Hallo,
also, erstmal, ich verstehe Deine Sorge um Deinen Hund.
Aber ganz ehrlich, wie kann man sich, wenn die Nachbarn eh schon zicken, noch nen zweiten Hund holen, und dann auch noch in ner Mietwohnung einen Listenhund? Die Tips von wegen "such Dir ne neue Wohnung" sind ja gut und schön - aber es ist doch heute schwer genug, überhaupt eine Mietwohnung zu finden, wenn man Hunde hat, und dann noch mehrere - wie soll das mit nem Listenhund gehen? Da tut man sich doch noch schwerer...
Da hilft echt nur eines: hart dran arbeiten, und das auch entsprechend kommunizieren. Sag den Nachbarn höflich (alles andere bestätigt nämlich nur das Bild des Listenhalteer-Prototypen, der alle Leute anprollt, so wie Deine Bemerkung mit der Erziehung sicherlich eh schon rübergekommen ist beim Nachbarn!!), daß Du den Hund noch nicht lange hast, daß Du derzeit daran arbeitest, ihn zu erziehen und in den Griff zu kriegen, daß Du zum Trainer gehst (und mach das auch wirklich!). Und vor allem: tu alles, um Situationen, wo Du denen (und auch unterwegs Leuten mit Kindern oder Hunden, solange Du die Situation noch nicht einschätzen kannst) begegnest, zu deeskalieren. Sprich: Maulkorb IMMER draußen, dann den Hund, sobald die in der Nähe sind, zu Dir rannehmen, kommen sie Dir entgegen, setz den Hund hinter Dir zum Zaun hin ab, sodaß Du dazwischen stehst, und der Hund nicht an die Leute geschweige denn Kinder rankommt. Gemeinschaftsgarten - darauf würde ich verzichten, lieber draußen Gassi gehen. Oder, wenn Du mal in nem umzäunten Grundstück üben mußt, vorher den Nachbarn kurz Bescheid geben, daß Du für ne Viertelstunde im Garten trainierst mit Trainer, und sie bitten, in der Zeit den eigenen Hund dort nicht reinzulassen, aus Sicherheitsgründen. Zeig ihnen, daß Du Dir Gedanken um die Sicherheit der Kinder und des Welpen machst, daß Du selbst bemüht bist, Risiken zu vermeiden und das Problem in den Griff zu kriegen!
Mit Leute anmaulen hat noch keiner Verständnis bekommen.... Und wenn die NOCH so Unrecht hätten mit ihrem Gemecker - Du bleibst freundlich, höflich, zuvorkommend. Entschuldigst Dich, wenn der Hund zu dicht an sie rankommt, weil Du grad net aufgepaßt hast o.ä. - als Listenhundbesitzer stehst Du immer im Mittelpunkt der Beobachtung durch die Menschen. Jeder wartet nur darauf, daß Du einen Fehler machst, daß der Hund irgendwie reagiert. Jedes Knurren, weil er Abstand einfordert, wird als Aggression gedeutet, etc. Umso mehr bist Du in der Pflicht, Dir keinen Fehler zu leisten - nicht nur, damit es keine weiteren Verschärfungen der Gesetzgebung gibt, weil Du Dir als Halter der Verantwortung nicht bewußt bist und leichtfertig den Hund ohne Leine laufen läßt, sondern auch Deinem eigenen Hund und nicht zuletzt Dir selbst zuliebe - damit er bei Dir bleiben kann, und nicht in einen schlechten Ruf kommt, sodaß jeder nen Bogen um Euch macht, wenn er Euch sieht. Damit machst Du Euch das Leben nur noch schwerer.
Wenn Du nicht alleine wohnst, schick Deinen Partner o.ä. vor, wenn Du an der Haustüre des Nachbarn vorbeikommst, der kann Dich warnen, wenn dort die Türe aufsteht, oder denen sagen, Achtung, Du kommst mit Deinem Hund vorbei, macht kurz die Tür zu o.ä. - einfach, damit der Welpe nicht mehr in Eure Nähe gelassen wird. Oder teil den Nachbarn Deine Gassizeiten o.ä. mit, damit die sich darauf verlassen können, daß der Hund jeden Tag zur gleichen Zeit durchs Haus geht, und sie sich in der Zeit zurückziehen können mit den Kindern und dem eigenen Hund - irgendwie muß sich das doch lösen lassen, Ihr seid doch erwachsene Leute...
Ich weiß, daß das doof ist, und finde die ganze "Kampf"hund-Diskussion immer zum K.... - aber andererseits, woher kommt´s denn? Weil einige Wenige mit ihrer Verantwortung als Hundehalter nicht umgehen konnten/können und die Tiere entsprechend in Verruf gebracht haben. Und dazu gehört auch, einen Listenhund, den man noch nicht so gut kennt, ohne Leine in der Öffentlichkeit laufen zu lassen oder Kinder an ihn ranzulassen, wenn man noch nicht weiß, wie er darauf reagiert. Man muß doch einen neuen Hund auch selbst erst mal kennenlernen, bevor man weiß, wie der in welcher Situation tickt.... Du bist mit Listenhund grundsätzlich erstmal in der Defensive - leider..... Aber nachdem das so ist, muß man sich entsprechend verhalten.
Fuß wird halt dann erstmal daheim und in umzäuntem Gelände geübt, und wenn der Welpe (oder ein anderer Hund) unterwegs her kommt, nimmt man den eigenen Hund und bleibt z.B. nicht stehen, sodaß er den Welpen auch noch fixieren und angreifen kann, sondern gibt Kommando WEITER, oder sagt "NEIN - komm mit!" (also Abbruch und Alternative bieten), und kehrt um/macht nen Bogen, oder man stellt sich vor den Hund und blockt den Welpen oder bittet den Nachbarn, den kurz wegzunehmen, damit Ihr durch könnt, damit der Kleine dann wieder ungefährdet laufen kann. Da muß man halt mal reagieren. Aber immer höflich.
Und als Auftakt kannst Dich gleich mal bei denen entschuldigen, denn auch wenn Du mit dem Erziehen Recht hast: die Frau hat ja nach Deiner eigenene Aussage hier schon dem Kind gesagt, daß es vorm Hund nicht rennen soll - sie erzieht es also schon in die richtige Richtung. Aber Kinder sind genausowenig perfekt wie offenbar Dein Hund - den Nachbarn mußt Du auch Zeit geben für die Erziehung.....
Und letztlich: ja, es ist doof, sich immer korrekt benehmen zu müssen und tausendprozentig aufzupassen - aber die "Kampf"hund-Diskussion gibt´s ja nicht erst seit heute, und ich gehe davon aus, daß Du wußtest, was Du Dir mit Deiner Auswahl für Probleme an Land ziehen kannst....
Also: nix wie hin zu einem guten Trainer (wo wohnst Du, hier geben Dir sicherlich einige Leute gerne Tips, wer gut ist in Deiner Umgebung), arbeite dran, zeig den Nachbarn, daß Du gewillt bist, die Verantwortung zu übernehmen dafür, daß von Deinem Hund keine Gefahr ausgehen kann. Wer keine Angriffsfläche bietet, dem kann auch keiner ans Bein pinkeln! Am besten, Du arbeitest auf irgendeine Prüfung hin, Begleithundeprüfung o.ä., um nachzuweisen, daß Du den Hund im Alltag "im Griff" hast - Wesenstest wirst ja eh machen müssen, schätze ich. Je mehr Prüfungen, desto besser kannst Du Dich wehren, wenn einer irgendwelches Zeugs über den Hund erzählt.