Hi,
meine derzeit älteste Hündin hatte Anaplasmose. Und das zu einem Zeitpunkt als diese "Teilchen" noch den Ehrlichien zugezählt wurden, genauer vor 5,5 Jahren, als man dazu noch so gut wie gar nichts wusste.
Mittwoch abends waren wir noch beim Agi-Training und ich hatte mich darüber gefreut, wie toll sie inzwischen läuft, schnell sicher einfach toll. Donnerstag abends hatte sie Fieber. Freitag mittags begannen die ZNS-Störungen - schwankender Gang, Manegebewegungen, dann ataktischer Gang, Schwanken und Zittern im Stand. Unsere TÄ tippte auf Hirnhautentzündung (zum Glück, war es auch, ausgelöst durch die Anaplasmen) und behandelte dementsprechend. Allerdings verschlechterte sich ihr Zustand über's Wochenende weiter. Samstags konnte sie nur noch mit Hilfe stehen. Im Sitzen schwankte sie auch. Gehen war zwar noch möglich, aber nur mit einem extrem hektischen, trippelnden völlig ataktischen Gang. Sonntags kippte sie bereits im Sitzen um. Gehen war nur noch mit Stützen möglich und auch das nur ..... na ja, nicht wirklich. Und Montag morgen ging gar nichts mehr. Völlige Lähmung der Gliedmassen.
Unsere TÄ schickte uns damals nach Bern in die Neurologie. Die Werte vom Labor waren noch unterwegs. Bis wir in Bern ankamen, waren die Werte schon durchgefaxt (über 350 km Fahrt bei Schneesturm). Die Berner waren der Meinung, das sei ggf. ein Tumor, aber ganz sicher keine Ehrlichiose (stand zur Debatte, da E. canis grenzwertig war). Nun ja, tumoröse Entartung konnte nicht nachgewiesen werden. Sie bekam dann über 3 Wochen hochdosiert ein Antibiotikum und mehrere Monate Cortison um die Auswirkungen der Hirnhautentzündung einzudämmen. Nach Beginn der Cortison-Medikation gingen die Lähmungen innerhalb von 1-2 Tagen soweit zurück, dass sie wieder gehen konnte. Zwar nur mit Unterstützung - Gang entsprach einem Menschen bei Windstärke 12 oder 2 Promille oder so. Bis sie wieder "richtig" gehen konnte dauerte es mehrere Wochen. Wobei Folgeschäden zurückgeblieben sind - ihr Gang ist ataktisch geblieben, sie hat Koordinationsprobleme in der Hinterhand, stolpert leicht, schiebt im Stand die Hinterhand unter den Körper um das Gleichgewicht besser halten zu können, nimmt man bsp. ein Hinterbein hoch, so dass sie nur auf dem zweiten Hinterbein steht (vorne logischerweise auch) fängt sie an zu schwanken. Sie hat lange Zeit Probleme mit Kopfschmerzen gehabt - so etwa 1x die Woche zeigte sie ein Verhalten wie ein Mensch, der Migräne hat - suchte abgedunkelte, ruhige Räume auf und war selbst mit Leckerlie und weiss der Geier was sonst tollem nicht zu bewegen, auf Spaziergänge etc. mitzugehen.
Mit zunehmendem Abstand zur akuten Erkrankung ging es ihr dann immer besser. Sie konnte auch die neurologischen und motorischen Ausfälle im Bewegungsapparat sehr gut kompensieren. Wer nicht wusste, was ihr alles "fehlt", hätte sich schon sehr gut auskennen müssen, um zu sehen, dass mit ihrem Gang was nicht wirklich in Ordnung ist. Inzwischen ist sie 11 Jahre alt und jetzt kommen halt die ganzen Alterswehwehchen, die durch ihr Handicap noch verstärkt werden.
Viele Grüße
Cindy