Zitat
Du wirst lachen.
Aber manchmal habe ich solche seltsamen Gedanken.
Ich habe mich schon gefragt, ob wir diesen Griechen und Spaniern
immer was Gutes tun, wenn wir sie hierher holen.
Wir meinen es ja nur gut.
Aber wäre ein stolzer Kreter wie Jimmy nicht glücklicher, frei und
ungebunden auf der Strasse. In einem Rudel.
Klar, hätte er ab und an mal einen Fusstritt oder einen Steinwurf
auszuhalten. Hunger wäre auch ein Thema. Und auch Durst.
Aber er wäre er.
Echt und unverfälscht.
Selbstbestimmt.
-Frei!
Ist es immer gut, was wir tun?
Ja, solche Gedanken habe ich auch schon gehabt.
Und ich weiss keine richtige Antwort.
Aber es ist nun mal, wie es ist.
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Ach weißt du Patrick, so schwarz hab ich das alles gar nicht gesehen
Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass Jimmy und Véro es verdammt gut bei euch haben. Und das ist der Knackpunkt: Manchmal vielleicht etwas zu gut? Ich möchte euch keine falsche Tierliebe unterstellen, nichts läge mir ferner, ich versuche mal, das Ganze an einem Beispiel zu erklären:
Jeder Hund braucht Erziehung, so wie auch jedes Kind Erziehung braucht. Die wenigsten Kinder gehen gern in die Schule. Wenn sie dann groß sind, ist es gut, dass sie irgendwann mal Lesen und Schreiben gelernt haben, weil es ihnen im Leben Türen öffnet.
Meine Eltern haben mir irgendwann beigebracht, mit Messer und Gabel zu essen. Wenns nach mir gegangen wäre, hätte ich mich vermutlich lieber noch etwas füttern lassen oder mit den Händen gegessen. Aber nur, weil ich das gelernt habe, kann man heute (ich hoffe es zumindest) mit mir essen gehen, ohne sich meiner Tischmanieren schämen zu müssen.
Und so ist es auch bei Jimmy. Mag sein, dass ihm manchmal nicht passt, dass etwas so und so gehandhabt wird. Mag sein, dass er es doof findet, wenn er sich mal einen "Anschiss" einfängt. Aber für mich ist Fakt, dass man solche Privilegien wie Freilauf nur genießen kann, wenn man gehorcht. Je besser die Erziehung, umso größer die Freiheiten, die man genießen darf. Und da denke ich, kann man ansetzen: Du sagst selbst, dass du oft zu nachlässig bist. Was wäre, wenn meine Eltern sich nicht durchgesetzt hätten, dass ich mich bei Tisch zu benehmen weiß? Wäre das wirklich schöner für mich, wenn ich bei jedem Familienessen daheim bleiben müsste, weil ich nie gelernt habe, was Tischmanieren sind? Nein, innerhalb von kürzester Zeit würde ich mich ärgern, dass mir das verwehrt bliebe und würde mich ärgern, dass meine Eltern nicht hartnäckiger gewesen sind. Der Jimmy kann vielleicht nicht verknüpfen, dass es vielleicht euer "Fehler" ist, dass ihr zu nachgiebig wart, aber du kannst es. Und nur du kannst es besser machen. So viel dazu. 
Das Thema Konzentration:
Da hätte ich eine Frage an dich: Was macht Jimmy denn, wenn er abgeleint ist und ihr gewisse Unterordnungsübungen mit ihm macht. Und was ist, wenn ihr Jimmy abruft, bevor er tolle Spuren entdeckt?
Ich kann hier (wieder mal) nur von meinem eigenen Hund sprechen. Auch wenn Maja kein Jagdproblem hat, so kann ich ja mal erzählen, was bei ihr das Thema Aufmerksamkeit ist. Ob das in Bezug auf Jimmy ähnlich ist, weiß ich nicht.
Bei Maja ist es so, dass ich mit ihr nicht so einfach "schlendern" kann, wenn wir spazierengehen. Das geht vielleicht einen Tag lang gut. Und dann fängt sie an, Kommandos meinerseits zu "überhören". Das kann ja auch mal gefährlich werden. Ich muss in jedem Spaziergang immer wieder Unterordnung mit ihr machen. Nicht in Übungseinheiten, sondern unerwartet. Der Hund schnüffelt? Okay, Frauchen fordert ein Sitz, Platz oder Steh aus der Bewegung und auf Distanz. Der Hund visiert einen anderen Hund an? Okay, der Hund wird ins "Bei mir" gerufen und muss dort bleiben, bis ich sie freigebe. Ich muss sie jeden Tag bei jedem Spaziergang immer wieder daran erinnern, was sie soll und dass ich meine Kommandos so meine. Ich habe es in den letzten Tagen etwas schleifen lassen. Die Quittung habe ich sofort bekommen. Plötzlich meint mein Hund, man könne erst noch zu Ende schnuppern, bis man kommt. Plötzlich ist Madame der festen Überzeugung, dass man "Bei mir" und "Bei mir" ja auch völlig unterschiedlich auslegen kann und dass man genausogut einfach zu anderen Hunden hinstürmen kann. Ach, und Fuß laufen war ja das mit dem 5 Meter vor dir oder hinter dir, oder Frauchen?
Maja würde mir auf der Nase rumtanzen, wenn ich sie ließe. Ich lasse sie aber nicht. Weil ich ihr ihren Freilauf gönne. Den Freilauf kann es aber nur geben, wenn man kommt, wenn man gerufen wird und wenn man an Frauchens Seite bleibt, wenn jmd. entgegenkommt.
Also sehen unsere Spaziergänge ständig so aus, dass ich irgendwas einfordere. So ist sie immer mit einem halben Ohr bei mir, auch und gerade im Freilauf. Und dieses halbe Ohr kann Gold wert sein, wenn sie mal auf eine Straße zurennt oder so...
Ach keine Ahnung, vielleicht quassel ich auch einfach nur Mist und mache es mir zu einfach, indem ich die Methoden meines Hundes auf euren zu übertragen versuche. Aber vielleicht ist es ja einen Versuch wert, wie gesagt, ich kenne Jimmy nicht und weiß nicht, wie er reagiert im Freilauf, wenn man ihn nicht einfach nur "machen" lässt, sondern zusieht, dass er immer ein halbes Ohr bei euch hat. ICh finde dieses "Umgucken" vielleicht sogar einen Ansatz wert, zu überlegen, ob man nicht einfach das mal belohnt. Habt ihr das mal versucht? Er guckt und ihr fangt das auf, indem ihr das clickert oder jubelt oder was auch immer. Nicht erst versuchen, ihn dann zu sich zu rufen, weil er sich ja dann dagegen entscheidet. Aber wenn in dem Moment, wo er sich nochmal umdreht, bei euch die Party steigt, könnte es sein, dass er darauf reagiert? Auch nur so ein fixer Gedanke meinerseits...
Ist glaub ich schon wieder viel Text geworden, sorry...
Liebe Grüße, Henrike