Ja, da hast du sicher Recht. Also mit dem anderen bestimmt auch, ich kenne mich damit echt nicht aus.
Ich weiß ja auch nicht, woher meine Hunde ursprünglich kommen. Die hatten z. T. auch ihr Päcklein zu tragen, aber ich bin mir sehr sicher, dass das auf ihre Erfahrungen zurückzuführen ist und nicht auf die genetischen Voraussetzungen.
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Aber wie gesagt, ich weiß bei keinem Hund, aus welchem Stall sie kommen. Aber ganz sicher nicht von dem, was man hier so allgemein als guten Züchter ansieht und was ja hier zur Debatte steht.
Deshalb finde ich das Thema interessant und vielleicht gehören meine Erfahrungen auch dazu, denn Bällchenbad und Pipapo hatten die ganz sicher nicht. Man kann also sagen, dass ich die gleichen Beobachtungen gemacht habe wie du.
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Ich hab mit meinen beiden TS-Hunden ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich denke, beide sind zumindest nicht misshandelt worden und ich könnte mir auch vorstellen, dass sie durchaus mit freundlichem Menschenkontakt aufgezogen wurden, aber ich weiß es nicht. Jedenfalls ist da mit Sicherheit keine großartige Sozialisation im hiesigen Sinne gelaufen.
Trotzdem sind und waren sie beide sehr nervenstark, hatten keinerlei Umstellungsschwierigkeiten auf das Leben im Haus. Alltagsgeräusche, Bahnfahren, mit zur Uni kommen, alles kein Ding. Sie mögen/mochten beide andere Menschen, lassen sich überall anfassen, sind lernwillig und einfach echte Mitmacher.
Der eine hatte ein Problem mit anderen (kleinen) Hunden, das mMn teils genetisch bedingt, teils ein Sozialisationsmangel und teils erlerntes Verhalten war. Da hat er aber doch noch einiges dazugelernt auf seine alten Tage, so dass ein problemfreier Alltag in der Hinsicht möglich ist - eine richtige Sozialisation ersetzt das natülich nicht.
Noch interessanter finde ich aber meine beiden Züchterhunde:
Beide mit 7 Monaten übernommen. Beide stammen aus einer laut Dogforum wohl sehr suboptimalen Aufzucht: Sie kannten noch kein Halsband und keine Leinenspaziergänge, sondern jeweils nur das Grundstück des Züchters (bis auf ein paar "Ausflüge" zum TA zum impfen und so), und waren erziehungsmäßig mehr oder weniger "roh" - stubenrein und kamen wenn man rief, aber das war's auch schon.
Beide sind im Familienrudel mit diversen erwachsenen Hunden aus der selben Linie aufgewachsen. Die eine Züchterin hatte zusätzlich noch einen alten DSH und mehrere Katzen, die andere einen Zwergdackel und ab und zu Besuch von Freunden mit anderen Hunden (Afghanen, Neufundländer, ein Bloodhound, andere Salukis, ein anderer Dackel).
Beide hatten ein bisschen Spielzeug und ein abwechselungsreiches Grundstück und wuchsen im Haus mit freiem Zugang zum Garten auf, aber beide waren ziemlich abgeschieden von der Welt - die eine durch eine übermannshohe Mauer und Sichtschutzzäune um den Garten, der andere weil das Grundstück außerhalb und mitten im Wald lag, nur über einen unbefestigten Waldweg zu erreichen. Bei der Züchterin mit der Mauer drangen natürlich Alltagsgeräusche aus der Nachbarschaft (Vorstadt) rein, bei der anderen war ein Truppenübungsplatz in der Nachbarschaft, wo fast täglich mit schwerem Geschütz geübt wird, da hat's also geknallt dass die Scheiben in den Rahmen vibrierten.
Bei beiden Würfen sind einige Welpen mit 8-10 Wochen und einige mit mehreren Monaten umgezogen, die letzten waren jeweils fast ein Jahr alt.
Das interessante:
Die Geschwister sind in beiden Würfen jeweils sehr einheitlich im Charakter, egal, ob sie mit wenigen Wochen oder mit mehreren Monaten schon umgezogen sind, also unabhängig davon, was die neuen Besitzer damit gemacht haben.
Und beide Würfe sind trotz sehr ähnlichen, "schlechten" Aufzuchtbedingungen im Wesen verschieden wie Tag und Nacht. In dem einen Wurf sind alle Geschwister mehr oder weniger scheu bis unverträglich mit rudel-/familienfremden Hunden und Menschen ("trotz" der Aufzucht aber keine Umweltprobleme/-ängste, sowas wie Straßenbahn fahren oder mit in die Uni kommen war auch easy und bedurfte keiner besonderen Übung), der andere Wurf sind alles offenherzige, neugierige Charmeure, die durchs Leben gehen als wäre es ein einziger roter Teppich.
UND beide Würfe erfüllen letztendlich genau ihre Genetik, das kann ich jetzt, wo ich mehr Hunde aus beiden Linien bzw deren Besitzer und Ex-Besitzer kenne, schon sagen.
Ist nur eine Anekdote. Aber Beruhend auf diesen meinen Erfahrungen ist es meine Meinung, das so ein Wackelkandidat mit eher ungünstiger Veranlagung von ner guten Sozialisierung schon profitieren kann (für meine Hündin wäre ein frühes "Alle Menschen sind geil!"-Übungsprogramm sicher vorteilhaft gewesen, hätte mir vielleicht das Leben erleichtert), für den von der Genetik her schon zugänglichen Welpen braucht es nicht viel Klimbim, der muss nur am Alltag teilnehmen und nett behandelt werden, dann wird auch ein ordentlicher Hund drauß.
Man weiß ja nun nicht vorher, was in dem Hund steckt, deswegen ist es aus Sicht des "Endverbrauchers" Welpekäufer wohl besser, wenn der Züchter jeden Welpen wie einen Wackelkandidaten behandelt und ihm somit jede menschenmögliche Chance gibt, zu nem ordentlichen Hund zu werden.
Aus züchterischer Sicht wäre es vielleicht besser, man macht kein großes Gewesen mit den Welpen und züchtet lieber nur mit Hunden, die ohne viel Aufwand schon das Verhalten zeigen, das ich mir wünsche.
DAS kann ich aber auch im Auslauf am 'Welpenzwinger' haben. Dafür braucht man keinen Garten..
Ich weiß nicht, wie expecto.patronum es gemeint hat, ich benutzte hier "Garten" im weitesten Sinnen, eigentlich meine ich eher "Gelände" - genug Platz zu haben finde ich zur Hundezucht schon unabdingbar, wenn es nicht grade Toyrassen mit kleinen Würfen sind. Ob man die Welpen nun auf dem ganzen, vielleicht nicht so riesigen, Grundstück rumennen lässt oder einen Teil von einem sehr großen Grundstück als Welpenauslauf abzäunt ist mir herzlich egal, hauptsache Welpen einer großen Rasse wachsen nicht auf ner besseren Terrasse auf, wo sie keine 3 m gradaus laufen können.