Beiträge von Tucker

    Ich sehe es umgekehrt, die Verwahrung ist der bequeme und obendrein "moralisch korrekte" Weg.

    Da muss man keine unkonventionellen Entscheidungen treffen, keine Diskussionen mit Leuten führen die man nicht kennt und die auch die Hunde nicht kennen. Wie ich schon vorher schrieb, heutzutage sind die Leute so abgefahren, dass man tatsächlich Angst vor Übergriffen haben muss, wenn man dann die böse Entscheidung trifft, statt den Hund auf dem Sofa heile zu kuscheln - wer dabei einen Auslöser findet darf ihn auch behalten oder so ähnlich.

    Wie auch schon oft erklärt, ist eine Resozialisierung in dem Sinne wie man sich das vorstellt, oft gar nicht möglich. Da greifen trainierte Abläufe zusammen mit viel Management, und das sollte ein zukünftiger Halter auch leisten können und wollen. Und da wird es dann ganz eng, da bekommst Du unter hundert Besserwissern, Hundeverstehern, Naiven und Größenwahnsinnigen im Idealfall einen Interessenten dem Du einen "resozialisierten" Hund mitgeben würdest, hundeerfahren, ruhig, bedacht, vernünftig, freundlich... und der ist klug genug zu sagen 'Nö, ehrlich gesagt hab ich mir was leichter handelbares vorgestellt, es sind Kinder geplant...' pöff, da isser wech der geeignete Interessent, auf die nächsten 100.

    Wir haben diese Leute und Plätze nicht in dem Maße, wie wir Hunde versauen und vermehren (da wird auch der Verbandszüchter in meinen Augen zum Vermehrer, wenn er nicht wesensfeste Tiere verpaart, an ungeeignete Leute abgibt etc).

    Und dadurch, dass die Tötungen die stattfinden, möglichst leise stattfinden, weil man sonst alle Beteiligten gefährdet, ist das auch kein präsentes Thema in D, hier ist präsent: Töten ist nicht erlaubt ohne vernünftigen, guten Grund.

    Das ist sehr schön bequem für die Moral, keiner darf ohne Grund getötet werden (Bissigkeit ist übrigens ein vernünftiger Grund), alle werden resozialisiert und bekommen dann, vielleicht mit etwas Wartezeit, ein schönes Zuhause. Da kann man doch gut schlafen und sich gut fühlen, bei uns werden die Tiere gerettet, wir sind die Guten.

    Ist halt nur nicht die Realität, die Hunde sind auch nicht verurteilt und können da nach 2 der 3 Jahren raus. Viele Hunde mit richtig Biss landen da mit unter drei Jahren, und mehr als die Hälfte derer bleibt dort bis zum Tod. Manche bekommen auch noch ne Extrarunde Wanderpokal, wenn es mit der Vermittlung dann doch nicht so klappt.

    Würden ofiziell in D zwischen Mo-Fr. täglich fünfzehn Tötungsanordnungen bekannt werden, würde man mal richtig deutlich machen, dass man der Problematik der unüberlegten Hundeanschaffung und Haltung nicht mehr Herr wird (das ist nämlich genau der Fall, so kann auch V.B. erst dahin kommen), würde die Bild dann nicht titeln "Deutschland! bringt Hunde um!!!", sondern "Hunderte Hunde müssen sterben, weil ihr nicht vorher nachdenkt!!!", dann könnte man den Leuten mal den Spiegel vorhalten, von wegen böse Spanier und böse Osteuropäer...wir sind nix besser, aber wir schonen gern die Moral, unsere Regierung weiß das, also bekommen wir eine moralische Lösung. Keine Häßliche, mit Reflexion und Verantwortung und Töten und so ekligen Sachen. Neenee, bei uns gibts nicht nur ein Recht zu Leben, sondern die Pflicht, wenigstens wenn man Hund ist, als Mensch sieht es anders aus, da ist Moral dann in Regenerationsurlaub.

    Ich glaube, mit einer klaren Reflexion des unüberlegten Handelns, die nunmal leider den Tod für manche Hunde bedeutet, würde man weiterkommen. Allen die Wohlfühlzone vorzugaukeln mag Wählerstimmen bringen, die Probleme der Hunde werden nicht gelöst. aber Hauptsache wir haben ausreichend Länder wo wir mit dem Finger drauf zeigen können.

    Ist es nicht schön, wenn sie ihre Intelligenz gegen uns einsetzen?

    Ich LIEBE das!

    Gegen mich ist aber das falsche Wort, ich empfinde das nicht als gegen mich, ich schätze es wie Hunde mitdenken und das erlernte auch FÜR sich nutzen. Es ist einfach der Inbegriff angewandter Intelligenz, der Hund denkt das Erlernte weiter, dreht es um... leider werden sie so oft unterschätzt und manchmal auch dafür bestraft, dass sie klug sind, manchmal klüger als wir ;-)

    Als wir einzogen, tat sich alsbald ein kleines Problem auf, nämlich als wir festellten, das die JRT Mixe meiner Vermieter unter mir, zwischen März und Oktober einen Großteil der Zeit im Garten direkt unter unserer Terrasse verbringen und dort vor lauter Langeweile jeden Schmetterling lautstark und anhaltend bebellen...:party: Nun find ich die Terrieristen zwar auch nervig, aber noch nerviger ist es, wenn meiner das Theater mitmacht.

    Aber ich bin ja nicht doof |), jedesmal wenns losging den Dicken rangerufen bevor er überhaupt auf blöde Ideen kommen konnte, groß gelobt, Keks verabreicht, nochmal groß gelobt... und dank der hohen Bellintensität gelangweilter Terrier hatten wir das ruckzuck schön auftrainiert, auch wenn er alleine war und nicht bekekst wurde.

    Kluges Frauchen, kluger Hund, dachte ich bei mir, haben wir das doch schön gelöst... joa, kluger Hund, marschierte schon alsbald in meiner Anwesenheit (und nur dann) auf die Terrasse, hüpfte einmal oder kratzte sich, zack gingen natürlich die Terrier los und schwupp kam er an, Keks bitte! :dafuer::lol:

    Vielleicht verstehe ich das falsch und es ist nicht so gemeint wie es bei mir ankommt, aber hier im Thread wird sich alle paar Seiten doch dazu geäußert dass es Plätze braucht um solche Hunde zu verwahren.

    Ich verstehe das so, dass damit die Hunde gemeint sind, die bei passender Sicherung Lebensqualität haben können. Nicht, dass man jedem absolut sozialuntauglichen Hund seine persönliche, abgeschottete 50qm-Miniwelt bietet.

    Naja, aber darauf läuft eine langfristige Lebensqualität halt schon hin. eine Parallelwelt erschaffen die dem Hund gerecht wird, wenn er der Welt nicht (mehr) gerecht wird und nicht mehr dahin zurück zu führen ist. Hunde brauchen eine soziale Gruppe, den engen Kontakt zu Gruppenmitgliedern, das sind im Regelfall Menschen, dafür wurden und werden diese Tiere halt gezüchtet und seit Jahrhunderten so konstant selektiert wie auf nichts anderes. Das bedeutet für mich persönlich im Sinne von dauerhafter Lebensqualität, dass der Hund am Leben wenigstens eines, seines Menschen wirklich teilnehmen kann. Alles andere kann immer dazu dienen, dass zu ermöglichen.

    Man muss ja immer bedenken, dass der Hund null Einfluss auf seine Situation hat, also nicht bewusst, klar, wäre er einfach nett, wäre es einfacher. Aber es ist ja auch nicht so, dass alle netten Hunde ein Zuhause hätten.

    Hunde sind zu einer Ware verkommen, Konsumgut im marktwirtschaftlichen Sinne, und ein verdammt gutes und wertvolles, die Haustierbranche in D und Europa ist so krisenfest wie kaum eine andere, die wächst auch in Krisen regelmäßig, nichts beruhigt offenbar so sehr wie der Kauf von Haustieren und ihrem Zubehör...

    Daran ist mit Kastrationen nichts zu machen, weil man die Falschen kastriert. Die, die damit Geld verdienen wollen, können das spätestens mit einer ordentlichen Meldung beim FA, in D dann auch Sachkundeprüfung nach §11 für gewerblicheZucht und Tierhandel, fertig, im Ausland mitunter weit weniger. Dann ist man ein legitimes Unternehmen und darf Hunde handeln mit gewerblich begründetem Interesse. Und versteuerten Profitinteressen steht in D kaum jemand im Wege.

    Theoretisch ist dann aber keine Zucht mehr im VDH zulässig, dort darf mWn nicht gewerblich gezüchtet werden...was nicht heißt, da gäbe es keine Profiteure, wenn man manche Wurfzahlen in Zwingern sieht.

    OT Tucker du weißt, woher die Redewendung 'bis zur Vergasung' stammt? Mir rollen sich da die Zehennägel hoch

    OT Ende

    Ansonsten finde ich die Schlussfolgerung, dass ein gut trainierter Familienhund - gut trainiert im Sinne von Mitgleid sein - sehr anspruchsvoll sein kannsehr richtig

    Ludmilla

    Nein, also ja, aber ich hab natürlich nicht drüber nachgedacht als ich es schrieb, tut mir aufrichtig leid!


    Einschläfern, es gibt immer einen guten Grund, der ist in D Voraussetzung. Bissig ist ein guter Grund, ein Hund muss in der Regel raus, also ist ein bissiger Hund eine Gefahr für die Allgemeinheit.

    Das passiert auch gar nicht selten, allerdings sieht jeder zu, dass das möglichst leise geschieht und nicht publik wird, weil sonst wieder das "sozial" mediale Theater losgeht, das kann ja keiner wollen, ich sag nur Chicco... vor dem Zirkus lass ich den Hund auch lieber an Krebs/Magendrehung/Schlaganfall/Unfall versterben, ehrlich. Die Leute sind so dermaßen von der Rolle, da muss man ja am Ende um die eigene Sicherheit fürchten, von daher wird das auch nicht größer thematisiert, schweigend handeln sozusagen.

    Tucker ich war das mit dem Dobi. Das Problem ist, dein Beispiel und meines scheinen ganz unterschiedlich zu sein. Bei "meinem" Dobi ist er reines männliches Statussymbol dessen Bedürfnisse nie befriedigt oder gar bedacht werden. Der hat zu funktionieren und hübsch auszusehen. Passiert dass nicht isser weg.

    Ähm ja, das geht natürlich nicht gut. Der Partner meiner Kundin ist da auch etwas komisch, im Ergebnis verarscht der Lenny ihn halt nur, und zwar nur. Und der ist echt super lieb und leichtführig und easy zu handeln, dieser Hund ist wirklich ein wandelnder Traum, aber dieses pseudomakerhafte nimmt er einfach nicht ernst, er macht das sehr nett nicht, totale Ignoranz oder bei Frauchen rückversichern, aber einfach so machen was der Fuzzi sagt? Niemals, nicht einmal zufällig |):lol:

    SinL sitzt durch das TH quasi im Schaufenster, da herrscht ja Betrieb, da verkehren Interessenten usw. Viernheim ist ja kein kleines unbekanntes TH irgendwo im Nirvana.

    Vor ein paar Seiten erwähnte übrigens irgendjemand den Dobermann in Kontext mit Kind, Familie, Haus bauen oder so ähnlich, ich finds nimmer.

    Aber dazu wollte ich was sagen:

    Ich habe einen Dobermannrüden im Kundenkreis, hauptberuflich Familienhund. Mit vier Monaten zu seiner Halterin, deren damals knapp eineinhalb jähriger Tochter und der vorhandenen JRT Hündin von damals 7 Jahren,sowie einem Katzenpaar. Im Dezember wird Lenny 6 Jahre, inzwischen sind noch ein Mann und 1,5 Kinder dazu gekommen, eins in Vollzeit, eins im Wechselmodell, das jüngste vor 2,5 Jahren, und es läuft ganz großartig.

    Diese Halterin kam aber zum Einen selbst aus dem Pferdebereich und hatte schon Hundeerfahrung, zum Anderen hat sie innert zwei Wochen nach dem Einzug eine Trainerin hinzugezogen (mich, zufällig auch noch große Dobi-Lieberhaberin).

    Der Rüde hat noch überhaupt nie einen Hundeplatz gesehen, der weiß nicht was Gebrauchshundesport ist, der kann einen prima Grundgehorsam, aber nicht in der Präzision wie das auf einer Prüfung ist bzgl. Haltung, genaue Position... der hört halt einfach, und der läuft praktisch auch nebenbei und das ganz easy, zwei große Runden am Tag, wenns Wetter passt auch mehrmals die Woche eine davon mit dem Rad oder mit Inlinern, drei-viermal die Woche mit zum Stall, da tobt er mit der Stallhündin rum und pennt dann, ab und zu trifft er noch andere, idR bekannte Hundekumpel, er ist Herr über einen großen Garten und verarscht "Herrchen" ständig, er hat einen dobitypischen eingebauten "weiche Polsterung" Sensor, meist finet man ihn also auf dem Sofa oder im Bett, er passt eigentlich immer und überall mit rein, sieht immer gut aus und hinterläßt einen guten Eindruck. Einzig ist er auch mit fast sechs eher ein Hemdchen im Vergleich zu trainierteren Dobis, er wiegt auf seine 72cm knapp 40kg, austrainierter könnten es sicher noch drei, vier Kilo mehr sein. Aber er sieht top aus, kein zu tiefer BK, gut proportioniert, aber halt ein Hemdchen :-)

    Klar, da waren Phasen dabei, die schon anstrengend waren, vor allem als die Hormone erwachten... da hab ich fast zwei Jahre für seine Eier gekämpft (er hat sie noch), weil er gern Gigolo geworden wäre.

    Aber er ist quasi in dieses Leben und diese Art der "Beschäftigung" und vor allem das Maß reingewachsen, der wurde nicht hochgepusht mit zusätzlicher Auslastung bis zur Vergasung, da wurde halt von Anfang die Realität angepeilt. Und ich finde, Familienhund sein ist auch ein echter Job, das ist gar nicht so einfach, es vereint quasi alle möglichen Ansprüche außerhalb des Sports und erwartet vom Hund im Grunde, wenn alles gut läuft, schlußendlich auch eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen selbstständig richtig zu treffen.

    Da ist in meinen Augen der Ausgleich im "Hundsein", also rumschnüffeln, Pferdeäppel klauen, trödeln, Wettrennen, Buddeln..., sowie in der Qualitätszeit mit dem Halter viel wichtiger als weitere formale Auslastung. Das gerät oft aus dem Blickfeld.

    Zumal bei der HHf ja nun nicht überwiegend eigentliche Sportcracks sitzen die quasi mit dem Beißleder zwischen den nicht vorhandenen Zähnen auf die Welt kamen.

    Natürlich gibt es auch Hunde die aus unklarem Grund (ich schreibe bewußt unklar, nichts finden zu können bedeutet ja nicht, dass nichts ist, außer plötzliche Aggression und das ist auch kein Zweifel an den Untersuchenden, es ist nur vielmehr einfach so, dass wir im Grunde noch viel zuwenig wissen und feststellen können. Das ist bei Menschen ja nicht anders, nicht jeder bei dem man nichts finden kann ist ein Simulant.) aggressiv werden, und wo die Halter sich redlich und ernsthaft Mühe gegeben haben.

    Aber es so darzustellen, als wäre in den meisten hochproblematischen Fällen mit dem Hund einfach was nicht richtig, obwohl die Halter sich umfassend informiert haben und einen geeigneten Hund ausgewählt haben/auswählen haben lassen und sinnvoll mit ihm umgehen, entspricht einfach nicht meiner Lebensrealität.

    In Zahlen würde ich sagen, von je zehn hochproblematischen Hunden haben 1-2 einen eindeutigen, mehr oder weniger banalen körperlichen Hintergrund, Schmerzen, (Gehirn)Tumoren, Sinnesprobleme (sieht/hört nicht korrekt, lässt nach - häufig bei plötzlichen Veränderungen im fortgeschrittenen Alter), hormonelle Probleme etc.; weitere 1-2 sind unklar aggro/seltsam/verhaltensgestört und auch bei Profis nur mit viel Aufwand, Management und Prävention dauerhaft halbwegs fair zu halten und die restlichen 6-7 haben mit ihrem Halter einfach nur ins Klo gegriffen.

    Um bei V.B. zu bleiben, super Beispiel in einem Video, wo sie diesen gelb/beigen Bulldog Rüden abholt der so riesig zenobert, und ihre Hündin soll den beruhigen, flüchtet aber lieber. Die Halter kommen vorne und hinten nicht mit dem Tier zugange, der Hund braucht einen Wesenstest sonst dürfen sie ihn nicht mehr halten, Vanessa holt den also ab, bereitet ihn auf den Wesenstest vor und absolviert diesen auch mit dem Hund. Bringt ihn zurück zu den Haltern, da haben die schon einen weiteren Hund angeschafft, junger schwarzer Schäfer... und diese Art von menschlichem Verhalten entspricht dann leider auch mehr meiner Lebensrealität und Erfahrung.

    Nee, tut mir leid, das liegt nicht an den gestörten Hunden.