Zitat
........ ja es wäre toll wenn du mir Tips geben könntest, ich möchte ja nicht das sie komplett den Jagd Trieb verliert es ist schließlich ein Hund, aber ich möchte das wenn es noch einmal passieren sollte Abbricht wenn ich es sage. ....
Ok Du wolltest es nicht anders *gg, jetzt kriegst den ganzen Roman. Ich hatte sowas hier im Forum schonmal geschrieben, aber keine Ahnung, wo - ist schon ein paar Jahre her. Wenn ich´s gefunden hätte, hätt ich Dir einfach nen Link dahin geschickt. Jetzt aktuell hab ich in nem anderen Forum nochmal meine Erfahrungen zusammengefaßt, und daher schreib ich jetzt net alles neu, sondern kopiere es hier rein und ändere es etwas. Ist aber mein Text, also keine Rechte verletzt oder so!
Ich spare mir heute die Absätze, sonst zieht sich der Artikel über 3 Seiten, aber die wichtigsten Punkte sind fett, dann ist´s etwas übersichtlicher.
Bitteschön:
Allen Tips voran: entspannt spazierengehen und dabei mit dem Handy spielen wirst Du bei einem Jagdhund/jagenden Hund nie können - schmink Dir das ab..... Wenn Du nämlich mit den falschen Vorstellungen ans Training gehst, wirst Du eine Enttäuschung nach der anderen erleben.
Trotzdem ist es schon zu schaffen, relativ entspannt spazierengehen zu können. Aber ein bisserl vorsichtiger und mit dem Kopf mehr beim Hund als bei nichtjagenden Hunden. Und je mehr Erfolg Ihr zusammen haben werdet, desto größer wird das Vertrauen zum Hund werden (können) - aber ohne dabei leichtsinnig zu werden. Und: es kann dauern, das geht nicht von heute auf morgen, es kann Rückfälle geben. Aber aus jedem lernt man selbst....
Also:
- generell für impulsive Hunde keine (nur wenig) aufputschenden Spiele unterwegs (Zerren, Balli o.ä. max. als kurze Bestätigung oder für Impulskontroll-Training, d.h., nicht wild hetzen lassen, sondern nur nach Deiner Freigabe apportieren o.ä.), eher ruhige Sachen. Je aufgedrehter der Hund eh schon ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß der das Adrenalin bei nächstbester Gelegenheit durch Hetzen abzubauen versucht, die warten dann regelrecht auf ein Rascheln im Gebüsch.....
- generell den Radius um Dich herum verringern - je näher der Hund, desto größer Deine Chance, verbal einwirken zu können, ohne daß der Hund das nicht mehr wahrnimmt und Dich ausblendet (machst ja schon über die Schlepp, max. Radius ist die Schlepp-Länge, damit Du auf die noch drauftreten kannst)
- Hund gut beobachten und lesen lernen. Geht die Nase hoch, scannt er den Waldrand, ist er heute eher "gechillt", oder eher hibbelig, weil länger nicht ausgelastet? Danach entscheiden, wie weit er weg darf, oder ob er mit oder ohne Leine gehen darf an diesem Tag/in dieser Gegend etc. und danach richtet es sich auch, wie aufmerksam Du bist, ob Du alleine gehst mit dem hund oder Dir ne Gassirunde mit Plausch "erlauben" kannst.
- Spazierengehen dort, wo Du weißt, daß es nicht zu gefährlich ist. Waldrand in der Dämmerung ohne Leine - geht halt erstmal net..... Feldwege: besser, wenn abgeerntet. Ansonsten evtl. gemähte Wiesen - wo man halt sieht, ob was drauf "rumsteht". (viel begangene Hundewege oder Parks sind toll - da hält sich auch kaum Wild auf!)
- Rückruftraining wie blöd, bis Du´s nimmer hören kannst *gg Erst daheim im Garten, dann unterwegs ohne, mit wenig, mit etwas mehr Ablenkung etc. Ziel: Rückruf aus dem Spiel/Rennen und schließlich Hetzen. (ok, Letzteres ist ECHT schwer.... *gg und die "hohe Schule" - das klappt net von heut auf morgen; und bei uns bisher gar nicht, da bin ich ehrlich. Dann muß ich halt schneller reagieren und das Hetzen verhindern. Aber Rückruf von der Spur klappt inzwischen problemlos! *stolzbin....)
- finde heraus, was für Deinen Hund DIE ultimative Bestätigung ist. Ein Stückchen rennen? Streicheln vom Fraule? Nach ner Maus buddeln dürfen? Ein Stück rennen mit Dir? Körperliche Bewegung ist z.B. DIE Möglichkeit überhaupt, angesammelte Spannung (Adrenalin nach Wildsicht) wieder loszuwerden, und den Hund runterzukriegen. Jeder gelungene Abruf oder auch Abbruch wird bestätigt - Abruf mit Super-Bestätigung, Abbruch bei uns nur mit verbalem Lob (Superleckerli gäb´s da nur, wenn er´s gar net erst versucht hätte): "Sooo ist fein weiter!" oder sowas halt.
- Adrenalin verbleibt recht lange im Körper - heute Wildsicht, dann einige Tage besonders aufpassen, da sind sie extrem aufmerksam unterwegs und "anfällig" dafür, beim kleinsten Geräusch im Gebüsch zu verschwinden.
- eine Auslastung suchen - die würde ich beim einem jagenden Hund immer im Nasenbereich ansiedeln - Fährtensuche, Mantrailing, Zielobjektsuche, Geruchsunterscheidungs-Spielchen (Letzteres geht auch daheim bei "Bäh-Wetter".) u.v.m. Das regelmäßig lastet mehr aus als ne Stunde Spaziergang. Nachdenken bei solchen Aufgaben macht müde. Und wenns nur Leckerli suchen ist, die Du vorher auf ner Wiese verstreust, oder daheim in der Wohnung versteckst (unterm Teppich, hinter der Türe, in nem Körbchen im Flur am Boden etc.etc.)
- Das Buch von Pia Gröning, Anti-Jagd-Training, ist klasse! Hab ich viele Tips von umgesetzt oder in angepaßter Form ausprobiert. Ist nicht teuer, schön lesbar. Und verspricht nichts, was es nicht halten kann.
- Zum Jagen: auch Vögel jagen ist jagen und fördert das Aufgedrehtsein und führt zu Adrenalinausschüttung.
- Ich nehme immer unterwegs in gefährlichen Gebieten ein Spieli und Leckerli mit - erhöht die Bereitschaft, zurückzukommen. Aber ne Runde rennen als Belohnung (z.B.) brauchst nichtmal einzupacken, die hast immer bereit.
- Mach zwischendurch immer wieder mal was Spannendes unterwegs mit dem Hund: er wird sich dann besser an Dir orientieren, weil es könnte ja was bei Dir passieren. Buddel mit ihm nach ner Maus, spiel mit ihr, laß ihn was apportieren etc. Finde also auch heraus, was er gerne macht unterwegs. Und wenns Knuddeln ist, wird halt ab und an geknuddelt. Oder gib ihm ne Aufgabe unterwegs (Schlüssel suchen lassen o.ä.), die ihn beschäftigt: solang er den Schlüssel im Kopf hat, hat er kein Wild im Kopf... Natürlich nicht permanent bespielen, aber schon so, daß der Hund merkt, bei Dir ist immer mal wieder ne Kleinigkeit angesagt, ne kurze Spaßrunde, sodaß er gern bei Dir bleibt und gerne zurückkommt.
- besorg Dir ne Pfeife, und konditionier den Rückruf mittels Pfeife. Ich hab ne richtig laute Schiedsrichterpfeife - wenn die in Aktion tritt, reißt´s den Großen regelrecht, und er kehrt zu mir um im Schweinsgalopp. Die Pfeife ist lauter, schriller, in ihrem Ton schwingt kein Ärger mit wie evtl. in der Stimme beim 3. Rufen, nachdem man 2x umsonst gerufen hat. Bei uns funktioniert der Abruf mit Pfeife auf weitaus größere Entfernung als der verbale Abruf.
- wenn Du mit ihm arbeitest, laß ihn erst ne Runde toben und rennen. Erste Energie weg, dann ist der Kopf frei, um sich zu konzentrieren auf Dich und Deine Kommandos.
- Daheim: viel Spielen/knuddeln/Körperkontakt für die Bindung. Je besser die Bindung, desto eher wird der Rückruf befolgt, desto weniger weit geht der Hund, desto mehr achtet er unterwegs auf Dich (wie bei den Spielen unterwegs!) - solange er darauf achtet, wo Du bist, sieht er das Reh da vorne am Waldrand erst später; das gibt Dir die Chance, einzugreifen, ihn unauffällig zurückzurufen, abzulenken oder anzuleinen.
- erstmal vorwiegend alleine spazierengehen, bis das alles zufriedenstellend klappt. Wenn ich mit ner Gruppe spazierengehe, passe ich oft nicht auf den Hund auf, und schwupps, isser irgendwo im Gebüsch. Und wenn er erstmal am Rennen ist, weil er nen Hasen hochgemacht hat, ist es (bei meinem) aus. Dann kannst nur noch Kaffee kochen, und warten, bis er wiederkommt...
- Immer Augen auf, damit Du Wild o.ä. schneller siehst als er. Wenn der Boden z.B. extrem frisch durchgewühlt aussieht - nicht laufen lassen: Wildschweine unterwegs.....
- Brut- und Setzzeit: grundsätzlich Leine außerorts. Aber das gilt ja für alle unsere Jäger.....
- Abbruchkommando etablieren. Das gibt´s bei mir schon, wenn der Hund nach dem Waldrand spechtet "Laß das!" oder ein warnendes "EY! Hier spielt die Musik!". Oder wenn er auf der Spur ist, wird er abgerufen. Geiert er nach nem Hasen oder so in der Nähe: "Nein, weiter!" Nicht erst die Zeit geben, das Tier zu fixieren und sich hochzudrehen, sondern gleich abbrechen und Alternativverhalten (bei uns eben das WEITER) abfordern. Das Abbruchkommando natürlich auch erst daheim einüben, dann beim Gassigang, wenn er grad an ner Stelle schnuppern will, geben und weitergehen. So daß er das WEITER eben mit Weitergehen verknüpft. Net stehenbleiben und von ihm WEITER fordern, das kann er ja nicht verstehen.
- Sollte Hundi doch mal schaffen, abzuhauen:
- - warten, bis er zurückkommt - meiner hat bisher noch immer die Stelle gefunden, an der er abgehauen war. Auch wenn man am Liebsten suchen gehen oder hinterherrennen möchte (dabei bin ich mal in nem Naturschutzgebiet fast im Sumpf versunken; ein Bein war komplett drin, das andere hat zum Glück auf dem morschen Ast Halt gefunden! Und ich war alleine unterwegs..... Sowas ist also nicht ungefährlich!): der Hund kommt zurück, und Du bist dann weg..... Evtl. nach ner Weile mal kurz rufen, falls er 20 Meter weiter rechts oder links oder hinten wieder rauskommt, daß er Dich dann hört, aber net dauernd Standortmeldung geben (Gedanke Hund: "ich höre sie noch, kann beruhigt weiterlaufen", das gibt ihm also Sicherheit, weiterzumachen)
- - Halsband oder Anhänger mit Name und Telefonnummer drauf - und zwar die Deines (im Idealfall auch aufgeladenen *gg) Handies, das Du auch immer dabei hast. Mein Großer ist mir 2x abgehauen, als das Handy daheim am Aufladen war..... Da hilft das Halsband dann auch nimmer....
- - Ist Hundi wieder da: nienicht schimpfen/fluchen/den Hund erwürgen wollen ;-) Freuen, daß er da ist, loben, anleinen - und gib ihm was zu Trinken; der hat beim Hetzen Schwerstarbeit geleistet....
- - Künftig an dieser Stelle extrem aufpassen - Wild hat gerne feste Wechsel, und der Hund merkt sich so ne Stelle, an der er so viel Spaß hatte, definitiv recht lange!
- - umgehend (während Du wartest) Tierheim/Polizei (wenn nachts), umliegende Tierärzte o.ä. informieren. Bei uns ist die Polizei die Stelle, wo meist die Hunde gemeldet werden bei nem Fund, oder wenn sie abhanden gekommen sind. Weil die halt immer im Dienst sind. Zum TA wäre mein erster Gang mit Fundhund, wegen Chip-Auslesen. Und Tierheim ist ja auch naheliegend, wenn wer nen Hund findet... Wenn Du einen guten Kontakt zu dem Jäger hast, dem das Gebiet "gehört", kannst auch den informieren, falls er grad unterwegs ist und ihn findet/sieht, mit der Bitte darum, die Augen aufzuhalten.
Als meiner abhanden gekommen war, kam er jedesmal wieder:
- einmal an den Parkplatz, von dem aus wir spazierengegangen waren (ich war weggefahren, um meine Tochter zum Suchen zu Hilfe zu holen; am Rückweg zum Parkplatz kam er uns in Richtung Heimat entgegen - auf der Bundesstraße galoppierend!),
- einmal wurde er im Hundeverein in 50 Meter Luftlinie Entfernung eingefangen (die kannten mich von der BH her, die wir dort gemacht hatten, und haben mich dann angerufen),
- einmal blieb er im engen Umkreis (er hatte auf dem Rückweg ne Katzenspur in einer Gartenanlage verfolgen wollen von ner Katze, die er auf dem Gassi-Hinweg dort hat reingehen sehen! Dort in den Gärten hatte er sich dann verlaufen.), da hat Zweithund geholfen, zu suchen, ich hab die bellen lassen, er hat geantwortet.... ;-) Dann konnte ich ihn orten und rausholen (alles abgesperrt, mußte übern Zaun).
- und beim ersten Mal war er einfach zu irgendwelchen Kaninchen in einen fremden Garten gerannt (Halsband war zu weit gestellt), dort konnt ich ihn dann rauslocken, nachdem er gemerkt hatte, er kommt net ran (*puh....*schwitz...), das war am ersten Morgen, nachdem ich ihn geholt hatte ;-) Noch null Bindung, Rückruf, was ist das - juhu..... ;-)
So - und jetzt viel Spaß beim Ausprobieren. Ein paar Sachen hast vielleicht schon getestet, aber da mußt echt lange dranbleiben.... Geht nicht von heute auf morgen.