Beiträge von Marula

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    Ist es erlaubt auch mit einem Hund der aus einer reinen Dissidenzzucht stammt im VDH zu Züchten? Eben unter den Bedingungen der Reisterpapiere?

    Ich weiß das mir mal eine Dissidenzverein gesagt hat das ich sogar mit meinem Papierlosen Hund Reisterpapiere beantragen könnte... nur müsste sie dann "dem Standard" entsprechen und Gesund sein.


    Man kann quer durch alle Rassen sowohl für Hunde mit völlig unbekannter Abstammung als auch für welche die bekannte, aber eben nicht unter der FCI gezüchtete Ahnen haben, bei VDH-Vereinen Registerpapiere beantragen.

    Die Zugangsvorraussetzungen für eine Registereintragung unterscheiden sich etwas von Club zu Club bzw von Rasse zu Rasse. Manche sind sehr viel strenger als andere.
    Gleiches gilt auch für die Zucht mit Registerhunden. Die FCI und der VDH erlauben das jedenfalls, die nationalen Rasseclubs haben eigene Regelungen unter welchen Umständen das erlaubt ist.

    Von vornherein verbieten darf es keiner, das würde gegen FCI-Regularien verstoßen. Aber man kann natürlich die Zuchterlaubnis von Sondergenehmigungen etc abhängig machen, die nicht zwingend erteilt werden müssen... in manchen Rasse ist es daher relativ einfach und normal, auch mal einen Registerhund in die Zucht zu nehmen, in anderen passiert das so gut wie nie.

    Zu der Sache aus dem November, wegen dem gestohlenen Hund: Prinzipiell stimme ich auch zu, dass das ein Rückschlag für alle die ist, die sich seriös um eine Gesetzesänderung bemühen. Für die ist es richtig doof.

    Aber... wenn das mein Hund wäre, dann hätte ich den auch gestohlen und außer Landes gebracht oder sowas in der Richtung organisiert. Lieber würde ich ne Straftat begehen als zu wissen, dass ich zuhause saß und abgewartet hab, während mein Hund auf seine Einschläferung wartet. Wenn's denn erstmal entschieden wurde, dann ist es ja auch meinstens schnell umgesetzt worden, dann ist's zu spät noch was anderes zu versuchen. Und einfach akzeptieren könnte ich das nicht.
    Und ja, ich weiß, dass die Diebe und der Besitzer in dem Fall wahrscheinlich nix miteinander zu tun hatten...

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    kostet der Unterhalt eines Herdi wirklich 1000Euro im Jahr??? Kommt mir ein bisschen hoch vor


    Wieso, das sind weniger als 100 € im Monat. Das hat man bei einem großen, aktiven Hund doch schon mit Futter fast weg (ok, wenn man ganz billiges nimmt kommt man vielleicht mit weniger aus).
    Dann die Impfungen und ein paar Mal im Jahr entwurmen und Zeckenmittel werden bei ganzjährig draußenlebenden Hunden auch sein müssen. Zubehör braucht man wahrscheinlich nicht viel, aber das eine oder andere Halsband oder gelegentlich nen Napf oder so muss sicher mal ersetzt werden, vielleicht wird auch ne mobile Schutzhütte gebaut und aufgestellt.
    Dazu dann halt auch mal TA-Kosten außer der Reihe, selbst wenn man da ne strenge Kosten/Nutzenrechnung führt und nicht jeden Kleinscheiß behandelt wird ab und an was anfallen.
    Also um 1000 € im Jahr finde ich nicht unrealistisch.

    Ich stimme sowohl Regula als auch Bubuka vollumfänglich zu. Es klingt mir aus all den aufgezählten Gründen nicht wie eine gute Idee jetzt einen Hund zu nehmen, weder als End-, noch als Pflegestelle, und vor allem nicht diesen Hund.

    Ich würd sagen: Warte mal, bis das PJ rum ist und guck dann weiter.

    Trichinen könne auch mal bei Wiederkäuern auftreten, ist zwar eher selten, kommt aber vor. Der Hund steckt sich aber eher beim Mäusefressen damit an als durchs fressen von Reh-, Rot-, oder Damwild.
    Auf den Menschen selber überträgt sich Trichinellose vom Hund aus nicht, es sei denn, man isst ihn roh. Die infektiösen Stadien sind im Fleisch abgekapselt und werden erst beim (fr)essen und verdauen des selben gefährlich, nicht wenn der Hund einen ableckt oder wenn man beim Kotaufheben was an die Hand kriegt.

    Für den Hund selber kann Trichinellose in der Theorie durchaus gefährlich werden, aber das hat in der Praxis so gut wie keine Relevanz.


    Sonst kann man beim Reh noch ganz gern mal Kleinen Leberegel haben. Aber die sind in der adulten Form direkt in der Leber nicht ansteckend, das ansteckende Stadium kommt außerhalb des Tieres vor.

    Ganz, ganz selten können Hase und Kaninchen mal als Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm dienen, aber auch das hat wieder in der Praxis kaum Relevanz und das Mäusefressen dürfte weitaus risikoreicher sein.


    Nen speziellen Parasiten der Wildknochen gibts nicht, das ist Blödsinn.

    Aujeszkysche Krankheit ist wirklich nur bei Schweinefleisch ein Problem. Hauswiederkäuer (Rind, Schaf) können es zwar kriegen, erkranken und sterben dann aber auch dran, sind keine stillen Überträger wie Schweine. Wie es bei Wildwiederkäuern aussieht weiß ich nicht, denke aber wenn es ein Problem wäre, dann würden auch Warnungen rausgehen wie eben auch beim Schweinefleisch.

    Tollwut können Rehe bekommen, ist aber auch da wo es Tollwut gibt selten und hier in Deutschland erst recht (wir sind ja bis auf Fledermaustollwut TW-frei).

    Das:

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    Aber in den Knochen, wie geschrieben, ist nichts - denn die Parasiten wollen ja auch von etwas leben und brauchen Nahrung für sich selbst, da Knochen keinen Austausch wie innere Organe haben ist klar, das darinnen nichts leben kann.


    Stimmt aber auch nicht. Knochen sind durchaus ein lebendes Organ und grade die größeren, markhaltigen sind in ihrer Höhle gut durchblutet, die Knochenhaut auch an den kleineren (und auch gut innerviert). Statistisch gesehen alle paar Wochen werden Knochen komplett umgebaut. Sonst könnte sie ja auch nach Brüchen nicht heilen.
    Es gibt auch durchaus Parasiten, die sich im Knochenmark festsetzen, Leishmanien z.B. Nur halt nix, was bei heimischen Wild für den Hund gefährlich wäre.


    Ich würd mit langen Röhrenknochen vom Wild eher aufpassen, weil die oft ganz schön hart und splittrig sind.

    Bezgl. Neufundländer und weiß: Wenn die nicht noch eine eigene, rassespezifische Farbgenetik haben, dann sind das ganz normale Schecken.
    Scheckung vererbt sich rezessiv, es müssen zwei Träger aufeinaderkommen. Wenn man die nur noch selten hat in einer Rasse wird das schwierig.
    Pyrenäenberghunde sind idR Extremschecken mit Abzeichen in aufgehelltem wildtyp-Sabel. Insofern kriegt man über die die Scheckung natürlich gut wieder rein.


    Joa. Mich wundert nur, wie es die Züchter vor 100-150 Jahren geschafft haben, aus dem meistens ziemlich uneinheitlichen Landrassen die heutigen Hochzuchtrassen rauszuzüchten, oder wie sie es gar angestellt haben, aus mehreren unterschiedlichen Rassen und Typen eine einheitliche, in Typ, Wesen und Arbeitsleistung gefestigte neue Rasse zu machen... und heute ist es nicht mehr möglich, das selbe hinzukriegen und nach ner Einkreuzung kommt man nie wieder da hin wo man will?
    Scheinbar hat sich der Stand der Hundezucht im Laufe circa eines Jahrhunderts tragisch verschlechtert.


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    Ja, aber Reinzucht und Inzucht greifen doch oft ineinander über. Außerdem sind die "Gründungstiere" einer Rasse ja häufig sehr sehr wenige, natürlich liegt das schon Ewigkeiten zurück, aber irgendwie verwandt sind die Tiere.


    Richtig.
    Viele Rassen haben mit sehr kleinen Ausgangspopulationen angefangen, oft nur einige dutzend, meistens deutlich unter hundert Tiere. Die wenigsten Rassen haben ein Gründerpopulation von einigen hundert Tieren, und selbst das wäre aus populationsgenetischer Sicht noch wenig.
    Wie viele von den Stammhunden dann jeweils heute noch lebende Nachkommen haben und wie stark die einzelnen Gründer in den heutigen Pedigrees vertreten sind ist die nächste Frage. Auch Sachen wie genetische Flaschenhälse (in Europa z.B. bei vielen Rassen durch die Weltkriege) und einzelne extrem populäre Deckrüden verkleinern der Genpool noch weiter.
    Insofern ist Rassehundezucht in nem geschlossenen Zuchtbuch immer in einem gewissen Maße Engzucht, je weiter man in den Pedigrees zurückgeht, desto deutlicher wird das meist. Engzucht ist auch nicht per se schlecht, es hilft halt auch gewünschtes zu fixieren.


    Wenn man einen Hund aus Honululu importiert und der die letzten 20 Generationen keine bekannt klingenden Zwingernamen hatte, aber danach auf die gleichen Ausgangstiere zurückgeht wie die Pedigrees die man eh schon hat... naja, kann man jetzt drüber streiten wie viel Outcross das ist.

    Bei den Afghanischen Windhunden hat man diese Situation, die haben eine Gründerpopulation von unter 50 Hunden (ich meine es sind näher als 20 als an 50...). Klar kann man da aus den USA importieren, aber man sollte sich mMn nicht selber verarschen indem man sich einredet man bringe wirklich neues Blut in die Zucht.


    Einen gewissen Nutzen hat das wahrscheinlich trotzdem. Wenn eine Population irgendwo länger isoliert war, dann haben sich da wahrscheinlich ein bisschen anderen Gene eher "verbreitet" als in der heimischen und es hat da intern auch wieder ein gewisses Maß an Engzucht stattgefunden.
    Bringt man sowas in seine eigene stabile Linie ein, dann hat man gute Chancen, dass man zumindest in der ersten Generation vom Heterosiseffekt profitiert.

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    Also bin ich grundsätzlich schon richtig dabei, dass Prüfungen, Zahnstatus etc. sonstige Einschränkungen für die Rasse eigentlich eher negativ als positiv sind? Eben weil dadurch den Genpool so klein gehalten wird und die defekten Gene sich bei mehr Blutlinien besser verteilen würden, sodass die Rasse insgesamt gesünder wird durch die Vielfalt, einzelne kranke Tiere aber eben dabei sind?


    Jein.

    Man muss halt versuchen da eine Balance zu finden. Dazu gehört, dass man die einzelnen Übel und die Risiken gegeneinander abwägt.
    Bei Krankheiten muss man sich zwei Sachen fragen: Wie stark ist der Leidensdruck und wie häufig kommt das in der Rasse vor.

    Sachen mit einem hohen Leidensdruck müssen natürlich dringender vermieden werden als solche mit niedrigem. Und bei Sachen die in der Rasse bisher noch gar nicht vorkamen oder extrem selten sind, wo also nur sehr vereinzelt mal Hunde betroffen sind, kann man es sich eher leisten sehr scharf zu selektieren und die Tiere sofort von der Zucht auszuschließen, als bei Krankheiten die recht weit verbreitet sind, wo man also gleich einen große Teil der Population ausradieren würde.

    Der verlinkte Züchter drückt das eigentlich auch schon sehr schön aus:

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    Und so muss insbesondere bei einem kleinen Genpool und geschlossenem Zuchtbuch auf den Erhalt der genetischen Vielfalt in einer Rasse geachtet werden. Die Linienzucht als das Mittel der Wahl zur Verfestigung bestimmer Merkmale ist nur bedingt anwendbar, weil sie die Variabilität reduziert, die “Mischlingszucht” auf der anderen Seite zerstört die “Linien” und macht zunehmend Entwicklungen und Verbesserungen genauso zu Zufallsprodukten wie das Auftreten von erblichen Erkrankungen. Jegliche Vorhersagbarkeit nimmt ab, ohne dass die Defektgene dadurch verschwinden.
    (Einige kurze, prägnante und sehr gut nachvollziehbare Erklärungen dazu finden sich z.B. hier und nun auch auf meiner Seite Literatur in allerdings englischer Sprache.)

    Insgesamt steht man bei jeder züchterischen Entscheidung also vor einer nahezu unüberblickbaren Gemengelage und es werden IMMER Kompromisse auf verschiedenen Ebenen nötig sein, z.B. Kompromisse zwischen Gesundheit, Typ und Wesen, denn es gibt den perfekten Hund aus der perfekten Ahnenreihe nicht. Aber auch der Kompromiss zwischen einem vermeintlich “sicheren” Wurf und der züchterischen Perspektive, denn der Züchter sollte auch in Generationen und im Sinne der Rasse denken.

    Bei nicht-krankhaften Sachen (Haarstruktur, Farbe, Abzeichen, Ohrenstellung, Rutenhaltung... aber auch Sachen wie bestimmte Charakterzüge oder Arbeitseigenschaften) kommt`s dann drauf an, wie wichtig die für`s Zuchtziel sind, das muss eh bei jeder Rasse seperat bewertet werden.


    Einerseits braucht und will man ja ne gewisse Einschräkung, um einen gefestigten Typ und vorhersagbare Eigenschaften zu kriegen. Und dafür muss man manchmal auch welche aus der Zucht werfen die dem nicht entsprechen, auch wenn sonst vielleicht nicht groß was falsch mit ihnen ist.
    Aber dann will man auch versuchen, die genetische Vielfalt zu erhalten um spätere Engpässe zu vermeiden und dafür muss man manchmal auch welche in die Zucht nehmen, die irgendwo "unperfekt" sind, solange es kein schädliches Unperfekt ist.

    Nen großer Genpool erlaubt dann ja auch wieder mehr Selektion.

    Ich würde nun auch nicht aus Jux und Dollerei anfangen, Pekinesen und Berhandiner zu kreuzen nur um irgendwas zu beweisen.

    Genau sowas hat man aber im Namen der Wissenschaft (in dem Fall mit dem Saluki/Basset-Kreuzungsversuch) gemacht und etwas ähnliches hat auch Dr. Cattanach mit den Boxer/Corgi-Kreuzungen gemacht.
    Soll man die Ergebnisse jetzt missachten, weil einem das wie und das wieso nicht gefällt?
    Oder weil es Leute gibt, die diese Ergebnisse als Begründung für dummes Zeug hernehmen?
    Oder warum?


    Der Charakter ist beim Hund in starkem Maße erblich, sonst hätte man die deutlichen Unterschiede bei den verschiedenen Rassen nicht. Er ist schwieriger zu bewerten, weil nicht so offensichtlich wie äußerliche Merkmale und auch von der Umwelt beeinflusst.
    Aber wenn man das will, und ich nehme mal an jemand der einer bestimmten Rasse verfallen ist, der möchte schon wieder zum rassetypischen Charakter zurück, dann kann man auch da wieder die Zuchttiere auswählen, die am nächsten an`s gewünschte Ziel rankommen und das wird auf Dauer auch funktionieren. Nichts anderes wurde bei der Erschaffung unserer heutigen Rassen auch gemacht, nichts anderes wird auch bei anderen Tieren permanent gemacht. Hunde sind nicht magisch.
    Natürlich funktioniert das nicht sofort, man wird immer mal Ausreißer haben und auch bei ewig durchselektierten Rassen hat man individuelle Unterschiede im Charakter.


    Es wiederstrebt mir auch ein bisschen, die Diskussion nun an einzelnen Rassen festzumachen. Das Beispiel mit den Continental Bulldogs zeigt aber zumindest eins: Das das idealerweise ein koordinierter Einsatz sein muss. Allein kann keiner eine ganze Hunderasse verändern/verbessern und wenn man anfängt sich in Fraktionen zu spalten die untereinander zerstritten sind und vielleicht noch verschiedene Ziele haben, dann wird`s richtig schwierig.

    Deswegen seh ich es auch kritisch, wenn einzelne Leute sich vom Mainstream abspalten und anfangen ihr eigenes Süppchen zu kochen. Idealerweise passiert das koordiniert und mit Wissen aller, noch Besser mit wissenschaftlicher Betreuung.
    Interessant ist in der Hinsicht z.B. das hier:
    http://www.sueddeutscher-club-langhaar.de/zuchtversuch.html
    Beim Pudelpointer gab/gibt es den Versuch, eine neue Ausgangslinie aus Pudel und Pointer rauszuzüchten und die dann natürlich auch wieder mit dem Rest der Rasse zu kombinieren. Leider ist die Seite zu dem Projekt nicht mehr online, auch das hatte aber Hand und Fuß.

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    Aber wenn ich jetzt kreuze, was mache ich damit besser? Welche Rasse ist denn gesünder als eine andere, denn noch belastetere Rassen kann ich wohl schlecht zum Gesunden hernehmen?
    Und Epilepsie etc. ist eben kein gesicherter Erbgang, was wenn ich genau den einen Deutsch Kurzhaar in die Zucht einkreuze, der dann einer bisher Epi-freien Rassen dieses Gen reinbringt?
    Unde rauskriegen kriegt man manche Sachen aus Rassen eben nicht.


    Naja, erstmal: Der 100% genetisch gesunde Hund ist eine Utopie. Den gibts nicht. Jedes Lebenwesen trägt zahlreiche Defektgene die in der richtigen Zusammenstellung tödlich sein könnten, auch du und ich.

    Deswegen muss man sich auch klar werden, warum man eigentlich was einkreuzen will, mit welchem Ziel.
    Will ich ein bestimmtes äußerliches Merkmal verändern? Das ist meistens relativ einfach. Grade das will man ja aber bei den meisten Rassehunden nicht, mal angesehen von sehr übertypisierten Rassen bei denen das vielleicht gut wäre, mag man ansonsten seine Rasse grade deswegen weil sie ist, wie sie ist.

    Will man die Gesundheit verbessern? Tja, tolles Ziel! :D
    Da muss man sich dann immer fragen um was es einem genau geht. Bekanntes Beispiel dürften die LUA-Dalmatinier sein (eine einzige DalmatinierxPointerkreuzung zur Einführung eines bestimmten Genes für den Harnstoff-Stoffwechsel). Wenn nicht bekannt: Googel hilft. Sowas ist natürlich schön simpel und einfach.

    Bei "diffuseren" Sachen wo man noch keine Erbgänge kennt, wie HD, Epilepsie, diversen Tumoren die sich bei manchen Rassen häufen während sie bei anderen unbekannt sind, wirds schon schwieriger.
    Da muss man sich auf die gleichen Vorkehrungen verlassen, die man auch bei der Reizucht anwenden würde: Gründliche Ahnenforschung und Kenntniss der Linien, wo es geht Screeninguntersuchungen und Gentests. Und zwar nicht nur einen Generation lang, sondern mehrere.


    Und dann erhofft man sich durch eine Vergrößerung des Genpools, durch eine Vergrößerung der Heterogenität in der gesamten Population, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Aufeinandertreffens von Defektgenen erniedrigt. Die meisten davon sind nur gefährlich, wenn sie sozusagen "konzentriert" werden, also in doppelter Ausgabe im Hund vorhanden sind.
    Je mehr verschiedene Varianten in der Rasse insgesamt enthalten sind, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Defektgene aufeinandertreffen.
    In manchen Bereichen, besonders beim Immunsystem, ist eine große Vielfalt auch deswegen wünschenswert, weil man sich das Genom vorstellen kann wie einen Werkzeugkasten. Viele verschiedene Werkzeuge bzw leicht unterschiedliche Versionen der gleichen Werkzeuge ermöglichen es dem Organismus, auf verschiedene Situationen angemessen zu reagieren.
    Ein spärlich ausgestatter Werzeugkasten (stark ingezüchteter Hund) hat dagegen nur eingeschränkte Variationsmöglichkeiten.
    In geschlossenen Systemen hat man IMMER, unweigerlich IMMER einen stetigen Verlust an genetischer Vielfalt. Die nimmt mit jeder Generation ab, je enger man züchtet desto schneller und stärker.
    Insofern ist eine Vergrößerung des Genpools ein Selbstzweck an sich.


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    ich nehme daher lieber tiere die vorhanden sind aus einer rasse, die eben gemässigter sind im körperbau und versuche daraus gesündere tiere zu züchten, statt irgendwelche experimente auf gut glück zu versuchen.


    Und würde man dann nur noch mit diesen gemäßigten Tieren weiterzüchten, dann hat man vielleicht die Exteriuerprobleme nicht mehr, aber man schränkt auch wieder die Zuchtauswahl ein, man verkleinert die Zuchtbasis. Was dann auf Dauer wieder andere Probleme auf den Plan rufen wird.
    Dazu ganz interessant:
    http://sommerfeld-stur.at/population/das-beste

    Es ist gut gemeint, nur auf "positive" Eigenschaften zu selektieren oder nur auf Leistungsbereitschaft oder sogar auch nur auf Gesundheit. Das grundsätzliche Problem mit dem Genverlust in einer genetisch eh schon eingeschränkten Population verstärkt man dadurch nur noch weiter.

    Es geht mir bei beiden verlinkten Beispielen nicht darum, eine Verbesserung einer Rasse dazustellen, sondern lediglich darum aufzuzeigen, wie schnell man mit gezielter Zucht selbst bei zwei so extrem unterschiedlichen Hundetypen wieder auf einen bestimmten Rassetyp zurückommen kann.

    Das Beispiel mit Saluki x Basset stammt aus einem Genetikexperiment in den USA in den 40er und 50er Jahren, bei dem es um die Vererbung von solchen merkmalen wie eben Kurzbeinigkeit oder Felltypen ging. Der Link ist die komplette Zusammenfassung der Ergebnisse in Buchform, natürlich heutzutage auch schon teilweise überholt, aber eben die Kreuzungs- und Rückkreuzungsergebnisse sind heute noch interessant.

    Die Sache mit den Boxern, da gab/gibt es einen Züchter (der außerdem auch beruflich mit Genetik zu tun hat), der gern versuchen wollte, das Gen für eine natürliche Stummelrute vom Corgie beim Boxer einzuführen, damit man nicht mehr kupieren braucht und trotzdem das rassetypische Aussehen bekommt.
    Ich persönlich finde das Schwachsinn, mir gefallen die erstens auch unkupiert (in meinen Augen also ne Lösung für ein nichtexistierendes Problem) und zweitens weiß man heute, dass dieses Gen für die Stummelrute auch nicht ganz unproblematisch ist und zu Wirbelsäulendefekten führen kann.

    Also, die natürliche Stummelrute einzuführen ist gelungen, ja. Aber darum ging es mir mit diesem Beispiel wieder nicht, sonder auch bloß darum, dass man sogar bei zwei wirklich extrem verschiedenen Typen innerhalb weniger Generationen wieder Nachkommen rausbekommt, die sich nicht vor`m Rassestandard verstecken brauchen.


    Daher ist die Angst, man könnte sich Gebäudefehler reinholen die man dann für die Ewigkeit hat und nie wieder loswird, ziemlich unbegründet, erst Recht wenn man so ähnliche Hunde wie Berner Sennenhund und Großen Schweizer Sennenhund, Kleinpudel und Großpudel, Irish Setter und Irish Red and White Setter, Norfolk Terrier und Norwichterrier, Neufundländer und Landseer und so weiter kreuzt, die ja alle ursprünglich mal aus der gleichen Ursuppe kamen.


    Und mit dem Charakter ist es haargenau das gleiche. Auch der ist beim Hund in hohem Maße erblich, sonst hätte man nicht die extremen Unterschiede bei den einzelnen Rassen. Auch der lässt sich durch die Zuchtwahl verändern.

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    ;) die Wette würdest Du gewinnen, bei der jagdhundlichen Brauchbarkeitsprüfung (keine Rassespez. Zuchtprüfung) dürfen alle Hunde mit jagdlichem Interieur teilnehmen - auch Mixe - einzig gewünscht, man muss ihnen das Jagdhund sein ansehen.... und manchmal schlagen die Mixe die Zuchthunde um Längen.

    Meine Freundin hat so einen Überflieger, ein Mix aus Deutsch Langhaar mal Deutscher Wachtelhund, den halten auch alle für einen Rassehund, auf der Fährte kenn ich keinen besseren, zur Zeit..... aber - mein Ausblider hat damals auch gesagt "ein erstklassiger Hund wird in der Hand eines mittelmässigen Hundeführers höchstens mittelklassig arbeiten und ein mittelklassiger Hund wird in der Hand eines guten Hundeführers erstklassig arbeiten." Da ist wsa dran, von daher ist das auch schwer zu beurteilen.

    Aber solche Ausnahmehunde rechtfertigen nun kein wildes kreuzen.... es ist nicht gesagt, das die beiden Elterntiere, von denen meine Freundin ihren Hund hat, jemals wieder SO einen hochbegabten Welpen hervor bringen.


    In vielen Ländern braucht man ja keine Brauchbarkeitsprüfung, da kann jeder mit dem Hund jagen der ihm dafür geeignet erscheint. Im Ausland, z.B. USA und UK, wird wesentlich mehr gekreuzt als hier. Da ist einfach die in Deutschland im internationalen Vergleich doch etwas außergewöhnliche und sehr stark durchreglementierte Jagdkultur für zuständig.

    Wildes kreuzen ist das in der Regel ebensowenig wie z.B. die Zucht von X-Mechelaars oder X-Herders für den Polizeigebrauch oder von Alaskan Huskies.
    Grade Leute, die was mit den Hunden machen wollen, haben meistens sehr genaue Vorstellungen davon, was sie wollen, prüfen die Elterntiere rauf und runter und kennen die Linien die sie benutzen genau, oft über Generationen.

    Klar, wenns ein Zufallswurf ist und was nettes dabei rauskam, hat man einfach Glück gehabt. Aber generell sind echte Gebrauchskreuzungen alles, nur kein wildes Kreuzen.


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    Ist es Rassefanatismus, wenn ich einen rassereinen Neufundländer möchte und nicht einen, dessen eines Elternteil Leonberger oder Rottweiler (als Beispiel) ist?


    Nee, das ist voll ok, jeder sollte den Hund kaufen können, der im gefällt.

    Aber wenn jemand so eine Kreuzung macht und dann ein paar Generationen wieder mit reinrassigen Hunden einer der Ausgangsrassen rückkreuzt, dann kann man durchaus wieder zum ursprünglichen Typ zurückkommen. Es stimmt einfach nicht, dass man nach einer Einkreuzung generationenlang immer und immer wieder Hunde rauskriegen wird, die anders sind als "das Orginal".
    Wenn dem so wäre, wäre es auch völlig unmöglich gewesen, jemals irgendeine Hunderasse rauszuzüchten (entweder durch Konsolidierung einer Landrasse oder durch gezielte Kreuzung) und im Typ zu festigen und zu vereinheitlichen. Das würde nämlich heißen, dass gezielte Selektion nicht funktioniert. Und das tut sie, was nicht nur beim Hund eine erwiesene Tatsache ist.

    Es muss ja niemand das Ergebniss einer F1 Kreuzung kaufen wenn es nicht gefällt. Aber wenn ein Zuchter irgendeine Eigenschaft in eine Rasse einbringen will (welche auch immer, das soll nun nicht Neufundländerspezifisch sein), deswegen eine Einkreuzung vornimmt, dann ein paar Generationen lang rückkreuzt, auf den gewünschten Typ und die gewünschte Verwendung selektiert und am Ende Tiere rauskriegt, die phänotypisch und charakterlich dem Standard entsprechen und, wenn es sowas bei dieser Rasse gibt, die gewünschte Arbeitsprüfung ablegen können, warum sollte man denen dann den Zugang in die Zucht verweigern?

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    Ich denke, dass der gesetzliche Rahmen für die Zucht geändert werden sollte.
    [...]
    Ein gesetzliche Regelung, die festlegt, wo die Grenzen sind und mit Übergangsfristen ein klares Ziel gibt, ab wann eine Grenze nicht mehr zu welchem Anteil überschritten werden darf... so was könnte in klaren Zentimetern und Werten formuliert werden.
    Die Lösungswege der Verbände würden sich deutlich schneller anpassen, als an eigene sich eventuell verändernde Zielvorgaben und eventuelle Marktgewichtungen.


    Um Gottes Willen, bloß nicht. Zucht sollte in den Händen der Hundezüchter bleiben.

    Wer soll denn dann hingehen und entscheiden, welches Merkmal ab wann problematisch wird?
    Wie viel Prozent aller Rottweiler dürfen denn mit 8 an Osteosarkom erkrankt sein, bevor man die Rasse verbieten oder ihnen eine Einkreuzung vorschreiben muss?
    Wann ist die Nase vom Mops lang genug - wenn sie mir optisch gefällt, wenn der Hund ne 20 km Ausdauerprüfung laufen kann ohne auch nur ein Atemgeräusch von sich zu geben, wenn Oma Kruse mit ihm ne halbe Stunde durch den Park laufen kann ohne dass er kollabiert?
    Sollte Merle verboten werden, weil Double Merle gefährlich sein könnte, obwohl es in der einfachen Version harmlos ist?
    Ist es ok, dass Riesenrassen oft keine 10 Jahre alt werden, während kleine Rassen oft 15 und mehr Jahre alt werden, sollte man also vorschreiben, dass nur noch Hunde unter 10 kg gezüchtet werden dürfen?
    Welche HD und ED-Grade sind denn noch vertretbar und ab wo sollte man da eingreifen?
    Was macht man bei Krankheiten, von denen man die Erbgänge noch nicht kennt und wohl auch lange noch nicht kennen wird?
    Was mit Krankheiten, wo noch gar nicht klar ist, wie viel Umwelt und wie viel Genetik dahintersteckt?

    Und zu guter letzt: Als ob der Staat nix besseres zu tun hätte, als sich mit der Gesundheit von Haustieren zu beschäftigen, für deren Versorgung letztlich jeder Halter selber aufkommt.
    Sowohl auf der ganz großen Skala als auch wenn man nur das kleine Teilgebiet Tierschutz betrachtet, gibt es echt wesentlich drängendere Probleme.

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    Zum Pudel und dem Vermischen seiner Varietäten: so einfach ist es wohl nicht, den Genpool zu vergrössern, indem man Grosspudel mit Kleinpudel mischt, wenn man riskiert, die PL und Augenkrankheiten des Kleinen in den Grossen reinzumischen, der bis dato frei ist. Ebenso soll das Gebäude des Grossen ein anderes sein als das des Kleinen.

    Ich bin zu wenig Zuchtexperte, um beurteilen zu können, ob man die Varietäten mischen sollte, wie bei den Schweizern. Bei den Pudeln gibt es aber diese berechtigte Gründe dagegen.

    Warum sollte es nicht möglich sein, bei den Zuchttieren und den Nachkommen z.B. in den ersten 3 Generationen einfach die gleichen Tests und Screeninguntersuchungen zu machen, die man auch bei Zucht innerhalb der Varietäten durchführt?

    Ich mein, wenn jemand bei Varität XY in einer Rasse eine bestimmte Krankheit hat, dann muss er ja auch bei Rassereinen Kreuzungen versuchen diese zu vermeinden, was sogar noch schwieriger ist, weil man auf beiden Seiten des Pedigrees die gleiche Recherce betreiben muss.
    Wo ist da der Unterschied, ob man den gleichen Aufwand bei einem Hund betreibt, den man dann mit einem rassefremden (und ebenfalls auf typische Erkrankungen untersuchten und gründlich "erforschtem") Partner verpaart?

    Und was das Gebäude betrifft, grade DA ist es so leicht, innerhalb weniger Generationen wieder zum gewünschten Ziel zu kommen. Das geht sogar bei wesentlich extremeren Kreuzungspartnern als zwei eh schon so ähnlichen Rassen/Varietäten.

    Der Hund oben links im Bild ist zu 3/4 Saluki und zu 1/4l Basset Hound, also grade mal ne F2 Generationen nach der Einkreuzung:
    http://www.archive.org/stream/genetic…age/84/mode/2up
    Ein bis zwei Rückkreuzungen auf Saluki später würde man NICHTS mehr vom Basset sehen. Schon bei dem Foto wurde die Tage auf einer fb Gruppe unter Salukileuten heiß diskutiert, ob das ein Mischling oder lediglich ein Hund etwas groben Typs aus einem Ursprungsland sei und, falls es ein Mischling wären, was das einkreuzt wurde (die meisten Vermutungen gingen in Richtung Afghane oder Sloughi, wegen dem etwas kräftigen Kopf, manche meinten noch Dobermann...).

    Auch bei der Kreuzung Boxer x Corgi war man schon nach 2-3 Generationen bei Hunden, die eindeutig im Boxertyp standen und nach 4-5 Generationen bei welchen, die sich äußerlich in nichts mehr von reinrassigen Boxern unterschieden:
    http://bobtailboxers.com/genetics-can-be-fun

    Meiner Meinung nach ist sowohl das "OMG, fremde Krankheiten!" als auch die Angst, man würde dann auf ewig Gebäudefehler einen anderen Rasse drin haben, eher Aberglaube als wissenschaftlich erwiesen.


    Wohlgemerkt, bei allerm Enthusiasum dafür glaube ich nicht, dass nun bei allen Rassehunden sofort irgendwas eingekreuzt werden müsste um sie zu "retten". Viele Rassen sich ja durchausin ganz guten Zustand und man kann auch mit vernünftigem populationsgenetischem Management innerhalb einer geschlossenen Population schon einiges machen.
    Außerdem muss sowas auch vernünftig geplant werden und sollte wenn, dann offen und ehrlich passieren.

    Aber ich fände es halt schön, wenn das ein bisschen rationaler und nicht mit so viel Aberglauben betrachtet werden würde. Das sind Erkenntnisse, die andere Tierzüchter (die von den Ergebnissen ihrer Arbeit leben, also wenig Grund haben was zu machen, was nicht zuverlässig funktioniert) schon längst nutzen.
    Man hat auch mal geglaubt, dass ne Hündin, die einmal nen Wurf Mischlinge hatte, nie wieder reinrassigen Nachwuchs bekommen kann... sciene marches on...