Du vergisst dabei, dass man nicht Gleiches mit Gleichem vergilt, weil man geziehlt den Plan hat, sondern situativ so reagiert. Es ist doch nicht so, dass ein rechtsfreier Raum entsteht, wo Recht und Justiz nicht mehr greifen, sondern dass sich dort Räume mit eigenen Rechten entwickeln. Die Entstehung einer solchen Zone zeigt an, dass das Rechtssystem krank ist. In unserem Falle krankt es an Personalmangel. Natürlich werden dann nicht die kleinen Delikte zuerst bearbeitet oder Rechtsstreitigkeiten dauern ewig. Sowas erzeugt Frustration und Frustration erzeugt Agression. Mal ganz davon abgesehen, dass unser Werteverständnis - auch und gerade in rechtlicher Hinsicht - in eine eklatante Schieflage geraten ist. Wer sich nicht in seine Hilflosigkeit ergehen will, wird nach genügend Frustration eben radikal beim Schutz seines Lebens und seiner Familie. Ich will nicht rechtfertigen, dass hier jemand krankenhausreif geschlagen wurde, aber ich sehe das auch aus Sicht eines Opfers, das durch Ermittlungsbeamte und Justiz mehr als einmal nochmals zum Opfer gemacht wurde. Das geht an den Menschen nicht spurlos vorüber. Der Gedanke hinter Strafen war ja ursprünglich auch als Abschreckung gedacht und auch ein Stück weit die Weiterentwicklung des biblischen Auges um Age, Zahn um Zahn. In unseren Gesetzbüchern sehe ich aber kaum Strafen, die ernsthaft abschreckend wirken.
Appelschnut: und hat man die Täter erwischt? Sind sie verurteilt worden? In meinem Fall sind wir so von den Polizeibeamten drangsaliert worden, zuzugeben, dass wir die Angreifer provoziert hätten. Man hat uns gedroht, dass es sein könne, dass die unsere Adresse auf den Vorladungen hätten. Die Täter sind unabhängig voneinander durch mehrere Zeugen identifiziert worden und der Neurologe, bei dem zwei von uns (ich einschließlich) wegen der Schläge und Tritte gegen den Kopf einfinden mussten, hat uns erzählt, dass diese Truppe ihm in derselben Woche schon drei Patienten beschert hat. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde hat nichts gebracht. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Mit den bleibenden Schäden müssen wir leben. Ich sehe diese Leute noch heute auf der Straße, unbehelligt und meinem Gerechtigkeitsempfinden versetzt das jedes Mal einen Stich. Abgesehen von dem Gefühl, nicht sicher zu sein. Wenn die Täter in nur einem der Fälle, in denen ich betroffen war, bestraft worden wären, hätte ich vielleicht noch Vertrauen in den Rechtsstaat - so vertraue ich auf mich selbst, aber da ich ein friedfertiges Wesen bin, gehe ich weder grundlos auf Leute los, noch plane ich Racheakte. Greift mich allerdings jemand an oder meine Lieben, dann fackel ich nicht mehr. Ich bin in solchen Momenten nicht kopflos, aber ich kann mir vorstellen, dass der Adrenalinrausch einen Menschen dazu bringt über die Grenze des Angemessenen hinaus zu gehen. Mir fehlt in der ganzen Betrachtung hier die Tatsache, dass niemand den Jugendlichen dazu gezwungen hat, einen Fremden und seinen Hund anzugreifen.