Björn
Der Unterschied zwischen den Nutztierzuchten und der Hundezucht ist, dass Erstere idR ziemlich genau Bescheid wissen, was sie tun.
Aber zumindest bei den Uckermärkern war nicht in erster Linie das Entstehen einer neuen Rasse für die Kreuzungen entscheidend.
Bei den Schafen kenne ich mich nicht aus, interessieren mich auch nicht sonderlich.
Aber ganz sicher ging nicht mal eben Bauer X her und beschloss, seine Charolais-Kuh mit dem Fleckvieh-Bullen von Bauer Y besamen zu lassen.
Wenn ich mich nicht irre, war auch nicht das vorrangige Ziel, eine neue Rasse zu schaffen. Auch wenn die Uckermärker Mitte der 90er dann doch als solche anerkannt wurden.
Ziel war vordergründig, eine Fleischlinie aufzubauen, um diese mit Kühen des Milchtyps zu verpaaren.
Soweit ich weiss, wurde diese Kreuzung erst dann gezielt untereinander weiterverpaart, als sich zeigte, dass die Nachkommen hervorragende Fleischleistungen mit guter Abkalbeleistung brachten. Und diese Leistungen auch in den folgenden Generationen erhalten blieben.
Soll heissen, hier entstehen neue Rassen aus reinen Gebrauchskreuzungen mit ziemlich fest umrissenen Zuchtzielen. Und dahinter stehen ganze Institutionen, Genossenschaften, Hybrid-Zuchtprogramme usw. mit Biologen, Agraringenieuren, Fachtierärzten für Tierzucht und Vererbungslehre und und und.
Wo bitte ist das Zuchtziel bei einem der typischen Designer Dogs?
Die "Doodle"-Mischlinge vereinen die charakterlichen Eigenschaften ihrer Ausgangsrassen in sich. Was weiter nicht tragisch ist, da die Eigenschaften recht ähnlich sind. Äusserlich, nun ja, da sind sie nach wie vor "Wundertüten". V.a. was die vielgerühmten "hypoallergenen" Eigenschaften anbelangt.
Also stellt sich mir die Frage, WO liegt das Zuchtziel?
Das nächste Problem ist, dass der Trend zum Designer Dog immer stärker wird. Klar, für die Produzenten ist es ein Einfaches. Man mixe einfach zwei Ausgangsrassen, verpasse der Mischung einen exklusiven Namen, gründe schnell mal noch nen Verband, dass das mit den Papieren auch ganz offiziell aussieht und Bingo - fertig ist die neue "Rasse".
Bei den Doodle-Mischlingen mag das ja noch halbwegs funktionieren, da hier zumindest von den Eigenschaften her absehbar ist, was rauskommt. Wie gesagt - KEIN Erfolg der Doodle-Produzenten, sondern der Züchter der Ausgangsrassen.
Aber wie sieht es bei anderen Mischungen aus?
Wo bitte ist das Zuchtziel bei einem Aussie-JRT-Mischling?????????
Australian Shepherd - Hütehund mit Schutztrieb drin
JRT - selbständig arbeitender Jagdhund mit Raubzeugschärfe
für WEN will man eine derartige Mischung auf den Markt werfen?
Für Leute mit Hüteambitionen? - schätze mal, da wird Corinna noch was dazu sagen, aber ich selbst würde, selbst als Laie, nicht mal im Traum daran denken, mir so einen Hund zum Hüten zu kaufen. V.a. weil man als Welpe ja nicht weiss, welche Eigenschaften nun wirklich zum Tragen kommen
Für Leute mit jagdlichen Ambitionen? - dito
Für Leute, die Ambitionen sowohl Richtung Jagd als auch Richtung Hüten haben? - ähm???? gibt es so was überhaupt?
OK, ich weiss, dass in den USA einige GPs rumlaufen, die sowohl Jagdleistungsprüfungen als auch Herding Instinct Tests haben. Gibt's also wohl tatsächlich. Aber für die paar Hanseln, die so was just for fun machen, eine derartige Mischung zu kreieren????
Für Leute, die sportliche Ambitionen haben? - seien wir ehrlich, wer ernsthafte sportliche Ambitionen hat, kauft sich keinen Mischling.
Als Familienhund??????
BTW - ja ich bin durchaus der MEinung, dass der Eurasier einer der ersten Designer Dogs überhaupt ist. Und wenn man es genau nimmt, braucht man ihn nicht. Vielleicht kenne ich mich mit diesen Rassen nicht so aus, aber ich sehe bsp. schon mal rein äusserlich keinen grossen Unterschied zwischen Eurasier, Chow-Chow, Samojede und Wolfspitz/Grosspitz.
Inwieweit hier eklatante charakterliche Unterschiede vorliegen, weiss ich nicht. Diejenigen Hunde dieser Rassen, die ich bisher kennengelernt habe, unterschieden sich zumindest in meinen Augen von ihren charakterlichen Eigenschaften her nicht sonderlich. Insofern würde ich sagen, dass die Zucht des Eurasiers tatsächlich eigentlich nicht notwendig gewesen wäre.
Was den Krohmfohrländer betrifft, kenne ich mich ja nun gar nicht aus. Sage dazu dann auch nichts. Aber mich würde auch hier interessieren, welches Zuchtziel erreicht werden sollte, was mit den zuvor vorhandenen Rassen nicht abgedeckt wurde.