Tabina
So nu aber.
Ich muss dazu sagen, dass einiges was jetzt geht vorher auch überhaupt nicht möglich war. Sprich auch die Tüdelüt-Methoden haben durchaus ihre Wirkung gezeigt.
Mein Hund zum Anfang der "Arbeit":
15 Monate (jetzt 21), Frust pur, wenn er nicht zu anderen Doggis kann. Reaktion: Fixieren, keine Ansprechbarkeit (null), keine Ablenkung möglich (null), kein Richtungswechsel möglich (wenn er erstmal am fixieren war), Wohlfühlabstand ca. 25-30 Meter, Ausrasten lief dann immer wie folgt ab .... senkrecht in die Leine steigen ... wie ein Irrer bellen, zerren und geifern *gg*. Es gab keinerlei Form der Ansprache, der Ablenkung, des Blockens oder ähnliches, was gewirkt hätte. Die guten Tipps (sprich ihn an, lass ihn absitzen, verstell ihm den Blick, lenk ihn ab), haben in seinem Status der Leinen-Frust-Aggression absolut null und nix gebracht ... im Zweifelsfall hat es ihn höchstens noch irrer gemacht und wenn man Pech hatte kam man zwischen seine Zähne. Sprich wir waren etwas gefrustet ... dadurch war dann natürlich auch unser Verhalten bestimmt ... sprich wir haben schon Depris gekriegt, wenn ein Hund zu sehen war (ist ja nun nix besonderes bei uns, da trifft man ständig Hunde).
Vergebliche Ansätze:
Ablenken (hat temporär geholfen, als er noch im Anfangsstatus war, später hat es überhaupt nichts gebracht), Ansprache (keine Reaktion), Richtungswechsel (ging nicht, hat ihn richtig aufgestachelt und noch mehr zum ausrasten gebracht), Halti (hat geholfen aber hab ich nach 2 Wochen abgeschafft, weil Leinenzerren ja nicht unser Problem ist und wenn Max ins Halti gestiegen wäre und ich hätte den Einsatz verpaßt, dann hätte was passieren können, war mir zu gefährlich), versucht "autoritär zu sein"
mit entsprechender Ansprache und mit den Knien in die Seite "schupsen" (hat auch geholfen aber nicht wirklich das Problem ansich gelöst).
Ansatz 1 der funktionierte und/oder der vielversprechend war (wir konnten uns mit identifizieren):
Ich habe meine Hoffnungen ins "schau" gelegt ... ich habe damit vor ca. 4-5 Monaten angefangen. Ebenfalls habe ich Richtungswechsel (nicht in der Situation, sondern ohne/unter geringer Ablenkung geübt). Schau klappt mittlerweile im Schlaf ... ohne oder unter geringer Ablenkung.
Desweiteren sind wir Schleifen gegangen (sprich wenn wir auf Entfernung einen Hund sahen, haben wir die Richtung gewechselt), mit dem Hintergedanken, dass wir nicht wollten, dass Max ein selbstbelohnendes Verhalten erfährt. In Situationen, wo plötzlich ein Hund aus dem Nichts auftauchte ist er uns natürlich komplett ausgetickt.
Im Juli hatten wir dann einen Termin bei einer Verhaltenstrainerin, weil ich überprüfen lassen wollte, ob wir auf dem richtigen Weg sind, da ich so meine Zweifel hatte aufgrund des nicht vorankommens. Die Trainerin meinte, dass es genau der richtige Ansatz wäre, empfehl uns zusätzlich ein DAP Halsband (wirkungslos) und wir machten also so weiter.
Anfang August wendete ich mich per Mail erneut an die Verhaltenstrainerin, weil keinerlei Fortschritte zu sein schienen. Sie meinte wir wären zu ungeduldig (wir haben zu dem Zeitpunkt schon 4 Monate gearbeitet und hatten keine nennenswerte Fortschritte).
Eine Einladung der Trainerin zu einem Treffen mit 4 Leinenaggressionshunden verlief vorbildlich, so das unsere Probleme unglaubwürdig schienen. Max reagierte zu 100% auf Schau (geclickert) und auf jede Form der Ansprache. Er ist bei jedem Ansatz des austickens sofort kontrollierbar gewesen. Uns wurden somit ganz hervorragende Fortschritte dokumentiert .... das Problem, dass es nur dort so war... zuhause war es die alte Geschichte.
Ansatz 2 der funktioniert, in Kombination mit Ansatz 1, funktioniert will heißen, dass wir in den letzten 3 Wochen die Leinenaggression zu 50% reduziert/gehändelt bekommen haben:
Nach wie vor arbeiten wir mit Schau ... nach wie vor arbeiten wir mit Richtungswechsel. Ich habe massiv am Richtungswechsel gearbeitet ... massivst ... der Richtungswechsel den ich vorher gemacht habe, war witzlos ... jetzt arbeiten wir schnell, zackig, mit kurzen, klaren Ansagen und Max bleibt es überlassen ob er folgt oder halt nicht (Konsequenz er würde ins Ende der Leine rennen, was er jedoch nicht macht, weil der Richtungswechsel jetzt funktioniert). Wir sind auch bewußt von Geschirr auf Halsband gewechselt. Wir werden auch nicht mehr nervös, wenn ein Hund kommt... wir sind dazu übergegangen bewußt Kontakte (nicht die frontale Konfrontation) zu suchen. Wir probieren immer mal wieder ob ein "schau" einsetzbar ist, was aber definitiv nicht funktioniert. Wir gehen hinter Hunden her, vor Hunden her ... auf der anderen Straßenseite an Hunden vorbei. Wir haben uns also enorm angenähert *lach*.
Wenn es zu einer direkten Konfrontation kommt, dann sage ich ein kurzes "nein", noch bevor Max fixiert ... dann ist er teilweise (früher absolut undenkbar) schon beruhigt und kommt mit (er schaut sich zwar immer noch um, wenn wir vorbei sind, bellt aber nicht und fixiert dann auch nicht.). Ich behalte einen zügigen Schritt bei und verlangsame nicht, wie sonst, wenn wir aus dem nichts auf Hunde getroffen sind.
Das schönste war, wo uns 2 kläffende JRTs (beide leinenaggressiv, fällt da aber nicht so auf *gg*) auf die Distanz einer Autobreite gegenüberstanden, ich Max eine kurze Ansage machte und er mir sofort und ohne Zickereien folgte. Früher ist er mir dabei total und komplett ausgetickt ... da ging nur noch hinterherzerren.
Natürlich gibt es auch Hunde bei denen Max massiver reagieren möchte. Dort arbeiten wir jetzt - haut mich - mit Leinenruck. Sprich ich kann Max mittlerweile so gut lesen, dass ich sehe, welchen Erregunsgrat er bei welchem Hund hat. Wenn ich nach der ersten Ansprache merke, dass Max nicht wirklich Lust hat auf mich zu hören, dann rucke ich kurz (nicht kräftig ;)) an der Leine in Kombination mit einem Nein ... das mache ich 2-3 x schnell hintereinander, seine Aufmerksamkeit ist dann wieder bei mir und wir gehen weiter. Am Anfang ... sprich die ersten paar Tage der ersten Woche, war dies noch öfters nötig ... mittlerweile so gut wie gar nicht mehr.
Meine Einstellung habe ich dazu hier schon geäußert. Max hat sich früher senkrecht in die Leine gestellt ... vollkommen wurscht, dass er da ein Geschirr anhatte ... gut ist das definitiv nicht. Nun habe ich die Wahl, ob ich ewig weiterarbeite mit sinnvollen Methoden die eine sehr lange Zeit brauchen, bis sie wirken oder ich arbeite mit Halsband, das natürlich auf den Hals einwirkt... im Verhältnis aber eine kürzere Belastung ausübe... da er nicht mehr ausflippt. Ich stelle also Geschirr mit einem weiteren Jahr regelmäßigen ausflippen, gegen Halsband mit notwendiger Einwirkungsweise von ein paar Tagen gegeneinander.
Es ist innerhalb dieser kurzen Zeit so gut geworden, dass ich sogar zuversichtlich bin, dass Max über kurz oder lang das "schau" annimmt. Es funktioniert ja auch im Freilauf ohne jegliche Probleme und auch wenn sämtliche Hunde um ihn rumlaufen ... nur nicht, wenn er an der Leine ist und ein Hund kommt. Wir machen damit weiter und werden sehen, ob es fruchtet. Für uns ist insgesamt eine weitaus entspanntere Situation entstanden ... was im Endeffekt für alle ein Gewinn ist und Max ist in seinem Verhalten nicht ängstlicher geworden.. sein Verhalten ist wie eh und je.
Ups sorry ... etwas lang.