Ich finde die Betonung der Rasseeigenschaften wichtig, wenn ein Hundehalteranfänger nach einer geeigneten Rasse sucht, denn viele Google Ergebnisse fördern noch immer rosa angepinselte Rasseportraits zutage
. Ich finde aber auch, dass wir hier im DF durchaus gefährdet sind in die Betonung der - ich nenne es mal komplizierter zu händelnen Rasseeigenschaften - zu kippen. Versteht dies bitte nicht als Vorwurf, ich als fast durchgehend aktive DFlerin seit 2005, meine mich damit durchaus auch selbst.
Hand aufs Herz, wie viele von uns haben mit wenig Hundesachverstand und auch durchaus blauäugig dem ersten(!) Hund ein Zuhause gegeben und sind gemeinsam mit ihm in die Rolle des Hundehalters reingewachsen? Was ich damit sagen will, es ist richtig und wichtig kritisch zu hinterfragen - es ist aber über das Ziel hinausgeschossen ein Horrorszenario nach dem anderen auszumalen, wenn das Lebensumfeld und Aufgabengebiet nicht mindstens 90% und mehr zur Rasse passt.
Ja, Rassehunde haben Rasseeigenschaften und genau so soll es sein. Hunde sind aber auch Opportunisten, die durchaus ihre Fähnchen in die richtige Windrichtung hängen und zudem sehr anpassungsfähig sind. Deswegen, und nur deswegen spielen sie in der Geschichte an der Seite des Menschen eine so grosse, tragende Rolle. Wenn die Rasseauswahl nicht ein kompletter Griff ins Klo ist - ja kommt leider auch zu oft vor, und das wird sich niemals ändern - reicht es in der Regel wenn Rasseeigenschaften und das Leben/Umfeld des Halters generell kompatibel ist. Die richtige Rasseauswahl ist meines Erachtens nämlich nur ein Aspekt. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren wichtigen - nämlich die Geisteshaltung und Bereitschaft des Halters es passend zu machen. Dazu gehört aneignen von Fachwissen, Annahme von Hilfe - egal ob professionell oder privat, stetige Bereitschaft dazu zu lernen, Bereitschaft Gelerntes zu überdenken und ggfs. zu ändern. Der Mensch ist doch nicht doof sondern lernfähig, ebenso der Hund.
Zumal man sein Leben nicht 12 Jahre und mehr vorausplanen kann. Ich brauche euch da nichts zu erklären. Wir alle können alle unerhofft und plötzlich in Lebenssituationen kommen die alles andere als ideal sind für den ursprünglich ausgewählten Hund und Rasse. Und dann? Richtig - dann wird es passend gemacht. So läuft das Leben.
Also Rasseeigenschaften berücksichtigen - JA. Dabei zu übertreiben und Ratsuchenden madig zu reden - NEIN.
Ich finde es reicht eine "auf keinen Fall diese Rasseeigenschaften" Liste, eine "muss unbedingt vorhanden sein Rasseeigenschaften" Liste und alles dazwischen erarbeite ich mir gemeinsam mit meinem Hund und finde Lösungen mit denen beide gut leben können.