Mein Fynn (der Vorgänger von Lotte) war extrem Leinenaggressiv. Allerdings ist er auch ohne Leine auf andere Hunde losegangen. Der hat da auch erst geprügelt und dann gefragt, mit wem er es zu tun hat.
Am Ende waren wir so weit, dass er nur noch andere "prollige" Rüden angebellt hat, aber ohne dieses extreme in die Leine steigen und wild rumschnappen.
Wir haben mit unserer Trainerin auf dem Platz ein spannendes Experiment gemacht. Ich bin mit Fynn an der Leine rumgelaufen, meine Trainerin ist neben mir gegangen und hat ihn über die Schlepp gesichert.
Von vorne kam ein Mensch mit Hund. Solange Fynn ruhig war, habe ich gelobt, sobald er Theater gemacht hat, hab ich die Leine fallen gelassen, mich umgedreht und bin gegangen. Fynn hat sofort aufgehört zu bellen und ist hinter mir her gekommen.
Leider ist eine solche Trainingsmethode im normalen Alltag nicht umsetztbar....
Also haben wir mehrere Trainingsansätze gewählt:
Wir haben regelmäßig auf dem Hundeplatz trainiert. Fynn hat es gut getan, mit anderen Hunden imRing zu laufen und zu merken, dass die Nähe nicht schlimm ist und es sich für ihn lohnt, trotzdem mit mir zu arbeiten.
Wir hanben Leinenführigkeit bis zum erbrechen trainiert. Mit allen zur verfügung stehenden Ablenkungen. Und auch sonst viel an der Impulskontrolle gearbeitet.
Ich habe Blickkontakte geclickert. Denn als ich Fynn bekam, hat er draußen nur noch nach "Feinden" gesucht und sich für nichts anderes Interessiert.
Ich habe bei Hundebegegnungen versucht auszuweichen und bin auch oft wieder einen Weg zurück gegangen, um eine enge Begegnung zu vermeiden.
Leider hat Fynn extrem aggressiv reagiert, sobald der Hund in Sicht kam. (Oft auch vorher, wenn er das klingeln der Hundemarken gehört hat oder wenn uns Menschen mit Einkaufstaschen entgegenkamen, die aus der Entfernung ein wenig nach Hund aussahen.) Daher habe auch ich mich für die Wasserspritzmethode entschieden. Ich habe dafür so eine Plastikflasche benutzt, die man anscheinend zum Bügeln verwendet.
Nach zwei oder drei Anwendungen ist Fynn bei der nächsten Hundesichtug zwar immernoch nach vorne gesprungen, aber man konnte sehen, wie ihm im Sprung wieder eingefallen ist, dass das beim letzten Mal ganz doof war und hat abgebremst. Das gab natürlich eine Superbelohnung.
Für mich war ganz wichtig zu lernen, dass das Abwenden und die Begegnung vermeiden eine Belohnung für Fynn war. Also hieß die Devise: erst beruhigt sich der Hund, dann wenden wir ab.
Nachdem Fynn nicht mehr sofort ausgerastet ist, wenn der andere Hund in Sicht kam, habe ich begonnen, sowohl ruhige Blicke zum anderen Hund als auch Blicke zu mir zu belohnen. Dabei habe ich die Futterbrocken auf den Boden geworfen. Dahinter steckt die Theorie, dass Fynn, während er die Futterbrocken vom Boden aufnimmt, für den anderen Hund nicht bedrohlich aussieht und in der Folge selber weniger provozierend auf Fynn reagiert.
Wie gesagt, nach einem guten Jahr Training, hat er nur noch ausgewählte Feinde angebellt. Aber viel abgeschwächter. Daher hat mir das gereicht.