Beiträge von Sleipnir

    So...nun versuche ich nochmal zu erklären... :D
    Ich hab das Gefühl, dass wir alle gar nicht so unterschiedliche Sichtweisen haben, aber irgendwie aneinander vorbei schreiben:
    Wir trainieren durchaus intensiv auch Dinge wie Impulskontrolle, anders könnte ich mit meinen Hunden ja auch gar kein Dummytraining machen! Durch die Impulskontrolle sind wir ja auch soweit, dass Janosch bei Wild meistens erstmal vorsteht und wenn ich ihn dann ins SITZ rufe, setzt er sich und die Sache ist erledigt!
    ABER...mein Hund ist keine Maschine und ich bin es auch nicht! Vielleicht bin ich auch einfach nicht so ein Super-Duper-Hundehalter, der seinen Hund den ganzen Spaziergang über bespaßt und ja mir passiert es auch immer mal wieder, dass ich es nicht schaffe eineinhalb oder zwei Stunden lang die Aufmerksamkeit komplett auf meine Hunde zu richten...ich bin manchmal, und wenn es nur Sekunden sind, auch abgelenkt. So...und wenn gerade in diesem Moment ein Hase aufspringt und ich den Moment verpasse läuft Janosch los und wenn er losgelaufen ist...ja was hilft mir denn dann die ganze Impulskontrolle? Dann brauche ich ein Kommando um ihn zu stoppen und das ist mir gestern das erste Mal geglückt und da war (bin) ich stolz drauf!
    Man könnte jetzt natürlich einwerfen, dass ich das Training zur Impulskontrolle einfach nur intensivieren müsste, so dass Janosch sekundenlang einem Hasen nachschaut, auch wenn von mir kein Kommando kommt...in der Theorie mit Sicherheit richtig, aber ich glaube, dass wir da irgendwann an einen Punkt kommen, wo sein Jagdtrieb und seine Selbstständigkeit mir ein Strich durch die Rechnung macht...und ganz ehrlich...ich hab da auch keine Lust zu! Für mich ist es vollkommen ausreichend einen Hund bei Wildsichtung ins Sitz zu rufen und wenn ich eben nicht schnell genug bin ihn auch noch ins SITZ rufen zu können wenn er schon angejagt hat!
    Ich hab fast das Gefühl ich müsste mich für irgendwas rechtfertigen, aber hey...in meinem persönlichen Umfeld kenne ich keinen einzigen Hund, der einen so guten Wildgehorsam zeigt wie meine Hunde...perfektionieren kann man mit Sicherheit immer alles, aber für mich ist es absolut ausreichend so!

    Ich hab mit unserem hiesigen TH ganz andere, aber auch keine besonders prickelnden Erfahrungen gemacht!
    Mir wurde dort eine hoch traumatisierte Perro de Pastor Mallorquin-Hündin als unkomplizierter Labradormischling vermittelt (und auch wenn der Pastor Mallorquin in D eine seltene Rasse ist, sollte man sie kennen, wenn man, wie dieses TH Hund in großem Stil aus Mallorca einführt!!!), meine Lebensumstände waren dort reichlich uninteressant, ich habe dort im Nachhinein keinerlei Unterstützung erhalten, obwohl sie bitter nötig gewesen wäre und würde Emma heute in einem Kellerloch hausen hätte das TH davon nie Wind bekommen!
    Für mich bedeutet das NIE, NIE wieder ein Tier aus diesem TH und einen HUnd von einer anderen TIerschutzorganisation nur nach sehr sorgfältiger Auswahl!

    Wenn ich das hier alles so lese, dann hab ich das Gefühl der deutsche Tierschutz verbaut sich seine Chancen auf HUndevermittlung selbst...

    @Aura:
    Ich versteh nicht was du sagen willst...ehrlich nicht!
    Klar wäre es das Optimum Hund würde sich an mir orientieren und erst gar nicht beginnen zu hetzen...aber die Realität ist doch eine andere: Da schnüffelt Hundi in 10, 15 Metern vor einem herum, man ist den Bruchteil einer Sekunde abgelenkt und genau in diesem Moment springt ein Hase und jetzt zeig mir doch mal den jagdambitionierten Hund, der in der Situation nicht erstmal durchstartet...und sei es nur aus Reflex...
    Und genau für diese Situation brauch ich doch eine Möglichkeit den Hund stoppen zu können...bei Janosch ist das ein Sitz...bei Emma ist das der Rückruf...und bei Missy halt ein bestimmter PFiff...wo besteht denn da ein Unterschied???

    Stetes Training zahlt sich doch aus... :D
    Da schreib ich heute Nachmittag, dass ich Janosch nicht stoppen könnte, wenn er erstmal rennt und was passiert ne Stunde später:
    Wir gehen am Waldrand entlang und plötzlich springen drei Rehe ca. 30 Meter vor uns aus dem Unterholz und rennen übers Feld...ich war mutig und hab es mal drauf ankommen lassen...ich hab Janosch anjagen lassen und nachdem er schon ungefähr 50 Meter hinterher gelaufen ist hab ich SITZ gerufen...der hat sich wahrhaftig hingesetzt...und zwar sofort...ich war so stolz...
    Somit kann ich jetzt also ganz großspurig verkünden, dass ich auch Janosch stoppen kann, auch wenn er schon hetzt... :D
    Hoffentlich war das nicht nur ein einmaliger Anflug guten Gehorsams...

    Stachelhalsbänder, Teletaktgeräte etc. haben einen furchtbar schlechten Ruf...ABER ob mein Hund nun einen Schlüssel auf den Hintern kriegt oder ich ein Teletaktgerät auslöse...beides ist mit Schmerzen verbunden und bei beiden Handlungen soll der Hund durch das Erschrecken von einer Handlung ablassen...wo ist denn da jetzt bitte ein Unterschied...warum ist das eine Starkzwang und das andere nicht???

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    Nun stellt sich mir die Frage, ob man die Jagdleidenschaft seines Hundes allein mit positiver Verstärkung in den Griff bekommt.

    NEIN!!! Zumindest kann ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen und hab auch noch niemanden getroffen, der das geschafft hat.

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    Wie sieht das bei Euren Hunden aus, die nicht jagdlich geführt werden.

    Sind sie zu 100% abrufbar, wenn ihnen bspw. ein Hase oder Reh vor die Nase läuft?

    Emma zu 98 %, sie ist aber auch eine reine Sixchtjägerin mit nur mäßig entwickeltem Jagdtrieb!

    Bei Janosch ist das etwas komplexer...
    Er hat einen durchaus stark entwickelten Jagdtrieb, stöbert gerne und ist draußen recht selbstständig. Nach viel, viel Training hab ich ihn heute soweit, dass ich ihn abrufen kann wenn er noch vorsteht (das macht er nämlich glücklicherweise!), ist er aber schon ins Rennen geraten ist er völlig taub für meine Kommandos, kommt aber nach 2-3 MInuten zurück!
    Durch sehr vorausschauendes Spazierengehen ist der zweite Fall allerdings schon seit Monaten nicht mehr vorgekommen!

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    Habt Ihr das allein mit Lob und Leckerchen nach einem Antijagdtraining gearbeitet oder kamen irgendwelche Hilfsmittel zum Einsatz.


    Unser Training bestand aus zwei Komponenten:
    1.) adäquate Ersatzbeschäftigungen um den Jagdtrieb umzulenken, insbesondere Dummytraining, verschiedene Suchspiele etc.
    2.) konsequente Arbeit am Grundgehorsam! Soll heißen SITZ heißt SITZ, auch wenn 20 Meter weiter ein Reh aufspringt. Ich bin irgendwann extra in wildreichen Gebieten spazieren gegangen um das festigen zu können. Bei korrekter Ausführung der Kommandos gabs in diesen Situationen immer ne ganze Handvoll Leckerchen oder ein kurzes Spiel mit dem Schleuderball. Bei nicht korrekter Ausführung gab es aber durchaus auch mal nen kräftigen "Anranzer" oder einen "Knuff" in die Seite! Ich hab meine HUnde dabei nie geschlagen, getreten oder sonstwas, aber durchaus körperlich auf sie eingewirkt...die Reizlage angesichts flüchtenden Wildes ist nämlich sehr hoch und ausschließlich mit "netten Worten" wird man m.E. bei einem jagdambitionierten HUnd nicht weiterkommen!

    Bei uns klappt das mit einem deutlichen "NEIN" sehr gut...
    Meine Hunde sind von Welpenzeit an (wie doch die meisten Hunde...) darauf konditioniert bei "NEIN" jede gerade ausgeführte Handlung abzubrechen...
    Naja und wenn sie bellen und ich "Nein" sage hören sie auf (zumindest in der Theorie... :D ...nein, eigentlich klappt es wirklich gut...)