Ich finde es grundsätzlich gut, wenn jemand hier fragt: "Glaubt ihr, das ein Hund bei mir einziehen sollte? Welche Art von Hund würde denn passen?".
Wenn derjenige dann alle Antworten analysiert, wird er eine Tendenz feststellen. Einige raten ab, andere raten zu, es gibt Rassetipps und Verhaltenstipps. Die Antworten spiegeln doch in der Regel die eigenen Erfahrung der Antwortenden wider.
Aber es gibt fast immer auch die "Missionare", die nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Und wehe, es überwiegen die Antworten, die dieser Meinung entgegen stehen. Dann muss der Missionar nochmal reinhauen.... und leider nicht immer auf freundliche Art.
Wir sind hier kein Kuschelverein, auch wenn wir es mit pelzigen Zeitgenossen zu tun haben. Aber in der Regel wird auch die Netiquette eingehalten, auch wenn es immer mal Ausrutscher gibt.
Ich (meine persönliche Meinung!) sehe ein Forum als Möglichkeit, mehrere Aspekte einer Sache abzuchecken. Ich stelle hier keine Frage, nur um eine bestimmte Antwort zu bekommen, die ich mir (ohne Forum) sowieso schon selbst gegeben habe. Ich fragen, um Denkanstösse zu bekommen, um meine möglicherweise einspurige Denkweise in andere Bahnen zu lenken.
Ich halte nichts davon, in bezug auf Hundehaltung das Prinzip "Trial and Error" anzuwenden, was ja in vielen anderen Lebenssituationen durchaus hilfreich sein kann. Eine Entscheidung für einen Hund ist aber etwas anderes als für ein Auto oder ein Sofa. Ein Lebewesen ist beteiligt, das - auch wenn einige das immer noch nicht glauben - Gefühle hat. So ein Lebewesen kann nicht einfach hin und her geschubst werden. Man kann es nicht einfach mal "zum Ausprobieren" für eine bestimmte Zeit mit nach Hause nehmen, um dann festzustellen, das es "nicht funktioniert".
Gerade junge Leute, die vielleicht gerade mal aus dem Elternhaus mit all seiner Geborgenheit und Fürsorge ausgezogen sind, wünschen sich oft den Hund, den sie als Kind nie bekommen haben, weil die Eltern nicht die Verantwortung übernehmen wollten (oder auch einfach keine Lust hatten, ihre Zeit- und Lebensplanung von einem Vierbeiner abhängig zu machen). Dann werden Hunde angeschafft - während des Studiums klappt es ja auch meistens noch. Dann kommen Praktika oder Jobs - und auf einmal ist man nicht mehr stundenweise von zuhause abwesend sondern von morgens 7 bis abends 7 - und hat dann noch nicht einmal eingekauft oder die Wohnung in bewohnbaren Zustand gebracht. Und dann soll man noch 2 - 3 Stunden täglich für den Hund erübrigen? Klar, es gibt Hundesitter, Hundetagesstätten - aber hat man sich einen Hund zugelegt, um ihn morgens abzugeben und abends wieder abzuholen?
Genau diese Gedanken werden aber oft gar nicht gedacht oder zur Seite geschubst. Hier werden diese Gedanken von anderen wieder ans Tageslicht geholt. Und das ist wichtig!
Wenn der Fragende dann alle Informationen ignoriert, sich doch mit 20 Jahren und ohne gesicherte Zukunft den Rottweilerwelpen in die WG holt und 4 Jahre später mit dem ausgewachsenen Hund keine Wohnung am Arbeitsort findet ist das Geschrei gross. "Warum hat mir niemand etwas gesagt? Warum hat mich niemand davon abgehalten?"
Alles, was ich hier schreibe ist meine persönliche Meinung, gewachsen aus meiner eigenen Erfahrung. Ich habe mir auch mit 25 einen Hund gewünscht und keinen angeschafft. Auch mit 30 und 40 nicht. Einfach weil die Lebensumstände nicht gepasst haben und ein Hund bei uns nicht die Lebensweise gehabt hätte, die er verdient hat. Ich hatte lange und unregelmässige Arbeitszeiten, war auf kurzfristig geplanten Geschäftsreisen. Mein Mann war ebenfalls berufstätig und auch seine Arbeitszeiten waren oft nicht genau planbar. Wir hatten ein gemeinsames Hobby, das Turniertanzen, für das wir uns die Trainingszeit auch oft abknappsen mussten (oft spät abends und nahezu jedes Wochenende).
Nachdem mein Mann mehrere Gänge zurückgeschaltet hatte (Altersteilzeit mit 20 Stunden) und ich durch eine berufliche Veränderung auch ganz andere Zeiten hatte kam erst das Thema Hund wieder auf den Tisch.
Und nach dem, was wir mit unserer Leika erlebt haben und immer noch erleben war das die einzig richtige Entscheidung, denn neben ihr bleibt wenig Zeit für andere zeitintensive Hobbies.
Ich wünsche mir, dass die Leute, die hier fragen "bin ich für die Hundehaltung geeignet?" wirklich lange und intensiv nachdenken und so viele Aspekte wie möglich in Betracht ziehen, bevor sich für eine Rasse entschieden ein Hund angeschafft wird.
Gruss
Gudrun