Ich für meinen Teil wäre damals bei einer "Beratung" bezüglich Ersthund auch ein ganzes Stückweit beratungsresistent gewesen. Das ist nichts wofür ich mir auf die Schulter klopfe, ganz sicher nicht, aber ich brauche mir da auch nicht selbst in die Tasche lügen.
Ich war 16, wollte einen großen Hund und es sollte ein deutscher Schäferhund werden. Es war 1993 und es ist einer aus einem Schweriner Wildwurf geworden. Vater ehemaliger Grenzschutzhund und von den Bildern her tendenziell LZ, Mutter HZ. Der Wurf ist in einem Aussenzwinger gehalten worden und stand bis zu den Knöcheln im eigenen Kot/Dreck. Schlimmer geht es kaum!
Puh, hier im DF wäre ich Stand heute virtuell auseinander genommen worden. Zu recht! Wenn ich hier sowas lesen würde, würde ich vom Kopfschütteln Schleudertrauma bekommen. Aber ich hätte den Welpen trotzdem mitgenommen, da brauche ich mir gar nichts vorzumachen. Jugendlicher Trotz, haben wollen, ich schaffe alles Größenwahn, etc.
Warum ist es gut gegangen? Weil ich die Motivation, Verantwortungsbewusstsein und die Ambition hatte dass es gut geht, und alles Notwendige dafür getan habe. Ich hatte selbst kein Geld und meine Eltern waren nicht bereit Geld auszugeben für Hundetraining. Also stand ich mehrmals die Woche am Zaun eines SV und habe zugesehen, bis die Mitglieder sich meiner erbarmt haben und unter ihre Fittiche genommen.
Das ist kein Plädoyer für unüberlegte und sehr dumme Beweggründe einen Hund aus dubioser Quelle zu holen, plus ohne Vorstellung von den Rasseeigenschaften des Wunschhundes zu haben. Ich möchte einfach nur gerne daran erinnern, dass es hier bestimmt viele User gibt, deren Weg zum ersten Hund alles andere als optimal war, wo es sehr schlimm hätte ausgehen können, es aber nicht ist. Einfach weil die Bereitschaft und Verantwortungsbewusstsein da war es passend zu machen, auch wenn es bestimmt oft nicht einfach war. Ich habe das Gefühl, das hier anderen Menschen (die man gar nicht kennt) bereits nach wenigen Beiträgen oftmals die Bereitschaft abgesprochen wird der Verantwortung und Pflichten als Hundehalter nachzukommen wenn es schwierig wird, insbesondere wenn man sich naiv und ungeschickt ausdrückt.
Ich rede hier explizit nicht von Extremen á la Malinois im 3OG eines 24Parteinen Hauses in Citylage, weil man gerne joggt und eine eingezäunte Hundewiese vor der Tür hat. Aber machen wir uns nichts vor, schon die Formulierung "Hund sollte keinen Jagdtrieb haben, kinderlieb sein, das Grundstück nicht verlassen, nicht haaren, nicht aggressiv sein und frei laufen können" beschert einigen schon Stresspickel
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Mein Wunsch fürs nächste Jahr ist vielmehr, bevor man schreibt, selbst zu reflektieren ob das was man jetzt schreiben will wirklich das Teilen von Wissen und Erfahrung ist, oder nicht vielleicht doch schon Richtung Belehrung und Übergriffigkeit geht - oder auch nur das ablassen von Frust. Und sich vielleicht auch zurückzunehmen, wenn einem selbst die Erfahrung mit dieser Rasse/Problemstellung fehlt.