Hallo,
ich erzähle mal, wie meine Tochter zu ihrer Hündin kam.
Ich bin sehr hundeaffin, bin auch beruflich da beheimatet und natürlich habe ich einen Hund mit dem meine Kinder auch aufgewachsen sind. Meine Kinder waren (sie sind inzwischen groß) in vielerlei Hinsicht eingebunden, auch bei der Arbeit, ob als die spielenden, lärmenden Kinder auf dem Spielplatz oder als zu suchende Personen beim Mantrailing...
Unsere Grundvoraussetzungen sind also ganz andere, trotzdem (oder gerade deshalb?) gab es keine eigenen Haustiere. Aus dem einfachen Grund: egal wie verantwortsvoll und reif und alles, Tatsache ist: ich bin verantwortlich für die alle und ein zusätzliches Tier ist förmlich, juristisch und praktisch meine Verantwortung. Das muss man wollen und ich wollte nicht, mir reichen meine Verantwortlichkeiten mehr als aus. Was ich auch klar kommuniziert habe.
Zur gleichen Zeit hatte ich aber eine junge Hündin in Training und Gassibetreuung die für ihre Halterin eine Nummer zu groß war, die sich allerdings in den Betreuungszeiten enorm gut mit meiner Tochter anfreundete und sich bei uns immer als Tophund zeigte. Die Zeiten wo ihre Halterin keine Zeit oder sie nicht mitnehmen konnte, weil halt einfach ne Nummer zu groß, summierten sich, die Hündin war zunehmend mit meiner Tochter unterwegs (mit Einverständnis der Halterin, nur um Missverständnisse zu vermeiden!). Kein Sport oder so, nix spezielles, von Chillen mit Freunden im Park bis hin zu ellenlangen Bahnfahrten für mehrtägige Wanderungen in den Alpen... also normale Sachen, wir leben ja alle nicht am Hundeplatz (wo die meisten Hunde auch ganz gut funktionieren ;-) . So ging es ungefähr fünf Jahre dahin, die beiden waren viel zusammen unterwegs, haben sämtliche erste großen Lieben meiner Tochter gemeinsam erlebt und überwunden... Aber der Hund gehörte nicht mir, wenn es hart auf käme hätte sie ein Zuhause, eine verantwortliche Person die sich auseinandersetzen muss, defacto wurde ich/meine Tochter zu dieser Zeit für den Betreuungsservice bezahlt.
Als meine Tochter dann mit 18,5 Jahren zum Studium auszog, haben wir lange gesprochen, gerechnet, beraten... und dann Nägel mit Köpfen gemacht, ich habe der Besitzerin die Hündin abgekauft und meiner Tochter geschenkt. Ich trage das in Sachen Kosten mit, Futter und Versicherung (volle Krankenversicherung) werden geteilt, Rest ist Sache meiner Tochter.
Heute sind wir weitere 1,5 Jahre weiter, es läuft gut soweit, aber auch sie, die wirklich über Jahre an die Verantwortung herangeführt wurde, einen Hund hat den sie ganz genau kannte bevor sie sich fest dafür entschieden hat, sagt selbst, dass die Verantwortung die sie jetzt alleine trägt schon anders wiegt.
Dir würde ich also dringend raten einen Hund nur dann anzuschaffen, wenn DU einen Hund wirklich haben willst, mit allem was dranhängt. Erfahrungsgemäß ist es auch oft so, dass Hunde in Familien bevorzugt an erwachsene Familienmitglieder binden. Meiner Meinung nach liegt das schlicht daran, dass Hunde checken wer die Gruppe managt, die verstehen den Sozialverband Familie instinktiv, weil es auch ihren sozialen Strukturen entspricht. Und sie orientieren sich in erster Linie an den Erwachsenen. Die Kinder werden geliebt, respektiert, als Kumpane gesehen, aber sie sind nicht die Bezugsperson. Das hat dann auch richtig Frustpotential für Deine Tochter.
Aber selbst wenn der Hund wunschgemäß an Deine Tochter bindet, sie wird dennoch soviel Unterstützung in jeder Hinsicht brauchen.
Was Border Collies betrifft: ja, die lernen sehr schnell und leicht - meistens ist das alles Mögliche, nur nicht das Gewünschte, wenn man es nicht versteht sehr sorgfältig zu steuern WAS da gerade schnell und leicht gelernt wird. Nix für Anfänger.
Agility kann jeder gesunde Hund machen. Und schneller und leichter Blödsinn lernen, als der Ersthundehalter es überhapt mitbekommt übrigens auch ;-)
Für Deine Tochter würde ich mal anregen sich nach Agilitygruppen bei euch in der Nähe umzuschauen, vielleicht auch nach Border Collie Züchtern oder Schafhaltern die mit BC arbeiten, wenn sie sich so in die Rasse verguckt hat. Auf jeden Fall mal richtig in Kontakt kommen mit der ganzen Geschichte. Wenn man dranbleibt, öfter da ist, mithilft usw. ergeben sich auch Kontakte, womöglich kann sie einen anderen Hund sportlich führen wenn sie engagiert ist, das ist gar nicht selten, manche Leute haben mehr Hunde als sie führen können, andere verletzen sich und fallen eine Weile aus, sind froh wenn jemand weiter mit dem Hund trainiert... da gibt es allerlei Chancen sich erstmal in der Realität mit dem Thema vertraut zu machen. Im Moment ist das nach Deiner Einlassung schon etwas wunschträumerisch, wo die Gedanken eben das Leben mit dem Hund und die Lösungen für alle Probleme bestimmen.