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Nur weil jemand in einem Forum eine Frage zur Erziehung stellt kann man denjenigen doch nicht als unwissend darstellen
ach Saskia, weisst Du, wenn jemand schreibt "wie gewöhne ich meinem Hund das ziehen ab", dann wäre eigentlich die korrekte Antwort "genau umgekehrt wie du es ihm antrainiert hast".
Nichts anderes. Jemandem, der nachfragen muss, wie er einem Hund das Ziehen abgewöhnt, über's Internet erklären zu wollen, wie er korrekt mit nem Halti arbeitet ...... ist etwa genauso unsinnig, wie jemandem über's Internet zu erklären, wie er seinen Hund korrekt durch einen speziellen Agi-Parcours führen soll oder warum an welcher Stelle nun der Fehler passiert ist.
Das Problem dabei ist das SEHEN. Man SIEHT nicht, was geschieht. Man kann jemandem sehr wohl erklären, WIE man bsp. ein Halti auftrainiert, wie man damit arbeitet. Die rein TECHNISCHE Seite. Aber ob das, was dann auf der anderen Seite ankommt, auch so verstanden wird, wie man es gemeint hat ......
Und die Fehler liegen nur zu häufig im Detail.
Mal ein kleines Beispiel, jetzt nicht Leinenführigkeit, sondern Stubenreinheit.
Familie mit Welpe. Sie machen das, was ihnen empfohlen wird, gehen mit Welpi regelmässig raus, setzen ihn draussen ins Gras, loben ihn überschwenglich, wenn Welpi draussen mal gepieselt hat. Und doch passiert immer wieder im Haus ein Malheur. Und das, obwohl sie immer öfter rausgehen. Oh, sie achten auf die ersten Anzeichen, schnappen sich Klein Welpi und stehen draussen auch 10-15 min in der Gegend rum .... nix. Keine 10 min wieder im Haus, Welpi pieselt ....
So, jetzt versuch mal, über's Netz herauszufinden, warum der Welpi draussen nicht gepieselt hat, sondern erst wieder im Haus.
Und das ist jetzt nur ein wirklich leichtes Beispiel.
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Es gibt eben Menschen die sich weiter bilden möchten und hoffen dadurch auf neue Tipps und neue Methoden zu stoßen auf die sie vielleicht selbst noch nicht gekommen sind.
Ja, aber nur theoretische Weiterbildung reicht nicht. Nicht wenn man ernsthaft was erreichen will. Man muss sich auch praktisch weiterbilden. Soll heissen, nicht selbst rumwurschteln, sondern sich bsp. den Umgang mit einem Hilfsmittel in der Praxis von einem versierten Trainer zeigen lassen.
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Ich habe das Gefühl manche hier waren einfach noch nie an einem Punkt an dem sie nicht mehr weiter wussten.
Oh doch meine Liebe. Mehr als einmal. Wenn Du mal soweit bist, dass Du heulend im Gelände stehst, mit den Nerven völlig am Ende bist, weil Du nicht weisst, wie Du diesen völlig panischen Hund, der vor allem und jedem , einschliesslich Dir selbst, davon läuft, wieder zu Dir her bekommst .....
wenn Du mal soweit bist, dass Du dir überlegst, den Hund abzugeben, weil Du weisst, dass Du selbst nicht in der Lage bist, mit diesem Hund zu arbeiten .....
und wenn Du es dann allen Unkenrufen ("mit dem Hund wirst Du nie eine BH-Prüfung ablegen können, so Panik wie die vor Menschen hat" - sie hat immerhin ne O1 bestanden, "mit dem Hund brauchst Du gar nicht weiter Agi zu trainieren, das wird nie was werden (sie hatte sich vor Panik vor dem Trainer im Tunnel verkrochen)" - 11 Monate später lief sie ihr erstes Turnier, und das mit V) zum Trotz nach JAHREN doch geschafft hast .... wenn Leute, die den Hund von früher her kennen sagen "Wahnsinn, wie die sich verändert hat" ....
wenn ein Hund, der dermassen Angst vor Fremden hat, dass er sich pieselnd auf den Boden legt, sich aus Halsbändern und Geschirren rauswindet, notfalls auch schnappt, sich in einen Hund verwandelt hat, der freudig auf andere Menschen, sogar Fremde, zugeht, sie anstubst um gestreichelt zu werden, sich an Fremde sogar regelrecht randrückt .....
DANN denke ich schon, dass derjenige doch ein klitzekleines bischen Erfahrung gesammelt hat. Ein bischen, nur wenig, klar, aber vielleicht doch eben so ein kleines Stückchen.
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Und ich finde es alles andere als schlimm wenn man einfach mal nicht mehr weiter weiß.
Wenn man einfach mal nicht mehr weiter weiss, dann ist das nicht schlimm. Das zuzugeben ist ehrlich und erfordert einiges an Mut.
ABER! dann auf Ratschläge im Internet hin einfach weiterzuwurschteln ist mE der grösste Fehler. DANN sollte man sich jemanden holen, der einen mal im Umgang mit dem Hund beobachtet, der die kleinen Details, die vielleicht eben gerade das Problem noch verstärken, erkennt. Denn vielfach sind es eben die Details, die eben das Problem verstärken.
Beispiel: Ein HF, der bei mir trainierte, konnte aus beruflichen Gründen längere Zeit nicht ins Training kommen. Die Aufgabe war klar: er soll mit seinem Hund u.a. apportieren üben. Vorgang genau beschrieben. Die einzelnen Übungsschritte genau durchgesprochen.
Tja, aber dieser :zensur: Hund hat das Apportel einfach nicht halten wollen. Positive Bestärkung gut und schön, aber dieses :motzschild: :motz: wollte einfach nicht kapieren, dass das Apportel nicht gleich wieder ausgespukt wird. Alle Erklärungen, Diskussionen usw. per Mail (also letztendlich nix anderes als das hier, mit dem Unterschied, dass wir uns persönlich kannten) brachte keine Besserung. Über Wochen.
Beim ersten gemeinsamen Training nach mehreren Monaten war der Fehler, den der HF gemacht hatte, sofort klar. TIMING - der HF hatte immer einen Tick zu spät geclickt, nämlich dann, wenn Hund schon am Ausspucken des Apportels war. Ich dachte mir so was schon. Aber auf dezente Andeutungen kam nur ein "nein nein, mache ich nicht".
1.5 Wochen später hat dieser Hund das Apportel zu 99% sicher gehalten.
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Aber ein Hund der nicht weiß was zu tun ist leidet und ich weiß nicht was so schlimm daran sein soll dem Hund mit einem Hilfsmittel zu zeigen was verlangt wird.
Warum leidet ein Hund, der nicht weiss, was zu tun ist?
Es ist nicht Aufgabe unserer Hunde, zu wissen, was sie tun sollen. Es ist Aufgabe von uns Menschen, unseren Hunden beizubringen, was von ihnen erwartet wird.
Und das auf eine Weise, dass Hund eben NICHT leidet.
Und ganz ehrlich, wenn Du schon schreibst, wer 10 Jahre lang versucht, nach einer Methode auszubilden und es nicht fertig bekommt .... der hat 10 Jahre lang massiv was falsch gemacht. Oder auch nur 5 oder .... .
Ist einfach so. Entweder waren die Anforderungen für den Hund zu hoch, zu unverständlich, das Timing von Bestätigung oder ggf. Korrektur falsch, ....
Und genau DAS ist wieder das Problem über's Internet. Man sagt einem Unerfahrenen, Unwissenden (und ja, jemand, der nicht weiss, wie er seinem Hund das Ziehen an der Leine abgewöhnt, ist in dem Fall unwissend zu diesem Thema, auch wenn Du diese Einstellung als arrogant betrachtest, diese Einstellung beruht auch auf Erfahrung, in dem Fall auf Erfahrung über Jahre als Trainer und Ausbilder) "mach das so und so" und dann erwartet man, dass das explizit so funktioniert??????
Neee, denn dazu, wie schon geschrieben, .... die DETAILS. Die kleinen Dinge, die erst mal für einen Erfolg sorgen wie richtiges Timing, richtiges Verhalten in unvorhergesehenen Situationen, der Umgang mit plötzlich auftretenden Problemen, mit unbekannten Verhaltensweisen, ..... .
All das sind Punkte, wo ein Unerfahrender sich Rat bei jemandem suchen sollte, der Ahnung hat und auch SIEHT was derjenige macht. Und nicht einfach Patentrezepte über's I-net weitergeben.
Und zum Schluß, weil Du meintest ...
nein, ich weiss nicht, WAS Du bei deinem Hund falsch gemacht hast. Aber wenn nach 5,5 Jahren keine Besserung eingetreten ist, ist klar, DASS etwas falsch gelaufen ist. WAS falsch gelaufen ist weiss ich nicht. Aber eines weiss ich (auch Einstellungssache, meinetwegen auch Arroganz) - der HUND macht keinen Fehler. Wir Menschen sind diejenigen, die unseren Hunden zeigen müssen, wie sie sich in unsere Umwelt einpassen können und sollen. Also liegt es an UNS, unseren Hunden deutlich zu machen, was WIR von ihnen wollen. Und wenn das nicht funktioniert, liegt es NICHT am Hund.