Du hast einen Satz vorne geschrieben, der mich stark an mich ab und an erinnerte "wenn ich die anderen Hundehalter so entspannt laufen sehe".
Meine Eltern haben einen Hund, der passt zu meinem Vater wie die Faust aufs Auge. Jeder dappelt durch den Wald, guckt mal hier, guckt mal da, bleibt stehen, eine Seele von Hund, lässt sich durch nix aus der Ruhe bringen, liebt meine Eltern abgöttisch und uns Kinder genauso, ab und an vergisst mein Vater sogar die Leine wenn er Gassi geht, weil er eh fast nie an der Leine läuft. Dazu kommen die Hundehalter hier in meiner Nachbarschaft, die ihren Hund am ersten Grashalm ableinen und dann schwätzend, in den Himmel guckend Gassi gehen.
Und dann hat man einen Hund, wie ich, aus dem Tierheim, der erst total verschüchtert ist, und dann mit steigendem Selbstvertrauenen einen Jagttrieb entwickelt, der nicht von schlechten Eltern ist. Und man übt, mit Schleppleine, arbeitet daran, dass der Hund nicht alle und auch einen selber nicht mehr anspringt, steht bei Wind und Wetter draußen und wird von allen belächelt.
Und man findet mit der Zeit raus, dass ganz viele Hunde in meiner Nachbarschaft jagen. Dass die Hundehalter aber einfach keinen Bock haben, was dran zu ändern. Sie gehen mit den Augen in der Landschaft um die Felder und es ist ihnen egal, solange der Hund nach 2 Minuten wiederkommt. Und man stellt fest, die andere Hündin im gleichen Alter wie dein Hund springt heute noch (die sind mittlerweile fast 2 Jahre) jeden 3. Passanten an, stöbert durch die Vorgärten der Nachbarn (gab wohl schon richtig Ärger deshalb) oder die Besitzer klagen einem im Vertrauen ihr Leid, dass der Hund nie alleine sein darf, weil er alles zerkaut, nur am Bellen ist, den Garten umgräbt etc.
Dann stellt man fest, dass nicht alles Gold ist was glänzt, und dass man auf seine kleinen Erfolge stolz sein kann.
Und heute, nach etwas mehr als 1 Jahr echt harter Arbeit hab ich einen Hund, der noch nicht perfekt ist, der immer ein Hibbel sein wird, aber um dessen Gehorsam (und sie ist kein Engel und es sitzt vieles noch nicht 100%ig) immer wieder beneidet werde.
Du schaffst das. Setzte dir kleine Ziele, nimm dir nicht den typischen "neben dem Kinderwagen herschlurfenden Golden Retriver" als Vorbild. Arbeite an dem, was dir im Moment am wichtigsten ist, und lege dir sowohl ein dickes Fell zu und lerne andere Leute draußen mit ihren Sprüchen zu ignorieren.
Eine Hundeschule ist sicher nicht verkehrt, gerade wenn du unsicher bist. Dort wirst du auf noch mehr Leute treffen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen wie du und wenn man nicht mehr alleine ist, ist alles nur noch halb so wild.
Du schaffst das!