Ich würde einen Panikhund i m m e r an der Schleppleine führen. Genauer gesagt: in jeder Situation, in der du sie später ohne Leine laufen lassen möchtest.
Wenn du sie rufst und sie nicht hört, gibst du einen kurzen Ruckimpuls, so dass sie auf dich aufmerksam wird. An der SL muss der Hund deshalb immer mit Geschirr laufen.
Später lässt du die Schlepp schleifen und trittst bei Bedarf drauf oder nimmst sie auf.
Bei einem sehr ängstlichen Hund, würde ich erwägen, ihn abholen zu gehen (statt Impulsruck). Und dann kommentarlos an der "Gefahrenstelle" vorbei gehen. Erst loben, wenn der Hund sich dir zuwendet oder sich sichtlich entspannt.
Bei meinem Hund hat ein ermunternder Tonfall auch geholfen, sie etwas zu ermutigen (nicht als Lob, eher als ein Anstacheln).
Der Vorteil mit der ständigen Schlepp ist auch, dass du den Hund und sein Verhalten sehr genau kennen lernst, weil er sich ja frei bewegen kann. So bekommst du sehr genau mit, auf was er locker, auf was er panisch reagiert.
Mein ultimativer Buchtipp für Angsthunde:
"Trau nie einem Fremden!: Angstbedingtes Verhalten bei Hunden erkennen und beheben"
von Patricia B. McConnell
EUR 6.90
Hier wird ein Angstabbau-Training sehr verständlich und praxisnah beschrieben.
Ich schrieb ja schon in dem anderen Thread:
Das Problem ist, dass der Hund kein anderes Verhalten lernen kann, wenn er sich durch Flucht erfolgreich aus der Situation befreien kann. Dann ist das sein Verhalten der Wahl. Erst wenn er lernt, sich mit Situationen auseinanderzusetzen, wird er ein größeres Verhaltensrepertoire entwickeln.
Deshalb ist es - ähnlich wie beim Jagen - wichtig, dass der Hund keinen Erfolg bei der Flucht hat (von der Gefährdung, die durch das Weglaufen entstehen kann, ganz abgesehen).
Weiterer positiver Effekt: Er ist mit der Schlepp mit dir in Verbindung und kann die Erfahrung machen, dass es in deiner Nähe sicher(er) ist. Das stärkt sein Vertrauen in dich und die Bindung!
Bei uns waren es 8 Monate permanente Schleppleine und jetzt läuft der Hund zu 95 % frei. Auch Verkehrssicherheit lässt sich super mit Schlepp trainieren! (Über den Kommentaren von anderen, warum der Hund ne 10 m Leine hinter sich herzieht, muss man freilich drüber stehen
)
Wenn der Hund "nicht bestechlich" ist, seht er vermutlich noch zu sehr unter Stress. Akuter Stress/Panik drängt alles andere in den Hintergrund, auch den Futtertrieb.
Beobachte deinen Hund, ob er statt Leckerli auf verbaltes Lob oder Streicheln positiv reagiert (ggf. ist ihm auch das zu viel).
Wichtig ist: Ganz viel Ruhe und Souveränität ausstrahlen, damit der Hund sich an dir orientieren kann/mag.
(Mir hat geholfen, dass ich mir selbst gesagt habe, dass die Situation ungefährlich ist - um nicht auf der Angst des Hundes mitzuschwingen, die kann ja durchaus "ansteckend" wirken.)
Sinkt der Stress, wird der Hund vermutlich Leckerli annehmen (was dann auch ein Indikator ist, dass der Hund nicht mehr in der totalen Panik ist).
Bei meiner hat es 4 Wo gedauert.