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die Wette würdest Du gewinnen, bei der jagdhundlichen Brauchbarkeitsprüfung (keine Rassespez. Zuchtprüfung) dürfen alle Hunde mit jagdlichem Interieur teilnehmen - auch Mixe - einzig gewünscht, man muss ihnen das Jagdhund sein ansehen.... und manchmal schlagen die Mixe die Zuchthunde um Längen.
Meine Freundin hat so einen Überflieger, ein Mix aus Deutsch Langhaar mal Deutscher Wachtelhund, den halten auch alle für einen Rassehund, auf der Fährte kenn ich keinen besseren, zur Zeit..... aber - mein Ausblider hat damals auch gesagt "ein erstklassiger Hund wird in der Hand eines mittelmässigen Hundeführers höchstens mittelklassig arbeiten und ein mittelklassiger Hund wird in der Hand eines guten Hundeführers erstklassig arbeiten." Da ist wsa dran, von daher ist das auch schwer zu beurteilen.
Aber solche Ausnahmehunde rechtfertigen nun kein wildes kreuzen.... es ist nicht gesagt, das die beiden Elterntiere, von denen meine Freundin ihren Hund hat, jemals wieder SO einen hochbegabten Welpen hervor bringen.
In vielen Ländern braucht man ja keine Brauchbarkeitsprüfung, da kann jeder mit dem Hund jagen der ihm dafür geeignet erscheint. Im Ausland, z.B. USA und UK, wird wesentlich mehr gekreuzt als hier. Da ist einfach die in Deutschland im internationalen Vergleich doch etwas außergewöhnliche und sehr stark durchreglementierte Jagdkultur für zuständig.
Wildes kreuzen ist das in der Regel ebensowenig wie z.B. die Zucht von X-Mechelaars oder X-Herders für den Polizeigebrauch oder von Alaskan Huskies.
Grade Leute, die was mit den Hunden machen wollen, haben meistens sehr genaue Vorstellungen davon, was sie wollen, prüfen die Elterntiere rauf und runter und kennen die Linien die sie benutzen genau, oft über Generationen.
Klar, wenns ein Zufallswurf ist und was nettes dabei rauskam, hat man einfach Glück gehabt. Aber generell sind echte Gebrauchskreuzungen alles, nur kein wildes Kreuzen.
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Ist es Rassefanatismus, wenn ich einen rassereinen Neufundländer möchte und nicht einen, dessen eines Elternteil Leonberger oder Rottweiler (als Beispiel) ist?
Nee, das ist voll ok, jeder sollte den Hund kaufen können, der im gefällt.
Aber wenn jemand so eine Kreuzung macht und dann ein paar Generationen wieder mit reinrassigen Hunden einer der Ausgangsrassen rückkreuzt, dann kann man durchaus wieder zum ursprünglichen Typ zurückkommen. Es stimmt einfach nicht, dass man nach einer Einkreuzung generationenlang immer und immer wieder Hunde rauskriegen wird, die anders sind als "das Orginal".
Wenn dem so wäre, wäre es auch völlig unmöglich gewesen, jemals irgendeine Hunderasse rauszuzüchten (entweder durch Konsolidierung einer Landrasse oder durch gezielte Kreuzung) und im Typ zu festigen und zu vereinheitlichen. Das würde nämlich heißen, dass gezielte Selektion nicht funktioniert. Und das tut sie, was nicht nur beim Hund eine erwiesene Tatsache ist.
Es muss ja niemand das Ergebniss einer F1 Kreuzung kaufen wenn es nicht gefällt. Aber wenn ein Zuchter irgendeine Eigenschaft in eine Rasse einbringen will (welche auch immer, das soll nun nicht Neufundländerspezifisch sein), deswegen eine Einkreuzung vornimmt, dann ein paar Generationen lang rückkreuzt, auf den gewünschten Typ und die gewünschte Verwendung selektiert und am Ende Tiere rauskriegt, die phänotypisch und charakterlich dem Standard entsprechen und, wenn es sowas bei dieser Rasse gibt, die gewünschte Arbeitsprüfung ablegen können, warum sollte man denen dann den Zugang in die Zucht verweigern?
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Ich denke, dass der gesetzliche Rahmen für die Zucht geändert werden sollte.
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Ein gesetzliche Regelung, die festlegt, wo die Grenzen sind und mit Übergangsfristen ein klares Ziel gibt, ab wann eine Grenze nicht mehr zu welchem Anteil überschritten werden darf... so was könnte in klaren Zentimetern und Werten formuliert werden.
Die Lösungswege der Verbände würden sich deutlich schneller anpassen, als an eigene sich eventuell verändernde Zielvorgaben und eventuelle Marktgewichtungen.
Um Gottes Willen, bloß nicht. Zucht sollte in den Händen der Hundezüchter bleiben.
Wer soll denn dann hingehen und entscheiden, welches Merkmal ab wann problematisch wird?
Wie viel Prozent aller Rottweiler dürfen denn mit 8 an Osteosarkom erkrankt sein, bevor man die Rasse verbieten oder ihnen eine Einkreuzung vorschreiben muss?
Wann ist die Nase vom Mops lang genug - wenn sie mir optisch gefällt, wenn der Hund ne 20 km Ausdauerprüfung laufen kann ohne auch nur ein Atemgeräusch von sich zu geben, wenn Oma Kruse mit ihm ne halbe Stunde durch den Park laufen kann ohne dass er kollabiert?
Sollte Merle verboten werden, weil Double Merle gefährlich sein könnte, obwohl es in der einfachen Version harmlos ist?
Ist es ok, dass Riesenrassen oft keine 10 Jahre alt werden, während kleine Rassen oft 15 und mehr Jahre alt werden, sollte man also vorschreiben, dass nur noch Hunde unter 10 kg gezüchtet werden dürfen?
Welche HD und ED-Grade sind denn noch vertretbar und ab wo sollte man da eingreifen?
Was macht man bei Krankheiten, von denen man die Erbgänge noch nicht kennt und wohl auch lange noch nicht kennen wird?
Was mit Krankheiten, wo noch gar nicht klar ist, wie viel Umwelt und wie viel Genetik dahintersteckt?
Und zu guter letzt: Als ob der Staat nix besseres zu tun hätte, als sich mit der Gesundheit von Haustieren zu beschäftigen, für deren Versorgung letztlich jeder Halter selber aufkommt.
Sowohl auf der ganz großen Skala als auch wenn man nur das kleine Teilgebiet Tierschutz betrachtet, gibt es echt wesentlich drängendere Probleme.
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Zum Pudel und dem Vermischen seiner Varietäten: so einfach ist es wohl nicht, den Genpool zu vergrössern, indem man Grosspudel mit Kleinpudel mischt, wenn man riskiert, die PL und Augenkrankheiten des Kleinen in den Grossen reinzumischen, der bis dato frei ist. Ebenso soll das Gebäude des Grossen ein anderes sein als das des Kleinen.
Ich bin zu wenig Zuchtexperte, um beurteilen zu können, ob man die Varietäten mischen sollte, wie bei den Schweizern. Bei den Pudeln gibt es aber diese berechtigte Gründe dagegen.
Warum sollte es nicht möglich sein, bei den Zuchttieren und den Nachkommen z.B. in den ersten 3 Generationen einfach die gleichen Tests und Screeninguntersuchungen zu machen, die man auch bei Zucht innerhalb der Varietäten durchführt?
Ich mein, wenn jemand bei Varität XY in einer Rasse eine bestimmte Krankheit hat, dann muss er ja auch bei Rassereinen Kreuzungen versuchen diese zu vermeinden, was sogar noch schwieriger ist, weil man auf beiden Seiten des Pedigrees die gleiche Recherce betreiben muss.
Wo ist da der Unterschied, ob man den gleichen Aufwand bei einem Hund betreibt, den man dann mit einem rassefremden (und ebenfalls auf typische Erkrankungen untersuchten und gründlich "erforschtem") Partner verpaart?
Und was das Gebäude betrifft, grade DA ist es so leicht, innerhalb weniger Generationen wieder zum gewünschten Ziel zu kommen. Das geht sogar bei wesentlich extremeren Kreuzungspartnern als zwei eh schon so ähnlichen Rassen/Varietäten.
Der Hund oben links im Bild ist zu 3/4 Saluki und zu 1/4l Basset Hound, also grade mal ne F2 Generationen nach der Einkreuzung:
http://www.archive.org/stream/genetic…age/84/mode/2up
Ein bis zwei Rückkreuzungen auf Saluki später würde man NICHTS mehr vom Basset sehen. Schon bei dem Foto wurde die Tage auf einer fb Gruppe unter Salukileuten heiß diskutiert, ob das ein Mischling oder lediglich ein Hund etwas groben Typs aus einem Ursprungsland sei und, falls es ein Mischling wären, was das einkreuzt wurde (die meisten Vermutungen gingen in Richtung Afghane oder Sloughi, wegen dem etwas kräftigen Kopf, manche meinten noch Dobermann...).
Auch bei der Kreuzung Boxer x Corgi war man schon nach 2-3 Generationen bei Hunden, die eindeutig im Boxertyp standen und nach 4-5 Generationen bei welchen, die sich äußerlich in nichts mehr von reinrassigen Boxern unterschieden:
http://bobtailboxers.com/genetics-can-be-fun
Meiner Meinung nach ist sowohl das "OMG, fremde Krankheiten!" als auch die Angst, man würde dann auf ewig Gebäudefehler einen anderen Rasse drin haben, eher Aberglaube als wissenschaftlich erwiesen.
Wohlgemerkt, bei allerm Enthusiasum dafür glaube ich nicht, dass nun bei allen Rassehunden sofort irgendwas eingekreuzt werden müsste um sie zu "retten". Viele Rassen sich ja durchausin ganz guten Zustand und man kann auch mit vernünftigem populationsgenetischem Management innerhalb einer geschlossenen Population schon einiges machen.
Außerdem muss sowas auch vernünftig geplant werden und sollte wenn, dann offen und ehrlich passieren.
Aber ich fände es halt schön, wenn das ein bisschen rationaler und nicht mit so viel Aberglauben betrachtet werden würde. Das sind Erkenntnisse, die andere Tierzüchter (die von den Ergebnissen ihrer Arbeit leben, also wenig Grund haben was zu machen, was nicht zuverlässig funktioniert) schon längst nutzen.
Man hat auch mal geglaubt, dass ne Hündin, die einmal nen Wurf Mischlinge hatte, nie wieder reinrassigen Nachwuchs bekommen kann... sciene marches on...