zum thema leinenruck möchte ich nun doch kurz etwas schreiben. ich versuche mich hier mal in der argumentation:
es gibt, genau wie im bereich "arbeit über spielie/leckerlie" auch zig varianten mit der leine am hund zu arbeiten.
ich sehe hier auch täglich hunde, die unreflektiert innerhalb einer minute mindestens 20x geruckt werden - und zwar vom hh nach oben..das geht dann in etwa so...ruck-ruck-ruck-ruck...
ebenso sehe ich hunde, die durch falsche leinenhandhabung entweder im geschirr oder halsband hängen, bis sie fast kotzen oder an der fllexileine flugs von a nach b gezerrt werden. genauso gibt es unzählige hunde, die mit futter wirklich im wahrsten sinne des wortes von ihren feindbildern weggelockt werden.
all diese bilder zeugen doch von einre falschen handhabung eines hilfsmittels. jedes hilfmittel, ob leckerlie, leine, schleppleine oder spielzeug kann in den falschen händen verheerendes bewirken.
ich selbst arbeite auch in bestimmten situationen über die leine. jedoch geschieht das ruhig und besonnen ohne aggressionen und stress. und das wichtigste: es geschieht nicht ohne vorwarnung und ohne alternative.
meine form des "leinenrucks" sieht folgendermaßen aus (canis):
die leine wird auf "kurz" umgestellt, damit mein hund in zukunft weiß, dass es jetzt darum geht, frauchen in den mittelpunkt der aufmerksamkeit zu setzen. es soll als signal für eine erhöhte aufmerksamkeit dienen. der hund wird nicht angesprochen und nicht angeschaut.
das bedeutet nicht, dass mein hund im fuß neben mir gehen und mich anstarren soll. nein, es bedeutet eigentlich, dass er im kopf bei mir ist und mir zügig folgt.
dann gehen wir langsam und ruhig los. verliert mein hund die aufmerksamkeit bekommt er eine körpersprachliche einladung, mir zu folgen., d.h. ich gehe seitlich-rückwärts in richtung hund, meine hand geht nach unten, meine schulter öffnet sich. anfangs alles sehr langsam. dabei wird der hund weder angeschaut noch angesprochen. ich komme in eine leichte drehung vom hund weg. kommt keine reaktion folgt ein sanfter ruck und ein richtungswechsel. dieser sollte weder schmerzhaft noch brutal sein. es ist eher wie ein kleiner impuls. in ruhger reizlage und ohne ablenkung wird erst einmal so lange gearbeitet, bis der hund folgt. dann wird sofort, aber ebenfalls ruhig aufgelöst, indem die leine ruhig umgesteckt wird.
wenn der hund das verstanden hat wird erst einmal immer wieder und auch immer länger in dieser art der leinenführigkeit gelaufen. läuft der hund über mehrere wochen auch mal lange strecken (vielleicht mal 10 minuten) ruhig und führerorientiert mit umgesteckter leine kommt erst der nächste schritt; die reizlage wird stück für stück erhöht.
somit ist die gefahr von fehlverknüpfungen nicht gegeben. es wird immer vom niedrigsten reiz in den nächsthöheren gearbeitet, schließlich ist alles andere einfach schlicht und ergreifend unfair dem hund gegenüber.
warum benutzt man hier einen leinenruck?
these: man könnte das ganze doch mit leckerlies bzw. ansprachen ausarbeiten.
das ziel dieser übung besteht darin, den hund sensibel für meine handlungen zu machen, die aufmerksamkeit zu erhöhen und ihn dazu zu bringen sich an mir zu orientieren.
hunde orientieren sich eher an den leuten, die ruhig und besonnen ihren weg gehen, bei denen sie einfach ein stück mitgehen dürfen.
das erreiche ich, meiner persönlichen meinung nach, weder, wenn ich mit gewalt versuche meinen hund einzuschüchtern (ist nicht ruhig und besonnen), noch wenn ich ihn mit leckerlies locke (denn dann buhle ich um meinen hund). ist meine persönliche meinung, die durch beobachtungen und erfahrungen zustande kam.
würde ich meinen hund in dieser situation ansprechen oder ihn mit leckerchen in die richtige position bringen, habe ich wieder einmal zuerst auf meine hund geachtet, damit er nun auf mich achtet. ich möchte den spieß aber umdrehen, möchte, dass mein hund schaut, was ich mache, nicht umgedreht.
also ist ansprache bzw. nach dem hund schauen kontraproduktiv, was meinem ziel der orientierung an mir, entgegen stehen würde.
ich möchte letzendlich, dass mein hund folgendes lernt: die geht ihren weg und ich sollte sie hellhörig beobachten. denn ich zeige den richtungswechsel ja klar körpersprachlich an...man muss nur darauf achten.
nehmen wir folgende situation: hund schnüffelt und ist gerade total in seiner welt. spreche ich meinen hund an und belohne ihn für eine reaktion, reagiert mein hund erst auf meine ansprache, achtet aber nicht selbstständig darauf, mir in diesem moment zu folgen.
nehme ich ihn in diese angesprochene form der leinenführigkeit, muss er schon sehr auf meine körpersprache achten, um den anschluss nicht zu verpassen. denn ich gehe dann meinen weg und warte nicht auf ihn.
und genau diese art der orientierung kann meinem hund in brenzliegen situationen mit anderen hunden, leinenaggressionen etc. sicherheit geben. da er, sobald die leine umgestellt wird schauen wird, wie ich ihn aus der situation führe. ich möchte in einer solchen situation keine erwartungshaltung wie z.b. ein sitz-schau-leckerlie aufbauen (denn diese beinhaltet spannung), sondern anlehnung bzw. führung bieten.
ein weiteres problem bei "schau" ist, dass der hudn gewungen wird den blick vom "feind" zu nehmen. das möchte ich nicht. ich möchte, dass mein hund sein gegenüber betrachtet - ruhig ohne zu fixieren. wird fixiert. gibt es sofort einen richtungswechsel.
im endeffekt geht es nicht darum, dass solch ein hund permanent nach innen gerichtet sein muss. auf keinen fall!
ein hund ist hund und muss auch mal andere dinge beachten außer meiner wenigkeit.
aber es muss momente geben, in denen mein hund nur mich im kopp hat.
eben nur dann, wenn ich die leine umstelle.
das wichtigste an solchen methoden ist, dass man seinen hund nicht überfordert und immer angemessene reizschwelle, sowie aufmerksamkeitsspanne wählt.
deswegen gehört der leinenruck für mich persönlich in trainerhände und sollte auf keinen fall unreflektiert praktiziert werden.