauern. sondern, um die hündin zu schützen, falls sie das nicht selbst kann.
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Ich denke immer an den Beagle, den Martin Rüttger bei "der VIP-Hundeprofi" hatte (von diesem Eislauf-Ehepaar)...zu dem meinte er ja - nachdem er sein Verhalten gesehen hat - der müsse sofort kastriert werden. Dabei fand ich dessen Verhalten gar nicht so extrem.
martin rütter will jeden rüden sofort kastrieren...