Andererseits
entstanden über gezielte Zuchtauswahl
Linien, welche sich durch herabgesetzte
Schmerzempfindlichkeit, vermindertes Drohverhalten
vor dem Angriff und bedingungsloses
Festhalten, also durch eine einmal in
Gang gesetzte, im wahrsten Sinne verbissene
Wehrhaftigkeit auszeichnen.
Rassen, die auch oder ausschliesslich für den
Hundekampf gezüchtet wurden, sind der Bull
Terrier, der Staffordshire Bull Terrier und später
der American Pit Bull Terrier. Der American
Staffordshire Terrier ist in Amerika als Nachfahre
der von Auswanderern mitgeführten
Bull-and-Terrier entstanden und diente neben
dem Kampf hauptsächlich dem Schutz der
Farmen.
Fachleute gehen heute davon aus, dass solches
Verhalten gegenüber Artgenossen auf
erblich bedingt eingeschränkte Lernfähigkeit
für soziale Signale zurückzuführen ist. Spezielle
Fähigkeiten oder Eigenschaften müssen
nicht durch einen Zusatz, sondern können
ganz im Gegenteil durch ein Fehlen bestimmter
genetischer Information zustande kommen.
Für die Stufe der Haushunde als hoch entwickelte,
soziale Säugetiere sind Brutpflegeverhalten
und die Fähigkeit, auf das Verhalten
von Artgenossen eingehen zu lernen, typische
Merkmale und wichtige Anpassungsprozesse.
Fallen solche Verhaltensweisen bei einzelnen
Zuchtlinien auch unter günstigen Lernbedingungen
weg, kann das nichts anderes bedeuten
als einen Verlust an wertvollen erblichen
Voraussetzungen für diese Eigenschaften.
Verloren gegangenes Erbmaterial kann nicht
durch noch so gute Sozialisation wettgemacht
werden, wenn es als Grundlage für diese Entwicklungsschritte
fehlt. Der Genpool der
Kampfhunderassen gründet von Anfang an
auf aggressiven, kampferprobten Hunden
und wurde durch züchterische Selektion über
lange Zeit weiter in diese Richtung eingeengt.
Ob auch andere Hunderassen, insbesondere
einige Jagdhunde, ähnliche Defekte in ihrem
Erbgut aufweisen, ist nicht ausgeschlossen
und müsste sorgfältig erforscht werden.