Denn genau damit findet auch unbewusst weiterhin eine Anspielung auf "Andersartigkeit" statt. Und im Kern geht es genau darum, dass nicht zu sein. Man ist gleich!!! Und so möchte man behandelt werden. Je mehr man rumeiert, sich die Worte genau zurecht legt um politisch ja korrekt zu bleiben, umso mehr stößt den Leuten das auf. Denn dadurch schenkt man einem Aspekt Beachtung, der gar keine Relevanz mehr haben sollte und dennoch rücken wir ihn unbewusst immer mehr in den Fokus.
Finde ich spannend, weil Menschen ja genau nicht gleich sind, sondern ganz in Gegenteil jeder Mensch ist individuell einzigartig. Was aber so sein sollte ist, dass jeder Mensch gleich viel Wert ist und entsprechend behandelt wird. Solange man Wörter rein zu Unterscheidung ohne Wertung in Gut/Böse verwendet ist erstmal auch nix bei, doof ist es nur wenn dabei Wörter verwendet werden die eine bestimmte "Eigenschaft" mitbringen. Ein Beispiel mit Haarfarben: komme ich irgendwo an einer Gruppe Frauen vorbei, von diesen hat nur eine Frau blonde Haare und ich will meiner Begleitung sagen, dass ich die Schuhe dieser blonden Frau ganz toll finde, komme ich nicht weiter wenn ich sage ich finde die Schuhe der Frau mit den 2 Ohren toll, die Haarfarbe ist nunmal ein herausstechendes Merkmal, wenn die anderen dunkle Haare haben. Sage ich, oh, schau mal die Schuhe der Blondine, kann das die Frau schon wieder abwerten, weil Blondine ja leider oft mit "hübsch aber doof" in Verbingun gebracht wird.
Oder sehe ich das komplett falsch?
Finde ich ein gutes Beispiel :)
Ich würde in so einem Fall einfach Bezug auf die Schuhe nehmen.
"Schau mal, die blauen / roten / lilanen / wie auch immer finde ich schön."
Ich finde man sieht hier schon sehr gut diese Gratwanderung, wenn man sich mit dem Thema auseinander setzt.
"Schau mal die Schuhe von der blonden Dame." hat für mich eine andere Konnotation als "Schau mal die Schuhe von der Blondine."
Einfach weil Blondine als Begriff innerhalb der Gesellschaft so negativ konnotiert ist.
Aber das ist jetzt wirklich päpstlicher als der Papst, ich finde es nur sehr spannend mit mit solchen Dingen auseinander zu setzen.
Ich tu mir auch schwer mit Dingen wie "Wir haben das schon immer so genannt und wenn jemand ein Problem damit hat ist es seines, in meiner Welt ist das nicht negativ gemeint."
Um es einmal komplett zu überzeichnen:
Wenn ich in einer dysfunktionalen Familie aufwachse, in der "blöde Arschkrampe" ein gängiger, liebevoller Kosename ist kann ich trotzdem nicht durch die Welt spazieren und alle so nennen, weil für mich ist es ja ein liebevoller Kosenamen.
Oder anders: kann ich schon, aber ich muss dann halt mit den Konsequenzen leben, dass andere das nicht toll finden.
Ich für mich sehe das einfach so: ich möchte in einer Welt leben, in der sich alle gewertschätzt und respektiert fühlen, denn ich möchte mich auch in der Gesellschaft gewertschätzt und respektiert fühlen.
Und das fängt nun einmal damit an, das ich über meine eigene Bequemlichkeit springe und damit anfange.
Denn das ist keine Einbahnstraße und jeder kann einen kleinen Teil dazu beitragen, die Welt für alle besser zu machen.