Zitat
Unter diesen Voraussetzungen nimmst Du es mir jetzt hoffentlich nicht übel, wenn ich folgende "Behauptung" aufstelle:
Ich glaube, dass das an der Leine laufen Deiner Hündin viel mehr "Arbeit" ist, als Du Dir vorstellst. Während meine Herrschaften nur kurzweilig "situativ" bedingt an der Leine laufen und ihre einzige Aufgabe darin besteht, dass sie an lockerer Leine neben mir laufen, hat Deine unter viel größerer Ablenkung als meine 4 (die 5. gildet nicht, die ist schon zu alt) den Leinenradius einzuhalten - sie muss sich während des Schnupperns noch auf Dich und die Leine konzentrieren - das ist so, als wenn wir ein Sudoku machen, gleichzeitig mit einem Hund das Platz/Bleib üben während dazu der Fernseher läuft und wir von einem Zweibeiner angesprochen werden...nur so als Beispiel...
Das meinte ich damit, dass Deine Hündin auch beim Spaziergang um des Hundes willen (und nicht um schnell von A nach B zu kommen) immer in einem "Arbeitsmodus" läuft. Dass Du dieses ganz andere Level der Leinenführigkeit so gut hinbekommen hast, finde ich toll, aber ich finde es auch wichtig, einfach mal auszusprechen, dass der Spaßausflug mit Hund an der Leine eben auch eine besonders schwierige Lernsitution ist und auch mal die Gründe dafür, nämlich die Vermischung von Arbeit und Spaß als besonders hohen Level zu nennen - nicht umsonst haben so viele HH so große Probleme mit der Leinenführigkeit.
LG, Chris
Sicherlich ist das Leinelaufen für sie anstrengend. Wäre es ein selbstverständliches Kinderspiel, müssten wir es nicht üben 
Wenn ich jetzt deine Defintion von "Arbeit" aufnehme, dann ist bei meiner Hündin eigentlich jedliches "Draußensein" mit Arbeit verbunden. Denn selbst wenn sie ohne Leine läuft, muss sie ständig aufmerksam sein, denn sie muss sich ja an mir orientieren. Sie muss schauen, wohin ich gehe, um ggf zu folgen.
Meine Hündin zeigt mir sehr schnell und deutlich wann sie genug hat. Wenn aber bestimmte Sachen bei ihr in Ruhe aufgebaut wurden, dann ist das für sie keine schwere Arbeit mehr. Dann ist das etwas was sie nebenbei tut, und mit Leichtigkeit. Daher kann ich solche Arbeiten dann auch über einen längeren Zeitraum einfordern und sogar noch mit schwereren Arbeiten kombinieren.
Das Leinelaufen ist so für sie eine Selbstverständlichkeit geworden. Und sie wird ja durch das Schnuppern (oder auch andere Sachen) beständig dafür gelobt.
Mein langfristiges Ziel ist natürlich, dass sie irgendwann weite Teile auch in der Stadt ohne Leinen laufen kann. Allerdings bedeutet das für sie momentan noch mehr Anstrengung als das Leinelaufen.
Denn an der Leine nehme ich ihr auch viele Dinge ab. Sie muss sich nicht um andere Hunde kümmern, sie muss sich nicht um die Richtung kümmern und auch nicht um irgendwelche Gefahren oder so.
Dafür, dass sie manierlich an der Leine läuft, bekommt sie halt auch eine Menge Komfort. Denn ohne Leine muss sie solche Sachen eben doch selbst regeln und das ist eine Sache die sie wiederum mehr streßt, als das einfache Folgen.
Ich habe in der Hinsicht Glück mit meiner Hündin, dass sie gerne folgt. Sie ordnet sich gern unter. Sie lässt sich gern die Richtung von Menschen und auch von anderen Hunden vorgeben.
Natürlich ist sie deshalb keine Marionette, die nur macht was man ihr sagt, und keine Entscheidung allein treffen kann. Das kann sie natürlich auch (und entscheidet sich meiner Meinung nach immer gut und richtig), aber das ist natürlich auch viel Verantwortung und diese gibt sie lieber ab.
Wenn sie momentan in der Stadt ohne Leine läuft, dann wird sie schnell von den vielen Eindrücken überschwemmt. Bei Geräuschen, die sie sonst nicht mal mit der Wimper zucken lassen würden, hebt sie den kopf und schaut genau hin, was da war. Bei Hunden, die sie sieht, schaut sie auch sehr lange und angestrengt und überlegt ob sie nun hinmag oder nicht (ich sehe, sie mag meist nicht, fühlt sich aber irgendwie gezwungen höflich zu sein, und lässt sich dann doch abschnuppern). Jeder Mensch, der uns begegnet, muss genausestens abgescannt werden, ob er vielleicht eine Gefahr oder ein Freund sein könnte... so geht das immer weiter...
Alles Reaktionen, die ich als völlig normal empfinde und die auch völlig normal ablaufen, die aber in Numa jedesmal kleinste Mengen an Streß hervorrufen und der Streß summiert sich dann irgendwann zu einer richtig großen Menge Streß...
Daher läuft sie in der Stadt momentan nur kurz (maximal 10-15min) ohne Leine und meist auch nur nachts, weil da wesentlich weniger los ist und sie dann viel ruhiger ist.
Die Entscheidung Leine-Nicht Leine ist also irgendwo immer ein abwägen zwischen "Was macht mehr Streß?"
Man darf meinen Hund aber, um Gottes willen, nicht als Maßstab für irgendwelche anderen Hunde nehmen. Numa ist sehr triebstark und neigt dazu sich schnell in jegliche Art Streß reinzusteigern und dann kommt es zu Übersprungshandlungen.
Daher ist für mich dieser "Arbeitsmodus" an der Leine völlig vetretbar, denn so kann ich über lange Zeit mit meinem Hund spazierengehen, mein Hund kann sich bewegen, kann ihrem heißgeliebten Schnüffeln nachgehen und danach kommen wir nach Hause und sie legt sich zufrieden in ihr Körbchen und döst ne Runde.