Ich sehe das Problem auch darin, dass sich jede Familie unter dem perfekten familienbegleithund noch äußerlich wie vom Charakter her unterschiedliches vorstellen.
Die Familie 1 stellt sich äußerlich ihren perfekten Hund mit stehohren, Kurzem Fell, möglichst bunt, mindestens 55 cm hoch, längere Schnauze, wenig unterwolle vor.
Vom Wesen/Charakter hätten sie gerne, kaum jagdtrieb, bellt aber wenn es klingelt, oder nachts jemand durch den garten schleicht, soll kinderlieb sein, mit Artgenossen verträglich und mit kurzen Spaziergängen im kindertempo und garten zufrieden und ausgelastet sein. Gutes nervenkostüm und total umweltsicher bitte noch.
Familie 2 möchte bitte äußerlich, nicht haarend, aber auch keine locken, bitte nicht höher als 50 cm, am liebsten schlappohen, am besten in weiß oder braun, Kulleraugen wären toll und eine süße stupsnase.
Vom Wesen/Charakter soll der Hund nicht jagen, kinderlieb sein, möglichst nicht bellen, sich auch mitten in der Großstadt wohl fühlen, sowohl mit runden um den Block zufrieden sein, wie auch am Wochenende neben dem Fahrrad herlaufen können. Fremden freundlich gegenüber treten, aber nicht aufdringlich. Und wichtig, er soll mit den Kindern spielen.
Familie 3 möchte äußerlich, wuschelig, eher schlank gebaut, 50 cm hoch, eher hell, damit niemand Angst hat, viel bürsten möchte man aber nicht, Fell soll trotzdem praktisch sein. Und bitte keine stehohren. Im Gesicht soll das Fell auch eher kurz sein, damit der Hund was sieht.
Charakterlich soll deren perfekter Hund, mit Papi zum Joggen, mit Tochter zum ausreiten, mit sohnemann und Mutter nur um den Block. Er soll nicht bzw. kaum jagen, fremde Hunde und Menschen ignorieren, denn man möchte, dass sich der Hund nur auf die Familie bezieht, bitte nicht bzw. kaum bellen und sehr verträglich mit anderen Hunden und anderen Tieren jeder Art sein.
Alles etwas überspitzt gesagt, also alle drei Familien stellen sich unter dem für sie perfekten begleithund etwas anderes vor. Wie soll das 1 Rasse bitte alles vereinigen?
Das einzige was immer ein Punkt ist, auch bei mir selber ist viel/unkontrollierbarer jagdtrieb. Den möchte ich auch nicht haben, darum schaffe ich mir keine Vollblut Jagdhunde oder deren Mixe an.
Jede Familie hat ihre eigene individuelle Vorstellung vom perfekten begleithund, dass kann keine einheitliche Rasse erfüllen und auch keine 10 reinen familienrassen, denn dann gibt es bei jeder dieser rassen etwas das Familie xyz stört und nicht passt.
Dazu eben der fehlende Zusammenschluss von Züchtern die gemeinsam, gezielt, mit Sinn und Verstand diese familienbegleithunderasse zwischen 45 und 65 cm züchten. Ohne jagdtrieb, mit steh, schlapp, stehkippohren. Mit langem, Kurzem, stockhaarigem, nicht haarendem Fell, in schwarz, braun, weiß, getupft, gefleckt, mit Brand, ohne Brand, mit Merle, mit einfarbigen und mehrfarbigen Augen, die nicht bellen, beim klingeln bellen, nachts das Haus bewachen, nicht bewachen, mit zum Joggen gehen, mit dreimal am Tag um den Block gehen, mit reiner gartennutzung zufrieden sind usw.
Ich kann den Wunsch nach möglichst wenig jagdtrieb, lustig, entspannt, ohne viel Arbeitstrieb und dennoch Freude an der hin und wieder Zusammenarbeit verstehen. Und dann eben noch so 50 cm hoch. Aber perfekt gibt es nicht, auch nicht bei der Zucht.
Die Ansprüche bei der Zucht eines gebrauchshundes für den Dienst, sind zum Beispiel bei allen Behörden, dem Militär sehr ähnlich. Darum kann man darauf selektieren und gute Hunde züchten. Bei einem familienbegleithund sind die Wünsche und Ansprüche teilweise wahnsinnig unterschiedlich, von Familie zu Familie. Zucht bedeutet auch eine gewisse homogenität, das ginge so gar nicht.
Und die eierlegendewollmilchsau, nun ja, die wird es nie geben. Perfektion in der "natur" ist ein ethisches Dilemma.
Lg