Beiträge von Marula

    Ich kann ebenfalls bestätigen, dass es hier auch so ist:
    Der wirklich nervenstarke, in sich ruhende Hund blieb vom ersten Tag an allein, bleibt auch in fremden Hotelzimmern ohne einen Mucks und ohne sich daneben zu benehmen und so weiter. Er freut sich schon wenn ich heimkomme, aber eher dezent, oft schaut er nur auf und klopft ein bisschen mit der Rute - "Hey, nett das du wieder da bist, hier war nix los, ich hab die ganze Zeit gepennt."

    Die beiden eher unischeren bzw stärker anhäglichen "Rockzipfelhunde" mussten das Alleinesein erst üben (Wochen bis Monate) und würden es vorsziehen, wenn sie immer bei mir bzw ich bei ihnen sein könnte.
    Wenn ich da nach einer Abwesenheit wieder nachhause komme, dann drehen die immer ab vor Freude, tanzen um mich rum und die Hündin fängt erstmal ein Wiedervereinigungs-Heulkonzert an - "Oh Gott, du bist wieder da, ich hab SO LANGE auf dich gewartet, so toll, so toll, du bist wieder da, gehen wir jetzt raus, machen wir jetzt was, ich halt das nicht mehr aus, ich raste aus... AHHHHHH du bist wieder DAAAAAA!!!"
    (Ich versuch natürlich, die Begrüßug ebenso wie das weggehen möglichst unaufgeregt zu machen, aber... Theorie und Praxis... ;) ).


    Die beiden Hunde die nicht von Anfang an ohne weiteres alleine bleiben konnten, kannten es eigentlich beide schon! Der eine kam erwachsen aus Zwingerhaltung, hatte vorher nie im Haus gelebt, die andere kam mit nem guten halben Jahr aus Gruppenhaltung mit freiem Zugang zu Haus und Garten, die Züchterin war aber durchaus einige Stunden täglich außer Haus.

    Beide haben sich bei Ankunft hier praktisch sofort an mich geklettet, wie diese Saugnapffische an einen Hai. Die fanden es glaube ich so toll einen eigenen Privatmenschen zu haben, dass sie mich am liebsten nie wieder aus den Augen lassen wollten. Aber eben weniger in Richtung kontrollierendes Verhalten, sondern eher in Richtung Verlassens-/Verlustangst.

    Insofern, wenn ein Hund als menschenbezogener Einzelhund in einem normalen Haushalt schon gut alleine bleiben kann, dann hat man vielleicht ganz gute Chancen, dass das nach der Übernahme so bleibt.
    Wen er aus einer anderen Haltungsform kommt und dann zum ersten Mal erfährt wie es ist, 24/7 mit der Bezugsperson zusammen zu leben, dann kann es gut sein, dass der auf einmal nicht mehr alleine sein kann, obewohl er vielleicht auf dem vorherigen Platz nie Probleme damit hatte und man eigentlich denkt, man kriegt einen in der Hinsicht unkomplizierten Hund.


    Mit der Rasse... ich weiß nicht. Ich denk sehr stark menschenbezogene und/oder eher unsichere Charaktere gibts wahrscheinlich in jeder Rasse.

    Ich find auch magnetische Ohrringe oder aufgeklebte beim Hund nicht ganz ungefährlich. Bei ganz kleinen Ohren oder wenn die Teile an der Ohrbasis sitzen mag das noch gehen.
    Aber bei etwas größeren Ohren oder wenn der Stecker an der Ohrspitze sitz - wir wissen doch alle, wie es schlackert, wenn der Hund den Kopf schüttelt. Es ist nicht soooooo weit hergeholt, dass sich ein Hund beim Kopfschütteln den Ohrschmuck dann ins Auge schlagen könnte.

    Abgesehen davon finde ich es auch total fehlgeleitet. Zuchtverbände dürfen nicht mal mehr tätowieren (was immerhin einen handfesten Zweck hatte) und dann kommen die Leute auf solche dümmlichen Ideen...

    @ Mapeleca: Ok, ich glaube jetzt verstehen wir uns besser. Tut mir leid wenn ich etwas schroff war. :smile:


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    Mit der Züchterin (katatjutas) habe ich mich schon getroffen und sie befragt. Sie bekommt ja Anfang Juni einen Wurf und da stehe ich seit kurzen auf der Warteliste. Bei einem kleinem Wurf muss ich leider noch warten. Ihre Hündinnen finde ich echt genial.


    Oh, na dann bist du ja eigentlich schon in sehr guten Händen, da kannst du mit Sicherheit alle Fragen anbringen die du so hast.
    Ich kenne Dr. Koller nicht persönlich, aber aus Foren und vom Hörensagen und hatte immer einen sehr guten Eindruck und auch nur positives gehört. Ich denke da kann man sich guten Gewissens einen Hund holen. Bist du eigentlich schon im Exracer-Forum? Ich mein mir wär da so als hätte ich vor einiger Zeit jemanden gelesen, der bei den Katatjutas auf Besuch war und einen Welpen reserviert hatte.


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    Gibt es eig typische Windhundkrankheiten?
    U was sollte man den Züchter alles fragen?
    Was füttert ihr euren Greys?


    Ich füttere selbstgemachtes, ganz klassische Fleisch (roh) einschließlich Innereien, Gemüse, Kohlenhydrate, dazu etwas Öl, ne Messerspitze Jodsalz, Knochen oder Knochenmehl, ab und an Ei, Milchprodukte und Fisch. Mein Senior verträgt nix anderes mehr und die anderen mögen es lieber und es bekommt ihnen gut.
    Aber es spricht auch nix gegen ein vernüftiges Fertigfutter. Tendenziell vertragen viele Greys scheinbar (wie viele andere große Hunde) Dose etwas schlechter als Trockenfutter, das gibt oft weichen Kot und ekelige Pupse. Aber auch nicht alle. Einfach ausprobieren.
    Irgendwas spezielles muss man höchstens beachten, wenn der Hund sportliche Höchstleistungen bringen soll, ansonsten unterscheidet sich die Fütterung nicht von anderen Hunden.

    Was man den Züchter alles fragen soll... alles was dir einfällt. :D Ich mein, so viele Greyhoundzüchter gibts ja nicht, da ist es ja jeweils nicht schwer rauszufinden ob und wenn ja in welchem Verband sie züchten, also ob es ein seriöser Züchter ist. Da hat man jetzt nicht so die Probleme wie bei populären Rassen, dass man die Vermehrer raussieben muss.
    Und ein guter Züchter wird sich über ein langes Gespräch mit ernsthaften Interessenten immer freuen. Der Rest ergibt sich dann schon, da würde ich jetzt keine Liste abarbeiten wollen.


    Krankheiten...
    An sich sind Greyhounds relativ gesund. Relativ. ;)
    Erbliche Krankheiten sind trotzdem eine ganze Menge bekannt, einfach auch durch die hohe Zahl an Hunden (im Profisport) und durch die dort auch relativ engmaschige tierärztliche Betreuung. Nicht alle davon sind auch häufig. Bei vielen existieren leider keine verlässlichen Daten wie oft sie wirklich vorkommen - im Profi-Rennsport werden zu viele Hunde jung aussortiert, in der Hobbyzucht z.B. in Deutschland bricht oft der Kontakt zu den Welpenkäufern ab und so weiter.

    Es gibt eine Reihe von Autoimmunkrankheiten. Zum Beispiel Pannus (Augenkrankheit bei der es zu einer durch Sonnenlicht ausgelösten Hornhautentzündung kommt), SLO (Symmetrische Lupoide Onychodystrophie, Entzündung der Krallenlederhaut mit Krallenverlust) und auch bei der relativ häufigen Schilddrüsenunterfunktion vermutet man ursächlich oft ein autoimmunes Geschehen. Zwar haben Greyhounds (und andere Windhunde) tatsächlich oft physiologisch niedrige Schulddrüsenwerte, aber echte Hypothyreose kommt eben auch öfter mal vor.

    Das sogenannte Bald Thigh Syndrome ist nicht weiter gefährlich, sieht aber hässlich aus: Dem Hund fallen an den Hinterschenkeln die Haare aus. Das ist sehr häufig, grade bei Rennhunden. Bei vielen wächst das Fell nach, wenn sie aus dem Training ausscheiden, man vermutet, dass das auch durch Stresshormone bedingt ist. Bei anderen kommt es nicht wieder und wieder andere haben das einfach, ohne jemals besonders Leistung gebracht zu haben.

    Dann gibts die maligne Hyperthermie. Eher selten. Eine Störung des Muskelstoffwechsels die in einer lebensgefährlichen Erhöhung der Körpertemperatur resultiert, relevant wird sie eigentlich nur, wenn der Hund in (Inhalations)Narkose gelegt werden muss, weil durch diese Mittel die ensprechenden Störungen ausgelöst werden. Selten auch bei Stress und Überlastung.

    Es gibt eine Reihe von Blutgerinnungsstörungen, z.B. von Willebrandt's Disease und einige andere. Ebenfalls nicht häufig, kommt aber wohl vor.

    Es gab Fälle von PRA (Progressive Retinaatrophie, fortschreitende Netzhautdegeneration/-ablösung), wüsste jetzt aber nicht, dass das ein verbreitetes Problem wäre.

    Bei Greyhounds aus Showlinien gibt es die Greyhound Neuropathie, eine fortschreitende und letztendlich immer tödliche Nervendegeneration, für die es aber zum Glück einen Gentest gibt, auf den ich bei Kauf aus einer entsprechenden Abstammung auch bestehen würde.

    Greyhounds haben von allen Rassen wohl die höchste Rate an Osteosarkomen, eine sehr bösartige Form von Knochenkrebs. Generell leiden alle großen Rassen mit langen Röhrenknochen vermehrt unter dieser Tumorart, auch z.B. Doggen, Barsois, Irish Wolfhound, Dobermann, Rhodesian Ridgeback... aber Greyhounds halt am häufigsten von allen. Auftreten tut dieser Tumor meist im Alter zwischen 5 und 10 Jahren, die Behandlungsmöglichkeiten sind äußerst eingeschränkt und es ist sehr schmerzhaft.
    Man vermutet, dass es neben der erblichen auch eine erworbene Komponente dabei gibt, durch Mikrotraumen der Knochen, die der Hund sich bei zu frühem/zu hartem Renneinsatz zuzieht.
    Leider kann man darauf nicht testen und die einzige Möglichkeit das Risiko einzuschränken ist wohl, möglichst gründlich zu recherchieren wie häufig dieses Problem in der Verwandschaft aufgetreten ist.

    Ein weiteres rassespezifisches Problem sind die sogenannten "Corns" oder Dornwarzen. Ob es sich dabei wirklich um Warzen handelt (also durch Viren verursacht), oder um Belastungsgeschwüre oder was auch immer ist wohl gar nicht genau geklärt. Jedenfalls hat der Hund dabei hoch schmerzhafte und manchmal gar nicht so leicht zu sehende Dornwarzen in/unter den Ballen, Zehen und Hauptballen können betroffen sein. Die Behandlung kann ziemlich langwierig und nervtötend sein.


    Herzkrankheiten... bei einigen Linien ist wohl DCM (Dilatative Cardiomyopathie) aufgetreten. Greys haben generell ein riesiges Sportlerherz, größer als das von Hunden ähnlicher Größe (bis zu 1 1/2 mal so groß). Gut ist, wenn der Züchter seine Hunde zeitnah zum Deckeinsatz schallen lässt. Leider ist es keine Pflicht und es machen nicht alle.


    Greys können bei Überlastung die oben schon erwähnte "Greyhoundsperre" kriegen, auch paralytische Myoglobinurie genannt. Im Prinzip wie ein gigantischer Muskelkater, im Muskel sammelt sich eine viel zu hohe Laktatkonzentration an, der Säure/Base-Puffer im Gewebe kann das nicht mehr abfangen, es kommt zum Absterben von Muskelzellen, dann zu Entzündungen und Nekrosen der Rücken- und Schenkelmuskulatur, das freigewordene Muskelprotein muss ausgeschieden werden und verstopft/schädigt die Nieren...
    Als Kreuzverschlag gibt es ein ähnliches Phänomen bei Pferden.


    Zu guter Letzt sind sie aufgrund der hohen Körpermasse, großen Geschwindigkeit und des feinen Fundaments relativ anfällig für Verletzungen des Bewegungsapperates. Speziell Kapsel- und Sehenrisse sowie Zehenbrüche sind nicht so selten und es gibt noch ne Reihe von typischen Sportverletzungen die Greyhounds öfter als andere Rassen haben, z.B. Abriss der Bizepssehne oder Fraktur des Fersenknochens.

    Achja, und sie haben dünnes Fell, straffe, dünne Haut und null Fettpolster, das heißt sie zerschrammen sich gern mal im Gebüsch.

    Ja. Aber eigentlich sind es sonst ziemlich gesunde Hunde! :lachtot:
    Nee, ich sag mal so: Realistisch gesehen kann man schon mit ungefähr 12 Jahren rechnen, das ist ein ganz normales Alter für einen Grey und ich kenne nicht wenige, die 14 und älter sind/wurden, was ich für so eine große Rasse nicht schlecht finde.

    Wenn du des Englischen mächtig bist und dich sowas in Detail interessiert, kannst du dir das Buch "Care of the racing and retired Greyhound" besorgen. Das ist so eine Art "Greyhoundbibel" in der ausführlich alle Aspekte der Greyhoundmedizin beleuchtet werden und außerdem auch Training, Fütterung und so weiter. Braucht man aber als normaler Besitzer nicht umbedingt. ;)

    Ja, ich meinte dich.

    Es tut mir leid, das du Pech bei der Auswahl deines Hundes hattest, aber das ist eben leider eine typisches Ergebnis von unqualifiziertem Auslandstierschutz, wo Hunde völlig unpassender Rasse(mixe) aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit an Leute vermittelt werden, die nicht die Fähigkeiten oder nicht die Bedingungen für diesen Typ Hund haben und sich eigentlich grade "sowas" auch nie bewusst ausgesucht hätten.

    Das heißt nicht, das man generell zu doof für einen Hund ist, aber für manche Rassen hat nunmal nicht jeder die passenden Ausgangsbedingungen (nicht umbedingt vom Know How, sondern auch räumlich, von der Wohnlage her und was es halt noch alles so für Faktoren gibt). Es hat auch einfach jeder andere Vorstellungen von der Hundehaltung.
    Dann läuft das halt so wie bei dir, das man nach nem guten Jahrzehnt sagt "Bloß nie wieder, ist zwar ein netter Hund, aber so anstrengend!" und sich vielleicht auch eingesteht, dass das für den Hund keine Idealsituation war.


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    Offenbar sind aber in dem Forum, in dem ich war alle unfähig, sich Greys, Galgos etc. zu halten, denn die hatten sehr wohl eben diese Probleme. Scheinbar ist das genau in Deiner Gegend so ganz anders!?


    Ich weiß nicht in was für einem Forum du bist. Meine eigenen Erfahrungen mit meinen eignenen Hunden und inzwischen einigen dutzend Windhunden im Bekanntenkreis (nicht umbedingt in meiner Umgebung, so viele wohnen hier leider nicht auf einem Haufen...), davon vielleicht knapp die Hälfte Greyhounds aus überwiegend irischer Zucht, sind halt anders.


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    Wenn hier nur Meinungen pro Grey zählen, warum gibt es diesen Thread eigentlich


    Tun sie nicht nur. Ich kann auch so einiges an Contra-Argumenten aufzählen. Allerdings dachte ich ursprünglich, als ich den Thread heute Vormittag sah und mein erstes Posting hier verfasste, dass ich erstmal auf die Threaderstellerin warte und gucke, was sie für Fragen hat.
    Ich wollte aber dein Posting ungern unkommentiert stehen lassen, weil ich nunmal wie du gelesen hast in vielen Punkten nicht mit dir übereinstimme.


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    Mein Hund war in der Anfangszeit schüchtern und vorsichtig bei Kontakten zu anderen Hunden. Ich fahre aber in keinen Windhundeauslauf um meinen Hund unter zig anderen an der Leine zu führen. Wenn nun ein unter Beobachtung stehender Freilauf (heißt, HF und Hunde sind IM Auslauf zusammen) darin ausartet, das ein vorsichtiger Hund von einer Meute Greys und Galgos überrannt und anschließend gejagt wird (Du wirst wissen, von welchem Tempo wir hier sprechen!), bis ich ihn endlich aus der Situation befreien konnte, sind dann sämtliche Hunde schlecht sozialisiert, erzogen und beaufsichtigt worden? Die Hunde sollen in diesen Ausläufen rennen, toben, spielen können. Das macht m.M. nach keinen Sinn, wenn jeder HF neben seinem Hund steht und ihn keinen Meter alleine gehen lässt.


    Kurze, ehrliche Antwort? JA, sind sie.

    Erstmal gehört ein unsicherer Hund nicht auf einen Gruppenauslauf. Höchstens in eine kleine, bekannte, ruhige Gruppe. Der hat da in der Regel keinen Spaß und im schlimmsten Fall wirds gefährlich. Hast du ja gemerkt.

    Einen Haufen sich fremder Hunde zusammen zu schmeißen und zu erwarten, dass die alle schön spielen ist eh Leichtsinn. Das das so oft funktioniert zeugt vom guten Sozialverhalten der meisten Hunde (nicht nur Windhunde), aber garantiert nicht vom Hundeverstand der Besitzer. Das es viele so praktizieren, das macht es auch nicht richtiger.


    Viele Galgos und Greys aus dem TS sind vom Sozialverhalten her komplett unauffällig, aber gar nicht so wenige haben auch nen Schräubchen locker, weil sie z.B. depriviert und ohne Sozialisation auf Artgenossen in irgendeiner Rehala oder im Zwinger aufgewachsen sind oder sich mal im überfüllten Tierheimgehege mit zwei Dutzend halbverhungerten Kollegen ums Futter kloppen mussten oder ähnliche Späße.
    Das daraus resultierende Verhalten kann man ihnen nicht anlasten, aber es ist NICHT rassetypisch.

    Selbst wenn die meisten Hunde auf nem Auslauf vom Sozialverhalten her komplett sauber ticken, braucht man nur einen oder zwei dazwischen, die irgendeine Macke haben und wenn dann ne kribbelige Situation entsteht, dann ziehen auch die sonst ganz normalen Hunde schnell mit. Das ist übrigens in größeren Hundegruppen quer durch alle Rassen so.

    Das wäre ja an sich noch nicht so schlimm, wenn die Besitzer dann a) gut beobachten und auch kapieren würden, was sie da grade sehen (Punkt "gute Beaufsichtigung") und wenn sie dann b) auch fähig wären rechtzeitig einzugreifen, also die Hunde einen vernüftigen Abbruch und Rückruf beherrschen würden (Punkt "schlechte Erziehung"). An beiden Punkten scheitert es sehr oft.

    Genau diese Einstellung "Sie sollen ja spielen/rennen/toben und ich will nicht ständig eingreifen" gepaart mit Unwissenheit und magelnden Fähigkeiten der Besitzer führt zu solchen Vorfällen wo dann nachher ein gehetzter Hund zerlöchert wird.
    Das inzwischen viele Ausläufe Maulkorbpflicht haben (entweder allgemein oder für bekannte Unruhestifter) macht es in meinen Augen nicht so wirklich besser. Dann sind die Hunde zwar erstmal entschärft, aber das Problem besteht weiter.

    Off-topic? Vielleicht, ich weiß nicht... wenn es denn so ist, dass solche Halter das ganze Bild einer Rasse prägen, dann finde ich das ausgesprochen On-topic...

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    Ich kenne mich mit Koppeln und Zäunen aus, und deswegen habe ich geschrieben - eine Koppel, auch ne Shettykoppel, ist eher kein Windhundgeeigneter Auslauf.

    Aber wenn du als Windhundexpertin dazu raten kannst, sich auf Koppelzäune zu verlassen... :???:


    Zieh dir den Schuh an wenn du magst, mein Beitrag bezog sich eigentlich hauptsächlich auf den von Mapeleca. Aber wenn du so eine Steilvorlage lieferst von wegen "normaler Hund", dann wunder dich nicht wenn da was zurückommt.


    Ich bin auch lange geritten und würde nen normalen Pferdekoppelzaun jetzt auch nicht als super geeignete Hundeeinzäunung bezeichnen. Unsere Shettykoppel aber durchaus, die war nämlich mit 1,20 m Schafknotendraht und drei Litzen E-Zaun innen gesichert, weil die Biester sich spätestens mit dem dicken isolierenden Winterpelz durch normale Litzenzäune einfach durchgeschoben haben und den Knotengitterzaun allein einfach plattgedrückt hätten.
    Ich persönlich hab kein Problem damit, wenn die Hunde sich mal am E-Zaun eine fitschen, passiert doch jedem Reiterhund mal und da kommen die auch wieder drüber weg. Macht man halt die Spannung die ersten Tage etwas niedriger als man es bei einem Shetty-Ausbrecherkönig im Winterfell machen würde damit die Hunde bei der ersten Begegnung mit dem Zaun nicht grad wegfliegen und gut ist.

    Unsere damaligen 1,20m wären etwas niedrig für die meisten großen Hunde. Meine würden das respektieren, die springen nicht großartig, aber davon kann man natürlich nicht ausgehen, das ist nicht rassetypisch oder so. Wenn sie auch große Pferde haben, werden ja sicher noch ein paar höhere Reihen Litze da sein. Macht man notfalls noch ne Reihe dazwischen und darunter oder darüber, auf Litze kann kein Hund aufsetzen und sich durchwinden ist mit Strom drin auch eher nicht drin.
    Durchbuddeln kann dir mit absolut jedem anderen Hund auch passieren, Greys sind eigentlich keine großen Gräber, nicht mehr als andere Hunde auch (im Gegensatz zu zum Beispiel Podencos oder Huskys). Wüsste jedenfalls kaum jemanden, weder mit Windhunden noch mit anderen Rassen, der einen ganzen Garten oder größeren Auslauf mit versenktem Zaunfuß gebaut hätte. Viel zu teuer, wird höchstens bei kleinen Flächen mal gemacht. Die Windhundausläufe haben auch keinen Untergrabeschutz.

    Wie auch immer, ich habe nicht geschrieben, das hier jedes Detail wunderbar und perfekt durchdacht ist (dafür müsste die Threaderstellerin erstmal noch den einen oder anderen Beitrag verfassen und solche Sachen wie z.B. ne passende Umzäunung anlegen macht man ja vielleicht auch erst, wenn die Hundeanschaffung konkret wird... allein das das Land dafür vorhanden wäre, ist doch schonmal eine sehr luxuriöse Ausgangslage), sondern nur, dass ich meine Hunde, die nunmal der hier besprochenen Rasse angehören, unter diesen bisher geschilderten Bedingungen gut halten könnte.


    Ich klär auch gern über Nachteile und zu erwartende Probleme auf, hab ich in diesem Forum auch wirklich schon oft und ausführlich genug gemacht. Aber dann bitte realitätsbasiert und nicht weil man sich irgendwas zusammenreimt obwohl man wenig bis keine persönliche Erfahrung mit der Rasse hat.


    Snill:
    Ja, vom schlimmste auszugehen ist nicht verkehrt! Das wäre in dem Fall halt niemals in freiem Gelände ableinen zu können. Ging mir ja auch so anfangs.
    Aber ich persönlich kann das eher nicht bestätigen. Ich kenne welche, die kann man nur an wenigen, ausgewählten Stellen mal für eine Flitzerunde mit anderen Hunden laufen lassen und andere, die gehen in passendem Gelände auch ne ganze Runde ohne Leine (ua meine eigenen).

    Und grade die Züchter von denen ich ein bisschen was halte (und Leute, die da Welpen gekauft haben), die haben alle ableinbare und relativ gut hörende Hunde - was nicht heißt, dass die nicht jagen würden wenn sich eine günstige Gelegenheit ergeben würde, aber da ist mal halt als Halter in der Pflicht.

    Diejenigen Leute die ich kenne, die gar nicht ohne Zaune ableinen, sind fast nur a) Rescuehundebesitzer deren Hund eventuell wirklich durch Vorerfahrungen schwierig geworden ist oder die (sorry, aber ist so) wenig Plan haben oder b) fanatische Rennleute, die sich vor Verletzungen fürchten und irgendwas vom Ferrari unter den Hunden, den man auch nicht im Gelände fahren könnte, faseln.

    Gibt natürlich auch welche, die einfach auch Sicherheitsbedürfniss/Unsicherheit nicht ableinen. Wäre nicht mein Ding, aber jedem das seine, solange der Hund wenigstens eingezäunt und bei schönen Leinenspaziergängen ordentlich Bewegung haben darf.
    Grad wenn man sich nen ordentlich gezogenen und aufgezogenen Welpen holt, dann hat man meiner Ansicht nach wirklich gute Chancen auf zumindest kontrollierten Freilauf. Ein Hund für's verträumt durch's Grüne schlendern ist ein Greyhound aber sicher nicht!!!

    Wow. Einfach nur... wow.
    Ich find das grade echt heftig. :mute:


    Die eine hat gar keinen Hund dieser Rasse und sagt selbst, dass sie "von Windhunden nicht so viel Ahnung" hat, räte aber lieber zu einem "normalen Hund", die andere hat ebenfalls keinen Hund dieser Rasse, hat sich anscheinend selber die falsche Rasse für ihre Bedingungen und/oder Fähigkeiten angeschafft, aber weiß auf jeden Fall, das so ein Greyhound ganz was fürchterliches ist.
    Ich bin beeindruckt von so viel geballtem Fachwissen gepaart mit tiefgehender Rasseerfahrung. :gut:


    Meine Greyhounds und viele andere die ich kenne:
    - Haben Nerven aus Drahtseilen und eine hohe Reizschwelle gegenüber allem möglichen Umwelteinflüssen, sind dabei aber sensibel und ausgesprochen führerweich.
    - Sind Fremden gegenüber aufgeschlossen und finden Menschen grundsätzlich toll.
    - Sind leicht zu motivierende Mitmacherhunde, die sehr personenbezogen sind und denen grundsätzlich viel dran gelegen ist es ihrer Bezugsperson recht zu machen. Nichts hassen sie so sehr wie schlechte Stimmung. Sie sind für jeden Quatsch zu haben und freuen sich immer, wenn man sich mit ihnen beschäftigt oder sie einfach dabei sein dürfen. Ich habe keinen Vergleich zu eigenen "normalen" :roll: Hunden (allerdings beruflich ziemlich viel Hundeerfahrung), aber ich finde Greyhounds sind ausgesprochen leicht zu erziehende Hunde.

    - Haben mit anderen Hunden unterdurchschnittlich wenig Probleme, finden andere Hunde erstmal positiv-interessant bis neutral und gehen Stress im Zweifelsfall eher aus dem Weg.

    - Leben problemlos mit Katzen und Kleintieren zusammen obwohl sie beide erwachsen aus jagdlicher Verwendung bzw direkt von der Rennbahn kamen. Haben null Probleme mit bzw angemessenen Respekt vor Großtieren und ich könnte mit ihnen nach etwas üben mit Sicherheit ohne Leine durch einen Hühnerhof laufen (freilaufende Hühner und Enten an/auf unserer Gassistrecke sind jedenfalls kein Problem, da nehme ich sie ins Fuß und gut ist).

    - Laufen täglich in der freien Natur frei, in der Regel 1-2 Stunden mit mehr oder weniger Leinenabschnitten dazwischen. Ebenso meine Salukihündin.

    - Sind mir, einerseits dank guter Erziehung und andererseits dank guter Auswahl der Gassigebiete und -zeiten in inzwischen 8 Jahren nahezu täglichem Freilauf nur bei einer knappen Hand voll Gelegenheiten "aus der Hand gegangen", waren nie auch nur annähernd erfolgreich und nie länger als 1-2 Minuten außer Kontrolle, und das obwohl ich fast immer mit 2-3 gleichzeitig abgeleinten Hunden gehe. Eine Quote, über die sicherlich so macher Besitzer eines "normalen" Hundes froh wäre.

    Ich würd mir den Gnadenschuss geben bevor ich dauerhaft mit drei Hunden an der Schleppleine oder überhaupt ausschließlich angeleint durch die Gegend tingel. Der nächste Hund kam immer erst, wenn der/die vorherigen gut erzogen waren, das heißt: Ohne direkte Wildsichtung (Hase oder Reh rennt sichtbar über die Wiese) so gehorsam wie jeder stinknormale 0815Ottonormalfiffi auch, einschließlich gutem Abruf aus dem Spiel und bei anderen Hunden. Das hat jeweils 1-2 Jahre gedauert.

    Sehe ich Wild vor ihnen, kann ich sie abrufen, in der zugegeben kaum vorhandenen "Schrecksekunde" zwischen Sichtung und Start auch noch, danach nicht mehr. Das ist genau das einzige was sie von anderen Hunden unterscheidet, außer natürlich ihrem generell extrem angenehmen, unkompliziertem Wesen.


    Und nein, ich glaube nicht das ich Ausnahmegreyhounds bzw einen Ausnahmesaluki habe. Den ersten wollte seine Vorbesitzerin (die ihn direkt aus Irland hatte) unter anderem deswegen nicht mehr, weil er bei der kleinsten sich bietenden Chance weglief: Leine ab... Hund weg, Kofferraum nicht schnell genug zu... Hund weg, Haustür nur angelehnt... Hund weg. Und dann war er tagelang weg. Der örtlichen Jägerschaft war er gut bekannt, zum Glück waren das alles nette Leute und gut mit der Besitzerin befreundet.
    Es hat sich zufällig ergeben das ich diesen Hund übernommen hab, ich hab nicht erwartet mit ihm so weit zu kommen wie ich gekommen bin (de facto hab ich das mit dem "niemals ableinbar" anfangs geglaubt), aber ich hab es versucht und es hat sich geloht.
    Ich hab nicht nach einem "einfachen" oder "jagdtrieblosen" Windhund gesucht und ein solche ist bzw war er auch nicht.

    Der zweite wollte anfangs alles packen was unter kniehoch ist und sich schnell bewegt, einschließlich kleiner Hunde und natürlich auch einschließlich Katzen und Kleintiere.
    Auch bei diesem hatte ich nicht gezielt nach einem Grey mit wenig Jagdtrieb geschaut, wohl aber nach einem der Hundeverträglich ist da ich zu der Zeit in der Großstadt lebte wo es vor anderen Hunden nur so wimmelte. Da mehr oder minder eine Direktvermittlung aus dem Ausland war (würde ich heute nicht mehr machen und auch nur erfahrenen oder sehr flexibelen Leuten empfehlen) hat das leider so gar nicht hingehauen. Hetztrieb hat der jedenfalls auch in rassetypischer Ausprägung, auch wenn er sonst in jeder Hinsicht stockbrav und einfach war.

    Mit der Salukihündin, die ich mit 7 Monate ohne schlechte Vorerfahrungen, aber auch nicht sonderlich gut sozialisiert bekommen hab, war es nicht annähernd so viel Arbeit, da gabs ja nix zu korrigieren, nur einiges aufzuholen und zu neues zu lernen.
    Bei der habe ich gezielt nach einer Verpaarung aus noch in den letzten Generationen (ihre Mutter und beide Großeltern väterlicherseits) jagdlich verwendeten Zucht gesucht, gern mit viel "Pep". Auch das ist also kein extra für viel Freilauf ausgesuchter "Windhund light", eher das Gegenteil.


    Darüber, ob Windhundsport den Jagdtrieb/Hetztrieb fördert, gibt es verschiedene Auffassungen. Die einen sagen ja, die andern nein. Ich denke das hängt vom Hund und vor allem sehr stark vom restlichen Umfeld und der Erziehung ab.
    Ich kenne jedenfalls Windhunde die auf der Bahn oder beim Coursing laufen und ebenso problemlos abgeleint werden können wie meine, welche die Windhundsport machen und nicht von der Leine kommen, welche die keinen Windhundsport machen und trotzdem nicht abgeleint werden können und zu guter Letzt welche die nicht rennen oder coursen und gut ableinbar sind (meine fallen auch unter letzteres).

    Ich denke Rennen und Coursing sind ein "kann", kein "muss". Wichtiger ist die Möglichkeit, täglich die Beine mal richtig lang zu machen, wenigstens für den einen oder anderen schönen Sprint. Am besten mit anderen Hunden und am allerbesten mit anderen Windhunden. ;) Und natürlich ganz normale, schöne, lange Spaziergänge, wenn's geht zumindest streckenweise ohne Leine.


    "Rassismus" unter Hunden ist meiner Meinung nach zu einem gewissen Teil durch gemeinsame Vorlieben z.B. für gewisse Spiele sowie durch einfachere Verständigung durch ähnlicheres Ausdrucksverhalten zu erklären.

    Ausartende Hetzspielchen oder gar sogenannte Mobbingattacken bei denen ein Hund wirklich zum Opfer und dann auch auseinandergenommen wird, haben aber nix mit windhundtypischem Rassismus zu tun, sondern sind das Ergebnis schlechter Sozialisation, schlechter Erziehung und schlechter Beaufsichtigung.

    Liest du hier noch mit? Ich hab einen Grey und einen Longdog (Gebrauchskeuzung aus mindestens zwei Windhundrassen) mit hohem Greyhoundanteil. Wenn du magst, kann ich dir auch noch ein bisschen erzählen.


    Die Vorraussetzunmgen hören sich jedenfalls nicht schlecht an, finde ich. Meine Jungs wären als "Hofhunde" unter diesen Bedingungen sehr zufrieden.

    Wenn du aus Ösiland bist, kann ich dir diese Züchterin sehr empfehlen (soweit ich weiß auch die einzige in Österreich :D ):
    http://www.katatjuta.at/
    Wenn du dich auf der Seite umguckst, dann kriegst du denke ich schon einen ganz guten Eindruck davon, was mit Greyhounds alles möglich ist: Fr. Kollers Hunde laufen als Reitbegleithunde, leben mit Katzen und anderen Tieren, laufen täglich draußen in der Natur frei (meine eigenen übrigens auch ;) ), sind zertifizierte Therapiehunde, haben teilweise verschiedenen Hundesport abseits der Rennbahn betrieben... und sie sind meiner Meinung nach KEINE Ausnahmegreyhounds.

    Die Katatjutas sind von der Blutführung her reine Rennhunde, allerdings nicht mit primärem Ziel Rennleistung gezüchtet.

    Mit sogenannten Show Greyhounds beschäftigt sich dieser Blog hier:
    http://katrin-und-joachim.de/
    Auch da kann man neben Showergbnissen etc ab und an mal ein bisschen vom Alltag mit Greyhounds lesen, der ja eben trotz nicht zu unterschätzendem Hetztrieb (natürlich auch bei Hunden aus Rennlinie) aus mehr besteht als nur Leinenspaziergängen und Rennbahn.

    Zitat

    Ich beobachte in meiner Umgebung, dass der Umgang mit der Leine eher eine Lebenseinstellung der Halter ist. Es gibt Hundehalter, die haben seit vielen Jahren alle möglichen Hunde, die angeblich alle nicht freilaufen können. [...]

    Dann gibt es die andere Extremfraktion, da läuft der Hund immer ohne Leine, auch wenn er sich und andere damit in Lebensgefahr begibt.

    Manche Leute sind halt komplett schmerzbefreit und andere haben einfach Angst. Und wenn einem der Freilauf nicht wirklich wichtig ist, wird man ihn auch nicht trainieren. [...]


    Ja, dem ist eigentlich nix mehr hinzuzufügen.

    Zitat

    Also von mir aus braucht hund keine anderen hunde/menschen mögen, er kann wach-/schutztrieb haben bis zum anschlag, usw, aber einen richtigen jäger, den ich nie ableinen kann, damit hätt ich echt probleme!

    Auch richtige Jäger kann man bei richtiger Erziehung und Umsicht zumindest stellenweise und zeitweise ableinen. Ich hab ja nun drei Hunde aus zwei als selbstständig jagend und im Freilauf wenig führerbezogen bekannten Rassen, bei denen der Jagdtrieb auch durchaus rassetypisch entwickelt ist (auch wenn zwei mittlerweile Senioren und recht milde geworden sind... aber die waren auch mal jünger).

    Die können zwar nicht überall einen ganzen Spaziergang leinenlos laufen, und auch nicht mit verträumt in die Luft gucken meinerseits, aber es geht schon und das meist täglich.
    Insofern glaube ich, dass es zwar ganz extreme Ausnahmehunde gibt, die man wegen extremem Jagdtrieb gepaart mit großer Eigenständigkeit niemals ableinen kann, aber in den meisten Fällen dürfte das eher Halterversagen sein.

    Spricht natürlich nix dagegen, wenn man sich diese Arbeit nicht machen will und lieber ne Rasse mit weniger Jagdtrieb nimmt!
    Aber eine bestimmte Rasse zu haben ist keine Entschuldigung für dauerhaften Leinenknast. Der Hund kann ja nix dafür, dass man meinte ausgerechnet diese Rasse im dicht besiedelten Deutschland haben zu müssen, der will sich trotzdem frei bewegen.

    Zumal grade die diversen Rassen, bei denen es oft richtig Probleme mit dem Freilauf gibt, solche sind, bei denen es oft auch ein wirklich großes Bewegungsbedürfniss und einen von Natur aus ziemlich großen Radius gibt. Die Nordischen, Podencos und Verwandte, Meutehunde und Bracken, Vorsteher, Windhunde... alles Rassen, die nun echt nicht für den mickrigen Radius eines Schleppleinchens gezüchtet sind, "Kopfarbeit" und andere tolle Ersatzbeschäftigung hin oder her.

    Klingt vielleicht arrogant, aber wenn man nicht die Bedingungen und Fähigkeiten hat, so einen Hund nach Möglichkeit täglich richtig seine Beine strecken zu lassen (wenigstens auf einem großen umzäunten Gelände), dann sollte man es vielleicht lieber lassen.

    Meine Oma und Tante haben so einen Selbstläufer, einen Kleinpudel.

    Meine Tante arbeitet im mobilen Altenpflegedienst und hat ihn als 10 oder 12-wöchigen Welpen von über 80-jährigen, stark gehbehinderten Kunden übernommen.
    Die hatten immer Pudel gehabt und wollten nach dem Tod des letzten Seniorpudels auch wieder einen. Der letzte Welpe war aber schon anderthalb Jahrzehnte her und sie hatten sich doch verschätzt, was ihre körperlichen Fähigkeiten anging.

    Meine Tante wohnt bei ihrer Mutter (meiner Oma) mit im Haus.
    Oma ist da, aber kann und will nix großartiges mit dem Hund machen, also keine Spaziergänge und keine Erziehung. Er hat halt Gesellschaft, kann bei ihr in der Küche hocken oder neben ihr auf dem Sofa sitzen, und sie hat ihn von Anfang an auch mal in den Garten gelassen bzw mit rausgenommen wenn sie im Garten war.
    Meine Tante ist Vollzeit arbeiten. Die geht morgens vor der Arbeit eine Minirunde (10-15 min) und abends eine etwas größere (30-60 min) in den Wald oder an die Weser. Am WE auch mal etwas länger, den einen oder anderen Tag unter der Woche aber auch gar nicht, dann gabs/gibts halt nur Garten. Nachmittags sind Cousin und Cousine teilweise da, die sind im höheren schulpflichtigen Alter (Oberstufe), spielen manchmal ein bisschen mit dem Hund oder lassen ihn in den Garten, aber gehen nicht mit ihm raus.

    Ein Onkel von mir und dessen Freundin kommen so einmal die Woche vorbei und holen ihn für einen schönen Waldspaziergang ab, als "Leihhund" weil sie momentan noch keinen eigenen haben können. Er hört bei dene ebenso wie bei seinen eigentlichen Besitzern.

    Erzieherisch sind das alles echt keine Leuchten. Weder las man mal ein Buch noch wurde eine Hundeschule besucht oder sich im Internet informiert. Nur ab und zu mal Rütter im Fernsehn geguckt. :D Gezielt beigebracht oder planvoll geübt wurde gar nix, das was er kann, hat er alles im Alltag so nebenbei mitgekriegt.

    Er geht gut an der Leine, ist friedlich mit anderen Hunden, vertrauenswürdig mit Menschen jeder Art (auch Kindern oder Behinderten, haben wir beides in der Familie), jagt nicht, hat einen einigermaßen vernünftigen Rückruf (der mit etwas gezielter Arbeit sicher ganz leicht zu verbessern wäre), lässt sich die Fellpflege (Kurzhaarschitt und gelegentliches abduschen und ausbürsten) gefallen, verträgt sich mit der Katze und mit den Kleintieren (Meerschweine und Nymphensittiche), man kann ihn ohne weiteres mit ins Gasthaus auf eine Familienfeier nehmen oder im Urlaub mal für ein paar Stunden im Ferienhaus parken während man was ohne Hund unternimmt.

    Und das alles wie gesagt bei völlig planfreien Hundelaien und ohne jegliches gezieltes Üben. Der ist einfach so und war auch als Welpe und Junghund schon so.
    Ok, er hatte mal ne pubertäre Phase, da wollte er gern Hosenbeine rammeln. Aber das ließ sich mit nem strengen "Nein!" und wegschieben ganz leicht unterbinden

    Dumm oder eine langweilige Schlaftablette ist dar dabei nicht. Durchaus verspielt, kann stundenlang aus dem Wasser apportieren (seine große Leidenschaft) und würde sicher auch irgendeinen Hundesport machen, wenn man denn wollte. Dummyarbeit würde sich bei dem z.B. anbieten. Oder man könnte ihn sicher auch zum joggen oder wandern mitnehmen.
    Aber wenn nicht... auch gut.

    Sowas ist für mich ein Mitläufer und ich wage mal zu unterstellen das sowas das ist, wovon 90% aller Hundehalter träumen, nur halt manchmal bitte in anderer Optik.


    Ich kann verstehen, was daran so erstrebenswert ist. Aber selber bin ich halt nem anderen Typ Hund verfallen und da hat das Gesamtpaket nunmal einige Eingschaften, die diesem "Selbstläuferhund" entgegengesetzt sind, die aber die Rasse und ihren Charakter erst zu dem machen was sie sind.
    Insofern würde ich da nicht von störenden oder negativen Eingeschaften reden, sondern einfach von rassetypischen. Auch wenn die den Alltag vielleicht mal etwas umständlicher machen können, ist das für mich kein Nachteil, sondern gehört ganz neutral einfach dazu.