Beiträge von Marula

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    Ich würde dem größten Teil dieser Menschen weder ein mangelndes Gewissen oder unzureichende Empathie unterstellen.
    Was macht denn der durchschnittliche Hundeinteressent?
    Er nimmt die Kleinanzeigen zur Hand (egal ob auf Papier oder online).
    Und dann stellt er fest, dass er einen jungen Hund zu einem geringeren Preis als einen Tierheimhund haben kann. Dem Tierheimhund werden Macken nachgesagt (da sitzen eh nur Kampfhunde und schwierige Kandidaten :hust: ), also schaut er sich logischerweise beim Billiganbieter um.
    Er weiß es einfach nicht besser!

    Selbst wenn man es (ein bisschen...) besser weiß:
    Letztendlich kriegt man ja auch im Tierschutz genau DIESE Billighunde, nur eben erst dann, wenn sie schon durch zig Hände gegangen sind und wer weiß was für nicht nachvollziehbare Erfahrungen gemacht haben.

    Bis auf ultrawenige Ausnahmen sitzen im TH nunmal keine Hunde von seriösen Züchtern (VDH oder vergleichbarer nationaler Verband), sonder Ups-Mischlinge oder Rassehunde ohne Papiere aus "liebevoller Hobbyzucht" oder eben vom Markt an der Grenze.

    Wenn ich zu dem Klientel gehören würde, das eh nie und nimmer +1000 € für einen Hund ausgeben würde, würde ich also auch nicht einsehen, für den gleichen Hund in erwachsen und eventuell schon mit Macken 350 oder 380 € zu bezahlen und mich vorher bis auf die Unterhose auszuziehen, wenn ich ihn auch für 50-100 € bekommen kann und dafür nen süßen, "unverdorbenen" Welpen kriege, und zwar ohne das mir jemand Löcher in den Bauch fragt.

    Es ist ja nicht so, das TS-Hunde qualitativ besser sind als Polenmarkthunde oder Ups-Mischlinge aus dem Anzeigenblättchen, und wenn sie dann wesentlich teuerer sind als vergleichbare Hunde von privat ohne das sich das durch andere Vorteile ausgleicht, wie z.B. zuverlässige Angaben über den momentanen Gesundheitszustand und das Wesen/den Erziehungsstand, dann fragt sich Otto-Normal-Hundekäufer halt schon, wo der Vorteil ist.

    Das Argument mit dem "Was gutes tun/keine Vermehrer unterstützen" ist halt nur für nen kleinen Teil der Interessenten wichtig, für die meisten ist das bestenfalls ein netter Bonus.

    Ihr scheint ja auch noch andere Optionen zu haben, also das der Hund zuhause bleiben kann oder halt nicht in die Arbeit mit eingebunden wird wenn es nicht passt. Das ist gut, kann ja mit jedem noch so sorgfältig ausgesuchten Hund passieren, dass er sich nicht eignet.

    Wenn wirklich ganz stark der Wunsch besteht, das der Hund Therapiehund werden soll, würde ich bezüglich Tierschutzhund nochmal in mich gehen.
    Es gibt natürlich supergute Hunde im Tierschutz, die für sowas perfekt geeignet sind. Aber als Anfänger kann man das schwer beurteilen und auch die meisten Orgas und Pflegestellen kennen sich mit sowas wohl eher nicht aus. Das der Hund so im Alltag nett und duldsam ist, ist ja schonmal was, aber ob das allein nen tollen Therapiehund gibt?
    Ich weiß es auch nicht, dazu kenne ich mich auch nicht gut genug aus.

    Jedenfalls denke ich, dass da ein Welpe vom Züchter, wo man das Temperament der Elterntiere kennt, die Welpen ideal sozialisiert werden und man dann die weiteren Erfahrungen und Erziehung in der Hand hat, die sicherere Wahl ist. Idealerweise von einem Züchter, der mit seinen Hunde selber Therapiearbeit oder wenigstens Besuchshund macht.
    Nochmal, ich will damit Tierschutzhunde auf keinen Fall abwerten (hab ja selber zwei), aber wenn man wirklich dringend drauf aus ist, eine ganz bestimmte Sache mit dem Hund zu machen, sei das nun auf die Jagd gehen oder Schafe hüten oder mit Erfolg im Hundesport laufen oder eben den Hund sehr, sehr gern als Therapiemittel einsetzen will, dann macht man es sich leichter, wenn man einen Hund mit passenden Anlagen und aus kompetenter Hand holt, statt den Glücksgriff zu wagen.


    Zum Galgo: Wenn man einen jungen Hund nimmt, ist katzenverträglichkeit in der Regel kein Problem. Zumindest m Haus und mit den eigenen Katzen, drauße sieht das meistens anders aus. Gibt genug Galgos, die drinnen mit der eigenen Katze kuscheln und geduldig mit den Kitten spielen, aber im Garten die Nachbarskatze totmachen. Genau so im Bekanntenkreis bei mir schon passiert.
    Beim Junghund oder erwachsenen Hund aus dem TS gibts solche und solche, aber sehr viele Galgos sind katzenverträglich. Auch viele Pflegestellen haben Katzen, so dass sich da ein geeigneter Hund finden sollte.

    Mit dem Jagdtrieb und dessen eventuellen Konsequenzen sollt man als Windhundbesitzer auch leben können - wenn man seinen Hund nicht mehr angucken mag weil er irgendwelche pelzigen Kleintiere tötet, ist man nicht der richtige Mensch für einen Windhund.
    Das muss nicht sein, aber es kann halt auch bei größter Vorsicht und guter Erziehung passieren und die meisten wollen wirklich NICHT spielen wenn sie ner Katze oder nem Hasen hinterhergehen.


    Ob Galgos als Therapiehunde so gut geeignet sind, da bin ich mir nicht so sicher. Sie sind eher ruhig (drinnen, drau0ßen können sie natürlich auch aufdrehen), sanftmütig, hohe Reizschwelle mit Menschen. Das ist ja schonmal sehr gut.
    Aber halt auch sehr sensibel, auch sehr berührungssensibel. Man kann es natürlich nicht komplett verallgemeinern, aber wo ein Labrador oder Berner schonmal nen Knuff oder am Fell zerren wegsteckt, da ist der Galgo unter Umständen schon "angefasst", das ist denen manchmal sehr unangenehm.


    Ich weiß von einigen Galgos und Greys, die als Schulhunde oder Besuchshunde im Altenheim arbeiten, auch ein Therapiebegleithund der einfach nur dabeisein soll, mal den Kopf auf den Schoß legen, sich streicheln lassen. Der SOLL sogar weggehen wenn der Griff mal grober wird. Das geht wohl.
    Wenn der Hund aber auch mal was aushalten können muss (länger anhaltendes Geschrei... kann ja bei Kindern schonmal sein... oder auch mal derber anfassen), dann hab ich ein bisschen Zweifel ob ein Galgo die richtige Wahl ist.


    Diese Züchterin hier arbeitet im Altenheim, nimmt ihre Galgos mit und setzt sie auch als Therapiehunde ein (auch ihre Tierschutzgalgos). Vielleicht kannst du dich dort ja mal schlau machen:
    http://www.galgo-espanoles.de/index.html

    Diese Züchterin hier hat Erfahrungen mit Greyhounds als zertifizierte Therapiehunde:
    http://www.katatjuta.at/
    Ist zwar eine andere Rasse, aber vom Temprament her durchaus ähnlich. Insofern wäre auch das eine Adresse, wo ihr euch nach Erfahrungswerten erkundigen könntet.

    Großer Hund auf kurzen Beinen - nen Schäferhund auf Corgibeinen hab ich auch schon gesehen und das muss echt nicht sein.
    Extreme Kurznasen untereinander - Mops x Bulldogge oder Englische x Französische Bulldogge. Macht den Kohl gegenüber den reinrassigen auch nicht mehr fett.


    Charakterlich hab ich noch nix ganz schlimmes kennengelernt, einige der hier gennannten (Border x Dobermann...) stell ich mir aber auch anstrengend wor.

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    Finde ich auch interessant.
    Wenn ich es aber richtig verstanden habe, greift der Effekt nicht mehr, sobald der Hybrid sich selbst fortpflanzt, oder?
    Damit zeigt man ja egt, dass man aus solchen Hybriden, nehmen wir mal Labradoodle, nie eine einheitliche Rasse werden kann, die nachweislich gesünder ist, weil man den guten Effekt der geringen Inzucht damit wieder aufhebt.
    Also verfolgen solche Mischereien immernoch kein bestimmtes Ziel, außer ein paar Individuen die anscheinend widerstandsfähiger sind und sich teuer verkaufen lassen. Und durch die Uneinheitlichkeit kann man auch nicht von bestimmten Aussehen/Wesen ausgehen. Was bringt dann die Hybridzucht bei Hunden?

    Ja, Heterosis greift nur in der ersten Generation.

    Natürlich könnte man aus solchen Kreuzungen eine einheitliche Rasse erzeugen. So sind die meisten moderenen Rassen entstanden. Das dauert aber Generationen und erfordert erhebliche Arbeit und ein klares Ziel.
    Ob die dann gesünder wären, würde ich bezweifeln, in der Praxis ist gesunde Hunde züchten nunmal nicht so einfach und es ist ja nicht so, dass die Züchter der Ausgangsrassen es nicht auch schon versuchen würden...
    Kränker wären sie aber wahrscheinlich auch nicht.
    Letztlich geht es darum ja aber bei den Designermixen auch nicht.

    Bei F1-Kreuzungen aus relativ durchgezüchteten Ausgangstieren (was die meisten Rassehunde heutzutage sind) hat man relativ einheitliche Nachkommen mit einigermaßen voraussagbaren Eigenschaften. Das ist nicht nur reines Glücksspiel. Guck dir mal Labrador x Pudel oder Mops x Beagel in der ersten Generation an, die sehen immer relativ ähnlich aus.

    Ob das einen Zweck hat, was das bringt... tja, ich sags mal so, aus meiner Warte macht die Existens vieler Rassen nicht den geringsten Sinn, weil sie mich null interessieren und heute auch keine Funktion mehr erfüllen. Wie die ganzen Designermixe übrigens auch, da hab ich auch noch nix gesehen was ich bräuchte.
    Aber wenn jemand meint, er braucht nen Bullmastiff oder nen Sheltie und er würde gern sowas kaufen, dann ist das für mich Grund genug. Und wenn jemand meint, er braucht einen Jack Russel x Chihuahua, dann kann ich das auch akzeptieren. Es gibt auch Leute, die können nicht verstehen, wozu und warum ich meine Hunde haben "muss" - brauchen sie auch nicht, sie müssen sowas ja nicht kaufen.

    Solange dabei kein vermeidbares Tierleid entsteht, geht es meiner Meinung nach niemanden etwas an welchen Hund sich jemand züchten oder kaufen möchte und das schließt für mich gewollte Mischlinge ebenso mit ein wie Rassehunde die für mich persönlich uninteressant sind.

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    Hm wobei was sagt die erste Studie aus... es gibt spezielle Erkrankungen die eher bei reinrassigen Hunden auftreten und es gibt Krankheiten bei denen es keinen Unterschied macht....
    Ist ein Mischling jetzt gesünder, weil er seltener an DCM leidet, aber statistisch genau so häufig HD oder Krebs hat


    Mischlinge sind demnach nicht gesünder, aber eben auch nicht kränker als Rassehunde. Und das wo Mischlinge eigentlich fast nie gezielt gezüchtet werden.

    Den Eindruck, das ein Mischling nen erhöhtes Gesundheitsrisiko hat, könnte man ja bei den Diskussionen auch hier im Dogforum schon oft kriegen. Bei vielen Schreibern klingt es glatt, als wär schon garantiert, das die Welpen dabei ja nur die schlimmsten Eigenschaften der Eltern erben und dann sämtliche Krankheiten beider Rassen haben werden.
    Ich bin die letzte, die das Gegenteil behaupten würde, also das Mischlinge grundsätzlich kerngesund sind, aber sie sind eben im Schnitt und wenn man es nach Größe und Alter bereinigt auch nicht schlimmer als Rassehunde.
    Heißt, bis auf einzelne Krankheiten, wo man bei bestimment Rassen ein erhöhtes Risiko hat, hat man bei Rassehunden einen ebenso große Chance auf nen gesundheitlichen Griff ins Klo wie bei Mixen. Ich find das ist durchaus ne Aussage mit Substanz.

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    Und die nächste Frage ist, kann man Ergebnisse aus einem Land in dem es zum Start und zu weiten Teilen dieser Studie keine vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen in der Rassehundezucht gab, mit dem Stand bei uns vergleichen.


    Ich denke schon. Was ich über diese Studien nicht weiß ist, wie viele der Hunde Rassehunde mit seriösen Papieren waren und wie viele Rassehunde ohne Papiere. Allerdings sind auch in Deutschland die meisten Rassehunde nicht aus seriöser Zucht. In dem Punkt dürften die Populationen ungefähr vergleichbar sein, von den Anteilen her meine ich.
    Und dann sind bei den allermeisten Rassen, außer vielleicht denen die direkt aus Deutschland kommen, grade in der seriösen Zucht die Blutlinien hier die gleichen wie anderswo und es findet permanenter Austausch von Zuchttieren von USA und UK nach Kontinentaleuropa statt und das auch nicht erst seit gestern.
    Die Rassen haben ja international zum Großteil genau die gleichen Probleme wie hier. Und auch im Ausland haben vernünftige Züchter kein dolleres Interesse als hier, kranke Hunde zu züchten. Deutschland ist schon lange keine Insel mehr was die Hundezucht betrifft, wenn es denn jemals eine war.

    Aber gut, jeder glaubt was er will. Ich bin übrigens auf keinen Fall Anti-Rassehund oder glaube das die alle kaputt sind und Mischlinge die Rettung.
    Aber ich halte auch gar nix davon, Mischlinge aus den falschen Gründen schlecht zu machen (weil sie Mischlinge sind, was eben an sich nix negatives ist, auch nicht wenn sie bewusst erzeugt wurden) statt aus den richtigen (weil die meisten planlos und unter schlechten Bedingungen produziert werden).

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    Alles schlimm und ich finde es eh mehr als fragwürdig, Tiere zu "designen"


    Aller Rassehunde sind Designerdogs. Bei manchen hat die Form ne Funktion und das finde ich persönlich gut (Design ist ja nix schlechtes), aber jede einzelne Hunderasse sieht so aus, weil Menschen sie so haben wollten. Manche für nen Zweck, bei anderen ist das Aussehen auch schon der Hauptzweck.

    Da sieht man auch mal wieder, das in den "Zeitungen" immer das steht, was sich grad verkauft, heute das und morgen was anderes.
    Das ist ein Artikel der Huff vom 8.1.2014 der ein ganz anderes Lied singt:
    http://www.huffingtonpost.co.uk/jody-thompson/…_b_4557368.html


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    Zur Gesundheitsfrage: soweit ich die Untersuchungen überblicke, gibt es keinen signifikant nachweisbaren Unterschied zwischen Rassehunden und Mischlingen hinsichtlich der Gesundheit.


    Grundsätzlich können Mixe natürlich alle Krankheiten kriegen, die Rassehunde auch kriegen können. Es gibt keine einzige Krankheit, vor der einen der Kauf eines Mixes bewahren könnte.
    Bei Rassehunden kennt man in der Regel die größten Risiken und einige (wo es z.B. einen Gentest gibt) kann man auch sicher ausschließen. Bei Mischlingen hat man halt Lotterie.

    Laut dieser Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23683021
    waren bestimmte Rassehunde z.B. bei 10 häufigen Krankheiten (Aortenstenose, DCM, Hypothyreose, Ellenbogendysplasie, IVDD (interverbral disc disease, Bandscheibenprobleme), Atopie & allergische Dermatitis, Magendrehung, Katarakte, Idiopathische Epilepsie und portosystemischer Shunt) häufiger betroffen als Mischlinge. Bei weiteren 13 Krankheiten fand man keinen Unterschied zwischen Rassehunden und Mixen:

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    Of the 24 disorders assessed, 13 had no significant difference in the mean proportion of purebred and mixed-breed dogs with the disorder when matched for age, sex, and body weight. Disorders without a significant predisposition included all the neoplasms (hemangiosarcoma, lymphoma, mast cell tumor, and osteosarcoma), hypertrophic cardiomyopathy, mitral valve dysplasia, patent ductus arteriosus, and ventricular septal defect in the cardiac category; hip dysplasia and patellar luxation in the orthopedic category; hypoadrenocorticism and hyperadrenocorticism in the endocrine category; and lens luxation in the other category.

    Lediglich bei den Kreuzbandrissen und Autounfällen liegen die Mischlinge in der Studie vorn. Da kann man nun rätseln warum das so ist - werden sie weniger gründlich beaufsichtigt und haben deswegen häufiger Unfälle? Werden Mixe häufiger kastriert (Kastration, besonders vor erreichen der Geschlechtsreife, begünstigt KBR und die Studie kommt aus den USA wo Frühkastras Usus sind)?

    Verschiedene Studien zeigen außerdem, das Mischlinge im Schnitt (wenn man sie nach Größenkategorien einteilt, natürlich kann man einen 10 kg Hund nicht mit einem 50 kg Hund vergleichen, da kleine Hunde grundsätzlich schonmal eine höhere Lebenserwartung haben) etwas länger leben als reinrassige Hunde.
    Z.B. die in dem Wuff-Artikel auch erwähnt von Patronek (die Orginalstudie hab ich auf die Schnelle nicht gefunden, interessant ist das z.B. in dem http://www.sofahund.at/hundelaufband-…kel_UH_2004.pdf Wuff-Artikel hier, neben dem Patronek-Ergebnis noch erwähnt wird, dass ein kanadischer Wissenschaftler rausgefunden hat, das Rassehunde mit geringem Inzuchtkoeffizienten genauso lange leben wie Mischlinge).
    Oder auch diese hier aus England: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24206631


    Der Heterosiseffekt wenn man zwei ingezüchtete Linien kreuzt, und das sind viele Rassehunde nunmal (ja, auch die, die in den ketzten Generationen keine direkte Inzucht hatten, denn viele Rassen stammen nunmal von kleinen bis winzigen Gründerpopulationen ab und sind somit von Haus aus ingezüchtet, egal was für Zwingernamen in den letzten 5-10 Generationen auftauchen, von gezielter Linienzucht mal ganz zu schweigen) ist ein Fakt. Davon hat man aber nur in der ersten Generation was.
    Und wenn man zwei Rassen mit Disposition für das gleiche Problem, z.B. zwei HD-belastete oder zwei kurznasige Rassen kreuzt, hat man natürlich auch nix gewonnen.

    Wo es in der ersten Generation was bringen kann ist bei Defektgenen, die nur in doppelter Ausführung zur Ausprägung eines Krankheitsbildes führen, z.B. bei manchen Formen der PRA die nur in einer Rasse vorkommen. Wenn man da mit einer anderen Rasse kreuzt, dann werden die Welpen zumindest an (dieser Form der) PRA nicht erkranken können, weil sie das entsprechende Gen nicht in doppelter Ausführung mitbekommen können.
    Gefährlich wird's dann, wenn mit diesen Mixen planlos weitergezüchtet wird - ok, kreuzt man immer wieder Mixe mit Mixen mit Mixen aus Mixen, dann ist die Wahrscheinlichkeit eher klein, dass ausgerechnet dieses Defektgen mal wieder doppelt auftritt, aber sein kann das natürlich.
    Kreuzt man dagegen seinen Mix wieder mit einem PRA-tragenden Tiere der einen Ausgangsrasse oder einem PRA-tragenden anderen Mix mit diese Ausgangsrasse, dann kann man auch schnell einen Griff ins Klo tun.

    Insofern, F1-Kreuzungen können schon Sinn machen. Sie haben, stabile Ausgangsrassen vorausgesetzt, ziemlich gut voraussagbare Eigenschafte, man hat auf jedenfall den Hybrideffekt und man kann die Wahrscheinlichkeit des Auftretens MANCHER Erbkrankheiten stark verringern, wenn nicht eliminieren.
    Das heißt allerdings nicht, dass diese Hunde keine anderen Krankheiten kriegen können oder nicht auch ungünstige Anlagen von den Eltern erben können. Kann einem bei reinrassigen Hunden aber ebenso passieren, insofern ist das weder ein pro noch ein contra.


    Das Problem bei dieser ganzen Mischlingszucht ist also NICHT die Mischlingszucht, da ist an sich rein gar nix verkehrt dran.
    Das Problem ist die SCHLECHTE Zucht um des Profits willen, genau wie bei planloser Vermehrung von Rassehunden auch.

    Nicht untersuchte Eltern (weder allgemein noch auf rassetypische Probleme), keine Ahnung von vernünftiger Zucht, gruselige Aufzuchtbedingungen, so viele Welpen wie möglich in kurzer Zeit, rein um der Kohle willen, und zur besseren Vermarktung wird dann noch ein "Markenname" draufgeklatscht.
    Das ist natürlich Scheiße, keine Frage. Da wird auch zu Recht vor gewarnt.

    Aber man sollte sich mMn hüten, diese zwei Angelegenheiten (Mischlingszucht generell und schlechte Mischlingszucht) grundsätzlich in einen Topf zu werfen.


    Was ich NIE verstehen werde ist, was für eine große Anziehungskraft "seltsame" Mischlinge wie z.B. Kombis aus großen Rassen mit kurzbeinigen Rassen, scheinbar haben. Oder auch Hunde mit rausstehenden Zähnen und raushängender Zunge.
    Muss der gleiche Effekt sein wie bei möglichst bizarren Rassehunden: "Ohhhhh, ein Unikat! Nein, wie außergewöhnlich! Den nehmen wir!" :roll:

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    zudem gibt es den Chi in SO vielen Farbschlägen mit jedem beliebigen Weißanteil, daß die Gefahr von Cryptic-Merle wirklich gegeben ist.


    Das ist für mich das Hauptargument und auch ein sinnvolles.

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    Marula, siehst Du das auch so, dass Merle nicht aus heiterem Himmel in einer Rasse als Mutation auftritt?


    Naja, möglich wäre es, aber:

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    Zumindest wage ich mal die Behauptung aufzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Spontanmutation, die zu einer Merle-ähnlichen Fellfarbe führt, weitaus geringer ist als die Einkreuzung einer fremden, merle-farbenen Rasse.


    ... so gehts mir auch. Merle kommt bei Aussies, Shelties, Collies in den letzten Jahren schwer in Mode und plötzlich soll's auf einmal auch bei zig Rassen, die historisch nie Merle hatten, zu Spontanmutationen kommen? Da war wohl was im Wasser... :lol:


    Grade bei Pudeln sehe ich das mit dem Merle auch ziemlich kritisch. Mit dem langen Fell und den ganzen Aufhellungs-/Vergrauungsfaktoren stelle ich mir vor, dass man Merle leicht mal übersehen könnte und wenn man den dann wieder mit nem Merle kreuzt, dann hat man nachher die Doppel-Merles.

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    Kein Beispiel für Merle, aber für einen optischen Ausreißer:
    Reinrassiger Border Collie
    http://www.bordercolliemuseum.org/BCLooks/CoatType/Lone2.JPG
    Schlagt mich, ich weiß gerade nicht in welcher Generation der Bearded Collie eingekreuzt wurde, aber es sind schon einige.


    Der ist ja süß. Und das von mir, ich steh eigentlich nicht so auf Strubbelhunde.

    Ich hab mal gelesen, dass beim Border so wollige Hunde mit langhaarigem Gesicht ab und an mal auftreten, weil sie halt früher mit den Vorfahren der jetztigen Bearded's eine Landrasse waren und das immer mal wieder hochkommt.
    Stimmt das, oder komm es wirklich nur da vor, wo man wirklich von einer Bearded-Einkreuzung nach formaler Trennung der Rassen ausgehen kann?

    Ich hab keine Ahung wie sich Haarvarianten vererben, außer bei Kurzhaar und Befederung beim Saluki und das es mindestens eine Langhaarvariante gibt die bei manchen Rassen (Dalmatiner, Rottweiler, Weimaraner, Deutscher Schäferhund) rezessiv vererbt wird daher und ab und zu mal auftaucht.


    Die Whippets und Windsprites mit Watermarking... super schön! Ich frag mich, warum das bei Whippets und Whippet-Derivaten so relativ häufig vorkommt. Salukis sind ja auch oft und Greyhounds sogar sehr häufig gescheckt, bei beiden Rassen kenne ich es sogut wie gar nicht.

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    Und Nackthunde haben diese lange Zeit auch nicht in unserem Klima überstanden.


    Ja, hatten wir ja weiter vorne schonmal. Aber ganz ehrlich, wenn man hier jetzt nur noch Rassen halten dürfte, die einen mitteleuropäischen Winter im Freien gemütlich überstehen, dann könnten wir ganz viel weglassen. Z.B. auch die ganzen kleinen Bichons mit ihrem weichen, saugfähigem, filzenden Fell und extrem viele "normale" Kurzhaarhunde mit einfachem Fell und wenig Unterwolle.
    Und das wäre in meinen Augen Blödsinn, wenn eh klar ist, das der Hund nicht draußen leben soll. Da seh ich keine Qual.


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    Vielleicht auch, weil man da nicht so zimperlich ist nicht hörende Hunde einfach zu... nunja. Die Australier sind da ja beim Koolie auch ziemlich schmerzbefreit und Verpaarung munter Merle x Merle. Was nix hört, wird dann halt entsorgt.

    Den verschiedenen Farbschlägen sagt man ja beim AH auch gerne bestimmte Eigenschaften nach, was ich zum Teil auch bestätigen kann. Der Tiger ist meiner Erfahrung nach einer der AHs mit viel Power im Hintern, wendig, schnell, griffig. Wenn man das erhalten möchte... kein "zimperlicher" Schäfer... nunja.

    Zudem kommen ja statistisch bei heterozygoten Eltern "nur" 50 % homozygote Nachkommen raus, also auch immer genügend Hörende.


    Na, ich geh jetzt schon davon aus, dass man hier und heute nur Merle x nicht-Merle verpaart. Ich weiß, dass die Schäfer das früher auch anders gemacht haben bzw anderswo teilweise noch machen, aber das ist ja nun ein bekanntes und gut erforschtes Risiko und das muss nun wirklich nicht mehr sein.

    Dagegen ist es einfach bei den heterozygoten Merles so, dass da so viele von rumlaufen und davon so wenig irgendwelche Probleme zu haben scheinen, dass es mir schwerfällt da die Qualzucht zu entdecken. Wie gesagt, Forschungen schaden da sicher ganz und gar nicht, ich änder meine Meinung gern wenn es nen triftigen Grund gibt, aber ich finde so ein bisschen darf man dann doch ruhig nach Augenmaß gehen. Und da hab ich bisher bei normalen Merles noch keine Schmerzen/Leiden/Schäden feststellen können. Selbst wenn da was existieren sollte, scheint es sich augenscheinlich weder auf die Lebensqualität noch auf die Leistung großartig auszuwirken.