ich sag's mal mit Thin Lizzy:
the boys are back in town, the boys are back in town!
Hallo, wunderbare Welt des Internets!
Diese ganze Kreuzbandgeschichte nervt ganz schön, muss ich sagen.
Die Nacht nach der OP war schrecklich, die zweite immer noch schrecklich, aber weniger und dann ging es langsam bergauf.
Bolle hat irgendwie gelernt, mit seinem Verband ein wenig zu watscheln und die Liegeposition zu verändern, das war der erste Schritt nach vorn. Der Käfig war Gold wert, als Bolle dieses kleine Stück Freiheit zurückerobert hatte. Aber an den Verband ist er so gut wie gar nicht gegangen, deshalb konnten wir auf den Kragen verzichten.
Eigentlich stand auf der Website der behandelnden Tierärztin (wie bei allen) diese Regelung: zwei Wochen lang drei Mal täglich 5 Minuten gehen, Woche drei und vier 10 Minuten täglich usw. Das sagte mir der Praxisangestellte auch vor der Operation. Nachdem wir Bolle aber abgeholt hatten, sagte er "4 Wochen absolute Bettruhe, raustragen, lösen, reintragen, liegen." Sie würden das Konzept jetzt ändern, weil in dieser Anfangszeit die Hunde das höchste Risiko hätten. Mir kam das intuitiv nicht ganz richtig vor, Bolle ist eh schlecht bemuskelt... nach vier Wochen liegen kann der gar nix mehr. Hmpf.
Irgendwann kam dann das Abnehmen des Verbands, das war ganz schrecklich. Das Pflaster klebte so fest und war so mit Wundflüssigkeit ans Bein gepatscht, dass ich ewig gebraucht habe, um es abzufummeln. Irgendwann half nur Kokosöl.
Wir hatten also nun eine unglückliche Situation geschaffen:
Bolle konnte nun an die ungeschützte Wunde UND die roch auch noch nach Kokosöl.
Extraordinär pfiffig, Momo.
Also musste jetzt der Kragen dran. Und dieser Plastikkragen war für Bolle das größte Sicherheitsrisiko. Der ist herumgesprungen wie ein Fohlen und hat versucht, das Ding abzukriegen, hat dabei derartige Hüpfer hingelegt und sich gewunden wie ein Aal, das ging gar nicht. Also Aufblaskragen. Der wurde akzeptiert. Und, weil er mit Anstrengung doch noch ans Knie kam: eine fesche, locker sitzende Hose. Damit ging es dann ganz gut.
Inzwischen trägt er, wenn jemand aufpasst, nur noch die Hose, die hält ihn ab. Und morgen sollen die Klammern gezogen werden, davor mach ich mir schon wieder in die Hose.
Zum Lösen nehmen wir Bolle morgens für fünf Minuten mit auf die Wiese, danach geht es zwei Mal am Tag in den Garten zum Pipinieren. Man merkt schon, dass er eigentlich gern mehr machen würde, der will vor allem auch mal wieder ein bisschen rumwuseln, darf er aber nicht. Dafür darf er jetzt wieder innerhalb der Wohnung herumlaufen und muss nicht mehr den ganzen Tag im Käfig sein, er ist aber ein braver Patient und wechselt nur von einem Liegeplatz zum anderen oder legt sich vor den Herd in der Hoffnung, dass etwas herunterfallen könnte.
Ist mir lieber so, als wenn er sich gar nicht bewegen könnte und jeglicher Muskel seinen Dienst quittiert.
Alma, die olle Nuss, hat mir vor einigen Tagen einen spontanen Stressbrechreiz beschert. Die hat nämlich, gebeutelt vom Umzugsstress, ihre dollen fünf Minuten gehabt und wollte ein bisschen Stress wegzocken. Gut, gesagt, getan, wir rannten ein bisschen durch den Garten als plötzlich Alma zu schreien anfing. Sie schlug einen Haken und dann SchreiSchreiSchreiSchrei - bestimmt eine halbe Minute lang.
Freund raste aus dem Haus, ich raste zu Alma, wir sahen uns nur an "bitte, bitte nicht. Bitte nicht. Bitte, bitte, bitte nicht."
Schubladentest versucht. Ging nicht. Aber gut, ich hab das noch nie allein gemacht, das heißt also gar nichts.
Alma: Todesblick. Öhrchen ins Innere des Kopfes gezogen. Manga-Wal-Augen. Kleine Glitzertränen.
Und dann: alles wieder gut.
Ganz normal belastet, keine Schwellung, keine Erwärmung, alles wieder gut.
War also zum Glück nichts.
Und da merkt man wieder: Bolle reißt sich das Kreuzband und macht einmal kurz "wiep." Alma knickt blöd um und alle Tiere des Waldes denken, sie wird geschlachtet. Aber Alma kriegt solche Schreianfälle ja auch, wenn Streusalz ihre Pfoten berührt, legt sich auf den Rücken, streckt die Beine nach oben und schreit den Engeln, die sie an der Pforte des Irdischen willkommen heißen, im Stile der Callas den Weltschmerz entgegen.
Kommt ganz nach dem Frauchen, die Alma.