Also ich hatte vor einigen Jahren längere Zeit beruflich in einem Rotlichtbezirk zu tun und habe dort die Frauen, deren Männer und auch deren Hunde näher kennengelernt. Selbst habe ich mit meiner Familie in dem Stadtteil in dem diese Betriebe laufen gewohnt.
Seitdem bin ich Sokas gegenüber vorsichtig. Ich habe kein Problem damit, dass meine Mikrobe Frau Schmitt Kontakt mit solchen Hunden aufnimmt und selbst gehe ich ganz normal wie mit jedem anderen Hund mit Sokas um. Aber ganz wichtig ist da der Eindruck, den ich vom Besitzer habe. Ist der nur ein bisschen "schräg" und vermutlich in jener og. Ecke anzusiedeln, stellen sich mir aber schon die Nackenhaare auf...
Ich weiss nicht, wie sich die Lage seit den Rasselisten verändert hat, mein beruflicher Umgang mit der Szene war vor der Einführung der Listen.
Tatsache ist, dass in diesem Berufszweig sehr viele Sokas von den Frauen selbst als Abschreckung und zum Schutz gehalten wurden. Gewisse Männer hielten die Hunde als Statussymbol und Schwanzverlängerung. Die liessen die Hunde auch kämpfen, mit deren Narben und der Agressivität der Hunde gaben diese Typen auch an.
Die Hunde der Frauen waren da etwas anders. Den Frauen und Mitarbeitern der Bordelle gegenüber waren die Hunde sehr freundlich und umgänglich. Diese Hunde hassten sehr häufig allerdings fremde Männer. Wurden Freier in die Häuser gelassen, mussten die Hunde der Frauen sicher in den Koberzimmern eingesperrt oder angebunden werden. Offenbar übertragen sich die Gefühle der Frauen, die sie gegenüber den Freiern hegen, auf die Hunde. In jedem Zimmer gibt es einen Alarmknopf, wird der gedrückt, eilen die anwesenden Frauen der bedrängten Frau zu Hilfe, handelte es sich um einen agressiven Freier, wurden die Hunde zu Hilfe geholt. Gar nicht so selten wurden die Typen dann auch gebissen. Ich habe mal erlebt, wie zwei der Hunde aus einem Fenster eines Koberzimmers gesprungen sind um zwei pöbelnde, betrunkene, agressive Freier anzugreifen. Einer der Männer wurde in den Oberschenkel gebissen, der andere konnte sich retten, indem er gerannt ist wie der Teufel, raus aus der Straße (diese Straße ist abgeschottet wie die Herbertstraße), das war offenbar die Grenze, die die Hunde nicht überschritten haben. Stress gab es wegen des Angriffs nicht, offenbar hat da niemand Anzeige erstattet, wer will schon zugeben, im Puff herumgeprollt und von den Hunden der Huren (die Frauen bezeichnen sich selbst so) zurechtgewiesen worden zu sein...
Naja, jedenfalls waren die Hunde allesamt nicht ohne.
Die Männer der Szene haben die agressivsten Hunde verpaart, sich aus dem Würfen die "vielversprechendsten" herausgesucht und die anderen Welpen für kleines Geld verklingelt, entweder an die Frauen oder per Zeitungsannonce an ahnungslose Liebhaber der Rasse oder halbgare Bürschchen, die so einen Hund nur zum Angeben gebraucht haben. Im Prinzip war denen völlig wurscht, wer die Hunde genommen hat, hauptsache weg. Manche haben sich diese Mühe auch nicht gemacht und den Rest des Wurfes einfach umgelegt.
In unserem Viertel hat es vor Sokas nur so gewimmelt, auch in anderen "Brennpunkten" der Stadt gab es viele Sokas. Viele dieser Hunde waren hochagressiv und wurden von Typen geführt, die null Ahnung von Hunden hatten, die nur Angst und Schrecken verbreiten wollten. Und die die Hunde weiter verpaart haben.
Und genau da sehe ich das größte Problem, das letztendlich zu den Beissvorfällen und letztendlich zu diesen Rasselisten geführt hat: Die wilde Verpaarung agressiver Hunde ohne jede Selektion außer auf Agressivität.
Das hat dem "Image" der Hunde enorm geschadet. Und ich muss sagen, nach meinem Empfinden war die Angst der Bevölkerung vor diesen Rassen durchaus berechtigt. Die wenigen sorgfältig gezogenen und von Familien als Pets gehaltenen Hunde der seriösen Züchter gingen da imho einfach unter.
Der Anteil der Abkömmlinge wilder Zuchten ist imho einfach völlig ausgeufert.
Modehunderassen tut so was nie gut. Da werden Hunde mit schweren Wesensmängeln in Massen auf den Markt geworfen, eine gewisse Klientel (hier viele hochagressive Jugendliche und schwache Männer mit krankhaftem Geltungsbedürfnis) legt sich so einen Hund zu und dann eskaliert das.
Ich war und bin also durchaus für eine gewisse Kontrolle der Soka-Population. Die genetische Disposition darf nicht außer Acht gelassen und die Hunde dürfen nicht generell als "Kampfschmuser", die nur durch Erziehung "böse böse" werden, verharmlost werden.
Die Rasselisten allerdings schießen da weit über's Ziel hinaus.
Meine Lösung wäre die sorgfältige Zuchtüberwachung. Mit allen Konsequenzen. Also kein Handel, keine Haltung, keine Würfe ohne entsprechende Zuchtpapiere. Zwangsmitgliedschaften in Erziehungskursen, bzw. in Hundevereinen, das persönliche Erscheinen muss dort dokumentiert und auf Verlangen nachgewiesen werden.
Können keine Papiere und keine Vereinsmitgliedschaft nachgewiesen werden, wird der Hund eingezogen.
Und saftige Strafgelder für die Produktion von Mischlingen dieser Rassen. Ich persönlich fände das zwar schade, ich stehe auf Mischlinge aller Art, aber aufgrund meiner - und das möchte ich betonen - nicht allgemeingültigen Erfahrungen halte ich diese Maßnahmen für unumgänglich um diese liebenswerten Rassen zu erhalten und es dem agressiven Pöbel erheblich zu erschweren, sich mit diesen Hunden den Schwanz zu verlängern.
Übrigens kennen die Älteren unter uns bestimmt noch "die kleinen Strolche", der Hund der Kinder war ein Staff. Laut Tante Wiki auch der erste Hund der neuen Hunderasse "Staffordshire Terrier" der im Kennel Club registriert wurde. 