Zitat
Jagen ist Wolfserbe und in unseren Hunden je nach Abstammung mehr oder weniger als Trieb fixiert.
Was passiert in den Hundehirnen, wenn Hunde jagen?
Jagen ist der Domino - Day im Hundeleben. Nimmt der Hund eine potentielle Beute wahr, bewegt er sich je nach von der Beute ausgehendem Reiz auf sie zu. Das veranlasst diese, zu fliehen, was innerhalb der Jagdsequenz den Hund zum Hetzen reizt. Ist die Beute schneller als der Hund, bricht der Sichtjäger die anscheinend erfolglose Jagd ab, der Fährtenjäger dagegen arbeitet die bis zu 72 Stunden wahrnehmbare Fährte mit Hilfe seiner Nase aus.
Erreicht der Hund die sich wehrende Beute, reizt ihn dies als letzten Dominostein, sie zu töten.
Diese Jagdsequenz wird im Hundehirn von mehr oder weniger starker Ausschüttung von Endorphinen begleitet, die den Hund für alle nicht von der Beute ausgehenden Reize weitestgehend unempfänglich macht und vor allem, die bei häufigen Wiederholungen zur Entwicklung eines latenten suchtähnlichen Zustandes führt.
Dies ist besonders wichtig – hat ein Hund erst mal das Jagen gelernt, wird es mit jeder von ihm durchlebten Sequenz schwieriger, ihn davon abzubringen.
Wie bereits angeführt, sind Hunde unterschiedlich zur Jagd disponiert. Dementsprechend kann man sie grob einteilen in
Nichtjäger
Spaßjäger
Berufsjäger
wobei die letzten beiden sich deutlich in ihrem Jagdverhalten unterscheiden, denn während der Spaßjäger einzelne „Dominosteine“ selektiv auslebt und innerhalb dieses Auslebens bei entsprechender Ausbildung abrufbar bleibt, läuft beim Berufsjäger jede Sequenz vom Anfang bis zum Ende durch, er ist „voll auf Droge“ und ohne massive Zwangseinwirkung nicht mehr in seinem Verhalten zu unterbrechen.
Während Nicht – und Spaßjäger bei adäquater Grundausbildung wenig Sorgen machen, führen Berufsjäger ihre Besitzer oft an den Rand des Wahnsinns.
Dabei sind sie fast immer hausgemacht, denn grundsätzlich ist jeder Hund zum Nichtjäger erziehbar, man muss es nur von dessen Welpenalter an wollen.
Dieses zum Nichtjäger erziehen hat allerdings einen kleinen Haken, denn damit verabschiedet man sich unter ethischen Gesichtspunkten unter Umständen von jeder Fairness dem Hund gegenüber. Hunde, die anlagenbedingt starken Jagdtrieb haben, sollten entweder jagen dürfen oder nicht geboren werden, wobei letzteres vermutlich mein ewiger Traum bleiben dürfte.
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Das ist aber lieb, dass du das nochmal so knapp zusammengefasst hast.
Aber ich glaube, wer sich mit AJT auseinandersetzt, in welcher Hinsicht auch immer, der weiß zumindest grob, was im Hund passiert, wenn er jagt, warum er jagt usw.
Zumindest war es mit das erste, was ich überhaupt an Informationen eingeholt habe.
Es gibt Zuchtlinien, die definitiv nicht ohne Starkzwang von ihrer "Arbeit" abzubringen sind.
Aber solche Hunde werden (meistens) nicht in normal sterbliche Hände gegeben.
Dennoch ist es wiederum vom ganz persönlichen Genpool und von den individuellen Erfahrungen abhängig, wie stark der Jagdtrieb "ausartet".
Dass solche Zuchtlinien, von denen ich eben sprach, so perfekt ihre Handlung abbrechen können (wenn man von "Handlung" reden will), wurde meistens durch eine Art sehr starken Zwanges herbeigeführt.
Denn das 100%ige Gehorchen am Wild ist mit dem uneingeschränkten Trieb kaum zu vereinbaren.
Faesa:
Ich denke sehr wohl, dass dein Hund Jagdschemata durchspielt, denn das Jagen liegt dem Hund mehr oder weniger im Blut.
Daher ist es für mich sehr wichtig, komplett getrennt vom echten Wild, eine Art Jagd zu erlauben.
Bei meinem Hund funktioniert das auch. Es gibt Rassen, die absolut selbstständig arbeiten, bei denen wirds schwerer. Windhundarten zb.
Dadurch, dass ich sie kontrolliert jagen lasse im kleineren Rahmen, kann ich auch überhaupt lernen, wie sie reagiert.
Daher ist es sehr gut, dass du den Dummy erstmal aufbaust. Das wird schwer genug sein. Das Bringen des Dummy's erleichtert es, wenn sich dort richtig leckere Sachen drin befinden, die sie ja nur bekommt, wenn sie ihn dir bringt.
Ein Bisschen schütteln ist ok, macht meine auch.
Ich persönlich versuche ja weitestgehend ihr Verhalten beizubehalten. Sie soll nur lernen, dass nach meiner Pfeife gejagt wird.
Das heißt, sie darf sich gern drum kümmern, dass die Beute sich nicht mehr bewegen kann, immerhin provoziere ich mit meinem Training ja auch ihren Jagdinstinkt (GANZ WICHTIG!!!).
Allerdings muss sie ihn mir bringen und darf sich nicht entfernen.
Was bei uns auch super klappt... kauf dir noch nen zweiten Dummy.
Wenn sie den ersten brav gebracht hat, wirfst du den zweiten als Belohnung, den sie sofort holen darf. Für den ersten Dummy musste sie ja ihren Impuls kontrollieren.
Natürlich erstmal in überschaubaren Dimensionen, also keine 30 Meter werfen^^