Hallo Heike,
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vielen Dank. Deinen Ausführungen entnehme ich, dass du vom Fach sein musst?
na ja, ich habe Tiermedizin studiert, arbeite aber nicht in der Praxis.
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Nach seinen Aussagen hat die Gabe von Cortison ebenso wie die Bestrahlung sowie die Aufenthalte in den Kliniken keinerlei negativen Einfluss auf unseren Hund.
Erfahrungsgemäß haben die wenigsten Hunde längerfristig Probleme mit Klinikaufenthalten.
Betonung auf "die wenigsten".
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Ich kann mir dies beim besten Willen nicht vorstellen, zumal ich gesehen habe, wie verstört unser Rocky jeweils war, als wir ihn abgeholt haben.
wie gesagt, idR ist das eine kurzfristige Geschichte. Wobei die Hundehalter idR auch häufig mehr in das Verhalten der Hunde reininterpretieren als da wirklich ist.
Wegen des Cortisons würde ich mir keine Gedanken machen. Wie eine Bekannte, die selbst Tierheilpraktikerin ist, mal so klar und deutlich sagte: "es gibt eine Zeit für Homöopathie und es gibt eine Zeit für andere, härtere Medikamente wie Cortison usw., wo die Homöopathie eben nichts mehr ausrichten kann, ausser unterstützend für die harten Medikamente zu wirken".
Und die Bestrahlungen. Nun ja, die sind darauf ausgelegt, schnell teilende Zellen, sprich Tumorzellen, zu zerstören.
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Vielleicht bin ich im Moment ein wenig überempfindlich, aber er muss sich doch vorstellen können, dass es für den Hund und uns wichtig war, wieder zusammen zu sein?
Schon. Aber als behandelnder Arzt sieht man das Ganze idR von einer anderen Seite. Viel objektiver.
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Auch ist er mir zu wenig bzw. garnicht auf die negativen Seiten der ganzen Problematik eingegangen.
Ich hatte eher das Gefühl er redet alles schön und möchte uns unbedingt zu allen möglichen Dingen überreden.
Ich hatte auf alle Fälle ein ganz schlechtes Bauchgefühl dabei.
Bei meiner Hündin damals war es eher umgekehrt. Oder vielleicht auch nicht. Genaugenommen hat der TA uns die Möglichkeiten aufgezählt und klar gesagt, was Sache ist.
Möglichkeit 1 - sofort einschläfern
Möglichkeit 2 - da sie zu dem damals aktuellen Zeitpunkt in einer Phase der Kompensation war und mit den Ausfällen zumindest nach aussen hin recht gut zurechtkam, abwarten bis wieder ein Schub kommt und dann einschläfern (wofür wir uns letztendlich auch entschieden haben)
Möglichkeit 3 - Operation und Bestrahlung - Überlebenschance der OP knapp 50%, Tendenz sinkend. Bestrahlung über mehrere Wochen alle 3 Tage mit Narkose usw.
Klar, Narkoserisiko besteht. Bei einem derart kranken Hund ist das noch deutlich erhöht. Dazu kommt die Belastung der Fahrten. Ich weiss nicht, wie weit ihr von der entsprechenden Klinik zur Bestrahlung entfernt wohnt. Bei uns wären es ein Weg 300-400 km gewesen, die einzige Möglichkeit damals wäre nämlich Zürich in der Schweiz gewesen. Na ja - Alle drei Tage mal eben 600-800 km, dazu Narkose, dazu Bestrahlung ..... das IST eine enorme Belastung. Selbst für einen gesunden Hund wäre die Strecke Autofahrt ne Belastung gewesen. Für einen schwerstkranken Hund sowieso.
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Ich glaube hierin liegt das grösste Problem, denn man fühlt sich als Nichtfachfreu doch sehr in eine Ecke gedrängt. Vielleicht kannst du dies nachvollziehen?
Kann ich nachvollziehen. Die älteste meiner derzeit 3 Hündinnen hatte vor 5,5 Jahren eine Hirnhautentzündung. Wie sich hinterher herausstellte aufgrund einer Anaplasmen-Infektion. Da meine ehemalige Chefin meinte, der Fall sei eine Nummer für sie, schickte sie uns auch wieder zu Spezialisten für Neurologie. Nun, der Fach-TA meinte, seiner Meinung nach sei das Ganze ein mulifokales, tumoröses Geschehen und das Beste wäre, die Kleine sofort einschläfern zu lassen. Wir hatten über mehrere Stunden immer wieder darüber debattiert. V.a. weil ich mich weigerte, die Zustimmung zu geben. Nun, ich hatte den Vorteil, dass ich nicht ganz ahnungslos war. Und demzufolge ganz klar gesagt habe, ich würde sofort zustimmen, wenn die Diagnose gesichert wäre. Durch CT, durch Nachweis von Tumorzellen im Liquor, ...... irgendwas. Tja. CT war zu dem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb, der Spezialist für Liquor-Untersuchungen war auf Fortbildung und erst 2 Tage später wieder in der Klinik, ..... . Als es von Seiten des Fach-TAs in die Schiene "der arme Hund, Leiden, Tierquälerei, .... " ging, kam ich mir auch ziemlich in die Ecke gedrängt vor. Andererseits hatte ich während und nach meinem Studium eines gelernt, wenn nicht alles total hoffnungslos ist, sollte man dem Tier eine Chance geben.
Und was soll ich sagen, die Kleine hat diese Chance genutzt. Sie wird diesen Monat 11 Jahre alt und ist fitter als manch "gesunder" Hund in dem Alter. Wobei sie auch diverse Ausfallserscheinungen beibehalten hat. Aber die fallen nicht so sonderlich auf. Zumindest nicht einem Laien. Sie hat einen ataktischen Gang, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen in der Hinterhand, was sich jetzt mit zunehmendem Alter verstärkt.
Viele Grüße
Cindy