Beiträge von Tucker

    Ein Mindestmaß an Ahnung und Training kann man ja erwarten, wenn man sich einen Hund anschafft.

    Das ist der Punkt, das ist eben leider nicht gegeben.

    Mir glauben das eh nur Kollegen die das auch erleben, aber mir ist u.a. schon passiert, dass ich in eine Familie kam, Mutter, Vater, zwei Kinder unter sieben Jahre. Vor Ort eine etwa zweijährige, völlig überdrehte Hündin, 100% mit Listenhundanteil, natürlich ohne Erlaubnis in NRW! Dazu dann, weil so schön, noch einen BX Doggen Mix, Rüde, noch kein Jahr und schon ein Kanten, in der 3,5 Zimmer Wohnung im Mehrfamilienhaus mitten im Ort, Einflugschneise ... beide Hunde gehen mit den Leuten spazieren, keiner von beiden ist auch nur in der Lage einen der beiden Hunde zu halten. Die Hunde haben die Wohnung zerlegt, Möbel, beiben nicht allein, die komplette Palette.

    Und während sich das alles so beim Erstgespräch auftat, und ich mich zunehmend fragte ob ich bei "versteckte Kamera" oder "bitte lächeln" gelandet bin, oder ob man wirklich derart ahnungslos ungefähr 90kg Hund ins Haus holt suchte ich ein Thema wovon sie vielleicht mehr Ahnung haben, um ihnen einen nachvollziehbares Beispiel zu geben. Ich fragte also den Mann, nach welchen Kriterien er ein Auto kauft. Zack, bekommt meine Erwartungshaltung eine auf den Deckel, hatte ich doch an Kosten, Treibstoffverbrauch, Größe, Sicherheit etc. gedacht, nö, antwortet er bsolut ernst und trocken: "Danach ob es mir gefällt, schönes Auto, schöne Ausstattung". Ein Familienvater, mit Fixkosten, Wohnung, Auto etc. (und keinesfalls in der Liga, dass es ihm wurscht sein kann).

    Da fällt dir nichts mehr ein... und das ist kein Einzelfall, das ist nur sehr deutlich und unverhüllt. Meist kommt es besser verpackt daher.

    Und man mag nicht jeden Hund zum gesellschaftsfähigen Allzeitbegleiter machen können, aber man auch den besten Hund total versauen, wenn man dieses Mindestmaß an Ahnung und Training und vor allem Vernunft nicht hat.

    Na ja, wenn Rasse, Aufgabe, Umfeld passt, dann laufen nach überschaubarer Arbeit viele Hunde gut nebenher. Und man kann sein Training auf die Aufgaben aufgrund dessen gerade dieser Hund ausgewählt wurde, konzentieren.

    Ehrlich, in meinem Alltag, sind meine Hunde sowas von easy/unkompliziert/nebenher laufend und das mit wirklich nur wenig Training. Ich muss vieles gar nicht für die Hunde geradebiegen, sie in eine Form pressen, die ihnen genetisch nicht liegt, weil ihre Genetik zu meinem Leben/unserem Umfeld/ihren Aufgaben passt.

    Ich muss ihre Löffelchen nicht für einen Alltag verbrauchen, der ihnen völlig entgegen steht. Ich muss sie nicht ändern, nichts wegtrainieren was in ihren Genen steckt, nicht gegen etwas arbeiten, was sie mitbringen. Ich muss nur das nehmen, was sie anbieten und das mit den Hunden gemeinsam vertiefen, verbessern, vervollständigen. Und das ist ein Training was a)allen Beteiligten Mega Spaß macht und b) schnell Erfolge zu sehen sind. Denn im Grunde will ich die Rasse/den Hund genauso wie er es genetisch mitbringt und dann wird Hundehaltung zum hobbie, zum Vergnügen, zum nebenherlaufen.

    Lg

    Daür hast Du aber mal investiert, Dich informiert, da hast Du die passenden Hunde für gesucht oder Dir vorher ein Leben gestaltet in das diese Hunde reinpassen können, das ist ja kein Zufall oder liegt daran, dass Deine Hunde pauschal immer überall unter allen Bedingungen Selbstläufer sind, schreibst Du ja auch, es muss passen.

    ein hund läuft halt nicht mal eben nebenbei.

    lg

    Doch, genau so ein Hund ist Baghira. Die gibts also schon auch ;)

    Ja, einzelne Hunde laufen gut mit, oft liegt das auch an den Haltern ;-)

    Aber pauschal eine bestimmte Rasse oder bestimmte Rassen zu nennen die das können, wäre überzogen. Ebenso wie zu sagen, "mein Hund aus dem TS ist ganz problemlos und kommt super klar, alle Hunde aus dem TS sind so".

    Es kommt eben entscheidend drauf an, wie das andere Ende der Leine sich verhält. Man kann fast jeden Hund versauen.

    Zitat

    ein hund läuft halt nicht mal eben nebenbei.

    Doch die gibt es, die Optik gefällt einigen halt nicht und daher muss es etwas Exotisches sein.

    Stoffhunde gibt es doch in allen Farben, Formen und Größen!

    Im Ernst, was sollen das denn für Hunde sein, die zuverlässig problemlos und ohne Arbeit/Aufwand einfach mitlaufen, nur optisch nicht so ansprechend?

    Bei allen Hunden die ich kenne, die problemlos augenscheinlich nebenbei mitlaufen, wurde sehr sorgfältig und von Anfang an daran gearbeitet.

    :bindafür: Tucker aber zusätzlich zum anderen Umgang, so finde ich sahen Bissverletzungen "früher" auch irgendwie anders aus. Wenn man heute Bilder von Bissverletzungen beim Menschen sieht...... die sind ja völlig zerfleischt..... oder gehäutet.... ich frage mich, wie das kommt

    Weil mehr Raum da war, die Hunde waren oft frei und konnten ihr Heil in der Flucht suchen. Ein Großteil der heute üblen Verletzungen entsteht in Kontext mit großer Enge, zuviel Nähe... dazu von Anfang in der Welpenspielgruppe lernen, dass Ausweichen und sich zurückziehen keine Lösung ist, die müssen Spielen und Kräfte messen und Rangordnen und weiß der kuckuck. Die erlernte Distanzlosigkeit und damit fallende, natürliche Hemmungen und obendrauf dann eine Selektion genau solcher Hunde...yeah.

    Aber da sind wir halt wieder bei den fehlgeleiteten Erwartungen von Menschen, die süße Welpen "spielen" sehen wollen und die glauben,jeder Hund wolle immer mit jedem Hund Kontakt haben und das wäre angemessenes Sozialverhalten.

    Man steht daneben und fragt sich wessen Sozialverhalten da fehl geprägt ist.

    Ja, das stimmt. Ich bin quasi die "Wattebauschfraktion", bzw. Teil des weiten Feldes der Wattebauschfraktion.

    Aber es muss natürlich auch Sinn machen und was dabei rauskommen. Und vieles wird einfach nur anders erklärt, auch wenn ich z.B.den Hund hinter mich schicke in einer unerwünschten Kontaktsituation, blocke ich. Das ist halt die Definition einer Blockade und die ist keine Einbahnstraße, blocke ich einen anderen Hund oder eine Person, blockiere ich zwangsläufig auch den eigenen Hund, es geht gar nicht anders, wenn ich ihn vor einem Übergriff schützen möchte.

    Der Unterschied von Können und Nichtkönnen zeigt sich daran, das dem eigenen Hund vorher beizubringen und zunächst den Ablauf einzuüben und dann unter Einbeziehung von wechselnder Umgebung und Reizstufe zu generalisieren. Sonst endet das im Ernstfall nämlich nur im Ringkampf mit dem eigenen Tier, wenn ichs nicht komplett runterdeckel.

    Aber dieses ständige Gelaber, dass ja alles schlimmer würde, wegen den bösen Leckerlie und den Heititeiti Trainern geht mir echt auf den Senkel. Alter Falter, ich hab doch nichts zu schaffen damit, dass Leute sich Hunde anschaffen, die ihre persönlichen Fähigkeiten weit überschreiten! Ja verdammt, WENN die mich vorher fragen würden und wenn die auf mich hören würden, hätten die keine Aussies, Kangals, Cane Corsos, Huskies und Jagdterrier... keine "der röchelt nicht, der redet nur!" Frenchies und Möpse und OEBs.

    Ich WEIß, dass das ein Drama geben kann und womöglich wird (muss nicht, Hunde sind ja oft echt wahnsinnig nett, das übersieht man gern, aber ich bewundere immer wieder Hunde, die mit Menschen leben, die ich nach fünf Minuten schon kaum noch ertrage).

    Und ich kann einen Hund auch trainieren und bei Bedarf managen, das allerdings jemandem zu vermitteln, der eine komplett andere Vorstellung von Hundehaltung hat, der einfach will, dass der Hund funktioniert, peng. Eigentlich bräuchten diese Leute einen Kurs in Führungskompetenz, in Verantwortung und Pädogik/Training. Da fehlt an allen Ecken und Enden das Rüstzeug um einen Hund im heute durch eine engere und dichtere Welt zu führen.

    Und ja, weil das anstrengend ist und Reflexion und richtig Arbeit bedeutet, wird viel häufiger gedeckelt, das ist einfach und hilft augenscheinlich sofort. Da liegt mMn ganz oft das Problem, über deckeln bekommt man im Grunde das gleiche Ergebnis wie über reine Ablenkungsmanöver, das eigentliche Problem wird übertüncht, mal in häßlich mal in schön, nur das der Hund dabei überhaupt keine Information dazu erhält, was man eigentlich will, was er tun soll, was für ein Verhalten angesichts eines Reizes passt. Und da kommt dann oft genug einfach nur Mist bei raus, und ganze Generationen Hunde heißen dann "Nein, Aus" und werden irgendwo rumgezerrt bis ihnen der Kragen platzt...

    Früher waren die Hunde nicht so zahlreich, die Bevölkerungsdichte geringer, gerade da wo Hunde gehalten wurden und vor allem waren diese Hunde oft noch recht selbstständig, der Halter behagelte sich nicht nonstop mit seinem Aufmerksamkeitsdefizit und seinen (Un)Fähigkeiten (sorry), da konnte man sich aus Frust auch mal mit Nachbars Lumpi prügeln ohne gleich sämtliche Behörden am Hals zu haben. Aber ja, ich kenne das auch durchaus noch, dass Exemplare die größer Probleme gemacht haben sind einfach ohne große Diskussion von der Bildfläche verschwunden. Das ist einfach nicht so aufgefallen, weil gar nicht erst so ein Bohei gemacht wurde, oder das überhaupt irgendwo näher erörtert worden wäre. Da gabs halt auch kein Fb wo die Nachbarin die ungeheuerliche Tat oder wahlweise das glückliche Ende (weil die Gebissene) verbreiten kann um das dann auf allen Kanälen zu debattieren.

    Meiner Meinung nach ist ein ganz entscheidender Teil des Problems, dass der HH seltenst vorher auftaucht, sich wirklich ein Bild macht, sich beraten lässt, auch beratungsfähig! ist und nicht trotzdem losfährt und den Border Collie abholt, weil zweimal in der Woche Joggen ja schon sportlich ist und BCs ja auch sehr gelehrig und lieb (beliebige Rasse einfügen).

    Ich kenne Hundetrainerinnen, die kostenlose(!) ausführliche Beratung vor dem Kauf anbieten. Wird aber absolut nicht nachgefragt. Dafür wird dann nach dem Kauf die zehnjährige Tochter mit dem Australian Shepherd in den Kurs geschickt, "denn es ist ja ihr Hund, den soll sie auch selbst erziehen".

    Kostenlos ist die Beratung deshalb, weil diese engagierte Hundetrainerinnen sich zutiefst wünschen, so manche Katastrophe schon im Ansatz zu verhindern.

    Der Zeitgeist hat sich seither sehr gewandelt. Resozialisierung für gefährliche Hunde stand früher gar nicht zur Debatte. Daß ein Hund, der Menschen ins Krankenhaus gebissen hat, trotzdem Anspruch auf Liebe und ein gutes Plätzchen hat, und man auf der Suche danach halb Deutschland durchkämmt, wäre undenkbar gewesen.

    Dagmar & Cara

    Ja, hab ich auch angeboten, Ladenhüter hoch zehn, die kommen praktisch immer erst wenn der Hund, der häufig genau gar nicht zum Profil passt, schon da ist. und wollen dann am liebsten auch nix an sich ändern und möglichst wenig bezahlen, ist ja ein Privileg so eine tollen Job zu haben und mit diesem großartigen Hund arbeiten zu dürfen, nicht wahr... kriegen sie es trotz aller Bemühungen nicht gebacken, ist die Trainerin doof... die Leute sind da einfach unfassbar.

    Ich war jetzt rund zehn Jahre als Trainerin tätig, gewerblich nebenberuflich.

    Meiner Meinung nach ist ein ganz entscheidender Teil des Problems, dass der HH seltenst vorher auftaucht, sich wirklich ein Bild macht, sich beraten lässt, auch beratungsfähig! ist und nicht trotzdem losfährt und den Border Collie abholt, weil zweimal in der Woche Joggen ja schon sportlich ist und BCs ja auch sehr gelehrig und lieb (beliebige Rasse einfügen).

    Mehrere TSV haben mich von ihrer Vorkontrollliste genommen, weil ich den Leuten ja Horrorgeschichten erzähle, wenn ich im Rahmen der VK frage, was denn ist, wenn der Hund nicht stubenrein ist, sich kaum raustraut, nicht alleine bleiben kann... nunja, da sollte man sich aber doch Gedanken drüber machen bevor man die Probleme aber keine Lösungen hat.

    Nö, dass ist einfach nicht gewollt, keine Kratzer in die Illusion, bitte!

    Und da müssen wir aber mMn hinkommen, wenn wir aufhören wollen immer zu spät zu kommen und nur irgendwie die Scherben zusamenzukehren und immer mehr Hunde irgendwo "einzulagern", müssen wir da den Fuß in die Tür bekommen.

    Gleichzeitig müssen weniger Hunde angeboten, geboren werden. Zucht, Import... da gehört überall mehr Daumen drauf, auch in der Verbandszucht könnte man an einigen Stellen doch den Zügel wenigstens mal aufnehmen, aber da stößt man ja leider auf taube Ohren...alles ist wundertutti.

    Spoiler anzeigen


    Ich habe wirklich überhaupt keinen Bock mehr darauf, dann irgendwelche Hunde am besten per Handauflegen und gestern bitte, wieder halbwegs zurechtzubiegen, obwohl die Krux beim Halter liegt, und oft schwer auszugleichen oder aufzuarbeiten ist, weil es halt nicht reicht strammer zu laufen, sich mehr aufzurichten und Kommandos härter rauszurasseln bzw. "Ansagen"zu machen. da aber wirklich richtig in die Arbeit mit sich selbst zu gehen ist aber nicht, warum man bei einem Hundetrainer landet, der soll einfach machen, dass der Köter funktioniert.

    Deshalb mach ich das nicht mehr, es nervt mich und es ist total unfair dem Hund gegenüber. Man muss einfach was können, wenn man was fordern will, fertig.

    Bei meinem neuen, in Planung befindlichen, Projekt, wird das VORHER ein relevanter Baustein sein, mit vielen kostenlosen Informationen und Hintergrundwissen.

    Wir müssen da ansetzen, das ist die Wurzel, alle diese jetzt übrigen Hunde wurden irgendwann von jemandem gekauft.

    Bei der Pflege mitarbeiten war von Anfang an ein Hobby meiner Airedalin - die LIEBTE Trimmen:

    Externer Inhalt up.picr.de
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.

    Das hatten die Züchter, sehr liebe alte Leutchen, den Welpen von Anfang an als Zuwendung und Extra-Wellness verkauft, und sie konnte von dem Gezupfe echt nicht genug kriegen.

    So muss das! Großartige Züchter, gut weitergeführt... das würde ich lieber öfter sehen! Drölfzig Daumen hoch :laola::laola::applaus: