Ich bin letztens in einem anderen Forum mit der Frage konfrontiert worden, ob es nicht etwas dekadent sei, in Anbetracht der Tatsache, wie viel Leid es auf der Welt gibt, solche Unsummen für hochwertiges Hundefutter auszugeben.
Meine persönliche Einstellung dazu: Ist es dann nciht überhaupt dekadent, einen Hund zu haben? Müsste man dann nicht alles an einsparbaren Ausgaben auch tatsächlich einsparen?
Wo liegt der Unterschied zwischen teuren OPs, teurem Hundefutter, teuren Hundetrainern usw. Unsere Hunde kosten alle Geld. Geld, das bei Kindern in der dritten Welt vielleicht auch benötigt werden könnte.
Du bemängelst, dass wir tausende Euronen ausgeben für einen kranken Hund, wo andere Menschen nichtmal eine medizinische Grundversorgung haben. Deine Hunde werden doch auch gesund ernährt, oder? Das kostet je nach deinen Fleischquellen nicht wahnsinnig viel, aber wie rechtfertigst du, dass deine Hunde jeden Abend Fleisch im Napf haben und wohlgenährt sind, während anderswo Menschen hungern und unterernährt sind? Sind da keine moralischen Bedenken?
Und ja, die Entscheidung, dass ein Hund, wenn er bei mir lebt, auch ein gutes Leben führt, mit der notwenigen tierärztlichen Behandlung, mit dem richtigen Futter usw., statt dafür Kinder in der dritten Welt zu retten, die habe ich wohl bewusst getroffen. Das kann ich nun auch ganz ehrlich so krass sagen, auch wenn es dem ein oder anderen wohl die Sprache verschlagen wird ob solcher Unverfrorenheit und Herzlosigkeit. Aber eigentlich haben wir alle so entschieden.
Wäre es besser, meinem Hund diese Dinge zu verwehren? Ich glaube, damit hätte ich ein noch größeres moralisches Problem, was vielleicht daran liegen mag, dass mein Hund mich jahrelang begleitet, dass er mir ans Herz gewachsen ist und ich ihm. Er versüßt mir jeden Tag das Leben und ich würde es nicht übers Herz bringen so viel Treue zu enttäuschen und mit Füßen zu treten, um meinen inneren moralischen Konflikt, ob das Geld nciht anderswo besser aufgehoben wäre, zu besänftigen. Das ist vielleicht auch ein Problem: Vor dem Elend weit weg kann man besser die Augen verschließen, das kann man besser ausblenden, als wenn der Hund das Elend in Reinform ist und man es vor Augen hat.
Aber die Frage, ob ich meinen Hund leiden ließe, um das Geld anderswo einzusetzen, stellt sich mir nciht, auch nicht mit moralischen Bedenken. Das Einzige, was man sich dann überlegen müsste, wäre für mich wirklich, ob dann nicht "immer" eingespart werden müsste und es gar keinen Hund geben dürfte.
Henrike