Die Krankheitsentwicklung einer Nierenerkrankung verläuft in mehreren Stadien , deshalb ist eine Einheitsdiät für alle nierenkranke Hunde nicht geeignet. Im ersten Stadium einer Niereninsuffizienz
kann noch keine Erhöhung der Nierenparameter im Blut gemessen werden, da die Niere eine Schädigung ihrer Zellen noch gut kompensieren kann.
Ernährungskonzepte bei chronischen Nierenerkrankungen müssen deshalb inmmer auf den einzelnen Hund zugeschnitten werden . Kein Nierenpatient ist wie der andere, es ist immer eine sehr individuelle Angelegenheit.
Einer der Stoffe, dessen Abbauprodukte über die geschädigte Niere nicht mehr so einfach ausgeschieden werden können, ist Eiweiß.
Jedoch im Frühstadium einer Niereninsuffizeinz wird der Proteingehalt im Gegensatz zu früher nicht mehr pauschal reduziert, sondern beim erwachsenen Hund bei 8-10 g verdaulichen Proteins pro MJ umsetzbarer Energie angesetzt was in etwa dem Normalbedarf gesunder Hunde entspricht.
Denn wenig Eiweiß führt zum Muskelabbau und weitreichenden gesundheitlichen Problemen. Zu viel Eiweiß führt dazu, das viele harnpflichtige Substanzen anfallen, die für eine Niere Schwerstarbeit bedeuten.
Nierendiäten kennzeichen sich dadurch aus, dass sie etwas weniger, dafür aber sehr hochwertige
Proteine enthalten. Phosphorbeschränkung ist wichtig, da hohe Mengen an Phosphor Nierenversagen beschleunigen und beschränkte Phosphormengen verlangsamen.
Das heißt, viel Eiweiß enthält automatisch viel Phosphor und nicht wie fälschlicherweise auf der Barferseite propagiert wird: hohe Eiweißmengen schaden nicht.
Besonders Fleischeiweiß enthält viele harnpflichtige Stoffe, die fast nur über die Nieren ausgeschieden werden können. Damit sind vorrangig Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure gemeint. Aber natürlich auch
Medikamente (z.B. AB, Schnmerzmittel, Narkosen ) Konservierungsmittel usw. werden über die Niere entgiftet.
Die Ausscheidungskapazität ist begrenzt, erst recht bei einer Niere, die nach einer Entfernung der zweiten Niere, die Arbeit für „ Zwei“ übernehmen muss.
Harnstoff und Kreatinin sind die beiden wichtigsten Messwerte zur Beurteilung der Nierenfunktion.
Harnstoff ist ein Stoffwechselprodukt, das bei der Verdauung von Eiweiß entsteht. Kann Harnstoff infolge einer Nierenschädigung nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden werden, steigt der Spiegel im Blut an. Kreatinin ist ebenfalls ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das beim Muskelstoffwechsel entsteht.
Leider entspricht die Aussage nach einem BB, dass die Nieren bei Harnstoff- und Kreatininwerten im Referenzbereich einwandfrei arbeiten nicht immer der Wahrheit. Kreatinin ist deshalb kein idealer Marker, weil er u.a. von der Muskelmasse, Alter und von der Rassenzugehörigkeit abhängig ist.
Ein normaler Kreatinin-Wert schließt, vor allem bei Hunden kleiner Rassen, ein Nierenproblem nicht aus.
Nierenschäden im Anfangsstadium bleiben oft unerkannt, bei nur einer Niere wäre das fatal.
Diese Tatsache wird als „kreatininblinder Bereich“ bezeichnet. Zur Vorsorgeuntersuchung und zur Einschätzung einer tatsächlichen Prognose eignet sich daher nur die etwas aufwendige Kreatininclearance. Blutentnahme nüchtern, Injektion einer errechneten Menge Kreatinin-Lösung und drei weitere Blutentnahmen.
Infos dazu hier: http://www.alomed.de/kreatinin.pdf
Weniger bekannt ist, dass die Niere nicht nur für ein Gleichgewicht des Wasserhaushaltes,
der Stoffwechselprodukte und der Mineralstoffe sorgt, sondern auch für einen gleich
bleibenden Blutdruck zuständig ist. Deshalb ist eine regelmässige Blutdrucküberwachung sehr wichtig.