Die Diskussion hier zeigt anschaulich, warum jede wissenschaftliche Diskussion immer mit einer Begriffsklärung anfängt. Um sich auseinanderzusetzen, muss man dieselbe Sprache sprechen und sich auf gültige Definitionen festlegen.
"Rudel" = wölfischer Familienverband kann natürlich nicht die soziale Struktur sein, in der der Hund lebt. Schlicht und einfach, weil der Mensch die Sozialstruktur, in der der Hund lebt, bestimmt - und nicht der Hund. Es gibt keine freie Partnerwahl, keine Abwanderung, keine Fortpflanzung, keine Familienstruktur, keine kooperative Jagd usw. - also auch kein Rudel.
Das ist voll und ganz im Interesse des Menschen, denn würden unsere Hunde in einer festen Rudelstruktur leben, wäre kein Platz mehr für die enge Beziehung zum Menschen, die die Zusammenarbeit Mensch-Hund ja erst ermöglicht.
Die Ausgangsfrage, die diese Diskussion angeregt hat, war aber: braucht der Hund das Zusammenleben mit Artgenossen, oder genügen ihm gelegentliche Kontakte.
Diese Frage ist absolut nicht beantwortet - nur weil das Zusammenleben mit Artgenossen nicht gleich Rudelbildung ist, heisst das noch lange nicht, dass der Hund das Zusammenleben mit Artgenossen nicht dem Zusammenleben nur mit dem Sozialpartner Mensch vorzöge.
Das dürfte extrem individuell sein und von der jeweiligen Konstellation abhängen.
Empirische Daten dazu gibt es nicht. Nur Einzelbeobachtungen und Erfahrungswerte. Außerdem dürfte ein Blick auch das Zuchtziel, das bei der Entstehen einer Rasse zugrundelag, durchaus einleuchten. Eine Rasse, die für die Verwendung in einer Gruppe gezüchtet wurde (Meutehunde, Schlittenhunde) hat vermutlich andere Anlagen als eine Rasse, die für die Verwendung als Einzelhund gezüchtet wurde.